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Sonntag, 5. Januar 2025

Holgi, mon amour

 

Holgi ist mein großes Vorbild. Ich frage mich vor jeder Entscheidung immer: Was würde Holgi machen? Im Grunde genommen bin ich ohne Holgi völlig hilflos. Ich stehe vor dem Supermarktregal und frage mich: Milka oder Ritter Sport, Ritter Sport oder Milka? Ich würde ihn am liebsten anrufen, aber er ist ein vielbeschäftigter Top-Manager. Ständig klingelt das Telefon, seine Mitarbeiter wollen etwas von ihm und von hinten ruft einer „Holgi, wir haben schon wieder einen neuen Großauftrag.“ Er ist das letzte Universalgenie der Menschheit. Okay, in der Realität ist es etwas anders. Holgi ist sechzig und hatte im letzten Jahr drei verschiedene Jobs. Im ersten Quartal hat er noch für eine Firma gearbeitet, die ihn im Jahr zuvor vom Festangestellten zum freien Mitarbeiter degradiert hat. Dann hat er – als Mieter und mitten in der größten Krise des Gewerbeimmobilienmarkts seit Gründung der Bundesrepublik – bei einer Firma angeheuert, die auf Gewerbeimmobilien spezialisiert ist. Dort sollte er als Makler für Umsatz sorgen. Natürlich hat er keine einzige Immobilie verkauft. Hätte er wirklich ein Bürohaus für zehn Millionen Euro an den Mann gebracht, würde er es doch jedem hundertmal erzählt haben. Wenn Holgi drei Snickers im Handschuhfach hat, gibt er schon an wie ein Sack Mücken. Er hat die Probezeit (zweites und drittes Quartal) nicht überstanden und hat zum 1. Oktober bei einer Drei-Mann-Klitsche angeheuert, die ihm noch nicht mal ein Büro zur Verfügung stellt. Er hätte sich schon über ein Dixi-Klo auf dem Parkplatz gefreut, wo er mit dem Laptop auf den Knien arbeiten kann. Holgi ist ein wandelndes Unterhaltungsprogramm. Woher nimmt er nach einem Leben auf der Bremsspur dieses unglaubliche Selbstbewusstsein, jedem Menschen, den er trifft, ungefragt gute Ratschläge in privaten, beruflichen, finanziellen und medizinischen Fragen zu geben? Ein Profilneurotiker im Größenwahn. Oder hat er sich in eine Märchen- und Traumwelt zurückgezogen, weil er das eigene Scheitern nicht akzeptieren kann?

Holgi and Holgi only: Seine Tochter läuft jetzt Schlittschuh und will in einen Verein eintreten, Holgi geht mit ihr auf die Eisbahn. Das erste Mal seit einiger Ewigkeit steht er auf Schlittschuhen. Natürlich hat er sich direkt auf die Schnauze gelegt. Am nächsten Tag klagt er über Knieschmerzen. Ich bin abends zu Besuch und bleibe über Nacht. Am Frühstückstisch tut Holgi plötzlich tierisch die Schulter weh. Seiner Meinung nach ist sie gebrochen. Ich sage: Holgi, wenn sie gebrochen ist, würdest du die Kaffeetasse nicht hochheben und aus ihr trinken können. Dann eben alle Bänder gerissen. Ich handle Holgi auf eine Prellung runter. Ob er sich die Sache nicht mal im Badezimmerspiegel angesehen hätte. Nö. Holgi ruft beim Orthopäden an, bekommt einen kurzfristigen Termin und geht eine Stunde später zum Arzt. Als er wieder zurückkommt, frage ich ihn, was los wäre. Er solle sich nicht so anstellen, hätte der Arzt gesagt, er hätte nur ein paar blaue Flecken. Eisbeutel drauf und Ruhe bewahren. Aber so ist Holgi. Wegen eines angeblichen Herzflimmerns hat er sich mal mit einem Krankenwagen in die Notaufnahme bringen lassen. Natürlich hatte er gar nichts und fuhr mit dem Taxi wieder nach Hause. Gott schütze unsere Hypochonder. Nächste Woche: Holgi – Nahtoderfahrung Schnupfen.

Nachtrag: Noch am selben Tag hat er mit seiner Tochter ausgemacht, eine Runde zu bouldern, d.h. ohne Absicherung eine Kletterwand hochzukraxeln. Ich freue mich jetzt schon.

P.S.: Bei meinem letzten Besuch hat er mir den Rat gegeben, mit dem Schreiben und insbesondere mit meinem Blog aufzuhören, weil man „damit nix verdient“. Der ehemalige Hauptschüler ist stolz darauf, in seinem ganzen Leben noch kein einziges Buch gelesen zu haben. Da haa’ck rischté juute Laune.

 

Sonntag, 10. August 2025

Das Paket

 

Holgi war die gute Seele des Hauses. Er hatte immer ein offenes Ohr für seine Nachbarn, goss ihre Pflanzen, wenn sie in Urlaub fuhren, und im Augenblick stapelten sich ein halbes Dutzend Pakete neben seiner Wohnungstür. Darunter eines für Amir Mohammadi, der direkt neben ihm wohnte. Das Paket wog bestimmt zehn Kilogramm. Ironischerweise war der junge Afghane tagsüber nie da, weil er für einen Paketdienst arbeitete. Seine Pakete wurden aber immer von der Konkurrenz gebracht. Holgi dachte sich nichts dabei. Diese Pakete kamen einmal im Monat aus Pakistan, vielleicht wollte er nicht, dass seine Kollegen dumme Fragen stellten.

Es klingelte. Holgi legte den Kriminalroman zur Seite und ging zur Tür. Als er sie öffnete, standen zwei Männer in dunklen Anzügen und kurzen Haaren, Typ Schrankwand und einen Kopf größer als er, vor ihm. Die Jacketts sahen so aus, als würden sie im Bereich der Oberarme gleich aufplatzen.

„Wollen Paket abcholen. Bin Amir Mohammadi“, sagte einer der beiden mit starkem russischem Akzent.

„Kenne ich nicht“, antwortete Holgi.

Die Männer schwiegen, aber Holgi konnte hören, was dieses Schweigen bedeutete: „Junge, mach uns keinen Ärger, sonst wird es hässlich.“

Holgi machte erschrocken die Tür zu. Wer war das? Da donnerten schon die Fäuste der Russen an seine Tür. Hastig nahm er ein Paket mit Büchern, das er seiner Nachbarin in den Harz nachschicken sollte, und öffnete die Tür.

„Hier, bitte.“   

Ohne das Paket näher anzuschauen, zogen die Russen wieder ab.

Holgi wartete zehn Minuten, dann ging er zu Amir hinüber. Die Wohnungstür stand offen. Im Flur lag sein Nachbar in einer Blutlache, offenbar erstochen. Holgi ging mit dem Paket ein Stockwerk höher und schloss die Tür der Nachbarin auf, die verreist war. Hier würden ihn die Russen nicht finden. Er setzte sich aufs Sofa und legte das Paket auf den Wohnzimmertisch. Es half nichts. Er musste es öffnen. Haschisch. Zehn Kilo Haschisch.

Sollte er die Polizei rufen? Auf jeden Fall. Schon wegen Amirs Leiche. Es ging um Mord. Aber das Dope? Eine Viertelstunde später wimmelte es im Stockwerk unter ihm vor Kriminalbeamten, Polizisten und Leuten von der Spurensicherung. Sie gingen auch durchs Haus und klingelten an jeder Tür. Holgi machte nicht auf. Er beschloss, auf dem Sofa zu übernachten.

Am nächsten Tag rief er nachmittags Benny und Lukas an. Eine halbe Stunde später waren sie bei ihm. Sie hatten Süßigkeiten, Knabberkram, drei Flaschen Wein und ihre große Bong dabei. Die Kifferparty dauerte bis Mitternacht. Als sie gingen, gab Holgi ihnen zwei Kilogramm Haschisch mit. Die beiden verkauften den Shit am nächsten Tag an ihren Dealer. Unverschnittener schwarzer Afghane. Bester Stoff. Sie bekamen zehntausend Euro. Eine Woche später hatten sie neun Kilo verkauft und 45.000 Euro eingenommen, die sie brüderlich durch drei teilten. Ein Kilo behielten sie als Eigenbedarf und Benny versteckte es im Haus seiner Eltern.

Der Polizei hatte Holgi eine Beschreibung der beiden Russen gegeben und gesagt, sie hätten bei Amir etwas gesucht, aber nicht gefunden. Deswegen hätten sie auch bei ihm geklingelt und sich nach einem Paket erkundigt, das angeblich bei ihm abgegeben worden sei. Möglicherweise würden sie in den nächsten Tagen wiederkommen. Tatsächlich kamen sie schon am nächsten Tag und wurden von Beamten in Zivil festgenommen, die das Haus observiert hatten. Einer der beiden hatte sogar noch die Tatwaffe dabei. Holgi erfuhr davon über die Internet-Seite einer Tageszeitung.

Es war Winter und die drei Freunde beschlossen, erstmal einen langen Urlaub auf Bali zu machen. Holgi gab dem buddhistischen Mönch im Dachgeschoss den Wohnungsschlüssel der Nachbarin und bat ihn, die Blumen zu gießen. Außerdem möge er bitte eine spirituelle Reinigung des Hauses vornehmen, um es von seinem schlechten Karma nach dem Mordfall zu befreien. Holgi hat nach seiner Rückkehr nie mehr ein Paket für seine Nachbarn entgegengenommen.

 

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Immobilien-Anekdoten

 

Was Ratschläge angeht, um die ich nicht gebeten habe, bin ich offenbar ein Idiotenmagnet. Neulich habe ich mich mit einem Miteigentümer in der Eingangshalle unseres Hauses unterhalten. Ich habe meine Wohnung im Februar 1992 gekauft, er hat seine Hinterhauswohnung 1989 gekauft. Inzwischen gehört ihm eins der beiden Hinterhäuser komplett und er lebt als Miethering in einem Landhaus bei Bremen. Er hat meine Wohnung noch nie betreten, hat mir aber den Rat gegeben, meine Wohnung nach all den Jahren zu renovieren und auch alle Wasser- und Stromleitungen zu erneuern. Außerdem sollte ich die Fliesen in meinem Bad rausreißen, um eine Fußbodenheizung einbauen zu lassen. Seine Frau habe das in ihrer Wohnung, eine Etage über mir, machen lassen, damit sie nicht so kalte Füße bekommt, wenn sie aus der Badewanne steigt. Ich lege da seit knapp 33 Jahren ein Handtuch hin. Ich habe seinen Vorschlag unkommentiert gelassen. Heiligabend habe ich den ganzen Nachmittag bei Tee und Kuchen mit meiner Nachbarin zusammengesessen und wir haben sehr gelacht. Besagter Ratgeber hatte vor zwanzig Jahren auch die Idee, in unserem großen Garten ein Kaffeehaus zu bauen, in dem ich dann meine Dichterlesungen machen könnte. Schön, dass er an mich gedacht hat. In der Eigentümerversammlung hat ihn natürlich keiner ernst genommen.

Wann sollte man ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen? Erstens ist eine solche Entscheidung immer ein Statement. Hier bleibe ich, vielleicht nicht für immer, aber doch für eine lange Zeit. Es ist auch finanziell lukrativ, selbst wenn der Immobilienmarkt stagniert. Die beste Rendite ist eine nicht gezahlte Miete. Oder wie man in Rheinhessen sagt: Liebe vergeht, Acker besteht. In welchem Alter befasst man sich mit dem Thema? Die meisten fangen in der Phase der Familiengründung und der Festanstellung an, wenn man auch schon genügend Rücklagen für eine Anzahlung gebildet hat. Vielleicht mit dreißig oder vierzig Jahren. Wer würde mit sechzig Jahren mit dem Bau eines Hauses anfangen? Die Kinder sind aus dem Haus und man ist auf der Zielgeraden zu einem entspannten Lebensabend.

Trotzdem ist ein Freund auf genau diese Schnapsidee gekommen. Nennen wir ihn Holgi. Er selbst stammt aus einer altehrwürdigen Mieterdynastie. Er selbst hat immer Miete gezahlt, seine Eltern auch, ebenso seine Schwester. Er hat also null Erfahrung. Wie heutzutage üblich fing er an, im Internet zu surfen. Nach sechs Monaten „Recherche“ ist er, O-Ton Holgi, „gut im Thema drin“. Er nimmt Kontakt zu einer Firma auf, die Fertighäuser baut. „Die haben eine gute Bewertung im Internet“, meint Holgi. Das wäre für mich ein Kriterium, wenn ich eine Pizza bestelle, aber nicht bei einem Bauprojekt. Seine Frau hat eine Wiese geerbt, die man möglicherweise bebauen kann. Genaues weiß man nicht.

Wie würde man in diesem Fall vorgehen? 1. Einen Termin beim zuständigen Bauamt machen und dann eine Baugenehmigung beantragen. 2. Sobald man sie hat, lässt man sich von einem halben Dutzend Unternehmen Angebote machen. Nicht Holgi. Er macht einen Termin beim Fertighausfritzen seiner Wahl und lässt sich ein Haus aufschwatzen, das inklusive Anschluss an die Kanalisation, das Stromnetz usw. 650.000 Euro kosten soll. 170 qm Wohnfläche, kein Keller, in die Einliegerwohnung soll auch noch die Schwester seiner Frau einziehen. Eigenes Vermögen: 300.000, Kreditsumme: 350.000. Ich rechne ihm vor, dass er den Kredit bis zu seinem achtzigsten Geburtstag abstottern muss. Dann müsse er eben bis achtzig arbeiten. Holgi ist Angestellter. Es gibt keine achtzigjährigen Angestellten. Auch als Selbständiger bekommt er im hohen Alter keine Aufträge und auch keinen Job mehr. Die Unternehmen setzen bei Stellenausschreibungen und Projektvergaben inzwischen KI ein. Alter ist natürlich ein Auswahlkriterium. Die KI würde sein Anschreiben automatisch in den Spamordner verschieben, kein Mensch bekäme es je zu Gesicht.

Eigentlich ist die Sache ein finanzielles Himmelfahrtskommando, aber Holgi ist Feuer und Flamme. Mit einem seligen Kinderlächeln zeigt er mir eine Weihnachtskarte der Fertighausfirma. „Die haben uns sogar eine Karte geschickt.“ Ein Vordruck ohne Unterschrift, vermutlich tausendmal rausgegangen, auf der Vorderseite sieht man – Surprise, Surprise – ein Fertighaus. „So wird unser Haus vielleicht auch mal aussehen.“ Holgi glaubt, er müsse eines Tages nur noch zu seinem Grundstück fahren, bekäme einen Schlüssel in die Hand gedrückt („Die bauen schlüsselfertig“) und könnte den Möbelpackern Bescheid sagen. Das Grundstück hat, wenn es bebaut werden darf, einen Wert von 100.000 Euro, Haus und Grundstück also einen Gesamtwert von 750.000 Euro. Was kriegt man in seiner Stadt für das Geld? Ich habe mal nachgesehen. Zum Beispiel eine denkmalgeschützte Gründerzeitvilla mit 570 qm Wohnfläche und 2500 qm Grundstücksfläche. Man bewohnt einen Teil des Hauses und lässt seine Mieter die Hypothek abtragen. Aber Holgi startet nächstes Jahr sein großes Projekt. Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, in dem es ihm langsam dämmert, dass er wohl einen großen Fehler gemacht hat. Besagte Nachbarin, die selbst seit Jahrzehnten zwei große Eigentumswohnungen in Berlin besitzt, hat natürlich Tränen gelacht, als ich ihr die Story erzählt habe.

P.S.: Sucht man nach vergleichbaren Objekten, bekommt man Holgis Traumhaus mit Grundstück (in einem eingemeindeten Dorf am Rand des Stadtgebiets) für 250.000 Euro. Beim Wiederverkauf würde er also niemals 750.000 Euro bekommen, seine Erben auch nicht.

P.P.S.: Bis zur Pensionierung von Holgis Frau 2032 müssen sie ohnehin in einer anderen und weit entfernten Stadt bleiben. Man könnte das Haus also auch wesentlich später bauen. Derzeit zahlen sie zweitausend Euro Miete. Dazu käme der Kredit, ca. 1.500 Euro ohne Zinsen monatlich. Lustigerweise hat seine Frau auf dem Nachbargrundstück mit ihren beiden Geschwistern ein Haus mit zwei separaten Wohnungen geerbt und renoviert (Marktwert: 270.000 Euro), in das sie einfach einziehen könnten. Ihre Schwester lebt schon dort. Aber das wäre Holgi vermutlich zu einfach und nicht kostenintensiv genug.

P.P.P.S.: Ich verkaufe gerade das Haus, das ich im Sommer geerbt habe. Holgi hat mir bei meinem letzten Besuch wertvolle Tipps gegeben. Er ist eben „gut im Thema drin“. In Augenblicken, in denen Holgi sich unbeobachtet fühlt, versucht er, übers Wasser zu wandeln.

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Neulich in der Studentenkneipe

 

Sören: Diese ganzen Bilder vom Krieg in den Medien. Das ist alles so krank.

Holgi: Ja, diese Welt ist echt kaputt. Aber ohne mich. Ich bin Pazifist.

Sören: Ja, ich auch. Keine Gewalt.

Holgi: Richtig. Keine Gewalt, Brudi. Die Ballerspiele auf der Playstation sind natürlich was ganz anderes.

Sören: Ich zocke auch. Und steh total auf Schwarzenegger-Filme. Vor allem Terminator.

Holgi: Und Bruce Willis. Keanu Reeves als John Wick. Da kommst du beim Zählen der Toten gar nicht mehr mit. Es gibt schon eine Menge geiler Action-Filme.

Sören: Finde ich auch. Aber das ist ja keine echte Gewalt. Sowas kommt für mich nicht in Frage.

Holgi: Außer bei diesen Drecks-Nazis. Ich freue mich immer, wenn die aufs Maul kriegen.

Sören: Die haben’s ja auch verdient. Genau wie die Bullen.

Holgi: Ich hoffe, jemand erschießt Trump, wenn er nochmal Präsident wird.

Sören: Ja, aber ich würde es nicht selbst machen.

Holgi: Ich auch nicht. Ich habe sowieso keine Schusswaffe.

Sören: Ich habe eine Pistole zuhause.

Holgi: Echt?

Sören: Ja, aber ich würde sie nicht benutzen.

Holgi: Weil du ein Pazifist bist.

Sören: Genau. Wenn alle so denken würden wie wir, wäre die Welt ein besserer Ort.  

 

Dienstag, 17. Juni 2025

Spiel mir das Lied vom Bier


12 Uhr. Ein heißer Tag. Drei Männer warten am Bahnhof von Wichtelbach. Sonst ist niemand zu sehen. Ein Zug fährt ein, aber keiner steigt aus. Die drei Männer drehen sich um und wollen gehen. Plötzlich hören sie eine klagende Melodie. Ein Mann steht vor ihnen, er spielt Mundharmonika. Es ist Holgi – und er trägt einen Cowboyhut.

„Wenn wir gewusst hätten, dass du kommst, hätten wir ein viertes Mofa mitgebracht“, sagt einer von ihnen spöttisch.

„Nein, ihr habt zwei Mofas zu viel“, antwortet Holgi und erschießt die drei Männer. Dann fährt er auf einem roten Mofa davon.

***

Eine schäbige Dorfkneipe. Holgi kommt herein und alle Gespräche verstummen. Er schlendert lässig zum Tresen, wo ein paar Bauern Obstler trinken. An einem Tisch wird Poker gespielt. Als zwei Spieler gleichzeitig vier Asse auf den Tisch legen, kommt es zu einer wilden Schießerei. Holgi dreht sich noch nicht mal um und fragt den Wirt, wo man Andy Bonetti findet.

„Wer will das wissen?“

Holgi zieht seine zwölf Pfund schwere 45er Magnum und drückt sie dem Fettsack in seine pickelige Visage. „Jetzt kennst du die Antwort.“

***

Eine Blockhütte im Wald. Es dämmert schon. Holgi klopft an die Tür.

Ein älterer Mann öffnet ihm. „Was wollen Sie?“

„Ich muss mit Ihnen über ein Geschäft reden.“

„Kein Interesse“, sagt der Mann und will schon die Tür schließen.

„Es geht um die Trasse.“

Widerwillig öffnet der Mann die Tür. Sie setzen sich und sehen sich misstrauisch an.

„Meine Freundin arbeitet beim Grundbuchamt“, beginnt Holgi. „Sie haben alle Grundstücke in diesem abgelegenen und wertlosen Tal aufgekauft und diese Hütte gebaut.“

„Ich wollte mich hier zu Ruhe setzen“, sagt der Mann. Er hat graue Haare, ist mit seinem Armani-Anzug und den rahmengenähten Lederschuhen von Balenciaga aber viel zu gut für diese Gegend gekleidet.

„Ich habe mir die Landkarte angesehen. Die Stromtrasse kann nur durch dieses Tal führen. Von den Windkraftanlagen im Norden nach Süden. Nur hier wird der nachhaltige Strom von der Küste ins nicht-nachhaltige Bayern fließen.“

„Na und? Was wollen Sie dagegen machen?“

„Nichts. Ich möchte hier während der Bauarbeiten einen Imbisswagen betreiben. Die Arbeiter bekommen von mir Fritten, Bratwurst und Bier. Ich mache ein gutes Geschäft und im Gegenzug biete ich Ihnen meinen Schutz an.“ Holgi öffnet seine Windjacke und zeigt dem Mann die Magnum in seinem Schulterholster.

Bonetti nickt und beide geben sich die Hand.

Sonntag, 15. Juni 2025

Holgi - die Sitcom

 

Morgens in der U-Bahnstation. Die U 8 kommt.

Lautsprecherdurchsage: „Einsteigen bitte.“ Kurze Pause. „Bis auf Holgi.“

(Gelächter vom Band)

„Zurückbleiben bitte. Diesmal bist nur du gemeint, Holgi.“

„Das ist gemein. Ich stehe hier seit einer Stunde.“

(Gelächter vom Band)

„Jetzt reicht’s!“ Holgi springt in die U-Bahn, bevor sich die Tür schließt.

(Applaus vom Band)

In der U-Bahn. „Die neue OZ! Die Obdachtlosenzeitung. Mit einem Exklusiv-Interview. Holgis Freundin erzählt, wie sein erstes Mal war.“

(Gejohle vom Band)

„Das war letzte Woche.“

(Gelächter vom Band)

Holgi kommt ins Büro.

Sein Chef: „Schön, dass Sie auch noch kommen. Dieter von der Materialausgabe hat den Highscore von Angry Birds geknackt.“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Wenn Sie schon bei der Kundenakquise auf null Punkte kommen, retten Sie wenigstens die Ehre der Abteilung. Legen Sie los!“

(erst Gelächter, dann Applaus vom Band)

Nach Feierabend in der Kneipe. „Na, Holgi. Alkoholfreies Bier mit Cola Light wie immer?“

(Gelächter vom Band)

Holgi kommt nach Hause.

„Hast du an die Hafermilch und Demeter-Tofu gedacht?“

Holgi kratzt sich verlegen am Kopf.

„Dann kannst du gleich nochmal losgehen.“

(Gejohle und Gelächter vom Band)



Danke an den unbekannten Leser. Näheres im Kommentarbereich.

Samstag, 9. Juli 2022

Die Zauberkraft des Kapitalismus


Der ökonomische Laie macht einen entscheidenden Fehler: Er betrachtet die Vorgänge in der Wirtschaft immer nur aus seiner persönlichen Perspektive. Es ist der Blick von einem Maulwurfshügel. Auf diese Weise sieht der Egozentriker nicht weit. Er hat nicht die gesamte Ökonomie und Gesellschaft vor Augen. Dazu kommt die lebenslange Angst um den eigenen Wohlstand, die Angst, im Leben zu kurz zu kommen. So lässt sich die Wut und der Neid in den Kommentarspalten und an den Stammtischen leicht erklären.

Ein einfaches Beispiel: Die Preise von Öl und Gas steigen. Das findet Holgi schlecht. Der Sprit ist teuer, die Heizkosten werden höher und Holgi denkt, jetzt geht die Wirtschaft den Bach runter. Liest er jeden Tag die sogenannten Alternativmedien, denkt er sogar, das Ende des Kapitalismus sei gekommen. Im Winter wird er frieren und muss ungeduscht mit dem Lastenfahrrad zur Stätte seiner Ausbeutung fahren. Aber Holgi irrt sich. Steigende Preise sind für die Gesellschaft eine großartige Nachricht.

Was passiert eigentlich genau, wenn die Preise für Öl und Gas steigen? Das gleiche Produkt kostet mehr. Es wird nicht mehr Öl und Gas gefördert, sondern mehr mit dem Verkauf verdient. Geld wandert also aus Holgis Brieftasche in die Schatullen der Scheiche und Oligarchen. In Moskau und Riad klingeln die Kassen. Aber was passiert mit dem Geld, dass die Scheiche und Oligarchen verdienen? Darüber hat Holgi noch nie nachgedacht. Deswegen ist er wütend, obwohl er sich doch freuen sollte.

Was macht so ein Scheich eigentlich mit dem Geld? Einen Teil gibt er aus und einen Teil investiert er. Er kauft sich teure Autos, riesige Yachten, lässt sich ein neues Haus bauen und seine fünfzig Ehefrauen gehen in Paris und Mailand shoppen. Er kauft Aktien, Anleihen und Edelmetalle. Mit der Preiserhöhung wurde neues Kapital geschaffen, das nun in der Welt zirkuliert. Das ist gut für die Wirtschaft. Das ist sogar gut für Holgi, dessen Ausbeuterbetrieb über fünfundzwanzig Ecken ebenfalls profitiert, weil er die Metallbügel für die Champagnerflaschen herstellt, die von den Scheichen und Oligarchen benötigt werden, um ihren Reichtum zu feiern.

Es ist derselbe Zauber wie bei der Vergabe von Krediten und Optionsscheinen durch Banken. Der Kapitalismus produziert Kapital wie die Bienenkönigin ihre Arbeiterinnen. Holgi bekommt demnächst eine fette Lohnerhöhung. Dann ist noch mehr Kapital im Umlauf. Die Maschinerie des Kapitalismus ist unsterblich, sie ist ein Perpetuum Mobile. Je mehr Geld in Umlauf ist, desto mehr kann gekauft werden. Je mehr gekauft wird, desto mehr kann produziert werden. Natürlich zerstört dieser Kapitalkreislauf die Natur, aber nicht den Menschen. Die Schweine werden nicht aussterben, nur die nutzlosen Tierarten. Erderwärmung? Klimaanlagen und Erdbeereis. Sauerstoffmangel, weil die Wälder sterben? Sauerstofffabriken. Es ist doch sowieso obszön, dass das Atmen noch umsonst ist.

Air Bonetti arbeitet bereits an einem Verfahren. Wir werden das Produkt Breath & Go nennen. Als wir in Davos die Corona-Pandemie beschlossen haben, hatte das einen einfachen Hintergrund. Die Menschen sollten sich an das Tragen von Masken gewöhnen. Statt Schutzmasken wird es Atemmasken geben. Ein kleiner Schlauch führt zu einer Sauerstoffflasche, die Sie bequem in Ihrer Jackentasche tragen können. Breath & Go wird es in jedem Supermarkt geben. In den Wohnungen, Büros, Geschäften und Restaurants wird der Sauerstoff über die Klimaanlage verteilt. Im September gehen wir an die Börse. Sichern Sie sich ein paar Aktien von Air Bonetti. Werden Sie Kapitalist!

Joan Jett & The Blackhearts - Crimson and Clover (1982) HD 0815007 - YouTube   





Sonntag, 14. Dezember 2025

Holgi und der Grizzly

 

„Holgi“, brüllte Bonetti durch die offene Bürotür.

Eine halbe Sekunde später stand Holgi vor ihm. Roadrunner nix dagegen. Es fehlte nur noch das „Meep-meep“.

Bonetti saß hinter einem völlig überfüllten Schreibtisch und rauchte eine Zigarre.

„Was soll die gequirlte Scheiße mit dem Pflegekräftemangel? Das interessiert kein Schwein. Wir stehen in direkter Konkurrenz zu Social Media, Nius, BILD und der AfD. Ich brauche eine gute Story.“

„Irgendwas mit Außerirdischen?“

„Das macht schon Pralinski. Zwei Crackheads entführen einen Alien und penetrieren ihn mit einer Analsonde.“

„Haben Sie vielleicht was für mich?“

„Witzbold. Aber irgendwo in meinen Unterlagen habe ich tatsächlich eine gute Story. In einem Wald in Brandenburg wurde ein Grizzlybär gesichtet. Denken Sie sich was aus, wie er überwältigt wurde.“

„Von der Feuerwehr?“

„Das reicht nicht. Ein achtjähriges Mädchen. Vielleicht mit Holzbein. David gegen Goliath, verstehen Sie? Dramatik. Am Ende ein Bärenfell an der Wand eines Waisenhauses. So was in der Art.“

„Soll ich mir einfach was ausdenken?“

„Nein, so würde ich das nicht formulieren. Aber ein bisschen mehr Spannung würde nicht schaden. Regen Sie die Phantasie des Lesers an. Sie schreiben für die Midnight Sun. Hier sind die Unterlagen. Und jetzt verschwinden Sie!“

Als erstes rief Holgi beim Uckermark Observer an. Nein, es gäbe keine Fotos des Grizzlys. Womöglich hätten die Wanderer auch nur einen streunenden Hund gesehen. Holgi brauchte aber mindestens zwei Fotos für seinen Artikel. Also lud er sich das Bild eines ausgewachsenen Kodiakbären, der aufrecht stand und brüllte, aus dem Netz herunter. Das Mädchen ließ er von der KI entwerfen und nannte es Mafalda Fußbroich, ein Name, den es laut Netzrecherche nicht gab. Auch das Hans-Fallada-Heim für Waisen und Problemkinder war schnell erfunden.

„Nicht übel, Holgi“, sagte Bonetti, als er den Text gelesen hatte. „Und jetzt holen Sie mir einen Hot Dog vom Stand an der Ecke.“  



Freitag, 29. Juli 2022

Geht es uns gut?


Die Deutschen besaßen 2021 ein Vermögen von zwanzig Billionen Dollar, hat Boston Consulting ausgerechnet. Ein neuer Höchststand. Das sind 240.000 Dollar pro Nase. Eine vierköpfige Familie ist also fast schon Millionär. Gut, das Geld ist womöglich etwas ungleich verteilt. Aber mit harter Arbeit kannst du es schaffen, Holgi!

Kleiner Spaß. Der Praktikant, der mir gerade die Füße massiert, während ich diesen Text diktiere, lacht pflichtschuldig.

Jetzt macht sich Holgi aber Sorgen um den deutschen Wohlstand. Inflation, Fachkräftemangel, Lieferkettenprobleme. Nachdenklich betrachtet er sein Gasfeuerzeug. Aber glücklicherweise liegt das Problem auf der Angebotsseite. Die Nachfrage ist intakt, die Leute haben Geld und sind wie immer geil auf Konsum. Läge das Problem auf der Nachfrageseite, müsste sich Holgi wirklich Sorgen machen. Die gute Nachricht: Weniger Wachstum und aufgeschobener Konsum sind gut für die Umwelt.

Gibt es wirklich einen Grund, sich um unseren Wohlstand zu sorgen? Bonetti schaut auf ein langes und erfülltes Leben zurück. Er schöpft aus dem Reichtum seiner persönlichen Erfahrung und vergleicht das Leben in seiner Kindheit mit der jetzigen Situation.

1.     Essen: In den siebziger Jahren kannten wir weder Pizza, noch Hamburger oder Sushi. Spaghetti mit Ketchup war das exotischste, was wir auf den Teller bekamen. Sonntags ging man in ein deutsches Gasthaus, um Jägerschnitzel zu essen, oder war bei den Großeltern zum Schweinebraten eingeladen. Es gab Vollmilchschokolade und Trauben-Nuss. Sonst nix. Avocado war eine Stadt an der Costa Brava. Heute gibt es in jeder Kleinstadt chinesische, italienische, griechische und japanische Restaurants, die Supermärkte sind ein Schlaraffenland. Zwei Drittel aller Männer sind übergewichtig.

2.     Medien: Es gab drei Fernsehsender, die erst am Nachmittag ihr Programm begonnen haben. Kein Internet, keine Playstation, kein iPod. Noch nicht mal der Walkman war erfunden. Wir hatten Brettspiele, ein Flugzeug-Quartett und einen Satz Skatkarten. Wir waren jeden Tag stundenlang im Freien und mussten irgendwas spielen.

3.     Urlaub: Campingplatz in der Eifel oder eine kleine Pension an der Ostsee. Als ich 1976 zum ersten Mal im Flugzeug saß (mit Neckermann nach Malle) und sogar das Cockpit besuchen durfte, war ich nach den Sommerferien der Star auf dem Schulhof. Heute kann Hinz und Kunz nach Australien fliegen. Die ganze Welt steht uns offen.

Wenn man das große Bild betrachtet, ist der Wohlstandsgewinn noch deutlicher zu sehen. In meiner Kindheit gab es in China noch Hungersnöte, wenn die Reisernte schlecht ausfiel. Wir haben Entwicklungshilfe an China gezahlt. Kein Chinese kam als Tourist nach Deutschland, um sich Neuwahnstein anzuschauen, weil sie einfach nicht das Geld für Fernreisen hatten.

Die Lebenserwartung ist gestiegen, die medizinische Versorgung hat sich verbessert. Es sterben weniger Menschen im Straßenverkehr und die Zahl der Gewaltverbrechen ist rückläufig. Aber Holgi sieht immer nur das Negative. Holgi ist wunschlos unglücklich. Warum gehst du nicht zu den Zeugen Jehovas? Die warten auch auf den Weltuntergang.

Computerliebe (Die Module spielen verrückt) - YouTube




 

Samstag, 27. Mai 2023

Veggie-Day reloaded

 

„Viele Menschen sehen ein, dass der Erhalt der Lebensgrundlage elementar ist, aber ihre eigenen existentiellen Nöte sind ihnen näher. Während die Grünen Angst vor dem Ende der Welt haben, haben viele Menschen Angst vor dem Ende des Monats.“ (Christoph Sieber)

Sie erinnern sich an den Bundestagswahlkampf vor zehn Jahren? Die Grünen forderten einen Veggie-Day pro Woche in der Kantine und der Mensa. Ich weiß gar nicht, ob es das Wort Shitstorm damals schon gab, aber riesige Horden von Schweinenacken-Orks zogen marodierend durchs Land, Fackeln und Mistgabeln wurden geschwungen. Das Wahlergebnis war mit 8,4 Prozent eine herbe Niederlage.

Es gibt Themen, bei denen die Bürger allergisch reagieren, wenn der Staat sich einmischt. Dazu gehören Datenschutz und Ernährung, Auto und Heizung. Staatliche Projekte wie das geplante Heizungsgesetz (eigentlich: „Gebäudeenergiegesetz“, Neufassung 2023) werden als Eingriff in die persönliche Autonomie und Entscheidungsfreiheit wahrgenommen. Wäre Holgi der chinesische Staat, würde er von Einmischung in die inneren Angelegenheiten sprechen und es sich verbitten.

Übt der Staat Druck auf die Bürger aus, entsteht Gegendruck. Es ist also weder pädagogisch noch politisch (die nächsten Wahlen kommen bestimmt) sinnvoll, rigide Vorgaben zu machen. Ab 2024 sollen keine neuen Gas- und Ölheizungen mehr eingebaut werden. Die Idee ist richtig, denn Klimaschutz wird immer wichtiger. Selbst die eben erwähnte chinesische Regierung gibt den Autofabriken im eigenen Land jetzt Quoten vor, wie viele E-Autos gebaut werden sollen. Aber wir leben nicht in einer Diktatur, also muss man behutsamer und geschickter vorgehen.

Holgi soll von selbst draufkommen, dass die Wärmepumpe eine gute Idee ist. Also unterstützt der Staat den Einbau mit Zuschüssen. Auch das steht im geplanten Gesetz. Zuckerbrot statt Peitsche. Wenn die Wärmepumpe günstiger ist als Öl- und Gasheizungen und wir davon ausgehen, dass Holgi rational denkt, entscheidet er sich für die preiswertere Variante. Zuckerbrot 2: Der CO2-Preis. Eine Tonne CO2 kostet Holgi im Augenblick 30 Euro. 2025 sind es schon 45 Euro, also fünfzig Prozent mehr. 2026 dann 55 bis 65 Euro – der CO2-Preis verdoppelt sich im Vergleich zu heute. Gleichzeitig werden die Strompreise gesenkt. Das hat übrigens schon die Regierung Merkel beschlossen, das ist keine Idee der Grünen.

Auf diese Weise zieht die Wärmepumpe ganz elegant und geschmeidig an den anderen Heizungen vorbei. Holgi hat alles richtig gemacht, Habeck hat alles richtig gemacht und die Grünen schmieren nicht wieder so hässlich ab wie 2013. Vielleicht ergänzt man das Gesetzesvorhaben noch um eine soziale Komponente als Schmankerl, z.B. Förderung nach Höhe des Einkommens. Man verbietet nichts, auch keine neuen Öl- und Gasheizungen, man fördert nur. Schließlich könnte es aufgrund der hohen Nachfrage nach Wärmepumpen zu langen Wartezeiten kommen (Personalmangel, Lieferengpässe). Es könnte so einfach sein, wenn man sich ein wenig in die Holgis dieser Welt einfühlen kann und nicht ökologischen Frontalunterricht macht.

P.S.: Laut ZDF-Politbarometer vom 26.5.2023 findet eine Mehrheit von 56 Prozent das geplante Heizungsgesetz gut.



Montag, 29. Mai 2023

Neulich bei den AC


„Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) plant neue Richtlinien für ihre Essens-Empfehlungen. Und will den Bundesbürgern einen radikalen Fleischverzicht nahelegen.

Aus einem brisanten internen Dokument zur neuen „Lebensmittel-Strategie“ (liegt BILD in Auszügen vor) geht hervor: Sie will eine neue Höchstgrenze von gerade einmal zehn Gramm Fleisch pro Tag!

Zwar muss sich per se keiner an die Richtlinie halten. Doch Kantinenbetreiber könnten dazu faktisch gezwungen werden, wenn sie ihr DGE-Zertifikat behalten wollen.“

„Hallo, ich bin Holgi.“

„Hallo, Holgi“.

„Vergebt mir, denn ich habe gesündigt.“

„Wir sind hier nicht in der Kirche. Erzähl uns einfach, was passiert ist“. Das war Margot Schachtfeger, die Kursleiterin der Anonymen Carnivoren.

„Ich war auf dem Weg nach Hause, da kam ich an dieser Metzgerei vorbei.“

Hälse reckten sich nach vorne, manche leckten sich die Lippen, andere schluckten vor Erregung.

„Ich bin vor dem Schaufenster stehengeblieben und habe auf einen Ring Fleischwurst gestarrt.“

„Solange du an Fleisch denkst, bist du nicht geheilt, Holgi“, sagte Frau Schachtfeger.

„Ich weiß, aber es kam noch schlimmer. Die Tür öffnete sich, eine Kundin verließ das Geschäft und ich sog den Geruch von frischer Wurst ein.“

Es war so still, man hätte ein Mettbrötchen fallen hören können.

„Wie in Trance betrat ich den Laden. Die Verkäuferin fragte mich, was ich haben wollte.“

„Und?“

„Ich kaufte ein Vierhundert-Gramm-Schweinenackensteak, trug es nach Hause und haute es mir in die Pfanne.“

Die Teilnehmer rieben sich die dicken Bäuche.

„Vierhundert Gramm? Das ist mehr als eine DGE-Monatsration. Du willst doch clean werden?“

„Ich wäre so gerne Veganer, aber ich schaff es nicht.“

„Danke für deine Geschichte, Holgi.“

„Danke, Holgi“, sagten die anderen im Chor.

Sie werden es nicht schaffen. Keiner von ihnen. Nur hundert Meter von der Volkshochschule entfernt gibt es eine Frittenbude mit lecker Currywurst.

 

Donnerstag, 8. September 2022

Wir müssen über das Wetter reden

 

Alles hängt vom Wetter ab. Genauer gesagt: von den Temperaturen im Winter. Das Thermometer entscheidet über die Zukunft dieses Landes. So weit ist es also gekommen. Das hätte es unter Helmut Schmidt nicht gegeben.

Wenn der Klimawandel unser Freund ist – aber daran habe ich nicht erst seit diesem Sommer meine Zweifel –, dann wird es ein milder Winter. Kein Schnee, keine Minustemperaturen. Die Heizkosten werden im Vergleich zum Vorjahr steigen, aber nicht zu einer existenziellen Bedrohung für die Bevölkerung werden. Die Leute werden sparen, aber von außen nach innen. Restaurantbesuche, Rockkonzerte und Skiurlaube werden gestrichen, aber die Speisekammer ist voll. Kartoffeln statt Ananas, Rührei statt Rinderfilet. Seit Jahren predige ich Verzicht als einzige Waffe gegen den metastasierenden Kapitalismus – jetzt werden wir dazu gezwungen. Recht so!

Was passiert aber, wenn der Winter uns sein grimmiges Gesicht zeigt? Wenn Väterchen Frost marodierend durch die Straßen zieht? Wenn Seen und Flüsse zufrieren? Wenn es auch tagsüber Minustemperaturen gibt? Wenn Energie vielleicht sogar rationiert wird? Dann wird es buchstäblich ungemütlich. Holgi ist verwöhnt. Holgi will nicht im Pullover Netflix gucken. Holgi muss erst seinen Schal und die Handschuhe suchen. Holgi muss Schnee schippen. Holgis Lieferpizza kommt nur noch lauwarm an. So einen Winter habe ich zuletzt vor zehn Jahren erlebt. Wir wissen nicht, welchen Winter wir bekommen.

Natürlich wird der deutsche Michel keine Revolution machen. Macht er nie. Er wird nur wütend werden. Er wird meckern und maulen, zetern und jammern. Er wird sich in Umfragen äußern, die nicht gut für die Regierung sein werden. Er wird Plakate malen und auf die Straße gehen. Zusammen mit Sahra Wagenknecht und Alice Weidel. Er wird seine schlechte Laune in Kurzinterviews zum Ausdruck bringen, die von allen Sendern aus den deutschen Fußgängerzonen übertragen werden. BILD-TV wird den Rücktritt des Kanzlers fordern.

Zum Glück ist der Kalender auf der Seite der Ampelmännchen. Wenn im November die kalte Jahreszeit beginnt, sitzt Holgi mit seinen Freunden vor dem Fernseher und guckt Fußball-WM. Dann kommt Weihnachten. Da ist man bei der Familie und es gibt Geschenke. Keine gute Zeit für einen Aufstand. Danach feiern wir Silvester. Der Volkszorn wird also frühestens im Januar einsetzen. Kein Problem für die Politiker. Im ersten Halbjahr 2023 gibt es nur eine Landtagswahl. Im kleinsten Bundesland, in Bremen. Im Mai. Da scheint längst wieder die Sonne und das Thema Energieversorgung ist auf der Medienagenda weit nach hinten gerutscht.

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Sonntag, 3. August 2025

Die Sitzung


„Hallo erstmal. Ich begrüße euch zur 57. Sitzung der HSGL, der Hamas Support Group Lüdenscheid. Schön, dass ihr alle gekommen seid.“

Ein Dutzend Student*innen reckt die Fäuste.

„Wir haben heute ein neues Mitglied, das wir begrüßen möchten. Holgi. Kannst du dich selbst kurz vorstellen?“

„Mein Name ist Holgi. Ich bin latent queer und auf der Suche nach einer Partner … in. Ich habe eine abgeschlossene Lehre als Grobmotoriker. Ha ha. Kleiner Scherz. Als Feinmechaniker. Früher war ich bei Fridays for Future und den AA, den Anonymen Antifaschisten.“

„Warum bist du zu uns gekommen, Holgi?“

„Also ich finde die Unterdrückung der Palästinenser echt nicht gut. Ich will den Befreiungskampf unterstützen.“

„Danke, Holgi.“

Applaus von der Gruppe. Thorben Messerschmidt ruft „Allahu Akbar“.

„Gesine. Kannst du uns das Protokoll der letzten Sitzung vorlesen?“

„Gerne. Punkt 1: Begrüßung durch unseren Vorsitzenden Rafael-Maximilian. Punkt 2: Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung. Punkt 3: Beschlussfassung zur Unterschriftensammlung gegen den Hunger der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen. Punkt 4: Übergabe der Unterschriftenlisten an den Bürgermeister von Lüdenscheid. Punkt 5: Hilfslieferung nach Gaza.“

„Wie weit sind wir?“

Gabi meldet sich: „Wir haben zwölf kalorienarme Fertiggerichte von den Weight Watchers.“ Sie sieht zur übergewichtigen Shay-Lennon-Esmeralda, kurz Sly genannt, hinüber. „Außerdem Kohlrabi, Tofu, Quinoa und Eistee mit Pfirsichgeschmack.“

„Wurde das Paket schon losgeschickt?“

„Ja“, antwortet Constantin. „Aber wir hatten Schwierigkeiten mit der genauen Lieferadresse. Also haben wir einfach ‚Hamas, Zentralverwaltung, Gaza‘ draufgeschrieben. Ohne Postleitzahl. Aber DHL hat gleich gesagt, dass sie das Paket nicht bis zum Adressaten liefern können.“

„Und jetzt?“

„Sie liefern es nach Kairo, wo es mit dem nächsten Hilfskonvoi in den Gaza-Streifen gebracht wird.“

„Nach Palästina, Constantin. Nach Palästina. Gesine, mach bitte weiter im Protokoll.“  

„Punkt 6: Planung des Sommerfests der HSGL. Clementine wollte vegane Ballons besorgen, Theresa einen geschmacksneutralen Nudelsalat machen und Magnus bringt eine Kiste koffeinfreien Mate-Tee vorbei.“

„Das klingt ja richtig gut. Es lebe die Befreiungsbewegung Hamas!“

„From the river to the sea“ rufen alle und recken die Fäuste in die Höhe.

Montag, 29. September 2025

Forever Holgi

 

Blogstuff 1201

In einem Paralleluniversum sitzen Trump und Putin zusammen in einer Zelle in Den Haag.

Ich weiß nicht, ob ich mal Kinder haben will. Also habe ich sicherheitshalber meine Eier einfrieren lassen.

Die kurzfristige Absage hatte ich langfristig geplant.

Es gibt Männer in meinem Alter, die gertenschlank sind. Wie machen sie das? Der Grund ist ganz einfach. Es hat nichts mit Gesundheit zu tun, mit Sport oder Ernährung. Sie sind verheiratet. Es gibt wissenschaftliche Studien, die beweisen, dass ein Primat in Gefangenschaft doppelt so lange lebt wie ein Primat in freier Wildbahn. Ich bin Junggeselle und habe eine recht rustikale, um nicht zu sagen barocke Statur. Aber mir legt keine Frau den Sattel auf, mir nicht!

Dreadwifes sind Frauen mit Rastalocken. Tradwifes ist einfach eine falsche Schreibweise.

Die Initiative „Bürger gegen den Wannsee“ feiert zwanzigjähriges Jubiläum.

Im Afghanistankrieg habe ich ein Auge verloren. Aber mit meiner leeren Augenhöhle kann ich Bierflaschen öffnen und bin der König auf jeder Party.

Sie leiden unter ARMUT? Dagegen gibt es jetzt ein Mittel: Geld™. In allen guten Banken und Sparkassen.

Eines muss man ja sagen: der Holgi hat Mut. Wie er überhaupt mit seinem Hauptschulabschluss und seinem Abendschul-Abitur aus NRW in einer Unternehmensberatung landen konnte, ist mir immer ein Rätsel geblieben. Aber er ist ein begnadeter Selbstdarsteller. Ich sage immer: Holgi hätte Gebrauchtwagenhändler werden sollen. Er schwatzt einem Kunden ein Auto auf, dass nach drei Kurven auseinanderfällt wie in einem Buster-Keaton-Film. Die Consulting-Firma degradierte ihn zunächst zum freien Mitarbeiter und nahm ihm den Dienstwagen weg. Dann hungerte sie ihn so lange aus, bis er nur noch fünf Klienten und ein bis zwei Tage Arbeit im Monat hatte. Er bewarb sich – als Angehöriger einer uralten Mieterdynastie und mitten in der größten Krise im Bereich Gewerbeimmobilien – bei einer Immobilienfirma in Frankfurt und überstand die Probezeit nicht, weil er keine einzige Immobilie verkauft hatte. Dann sollte er für eine Drei-Mann-Klitsche, die ihm noch nicht mal ein Büro zur Verfügung stellen konnte, Neukunden akquirieren. Sie feuerten ihn nach drei Monaten. Jetzt fängt er zum 1. Oktober bei einer Handwerkerinnung („Gas-Wasser-Scheiße“) an. Irgendwas mit Öffentlichkeitsarbeit und interner Kommunikation. Ich habe kein gutes Gefühl. Holgi ist 61. Wie lange wird er überhaupt noch zu Bewerbungsgesprächen eingeladen? Letztes Jahr wollte er noch für 650.000 €, die er nicht hat, ein Haus bauen. Zum Glück hat er wenigstens von diesem Plan Abstand genommen.




Dienstag, 16. Februar 2021

Bonetti Media Home Entertainment präsentiert: Götterdämmerung


Es war Winter und die Revolutionäre hatten den Zarenpalast gestürmt. Es war gerade niemand zuhause und die Terrassentür war nicht abgeschlossen. Die rote Garde konnte ihr Glück kaum fassen. Andächtig schweigend streiften sie durch das prachtvolle Anwesen und staunten über die zahlreichen Gemälde und goldenen Kerzenhalter.

Im Tanzsaal bildeten sie einen Stuhlkreis und setzten sich, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

„Hallo erstmal, ich bin der Holgi und soll das Treffen leiten.“

„Hallo, Holgi“, riefen alle im Chor.

„Habt ihr denn Vorschläge, was wir jetzt machen sollen?“ fragte er.

Anke meldete sich. „Also, ich finde, das mit dem Klima ist total wichtig. Wir müssen unbedingt was für den Klimaschutz machen.“

„Wir könnten die Heizung und den Strom abstellen. Jetzt gleich“, sagte Uwe.

„Ich denke, wir sammeln erstmal Ideen und überstürzen nichts“, sagte Holgi, der nur eine Jeansjacke anhatte.

„Ich habe jede Menge Hefe. Wir können zusammen Brot backen“, rief Thorben.

„Wir müssen das Geld abschaffen. Das ist unser Unglück. Ohne Geld kein Kapitalismus“, wusste Jutta.

Alle applaudierten spontan.

„Die Produktionsmittel müssen vergesellschaftet werden. Keine Herren, keine Knechte. Solidarische Produktion und nur das Lebensnotwendigste“, dozierte Stefan.

„Vegane Ernährung. Wir werden kein Fleisch mehr essen, keinen Käse und keine Eier“, sagte Tanja.

„Das sind echt viele gute Vorschläge. Danke, Genossinnen und Genossen. Ich habe alles aufgeschrieben. Mein Vorschlag wäre: Wir legen unser letztes Geld zusammen, bevor wir das Kapital endgültig abschaffen, und gehen noch mal richtig einkaufen. Und wir gehen nachher mal runter in den Weinkeller und gucken, was da so los ist.“

Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer revolutionären Tage. Und das kam zwei Monate später, als Bonetti aus seinem Winterurlaub auf den Malediven zurückkam. Er stürmte in den Saal, schoss mit seiner Jagdflinte dreimal in die Decke, dass der Putz nur so hagelte, und jagte den ganzen blutleeren Haufen von Schwätzern und Taugenichtsen auseinander.  

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Freitag, 8. November 2024

Bonetti Boulevard

 

Heinz Pralinski liegt tot in einem Swimmingpool. Aus dem Jenseits erzählt er, wie es dazu kommen konnte.

Pralinski, erfolgloser Blogger, ist völlig pleite. Niemand will seine Seite anklicken, niemand will Werbung auf seiner Seite schalten. Er hat seit Monaten seine Miete nicht mehr bezahlt, auch die Rundfunkgebühren und den Internetanschluss kann er sich nicht mehr leisten. Sein Vermieter schickt ihm Inkasso-Iwan auf den Hals. Er hört die Schläge an der Tür, aber er öffnet nicht. Dann dreht sich ein Schlüssel im Türschloss. Voller Panik springt Pralinski von seinem Balkon im Erdgeschoss und rennt davon.

Er kommt in eine Villengegend, die er nie zuvor gesehen hat. Ohne nachzudenken, rennt er durch ein offenes Gartentor und will sich im Gebüsch vor seinen Gläubigern verstecken. Das monströse düstere Anwesen ist die Villa Bonetti. Völlig isoliert und vergessen von der Welt lebt hier der Internet-Titan Andy Bonetti mit seinem Kammerdiener Holgi. Der Diener, der gerade die Geranien vor dem Haus gießt, entdeckt Pralinski und bringt ihn zu seinem Herrn. Bonetti denkt irrtümlich, es sei sein Fußpfleger.

Als Pralinski ihm erklärt, er sei Blogger, bittet der alternde Star ihn, seinen neuesten Blogpost zu lesen. Er ist davon überzeugt, dass es ihm gelingen wird, mit seinen neuen Texten den Ruhm vergangener Tage wieder aufleben zu lassen. Da seine Fans ihm immer noch Mails schreiben, glaubt er, dass die Welt auf einen neuen Blog von ihm wartet. Arbeitstitel: „Bonetti Boulevard“. Aufgrund seiner prekären Lage bestärkt Pralinski ihn in seinem Wahn und verspricht ihm, beim Aufbau einer Webseite zu helfen. Er zieht ins Gartenhäuschen, da er nicht mehr in seine Wohnung zurückkehren kann.

Pralinski erfährt, dass im gesamten Villenviertel nur vergessene Blogger leben, die noch vor zehn Jahren die großen Stars waren, bevor es TikTok gab. Er gerät in die Abhängigkeit von Bonetti und ist gezwungen, täglich stundenlang die Vorträge Bonettis zu erleiden, der ihm seine alten Texte vorliest. Nach einer bizarren Silvesterparty, auf der außer ihm nur Bonetti anwesend ist, es nur Würstchen mit Kartoffelsalat gibt und das Bleigießen komplett ausfällt, flieht Pralinski zu seinem alten Freund Rüdiger. Bonetti futtert daraufhin eine ganze Sachertorte und droht, er würde Selbstmord mit Messer und Gabel begehen. Als Holgi Pralinski darüber informiert, kehrt er reumütig in die Villa Bonetti zurück.

Um Bonetti zu trösten, erfindet Pralinski eine obskure Geschichte. Er erzählt ihm, Joko & Klaas würden gerne einen Podcast mit ihm machen. Blogs seien längst out, aber mit dem Podcast würde er wie einst ein Millionenpublikum erreichen. Bonetti lässt sich daraufhin von Holgi zu Pro 7 fahren, wo er bereits von der Empfangsdame erklärt bekommt, dass man ihn hier nicht kenne und er auch keinen Termin habe. Wütend kehrt Bonetti in sein Haus zurück, erschlägt Pralinski mit einem nassen Lappen und wirft ihn in den Pool.

 

Donnerstag, 15. Juni 2023

Lost Generation


Großes Klimaaktivisten-Freakout an der Ecke.

Lisa: Leute, der Klebstoff geht langsam zu Ende. Wir brauchen neue Ideen.

Samuel: Wir könnten ein Flugzeug mit Farbe beschmieren. Vor allem die Scheibe des Cockpits.

Lisa: Na, toll. Dann fliegt ein Mini-Flugzeug weniger. Andere Vorschläge?

Sarah: Wir könnten uns an den Eingang zum Bundestag ketten.

Lisa: Bald sind Parlamentsferien. Da können wir sitzen, bis wir schwarz werden. Außerdem hat Kevin eine Blasenschwäche.

Carsten: Wie wäre es mit einer Demo gegen Chemtrails?

Lisa: Wir machen keine Demos mehr. Das hat jetzt fünf Jahre nix gebracht.

Holgi: Lasst uns Waldbrände legen.

Lisa: Bist du wahnsinnig?

Holgi: Das ist genial. Unsere Genossen in Kanada haben damit große Erfolge erzielt.

Lisa: Erzähl uns mehr.

Holgi: Minimaler Aufwand, hoher Ertrag. Wir werfen einfach ein paar brennende Kippen in den Wald. Der Waldbrand kommt in den Nachrichten und der Rauch verpestet die Stadt.

Bernadette: Am besten nehmen wir Truppenübungsplätze. Da gibt es auch noch schöne Explosionen.

Lisa: Gute Idee! Und schuld ist natürlich der Klimawandel. Und der Kapitalismus. Und fossile Energieträger.

Alle: JAAAAA !!!

Lisa: Die Raucher setzen sich jetzt sofort auf ihre Lastenfahrräder und fahren in den Wald. Deutschland muss brennen!

 

Sonntag, 24. November 2024

Nach amtlicher Zählung: Bonetti hat noch alle Latten am Zaun

 

Blogstuff 1001

Früher nannte man den Unterkiefer Kinnschublade. Im Laufe der Zeit wurde daraus Kinnlade.

„Bochum“ von Grölemeyer. „Du Blume im Revier“. Warum weiß ich das noch, obwohl ich das Lied in diesem Jahrhundert noch nicht gehört habe? Alzheimer kann auch eine Erlösung sein.

Man bezeichnet die Weißwurstesser im Süden Deutschlands nicht mehr als Bayern, sondern als Indigene.

Hätten Sie’s gewusst? Das Vorbild für die Figur Holgi ist Silent Bob. Allerdings kann Holgi sprechen.

Was ist ein irischer Marathon? Während des Laufs muss man alle fünf Kilometer einen Whiskey und ein Pint Guinness trinken.

Warum gibt es keine Yoga-Weltmeisterschaften?

Ein Mongole fährt seine Mutter zu einem Frauenarzt, dessen Praxis dreihundert Kilometer entfernt ist. Bonetti macht aus dieser Geschichte einen oscarnominierten Thriller.

Ich benutze beim Schreiben immer Latexhandschuhe, damit man meine Texte nicht zurückverfolgen kann.

In meinem Geburtsjahr 1966 gab es neun Formel 1-Grand Prix, davon sieben in Europa. 2024 gab es 24 Grand Prix, davon neun in Europa. Die Zahl der europäischen Rennen soll verkleinert werden. Die amerikanischen Besitzer der Rennserie pressen alles aus dem PS-Zirkus raus. Jeder Diktator darf sich mit einem Großen Preis seiner Wahl schmücken.

Rülpser und Fürze sind das Echo des Neolithikums.

Warum gibt es nur Gartenzwerge, aber keine Hauszwerge? Was ist mit Stadt- oder Strandzwergen?

Ich kaufe immer durchsichtige Mülltüten, damit die Nachbarn sehen können, welche Luxusgüter ich mir leisten kann.

Ich habe heute Nacht geträumt, ich hätte ein Buch über Traumdeutung und würde darin über Katzen als Symbol lesen. Dann sah ich eine Katze, die aus einem Fenster sprang. Ich blätterte in meinem Buch und las, dass ich Vergangenes hinter mir lassen und auf unterschiedlichen Ebenen einen Neubeginn wagen soll. Dann wachte ich auf. Ein guter Anfang.

TV-Werbung ist auf so verzweifelte Weise unlustig, dass ihr mir genau vorstellen kann, in welcher Hölle die Mitarbeiter der Agenturen gelandet sind. Man spielt dem Papa beim Angeln einen Streich, in dem man ihm einen Landliebe-Joghurt an den Haken hängt. Hi hi. Opa hat die Süßigkeiten versteckt. So funny. Im echten Leben würde er ins Hospiz abgeschoben werden.

P.S.: Leider kann ich beim hochgeschätzten Kollegen Nömix nicht mehr kommentieren, da Wordpress mein Passwort nicht akzeptiert. Trotz mehrfacher Passwortänderungen bleibt dieser Saftladen stur. So entgingen der Welt zahlreiche Anmerkungen meinerseits, die äußerst geistreich und urkomisch waren. Beispielsweise zum Thema Mais.

Dienstag, 2. Dezember 2025

Entspannter Alpakaspaziergang mit Andy Bonetti

 

Blogstuff 1241

„Überwuchert mit Eiterbeulen / nötigt er die Schwangere / zum Fleischreiben / sein Pech / dass sein Schwanz platzt / ihr Pech / dass warmer Eiter ihren Unterleib / überflutet / und das Kind ersäuft.“ (Wolfram Weimer: Unglück)

Mainz 05 stand am 9. März 2025, nach dem 25 Spieltag, auf Platz 3 der Tabelle. Jetzt sind sie Letzter. Ich begreife immer noch nicht, was da passiert ist.

Ein ganz normaler Samstag mit Holgi: Nach dem Jazz-Brunch geht er auf den Bauernmarkt, kauft alten Gouda und Fünfkornbrot aus Guben, dann besucht er ein Antiquariat und einen türkischen Delikatessenladen, aus dem er schwarze Oliven und Baba Ganoush mitnimmt. Sei wie Holgi! Oder wenigstens wie Du-Darfst-Dörte.

Ich kann mich noch erinnern, als ich als Jugendlicher mal mit meinem Vater bei „Farben Werner“ in Ingelheim war. Da wir damals die ersten Graffiti an den Schulwänden hatten, wollte ich wissen, wieviel eine Dose Sprühfarbe kostete. Fast zehn Mark! In den Achtzigern etwa so viel wie ein Kasten Bier. Ich kannte drei der Sprayer persönlich: Der Erste war der Sohn einer Ärztin und eines Arztes, die zweite war die Tochter eines Professors und der dritte der Sohn eines ZDF-Redakteurs. Renitente Sprücheklopferei war damals das Metier des gehobenen Bürgertums, das Proletariat konnte sich die Produktionsmittel gar nicht leisten. Sie wurden übrigens bald darauf bei einer nächtlichen Polizeikontrolle erwischt, als sie die Farbdosen noch im Auto und Farbe an den Fingern hatten. Doof und reich. Es hat sich nicht viel geändert.

Man ist ja irgendwie auch sein eigener Dompteur. Auf meinem Schreibtisch gibt es immer Wein und Süßigkeiten. Stünden sie an meinem Bett, würde ich ja gar nicht mehr aufstehen.

Tage ohne Rechtschreibfehler: 127.

Als ich zwanzig Jahre alt war, habe ich mit der Schule aufgehört, mit dem Elternhaus und mit dem Fahrrad. Als ich vierzig war, habe ich mit dem Rauchen aufgehört, mit dem Sport, mit der Karriere und mit den Frauen. Nächstes Jahr werde ich sechzig. Mit was soll ich noch aufhören?

Wann wir die Formel 1 zum letzten Mal so spannend? Beim WM-Finale am Sonntag können noch drei Fahrer Weltmeister werden, alle haben in dieser Saison sieben Rennen gewonnen. So knapp war es zuletzt 2007 (Räikkönen, Hamilton, Alonso) und 2010 (Vettel, Alonso, Webber).

„Melanie, du machst mir jetzt einen Liter Cappuccino und servierst ihn mir in einem Blumenkasten, Paul, du räumst die leeren Weinflaschen in Gang 7 weg, die ich dort hinterlassen habe. Und übrigens: Ich bin gar nicht der neue Praktikant, sondern Andy Bonetti, der Geschäftsführer von diesem Laden. Willkommen bei ‚Undercover Boss‘.“ – „Ach, deswegen die vielen Kameras und Scheinwerfer.“