Samstag, 20. Januar 2018

A momentary lapse of Riesen


Blogstuff 188
„Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist.“ (Novalis)
Ich spiele nicht mehr gegen den Computer Schach. Neulich ging ich während einer Partie auf Toilette. Als ich zurückkam, fehlte mir ein Läufer. Backgammon ist auch sinnlos, der Computer würfelt ja für mich. Ich verliere jedes Mal. Wenn ich die Kiste dann runterfahre, erscheint plötzlich ein großer Sechser-Pasch auf dem Monitor. Alles Lüge.
Siemens hat jetzt das kleinste Smartphone der Welt entwickelt. Es ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen, die Bedienung der Tastatur ist nur mit einer Stecknadel möglich. Es soll in diesem Jahr auf der Cebit in Hannover präsentiert werden.
Kokain verleiht Flüüügel.
Literaturstreit: Ist Kafka eigentlich noch kafkaesk? Kafkaesk genug?!
Demnächst in diesem Blog: Der Cirque du soleil tanzt für Sie die Forderungen der CSU.
Wie viele Tropfen Wein passen in eine Flasche? Wir fragen den diplomierten Alkoholiker Heinz Pralinski aus Alzey. Seit Jahrtausenden bauen die Indios auf der rheinhessischen Hochebene das flüssige Gold an. Er weiß es tatsächlich: Ein Liter Wein besteht aus exakt 20.000 Tropfen. Prosit!
„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen mach ich der Königin ein Kind. Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Johnny Malta heiß.“
Hätten Sie’s gewusst? Es gibt nicht nur den SPIEGEL als App, sondern auch einen echten Spiegel. #Schminktipp
Die jungen Leute haben nur Wissensdurst und Bildungshunger. Deswegen sind sie auch so dünn (“Starvation Chic“).
Andy Bonetti – die älteste Nachwuchshoffnung Deutschlands.
Zwischen acht und neun Uhr morgens in der Berliner U-Bahn. Ist das schon Petting?
Leserfrage: Warum wurde das Rheingold noch nicht entdeckt? Ich als Rheinhesse weiß natürlich ganz genau, wo das Rheingold liegt. Aber: Der Touristenstrom, der wegen der Nibelungensage zu uns kommt, ist viel wertvoller. Wenn wir alle Rätsel um Siegfried und die anderen Hauptdarsteller der Sage lösen, kommt doch kein Holländer mehr nach Rüdesheim.
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Nachdem sein Roman „Theobald Wirsing, der erste Sudetendeutsche im Weltall“ gefloppt ist, schreibt er gerade an einer Kulturgeschichte der Bratkartoffel.
Andy Bonetti ist so eine coole Socke – in einem Paralleluniversum ist er sicher längst Präsident von irgendwas.
Vor dem Mauerfall sind eigentlich nur Leute, nach Berlin gezogen, die keine Karriere machen wollten. Man zog sich schwarze Klamotten an und trank Flaschenbier, weil der Typ hinterm Tresen Philosophie studierte und für die Bedienung einer Zapfanlage zu blöd war und wir in unseren WGs ja auch keine Gläser spülten. Heute sieht man in diesen Läden Frauen in mortadellafarbenen Seidenblusen, die italienisches Mineralwasser aus Weingläsern trinken.
Ordnungs-Liebe. Pflicht-Gefühl. Das ist der emotionale Kernbestand dieser Republik. Warum wurde Spock nicht Kanzler?
Am 30. Mai ist der Weltuntergang. https://www.youtube.com/watch?v=uhMmVla11IA

Freitag, 19. Januar 2018

Geheime Kommandosache BER

Sind Sie auch genervt von den Bildern der Berliner Dauerbaustelle? Von den Ausreden der Politiker? Bonetti Exklusiv™ ist der Frage nachgegangen. Es ist eine Sensation: Auf dem Gelände südlich der Hauptstadt entsteht gar kein neuer Flughafen. Die Bilder, die uns seit zehn Jahren gezeigt werden, stammen vom Bau eines Einkaufszentrums in Bochum 1987. Der BER ist ein Geheimprojekt der Bundesregierung. Hier entsteht der erste deutsche Weltraumbahnhof! Vom BER werden bald Raketen in den Weltraum abheben. Ziel von Angela Merkel ist es, bis zum Ende der Legislaturperiode die erste Frau auf den Mond zu bringen. Im Gespräch sind Andrea Nahles, Carolin Kebekus – oder die Kanzlerin selbst!

Eine Germanautin – so heißen die Astronautinnen – im Übungslabor, wo sie in absoluter Schwerelosigkeit einen Einkaufszettel schreibt.

Hier ein Bild der Adenauer 1 und der Adenauer 2.

Der Staat meint’s doch nur gut mit uns

„Nur was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee. Wir müssen also auch über den Staat hinaus! – Denn jeder Staat muss freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören.“ (Hölderlin)
Können Sie sich noch an Richard Thaler erinnern? Er hat im vergangenen Jahr den Wirtschaftsnobelpreis für seine Idee des Nudging bekommen. Der patriarchalische Staat stupst uns ein wenig an, weil er nur unser Bestes will. Und das ist nicht mehr nur unser Geld. Er will uns zum guten Leben zwingen. Allerdings ist der Zwang ein sehr sanfter. Er kann womöglich auch anders. Aber noch versucht er es mit Horrorbildern auf Zigarettenschachteln, um ein aktuelles Beispiel zu nennen.
Aber das geht noch besser:
Jährlich sterben tausende an Zucker in Nahrungsmitteln. Warum druckt man nicht auf die Verpackungen von Süßigkeiten, Pizza und anderen leckeren Sachen, in denen Zucker steckt, Bilder von krass fetten Rainer Calmunds? Das verfettete Herz eines toten Milka-Junkies? Einen durchsichtigen Plastikbeutel mit abgesaugtem Fett, der im Müllcontainer einer Schönheitsklinik liegt?
Auf Schnaps- und Weinflaschen möchte ich Harald Juhnke im Endstadium sehen, dazu Unfallbilder von jugendlichen Crashfahrern auf dem Heimweg von der Disco. Auf eingeschweißter Wurst Bilder von gequälten Schweinen, auf der Eierpackung Bilder vom Hühner-Gulag. Warum schaut mich das Kalbsschnitzel nicht mit großen, feuchten Augen an?
Auf Smartphones möchte ich Zombiebilder sehen, auf Autotüren große Bilder von Verkehrstoten. Auf Parteiprogrammen die Bilder demenzkranker Greise, auf Fernsehapparaten die Bilder von Komapatienten. Und bei jeder Knutsch- oder Bettszene im Kino erwarte ich, dass Warnhinweise zu den Themen Geschlechtskrankheit und ungewollte Schwangerschaft eingeblendet werden.
Es gibt noch viel zu tun für den Nanny-Staat, seine gewerbsmäßigen Vertreter und das Millionenheer ehrenamtlicher Sprach- und Tugendwächter.
Prince – Partyman. https://www.youtube.com/watch?v=AjY8HvpNu6o

Donnerstag, 18. Januar 2018

Fußball

Wir sind acht Kinder auf einem Bolzplatz. In meiner Mannschaft ist Oliver, der nach dem Studium nach Köln gezogen ist, um dort bei einer TV-Produktionsfirma zu arbeiten. Torsten, der heroinabhängig wurde und mit 27 gestorben ist. Stefan, der vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. In der anderen Mannschaft spielt Peter, der Koch wurde. Michael, der nach einem Banküberfall ins Gefängnis gekommen ist. Uwe, der an Krebs gestorben ist. Und Melanie, das einzige Mädchen, das damals Fußball gespielt hat. Sie hat einen Amerikaner geheiratet und lebt heute in Florida. Aber an diesem Nachmittag sind wir einfach nur acht Kinder, die Fußball spielen.

White Noise Record Store

Hatten Sie gedacht, Sie kommen mir dieses Jahr ohne Catcontent davon? Colonel Clickbait ist süchtig nach Katzen. Dieses Exemplar lebt im White Noise Record Store in Hongkong. Danke an Leser-Reporter Peter Windsor aus Sydney!

http://www.whitenoiserecords.org/

Über Geschlechtsteile

„Wer seine Kräfte für die Förderung des Weltfriedens einsetzen will, der verstehe, dass dieses Ziel am schnellsten durch das Frauenwahlrecht erreicht wird. Denn mit einem Parlament, das zum Teil aufgrund der Stimmen von Frauen zusammengestellt ist, wird der Staatshaushalt nicht mehr mit einer jährlich steigenden Anzahl von Millionen für Kriegsmaterial und den Heeresunterhalt belastet werden können.“ (Aletta H. Jacobs, 1899)
Als ich noch jung war, gab es endlose sozialwissenschaftliche Debatten um die „Humanisierung der Arbeitswelt“, es gab von der damaligen SPD-geführten Regierung auch ein „Forschungsprogramm zur Humanisierung des Arbeitslebens“ (1974-1989), das in der Ära Kohl auslief. Als Wissenschaftler habe ich es selbst viele Jahre erlebt und etliche Tagungsteilnehmer mit meinen Analysen und Verbesserungsvorschlägen gelangweilt. In dieser Zeit haben Maschinen und Computer die Arbeit verändert, aber nicht Diskussionen und Forschungsprojekte.
Daran muss ich denken, wenn ich jetzt immer wieder höre, dass weibliche Führungskräfte die Welt der Arbeit verändern und „menschlicher“ machen werden. Ich glaube nicht, dass Frauen etwas an den Produktionsmethoden und Profitinteressen von Konzernen und ihren Aktionären ändern können. Auch weibliche Führungskräfte werden an ihren Erfolgen im internationalen Wettbewerb gemessen, auch weibliche Aktionäre wollen Dividenden und steigende Aktienkurse.
Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist von Männern erfunden worden und wurde in den letzten Jahrtausenden ausschließlich von Männern geprägt. Männliche Eigenschaften bilden den genetischen Code der Ökonomie. Es geht um Konkurrenzkampf, Hackordnungen und Revierkämpfe, weniger um Sensibilität oder „soft skills“ (ein sehr verräterischer Ausdruck, sie rangieren in den Anforderungen, die in Stellenanzeigen formuliert werden, immer am Ende).
Was ist mit den Eigenschaften, die typischerweise Frauen zugeschrieben werden? Kommunikationsfähigkeit zum Beispiel. In Zeiten der Digitalisierung wird sie vielleicht weniger wichtig sein, als wir glauben. Sozialkompetenz gegenüber Kindern und Kranken? Wird im Pflege- und Bildungsbereich einfach nur schamlos ausgebeutet. Fehlende Härte im Konkurrenzkampf, z.B. Mitgefühl oder die Fähigkeit zum Kompromiss, wird im Kapitalismus als Nachteil gesehen.
Es wird nichts bringen, die Führungskräfte allein nach der Beschaffenheit ihrer Geschlechtsteile zu bewerten. Möse gut, Schwanz schlecht – eine primitivere Ideologie kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Dagegen wirkt der Neoliberalismus wie ein Aggregat intellektueller Höchstleistungen. Als ob der Kapitalismus seine inneren Funktionsmechanismen verändert, wenn die Zahl der Penisse im Management sinkt.

Das ist einfach nur die nächste Lebenslüge, die sich über Jahrzehnte wie ein Nebelschleier über die soziale Spaltung der Welt legen wird. Am Frauenwesen soll die Welt genesen? Geh du voran, Prinzessin Vulva! Führe uns ins Licht, kleiner Kitzler! Vergessen wir es einfach. Hoffentlich steigt wenigstens der Frauenanteil bei den Millionären.
„Der Kapitalismus wird nicht weiblicher, die Frauen werden kapitalistischer.“ (Lupo Laminetti)
Captain Sensible - Wot! https://www.youtube.com/watch?v=fj04rzn-Cxs

Mittwoch, 17. Januar 2018

Nur für kurze Zeit: Superwastl bei den Deutschen

Mutti Merkel trifft ja inzwischen Staatschefs, die ihre Söhne seien könnten. Macron und Trudeau zum Beispiel. Oder den Superwastl.
Der Superwastl will jetzt was gegen die Schlepper machen. Die sind nämlich an allem Schuld.
Viele Leser fragen mich: Was sind denn die Superkräfte vom Superwastl? Mein Tipp. Schaut Euch mal die Ohren an. Der Superwastl hört in China das Gras wachsen.