Dienstag, 27. Juni 2017

Das kleine Tier

Ich beobachte schon eine ganze Weile ein winziges Insekt auf meinem Schreibtisch. Wo will es hin? Was hat es vor? Das finde ich ja immer spannender, als dem Primateninstinkt zu folgen, und das Tierchen zu jagen oder in seinem Weg zu beeinflussen.
Die meisten Tiere sind den ganzen Tag unterwegs, schauen sich um und freuen sich, wenn sie etwas zu futtern finden. Unser Leben ist dagegen langweilig. Wenn wir Hunger haben, gehen wir zum Kühlschrank. Wenn der Kühlschrank leer ist, gehen wir zum Supermarkt.
Dieses kleine Tier läuft morgens los und mitten hinein ins Abenteuer. Es hat keine Ahnung, was den ganzen Tag über passieren wird. Keine Termine, keine Uhr, kein Kalender. Es folgt einfach der Lust zu essen und der Lust sich auszuruhen. Wer weiß? Vielleicht trifft es auch ein anderes kleines Tier und die beiden mögen sich?

Sonntag, 25. Juni 2017

V 3

Am nächsten Morgen kam ich mit fünfhundert Euro, einem veritablen Kater und einer mehrfach verlorenen Unschuld ins Antiquariat. V lächelte unverschämt, als er mich sah, unterließ aber jede Form von Kommentar.
Er war mit den Geschäften zufrieden, die komplette Fachliteratur, etwa viertausend Bücher, hatte er an einen Händler für die Pauschalsumme von viertausend Euro verkauft. Zusammen mit den Einnahmen vom Vortag waren neunzig Prozent seiner Kosten gedeckt, er konnte Aufsesser das Geld überweisen und es blieben ihm noch 1800 Romane, Anthologien und Lyrikbändchen für den weiteren Verkauf.
Es kehrte wieder Ruhe ein und ich konnte es kaum erwarten, nach Geschäftsschluss mit meinen Bonettis nach Hause zu gehen, um sie in Ruhe zu studieren. „Meer ohne Salz“ und „Wüste ohne Sand“, ohne die das Œuvre des Meisters nicht zu denken wäre. Es handelt sich dabei um fiktive Fortsetzungen von Hans Henny Jahnns „Fluss ohne Ufer“. Angeblich gab es noch „Frikadelle ohne Fleisch“ und „CDU ohne Programm“, aber das waren nur satirische Fake News irgendeines Online-Magazins.
Endlich war es soweit. Ich trug meinen Schatz in mein Arbeitszimmer und machte mir eine große Tasse Irish Coffee mit ganz wenig Kaffee. Dann begann ich, im ersten Band zu blättern. „Meer ohne Salz“. Der Schnitt des Buches hatte die Patina von altem Elfenbein angenommen, aber die Seiten hafteten noch leicht aneinander. Ein Zeichen, das Professor Aufsesser es nicht gelesen hatte. Auf dem Vorblatt stand eine Widmung, die mit dunkelblauer Tinte geschrieben war: „Viel Vergnügen bei der Lektüre, F. S.“.
Genüsslich schlürfte ich die Tasse leer und vertiefte mich in die erste Kurzgeschichte. Es ging um eine Bande von Grabräubern, die in Bad Nauheim ihr Unwesen trieb. Dann blätterte ich nach hinten, wo das Inhaltsverzeichnis war. Da entdeckte ich eine Zahlenfolge, die auf der Innenseite des Einbands stand: 210341365. Sie war mit Bleistift geschrieben.
Was hatte das zu bedeuten? War ich auf ein Geheimnis gestoßen? War es ein Code? Eine Schließfachnummer? Eine Telefonnummer? Ich nahm mein Handy und tippte die Nummer ein. Ich hörte nur eine Bandansage: „Willkommen bei den Mystery Men. Sie versuchen, uns zu kontaktieren? Wir werden Sie finden. Wir werden alles über sie erfahren.“ Dann war ein Wolfsheulen zu hören. Warum hört man eigentlich nie ein Besetztzeichen, wenn man wildfremde Leute anruft?
Es könnte natürlich auch eine Nummer aus dem Bestandsverzeichnis einer Bibliothek sein. Ich tippte auf die Stabi an der Potsdamer Straße. Erstens hatte sie bis 21 Uhr auf und zweitens war ich nach dem Whiskey einfach abenteuerlustig. Ich fuhr also mit dem Bus in die Potsdamer Straße. Es dauerte eine Weile, bis ich das richtige Regal gefunden hatte. Aber es gab keine Nummer 210341365. Die -64 und die -66 standen an ihrem Platz, aber ausgerechnet mein Buch fehlte. Rätselhaft, oder?
Ich wollte schon gehen, als mir einfiel, einen Blick hinter die Bücher zu werfen. Vielleicht war es ja verrutscht? Tatsächlich fand ich einen Zettel mit der Aufschrift „Suche den Elefanten und befrage ihn mit der Hand“. Was sollte das bedeuten? War vielleicht vom Elefantentor am Zoologischen Garten die Rede? Der junge Aufsesser hatte erzählt, dass der Zoo die Leidenschaft seines Vaters gewesen sei.
Ich fuhr zum Zoo und kletterte einen der der steinernen Elefanten empor. Befrage ihn mit der Hand? War eine Botschaft in seinem Maul versteckt? Tatsächlich! Ich fand einen winzigen Lederbeutel. Ich kletterte wieder hinunter. Auf dem Bürgersteig waren einige Menschen stehengeblieben, die mich neugierig beobachteten. Ich spielte den Betrunkenen und torkelte davon.
Zu Hause öffnete ich den Beutel und fand eine zweite Botschaft. „Eiffels Frau hält es in der Faust. Öffne Sie!“ Eiffels Frau? Ich dachte fieberhaft nach. Sollte ich ein Grab öffnen? Oder handelte es sich um ein Bauwerk? Er hatte Türme und Brücken gebaut, aber keine Skulpturen. Ich stöberte ein wenig im Netz. Die Freiheitsstatue in New York. Eiffel hatte die Stahlkonstruktion entworfen, die mit Kupferplatten verkleidet worden war.
Am nächsten Morgen nahm ich das erste Flugzeug vom BER nach New York. Mit dem Taxi fuhr ich zur Südspitze Manhattans und nahm von dort die Fähre nach Liberty Island. An Bord fielen mir zum ersten Mal die beiden Männer in den dunklen Mänteln auf. Einer von ihnen sah aus wie Nicolas Cage in „Das Vermächtnis der Tempelritter“, der andere sah aus wie Nicolas Cage in „Das Vermächtnis des geheimen Buches“.
Ich bestieg die Statue und kletterte auf den Arm, der die Fackel hielt. Es wehte ein kräftiger Wind und es war sehr gefährlich. Tatsächlich war in der Faust eine kleine Nische, in der ich ein Pergament fand. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, blickte ich in die Mündung von vier Revolvern.
„Ich nehme an, Sie sind die Mystery Men“, fragte ich, um Zeit zu gewinnen.
Fortsetzung folgt – im Dezember in einem Kino Ihrer Wahl. Vermutlich wird dieses bleigesättigte Rachefinale mit Nicolas Cage in der Hauptrolle verfilmt. Weitere Orte der Schnitzeljagd: Golden Gate Bridge, Tadsch Mahal, Topkapi-Palast und Bad Nauheim.
Montell Jordan - This Is How We Do It. https://www.youtube.com/watch?v=0hiUuL5uTKc

Samstag, 24. Juni 2017

V 2

Am Montagmorgen kam ich ins Antiquariat und sah V, der vor zwei großen Kisten stand. Er lächelte mich an. Dann begann er, mit Sammlern und bibliophilen Freunden zu telefonieren.
Fünfzehn Minuten später stand ein Mann im Geschäft, der große Ähnlichkeit mit Pavarotti hatte.
„Wo ist es?“ rief er, während er schnaufend nach Atem rang. Er musste gerannt sein.
V zog ein schmales Bändchen aus der Kiste.
„Bei dieser kostbaren Rarität habe ich sofort an dich gedacht, Egon.“
Freudestrahlend nahm der schwarzhaarige Riese das Buch in die Hand. „Diesmal hat das Schwein ein Bolzenschussgerät“ las ich auf dem Einband.
„Wer ist denn Lupo Laminetti?“ fragte ich die beiden Herren und erntete nur ein mitleidiges Lächeln.
„Laminetti ist ein hessisches Kryptoanarchist. Dieses Buch ist sein surrealistisches Frühwerk, das er im Eigenverlag herausgegeben hat. Es gibt nur hundert Exemplare“, antwortete V.
„Was möchtest du für dieses Juwel?“ fragte Egon.
„Für dich kostet es nur fünfzig Euro.“
„Das kannst du unmöglich machen“, rief der Riese. „Das ist ja geschenkt.“
V lächelte versonnen und blickte auf die beiden Schatztruhen aus Pappe hinunter.
Jetzt war ich selbst neugierig geworden und begann, in den Kisten zu stöbern. Und tatsächlich: „Meer ohne Salz“, sowie die Fortsetzung „Wüste ohne Sand“. Von Andy Bonetti. Meinem großen Vorbild. Dem Meister aller Klassen.
Strahlend vor Glück hob ich die beiden Bände V entgegen. Er schüttelte nur bedauernd den Kopf.
„Gleich kommt die Herzogin, Sie hat das Vorkaufsrecht.“
Tatsächlich rauschte wenig später eine stark geschminkte und geradezu fontanehaft kostümierte Dame ins Antiquariat.
„Gretel, meine Liebe“, flötete V. Bussi links, Bussi rechts.
Konzentriert nahm sie einige Bücher in die Hand, murmelte Unverständliches und bildete zwei Stapel, die im Laufe der Zeit immer höher wurden und bedrohlich zu schwanken begannen.
Sie deutete mit dem Zeigefinger auf den linken Stapel. „Geh, Spatzerl, die lässt du mir schön einpacken und von deinem Ladenschwengel heute Abend in meine Residenz bringen.“
„Selbstverständlich. Soll ich die Rechnung schon fertig machen?“
„Gerne. Was macht es denn?“
V begann mit Bleistift und Zettel zu rechnen. „560 Euro. Für dich fünfhundert glatt.“
„Du bist ein Schatz. Baba.“ Dann rauschte sie wieder hinaus.
Die beiden Bonetti-Bände waren noch da, aber es kamen weitere Kunden in den Laden. Ein dürrer kleiner Mann ohne Kinn, der mit einem hellgrauen Dreiteiler und einer dunkelroten Hakennase ausgestattet war: Doktor Wiesengrund, ein Privatgelehrter. Die Cortez-Zwillinge, die sich gegenseitig die Bücher zeigten. Langsam leerten sich die Kisten, während V sicher an die fünftausend Euro eingenommen hatte.
Gegen Abend war der Laden endlich leer und V ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken.
Wieder nahm ich die beiden Bonetti-Bände, die in herrliches weiches Kalbsleder gebunden waren. „Wieviel?“ fragte ich.
V warf einen Blick auf die Bücher und lächelte müde. „Wenn du nachher noch die Bücher zur Herzogin bringst und abkassiert hast, schenke ich dir die Bücher.“
„Vielen Dank!“
„Weißt du, solche Tage sind der wahre Ertrag meiner Tätigkeit. Wenn du die Schätze und die Schatzsucher zusammenbringst, wenn du den Büchern neues Leben einhauchen kannst.“
Es war schon dunkel, als ich vor dem Haus in Friedenau ankam. Ich stieg die Treppe des Mietshauses aus der Gründerzeit empor. An der Wohnungstür erwartete mich schon die Herzogin – in einem Negligé.
Sie warf mir einen hauchdünnen Seidenschal um den Hals und zog mich ins Wohnzimmer. „Geh, Burli. Magst einen Marillenschnaps?“
Ich nickte und legte das Paket und die Rechnung auf den Tisch.
Fortsetzung folgt
Ini Kamoze - Here Comes The Hotstepper. https://www.youtube.com/watch?v=w0N4twV28Mw

Freitag, 23. Juni 2017

V

Auf Anraten meines Therapeuten sollte ich mich Situationen aussetzen, denen ich normalerweise aus dem Weg gehe. Außerdem sollte ich den Kontakt mit anderen Menschen suchen, da ich als alleinstehender Schriftsteller ein sehr einsames Leben führe und einer quasi autistischen Tätigkeit nachgehe. Also hatte ich mich entschlossen, ein vierwöchiges Praktikum bei Amadeus Vogelkopf zu absolvieren. Arbeit! Fremde Menschen!!
Herr Vogelkopf war ein netter älterer Herr, der seit zwanzig Jahren als Geschäftsführer und einziger Mitarbeiter von „Andy Quariat“ in der Winterfeldstraße in Berlin-Schöneberg seinen Lebensunterhalt bestritt. Ich hielt es für eine gute Idee, der Welt der Bücher weiterhin verbunden zu sein und gleichzeitig Material für meine Veröffentlichungen zu sammeln. V, wie ich ihn insgeheim liebevoll nannte, enttäuschte mich nicht. Ich kannte ihn von gelegentlichen Besuchen seines Antiquariats.
Während der langen Stunden, in denen niemand die Geschäftsräume betrat, die bis unter die Decke mit tausenden von Büchern angefüllt waren, die nach der unergründlichen Ordnung ihres Besitzers aneinandergereiht auf weiß gestrichenen Regalbrettern standen, erzählte mir V aus seinem Berufsleben. Er hatte Myriaden von Studenten überstanden, die ewig suchten und nichts kauften. Penner, die sich aufwärmten, und Rentnerinnen, die ihn aus Langeweile in ein Gespräch verwickelten, ohne dass ihn ein zweiter Kunde retten konnte. Leute, die feilschten. Leute, die ein gelesenes Buch gegen ein neues tauschen wollten. Leute, die versuchten, ihm die Konsalik-Sammlung ihrer Oma anzudrehen.
Niemand käme je auf die Idee, ein Antiquariat zu eröffnen, um reich zu werden. Eigentlich habe ich mich immer gefragt, wovon Antiquare überhaupt leben. Alles in der ersten Woche meines Praktikums hat mich in dieser Einstellung bestätigt. Diese Beschäftigung ist auf eine so unkomische Art traurig, isn’t it? Bis Martin Aufsesser das Geschäft betrat.
Es hatte geregnet und es dauerte eine ganze Weile, bis der Mann auf seine seltsam unbeholfene und umständliche Art den Regenschirm geschlossen hatte, seine Brille mit einem Tuch getrocknet und wieder aufgesetzt hatte, um an den Verkaufstresen zu treten, hinter dem V und ich die Szene beobachtet hatten.
„Guten Tag“, sagte er. „Darf ich erfahren, wer von Ihnen Herr Vogelkopf ist?“
„Das bin ich“, sagte V. „Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Es geht um einen Nachlass. Mein Vater ist gestorben. Professor Aufsesser. Vielleicht haben Sie den Namen schon einmal gehört?“
„Germanistik. Freie Universität. Ich habe eine Vorlesung von ihm besucht.“
Auch ich kannte Aufsesser. Er schrieb nach seiner Emeritierung vor zwanzig Jahren regelmäßig Rezensionen für den „Tagesspiegel“.
„Mein Vater hat eine umfangreiche Bibliothek hinterlassen. Meine Mutter möchte gerne in eine kleinere Wohnung in der Innenstadt ziehen, wir werden das Haus verkaufen und seine Bibliothek können wir weder bei mir noch bei meiner Mutter unterbringen.“
„Um wie viele Bücher handelt es sich denn?“
„Es dürften über sechstausend sein.“
V blickte Aufsesser ungerührt an, während ich leise durch die Zähne pfiff.
„An welche Summe hatten Sie gedacht.“
„Wir wären mit zehntausend Euro zufrieden. Gerade die Fachliteratur aus seiner Zeit als Professor ist vermutlich selbst für einen erfahrenen Antiquar wie Sie nicht zu verkaufen. Aber die Romane werden sicher ihre Leser finden.“
„Gut, Herr Aufsesser. Kann ich mir die Bücher am Samstagnachmittag nach Geschäftsschluss anschauen?“
„Sehr gerne. Ich gebe Ihnen die Adresse.“
Eine Villa in Dahlem. Ich hatte es nicht anders erwartet.
So fing es an.
Fortsetzung folgt
Sergio Mendes feat. Black Eyed Peas - Mas Que Nada. https://www.youtube.com/watch?v=Tfa6fRjPlUE

Donnerstag, 22. Juni 2017

Gespräch über Gott

„Wenn es einen Gott gibt, warum lässt er dann die Grausamkeiten und das Elend in der Welt zu?“ fragt der Atheist den Gläubigen.
„Wenn es keinen Gott gibt, warum lässt du dann die Grausamkeiten und das Elend in der Welt zu?“ fragt der Gläubige den Atheisten.
(Es sind exakt drei Buchstaben, die den Unterschied zwischen beiden Fragen ausmachen)

Mittwoch, 21. Juni 2017

So lasset uns denn eine Pyramide bauen

Friedrich der Große, über den Napoleon nach der Eroberung Berlins sagte „Man würde nicht bis hierher gekommen sein, wenn Friedrich noch lebe“, verfügte testamentarisch, man möge ihn nachts mit kleinstem Gefolge beim Schein einer Laterne beerdigen. Heute ruht er unter einer einfachen Steinplatte im Garten seines Schlosses Sanssouci.
Helmut Schmidt lehnte in alter hanseatischer Tradition den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband ab, weil er nur seine Pflicht erfüllt habe. Er fand 2015 im Familiengrab auf dem Friedhof von Hamburg-Ohlsdorf unter einer schlichten weißen Platte, auf der nur die Namen sowie Geburts- und Todestage vermerkt sind, seine letzte Ruhe.
Helmut Kohl wird, von ihm selbst gewünscht, als erster Politiker mit einem europäischen Staatsakt geehrt. Einen deutschen Staatsakt lehnte seine Witwe ab. Sein Leichnam wird wie bei einer Prozession mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gefahren, obwohl er immer in der Malocherstadt Ludwigshafen gelebt hat. Dort wird er unmittelbar neben dem Dom, in dem die Gebeine einiger deutscher Kaiser liegen, beerdigt werden. Noch im Pomp um seinen Tod ist dieser Mann geistig armselig.

Dienstag, 20. Juni 2017

Wo waren Sie am 27. September 1998?

Wo waren Sie, als die bleierne Zeit der Kanzlerschaft Helmut Kohls 1998 zu Ende ging? Ich war gerade in Boston und besuchte mit meiner Freundin eine ihrer Kolleginnen aus Berliner Zeiten. Es war ziemlich schwierig, Informationen zu bekommen, wenn man einen teuren Telefonanruf in der Heimat vermeiden wollte. Die Zeitung „USA Today“ brachte auf Seite 7 eine winzige Meldung, dass die Ära Kohl zu Ende gegangen war. So wird bei uns über einen Auffahrunfall in der Eifel berichtet. Tage später kaufte ich für viel Geld auf dem Campus von Harvard, wo unsere Gastgeberin als Soziologiedozentin arbeitete, eine aktuelle Ausgabe des „Spiegel“, um die genaueren Umstände des historischen Regierungswechsels zu erfahren. Es war vollbracht! Wie lange hatte ich auf das politische Ende von „Birne“ gewartet? Er hat mich nicht enttäuscht – mit der Parteispendenaffäre hat er sogar noch einen draufgesetzt. So einen Abgang wird die Trantüte aus der Uckermark nie schaffen.