Pierres
Großvater, Francois Croque, betrieb ein kleines Bistro in Avignon. Eines späten
Abends kamen Gäste, die noch hungrig waren. Alles, was er noch in der Küche
hatte, war Toastbrot, Käse, Kochschinken und Béchamelsoße. Also bastelte er in
der Not ein paar Sandwiches zusammen, die er im Ofen heiß machte. Die Gäste
waren begeistert und fragten ihn, wie das Gericht heißen würde. Monsieur Croque
sagte einfach, es hieße Croque Monsieur.
In
ganz Avignon sprach sich herum, dass es in seinem Bistro dieses köstliche
Sandwich gab, und das Bistro war jeden Tag bis auf den letzten Platz gefüllt. Im
Jahr darauf erfand Francois Croque auch nach das Croque Madame, indem er ein
Spiegelei hinzufügte. Nach dem damals revolutionären Franchise-System eröffnete
er in ganz Frankreich neue Filialen, die alle „Chevalier de Croque“ hießen,
dieselbe Speise- und Weinkarte hatten, kleine runde Bistrotische und als
Werbefigur einen Mann in Ritterrüstung, der eine Baskenmütze und ein Baguette
unter dem Arm trug.
Pierres
Vater erbte ein Imperium mit 53 Bistros und heiratete Madeleine Hermés aus dem
berühmten Modekonzern. Sie kauften sich ein kleines Schloss an der Loire und
wenig später kam Pierre auf die Welt. Er wuchs behütet auf, vertrieb sich die
Zeit mit Tennis, Golf und Segeln und ging mit 19 an die Sorbonne. Nach zwanzig
Semestern Literaturwissenschaft und Philosophie brach er das Studium ab und
eröffnete seinen Eltern, er wolle nach San Francisco gehen, um Schriftsteller
zu werden.
Hier
fiel niemandem auf, welche bizarre Marotten er entwickelt hatte. Er sprach mit Laternen
und Abfalleimern, setzte sich allein in Kneipen und schrieb die Gespräche an
den Nachbartischen mit und trug auch im Hochsommer einen altmodischen Tweed-Anzug.
Jeder dachte, er wäre auf LSD. Im Summer of Love 1967 lernte er im Golden Gate
Park eine barfüßige Hippie-Braut kennen, die wenig später in seinem Apartment
in der Lombard Street einzog. Bis 1989 schrieb er an einem Schelmenroman, der
in der Renaissance spielte, dann fiel in Berlin die Mauer.
Er zog
nach Kreuzberg und verlegte sich aufs Fotografieren. Er verkaufte seine Bilder
an französische und amerikanische Zeitungen und verdiente zum ersten Mal im
Leben Geld. Heute ist Pierre Croque fast achtzig Jahre alt, hat längst das
Vermögen seiner Eltern geerbt, die Bistros an McDonald’s verkauft, die
inzwischen auch ein Croque Americaine mit Bulette und Ketchup anbieten, und
lebt im Kreise seines Dienstpersonals in seinem Schloss an der Loire. Er hat
keine Kinder und hat daher sein großes literarisches Vorbild Andy Bonetti zum
Universalerben eingesetzt.
PS:
Das Croque Monsieur wurde zum ersten Mal 1918 von Marcel Proust in „Auf der
Suche nach der verlorenen Zeit“ erwähnt.
Und das Croque Madame bekommt sogar noch ein Spiegelei on top drauf. Frauen mit einer solchen Kalorienbombe zu assoziieren, ist heute wahrscheinlich sexistisch und irgendein Gap.
AntwortenLöschenAuf dem Croque Bonetti mit drei Scheiben Toast sind noch ein kleines Steak, Chorizo und knuspriger Bacon.
AntwortenLöschenFoie gras vergessen - parbleu!
LöschenWas für ein faux pas!
LöschenDemnächst in München: Croque Bavaria. Laugenbrötchen mit Leberkäse, Weißwurstscheiben und süßem Senf.
LöschenEin richtig guter Croque Monsieur wurde übrigens mit bzw. in einem Salamander gemacht. Hab noch so ein Teil aus der alten DDR von unserer Ost-Tante. Verstaubt im Keller mittlerweile.
AntwortenLöschenhttps://de.wikipedia.org/wiki/Salamander_(K%C3%BCchenger%C3%A4t)
Ich hätte da übrigens noch einen kulinarischen Lecker-Schmecker-Tip aus Belgien für Dich. Nennt sich auf deutsch "Das Maschinengewehr". Echt jetzt.
Habe ich googeln müssen. Mitraillette Klingt sehr gut.
LöschenDu hast beim googlen vermutlich nur die "Alltags-Mitraillete" auf der Wiki gefunden. Und selbst die ist in der Lage zwei schmalbrüstige Personen flach zu hauen. Die Variante mit Tartar, Kapern, Eiern, Pommes und jede Menge Salat und ein oder zwei/drei typischen belgischen Saucen drüber ist mein ab-und-zu-Favorit. Muss ich nicht weit für fahren.
AntwortenLöschenSo richtig tanzt der Bär allerdings bei einer Mitraillette de Luxe, wo man schon ein bisschen suchen muß für oder sich auskennt. https://www.youtube.com/watch?v=E8ECA0Pk1YU
In Liège oder Brüssel können sich das zwei Leute für knapp 30 Euro teilen. Die sind auf jeden Fall satt von ...
Getoppt wir das nur noch von einer portugiesischen "Kleinen Französin".
Da hast du in Aachen natürlich einen klaren Vorteil. In Berlin bekommt man keine Mitraillette.
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