Montag, 25. Mai 2026

Deutschland – Zimmer ohne Aussicht

 

Blogstuff 1329

„Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete; er kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht.“ (Anselm Feuerbach)

Petra spricht immer zu laut und auf Partys sieht sie sich ständig um, ob auch alle zuhören. Sie neigt zu riesigen Ohrringen, rosa Lippenstift, den man nur von Dorf-Teenagerinnen kennt, und zu hysterischem Selbstmitleid. Ihre asymmetrische, kastanienrot getönte Frisur war zuletzt in den neunziger Jahren in Mode. Uwe arbeitete nach seinem Hauptschulabschluss als Marktschreier und verkaufte Fisch, dann zog er mit einer Losbude über die Jahrmärkte und ist inzwischen Verkäufer in einem Computerladen. Seine Markenzeichen sind das wabbelige Kinn und die ausdruckslosen Glasaugen. Beide sind Anfang dreißig und man ahnt schon, dass sie in spätestens zehn Jahren verblüht sein werden.

Breaking News +++ Hitlers Enkel Fridolin tritt der AfD bei +++

Früher hieß es Freizeitklamotten, heute Funktionskleidung. Warum?

23. Mai. Zum ersten Mal in diesem Jahr (!) war ich ohne Jacke draußen.

Nächste Woche spielt die Kuschel-Speed-Metal-Band „Iron Snowflakes“ im Tempodrom.

Harry Kane: 61 Tore in 51 Pflichtspielen. Den könnten wir bei der WM gut gebrauchen.

Aus einem Backstein kann man keinen Diamanten machen. #Merz

Früher bin ich mit einem Freund gelegentlich übers Wochenende nach Franken gefahren, bis ich wegen meiner Gicht das Biertrinken aufgeben musste. Beim letzten Mal reiste er mit zwei Koffern und einer Schultertasche mit etwa einem Dutzend Bücher an – für zwei Übernachtungen. Ich hatte einen kleinen Rucksack mit Klamotten zum Wechseln und dem sogenannten Kulturbeutel dabei. Freitagabend haben wir in der Kneipe verbracht, am Samstag machten wir eine „Wanderung“ zur Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die nur etwa einen Kilometer vom Hotel entfernt war. Als ich ihn sah, staunte ich nicht schlecht: Bergsteigerstiefel, Nordic-Walking-Stöcke, Funktionskleidung und ein Rucksack – dazu seinen Höhenmesser. Ich nenne es das Nanga-Parbat-Outfit. Die Kirche lag auf einem Hügel und war vom Hotel aus zu sehen, eine asphaltierte Straße mit Bürgersteigen links und rechts führte zu ihr. Man hätte auch in Flip-Flops hingehen können. Zum Glück war auf halber Strecke eine Parkbank, wo N. sich eine Weile ausruhen konnte. Ich frage mich bis heute, was in seinem Rucksack war.

Sie haben frustrierende Berufe, sind verheiratet, um gemeinsam alt und dick zu werden, dazu ein paar undankbare Kinder und ihre gescheiterten Hoffnungen, die sie längst begraben haben. Dem Fernsehen und dem Internet haben wir es zu verdanken, dass wir diesen schwermütigen, schlechtgelaunten, unterbezahlten und überarbeiteten Kreaturen abends nicht in Restaurants und Cocktailbars begegnen müssen.

1 Kommentar:

  1. #Merz
    Aus einem Leberkäs kann man kein Zugpferd machen. Umgekehrt schon.

    AntwortenLöschen