Mittwoch, 29. April 2026

Zeichen pflastern seinen Weg

 

Er sah aus wie ein Türsteher, der im Lotto gewonnen hatte. Die Rolex passte nicht zu ihm, auch der Brilli im Schneidezahn wirkte völlig übertrieben. Er setzte sich an meinen Tisch und sah mich an.

„Sie haben Kaczmareks Audi aus dem Kanal gezogen.“

„Und?“

„Kaczmarek saß noch drin. Hatte ein paar unschöne Löcher in der Karosserie.“

„Wo wohnt der?“

„Kaczmarek?“

„Nein, der Typ.“

„Welcher Typ?“

„Der Typ, den das interessiert.“

„Ich habe schon gehört, dass du eine Nervensäge bist. Aber jetzt würde ich dir am liebsten gleich deine dämliche Hackfresse polieren.“

Er hatte Fäuste wie Heuballen, war ungefähr zwei Meter zehn groß und genauso breit. Sein Anzug sah aus, als hätte man ihn aus dem Stoff einer Zeltplane genäht. Aber ein guter Bluff gehört zum Geschäft.

„Und ich habe gehört, dass du ein besonderes Talent hast: auf dem Bahnhofsklo Schwänze lutschen.“

„Hör zu, du kleine Arschkrampe. Notaufnahme-Günter schickt mich. Er will wissen, ob du mit der Sache zu tun hast. Kacmarek hat ihm noch zehntausend Steine geschuldet.“

Ein etwas sperriger Spitzname, aber wer sich mit Günter anlegte, landete eben häufig in der Notaufnahme. Er hatte als Cowboy auf einer Avocado-Farm in der Uckermark gearbeitet und dann in Rixdorf einen illegalen Spielsalon eröffnet.

Die Kellnerin brachte meinen doppelten Espresso, er bestellte sich einen Screwdriver.

„Mein ayurvedischer Wellnesstempel ‚Mein inneres Ich‘ in Zehlendorf läuft richtig gut. Ehefrauen mit zu viel Zeit und zu viel Geld – ein todsicheres Geschäft. Ich habe es nicht nötig, mich in Günters Angelegenheiten zu mischen.“

Er grinste und zeigte mir die Pistole in seinem Schulterhalfter. „Guter Witz. Aber so leicht wirst du mich nicht los, Bonetti.“

Währenddessen hatte ich meine Waffe unter dem Tisch durchgeladen und zielte auf seine Eingeweide. Er hörte das metallische Klicken und wurde kreidebleich.

„Wenn du heute Abend noch an deinen Eiern rumspielen willst, gehst du jetzt besser. Ich heiße nicht Bonetti. Ich bin jemand, den du gar nicht kennen willst.“

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