Montag, 18. Dezember 2017

Superwastl

Beim neuen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz muss ich immer an eine Comicfigur aus meiner Kindheit denken: „Wastl, der Superkraftlackl mit dem goldenen Herzen“. Wastl ist in Bayern und Österreich die Kurzform für Sebastian. Auch werden Dackel gerne Wastl genannt – das passt ja wegen der großen Ohren.
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit will Superwastl den Flüchtlingen ihr Geld und ihre Handys wegnehmen. Muhaha! Gefällt mir. Erst von den Schlepperbanden abgezockt und gerade aus dem Schlauchboot gestiegen – ZACK! Schon ist der Superwastl da und nimmt ihnen den letzten Groschen ab.
Im Comic gibt es noch „Ricki, Lausebengel und Helfer von Wastl“. Das ist natürlich der Strache. Ein rechter Lausbub ist er, der „Ricki“ Strache und immer zu Streichen aufgelegt. Ricki will die „Zuwanderung von Asylschwindlern in unsere Sozialsysteme stoppen“. Ui, das wird lustig, Kinder.
Superwastl und Ricki Strache haben auch schon viele neue Freunde gefunden. Den Herrn Orban in Ungarn (geht da noch was in Sachen K.u.K.?) und Frau Le Pen in Frankreich. In Deutschland freut sich die AfD auf das neue österreichische Superheldenteam. Von dort ist unser Land schon einmal gerettet worden.
Fortsetzung folgt

Verdächtiges Pulver gefunden - Bürgersteig muss geräumt werden



Die Polizei fahndet nach einem gewissen Petrus. Der IS hat sich bereits zur Tat bekannt.

Nachts auf dem Fahrrad

„Ohne Wein und ohne Weiber / Hol der Teufel unsre Leiber“ (Konrad Stanko)
Ich war eigentlich schon achtzehn, aber ich hatte immer noch keinen Führerschein. Also fuhr ich mit dem Klapprad zu ihr, das mir meine Mutter gekauft hatte, als ich noch in die Grundschule ging. Für mich war es Understatement, mit meinen einsneunzig, dem Stone-Washed-Jeansanzug und der Verbrechervisage auf so einer Affenschaukel unterwegs zu sein, während die anderen Jungs schon mit ihrem ersten Auto angaben. Na und?
Ich klingelte. Der seriöse Big-Ben-mäßige Klingelton passte zur Villa. Ein Mercedes parkte vor der Garage. Der Rest der Straße sah auch nach Geld aus. Zum Glück machte sie gleich auf, bevor ich es mir nochmal anders überlegen konnte. Wenn ihre Mutter oder ihr Vater aufgemacht hätten – ich weiß nicht. Ich folgte ihr ins Haus und merkte zu spät, dass ich mir die Füße nicht abgetreten hatte und auch nicht gefragt hatte, ob ich die Schuhe ausziehen soll.
Von links kam ihre Mutter dazwischen gegrätscht wie ein Verteidiger. Ich spielte zu dieser Zeit Linksaußen, ich kannte die Tricks. Dieses Scheißlächeln werde ich nie vergessen. Und dann kamen die Fragen. Während ich routinemäßig antwortete, was ich denn eigentlich sei – Herkunft, Hobbies, Lebensplanung bis 65 -, fragte ich mich, was mir bevorstehen würde, wenn ich dieses Level endlich geknackt hätte.
Es war der Konzertflügel im Wohnzimmer, der extra für das verwöhnte Einzelkind mit den langen blonden Haaren, Prinzessin Lillifee auf ihrem rosaroten Einhorn, angeschafft worden war. Was sollte ich dazu sagen? Ich konnte noch nicht mal Noten lesen und das einzige Instrument in unserer Mietwohnung war die Blockflöte von meiner Schwester. Mit meinem Plädoyer für Punk und Heavy Metal – ein BASF-Chromdioxid-Band mit entsprechendem Material lauerte in der Innentasche meiner Jeansjacke – erntete ich nur ein fassungsloses Kopfschütteln der Mutter und klammheimlich zugeblinzeltes Einverständnis der Tochter.
Wir verzogen uns in ihr Zimmer ein Stockwerk tiefer und ich legte meine Musik auf. Erst tranken wir Wein, dann kamen Spirituosen ins Spiel. Diese Familie, Vater Zahnarzt, Mutter Studienrätin, war mindestens so gut sortiert wie meine Stammkneipe am Ingelheimer Bahnhof. Davon konnte ich nur träumen. Bei mir zu Hause musste ich aufpassen, dass meine Mutter, eine Putzfrau mit einem Faible für eine Flasche Billigsekt schon in der Mittagspause, mir nicht den Bierkasten leertrank, wenn ich abends um die Häuser zog.
Alsbald knutschten wir hemmungslos und meine Hand wanderte ungehindert unter ihr T-Shirt, wo ich zu meiner Überraschung eine knappe Handvoll warmes Glück zu fassen bekam, das nicht durch einen BH blockiert war. Es war ein schönes Besäufnis bei guter Musik, aber ich habe sie nach diesem Abend nie mehr wiedergesehen.
Es heißt, sie hätte einen Akademiker aus gutem Hause geheiratet, Karriere gemacht, ein Reihenhaus gekauft, Kinder bekommen und überhaupt den ganzen bürgerlichen Kanon abgearbeitet. Und ich? Ich habe noch nicht einmal ein Klapprad. In meiner Hosentasche klimpern ein paar Münzen und ich habe keine Ahnung, was morgen sein wird.
Depeche Mode – Blue Dress. https://www.youtube.com/watch?v=vamnlQ45P7E

Sonntag, 17. Dezember 2017

Ich habe einen Traum

„(Er) war so unbedeutend, dass man sich förmlich in seiner Gegenwart allein fühlte.“ (Franz Kafka: Elf Söhne)
Der Markt regelt alles gleichsam naturwüchsig. Ohne Eingriffe von außen kann sich die Marktwirtschaft am besten entwickeln. Also stelle ich, Christian Lindner, mir die folgenden Fragen: Wozu brauchen wir eigentlich noch Staaten? Warum zahlen wir Milliarden an Steuern und Abgaben? Reichen nicht Angebot und Nachfrage, reichen nicht die Unternehmen, die beides in Einklang bringen? Stellen Sie sich eine Welt vor, in der es keine Staaten, keine Kriege und keine Religionen mehr gäbe! Nur noch das Streben nach Glück – in Frieden und Freiheit. Ich stelle es mir so vor:
In der Zukunft haben Konzerne eigene Territorien, für die sie verantwortlich sind. Auf diesem Gebiet stehen ihre Produktionsanlagen, die Wohnhäuser ihrer Angestellten und sämtliche Infrastruktureinrichtungen, die benötigt werden: Schulen, Krankenhäuser, Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen usw. Jeder Mitarbeiter hat eine firmeneigene Kreditkarte, seine Familienmitglieder haben Familienkarten. Mit diesen Karten kann man sich alles kaufen, was man braucht. Die Verrechnungseinheiten werden automatisch vom Konto abgebucht. Hat man sein Konto überzogen, wird man zum Gespräch mit einem Konsumberater gebeten. Es gehört zur Philosophie der Beschäftigten, wirklich nur das zu kaufen, was man braucht. Wer plötzlich drei Waschmaschinen bestellt, bekommt Besuch von Mitarbeitern des Konzerns, die einen höflichen Blick in die Wohnung werfen. Wer zu viel Lebensmittel oder Alkohol kauft, darf sich mit einem Gesundheitsberater treffen. Ohnehin werden alle Bewohner der Konzernwelten regelmäßig auf ihre Gesundheit untersucht.
Die Konzernwelten tragen den Namen ihres Konzerns. In Bayern gibt es „BMW“ und „Siemens“, am Niederrhein gibt es „Bayer“ und in Frankfurt „Deutsche Bank“. Das frühere Südkorea wird in großen Teilen von „Samsung“ eingenommen, in Kalifornien gibt es „Facebook“ und „Microsoft“. In „Samsung“ und vielen anderen Welten macht der Konzern alles, bei „Facebook“ dürfen Leute auch kleine Geschäfte, Bars und Fitnessstudios auf eigene Rechnung eröffnen. Die Konzerne haben sich von Staaten entkoppelt, da sie mit Geld viel effektiver umgehen. Schon 2017 verfolgten die Staaten „Steuerhinterziehung“ der Konzerne gar nicht mehr, weil sie es im Grunde selbst wussten.
Zwischen den Welten, die gut bewacht sind, liegen die Badlands, die offiziell Free Territories heißen. Hier leben die Arbeitslosen, Kriminellen, Behinderten und Alten, die keinen Platz mehr in den Konzernwelten haben. Wer sich in den Konzernwelten nicht regelkonform verhält, muss damit rechnen, in die Badlands gebracht zu werden. Der Güterverkehr zwischen den Welten läuft über gut bewachte Straßen, auf denen automatisierte Trucks unterwegs sind. Reisen zwischen den Welten werden per Flugzeug gemacht. Urlaubsreisen führen in spezielle Welten, z.B. TUI-Land, zu dem die Balearen und die Kanarischen Inseln gehören.
Polizei und Militär wurden von den Konzernen abgeworben und arbeiten jetzt in den jeweiligen Sicherheitsdiensten. Waffen werden bei den Rüstungskonzernen bestellt, die ebenfalls eigene Welten haben. Wichtige Absprachen werden in der UWE (United Worlds of the Earth) in „Trumpland“, vormals New York City, getroffen.
Aus den siamesischen Zwillingen Staat und Ökonomie ist eine vollkommene Einheit geworden. Die Menschen bekommen endlich Bevormundung und Ausbeutung, äh … Entschuldigung: Sicherheit und Versorgung aus einer Hand. Eine Welt ohne Verbrechen und Arbeitslosigkeit, ohne Hunger und ohne Sorgen.
Richard Wagner - Tannhäuser Ouvertüre. https://www.youtube.com/watch?v=SRmCEGHt-Qk

Samstag, 16. Dezember 2017

Mein Kampfer

Sie sind eine Deutsche oder ein Deutscher? Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Überschrift gelesen haben?
Schöne Grüße von Iwan Petrowitsch Pawlow.

Digitalisierung Rulez II

„Was ist die Welt und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Gräntzen
Ein schneller Blitz bey schwartzgewölckter Nacht.
Ein bundtes Feld da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß da alle Menschen dienen.“
(Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die Welt)
Im Sommer machte der FDP-Politiker Alexander Sebastian Léonce Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff (so viel Zeit muss sein) den grandiosen Vorschlag, alleinerziehende Mütter sollten doch in Immobilien investieren. Sehr gut, man spart die Miete und hat auch etwas für seine Altersvorsorge getan. Aber denken wir doch mal weiter: Wie wäre es, wenn man zwei oder drei Wohnungen kauft? Dann könnte man von der Vermietung der anderen Wohnungen leben. Oder gleich ein ganzes Mietshaus? Dann wäre es ein Leben in Saus und Braus. Die alleinerziehende Mutter könnte die Geschäfte von der Finca auf La Gomera leiten und ein Kindermädchen würde sich um den Nachwuchs kümmern, während der Nagellack trocknet. Muss man den Frauen eigentlich alles erklären?
Aber jetzt kommt’s. Im Zuge der Digitalisierung und der sogenannten Künstlerischen Intelligenz (oder so ähnlich) machen bald Roboter unsere Arbeit. Warum kaufen Sie sich nicht einen Roboter, der für Sie arbeitet? Er geht morgens aus dem Haus, ach was, er kommt erst gar nicht nach Hause, weil er nicht schlafen oder fernsehen muss. Er kann drei Schichten pro Tag arbeiten und für Sie drei Gehälter erwirtschaften, während Sie in Unterhosen vor dem Computer sitzen und diesen Text lesen. Und jetzt denken Sie mal weiter: zwei Roboter. Können Sie mir folgen? Diese Zeilen hat übrigens der neue Apple Spartacus geschrieben. Ich rufe ihm nur noch vom Sofa die Themen zu. Menschen ohne Geld sind so blöd, ich fasse es manchmal gar nicht.
Tres – Operator. https://www.youtube.com/watch?v=sgjZzK7c0Sc

Der hundertste Geburtstag von Arthur C. Clarke

Dieser Mann war eine Inspiration. Danke. Andere haben Lobeshymnen geschrieben, die ich nicht übertreffen kann.

https://www.derstandard.de/story/2000070275689/der-star-und-die-sterne-100-geburtstag-von-arthur-c