Donnerstag, 19. Februar 2026

Ein Toter spielt Klarinette

 

Blogstuff 1284

„Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben.“ (aus: V wie Vendetta)

In China ist jetzt das Jahr des Feuerpferds. Mein Sternzeichen. Es kommt nur alle sechzig Jahre vor, im Sommer habe ich diesen runden Geburtstag. Das Pferd gilt als einfallsreich und klug. Das Feuerpferdjahr bringt Tempo, Kreativität und Power. So fühle ich mich auch jeden Tag, wenn ich im Bett auf das Ende des Winters warte. Das nächste Jahr des Feuerpferds ist 2086. Das werde ich wohl nicht mehr erleben. 

Ende 2025 lebten 3.913.000 Menschen in Berlin. Wir nähern uns der „guten alten Zeit“. 1942 hatte die Hauptstadt mit 4.478.000 Einwohnern ihren Höhepunkt erreicht. Als ich 1991 hierhergezogen bin, waren es nur 3.446.000.

Ich stand in der U-Bahn und war auf dem Weg ins Büro, als mir endgültig der Kragen platzte. War für ein Scheißjob! Was für ein Scheißleben! Ich stieg an der nächsten Station aus und ging zu einer Filiale meiner Bank. Ich hob all mein Geld ab und fuhr mit dem Taxi zum Hauptbahnhof. Ich würde die Stadt verlassen und so lange von meinen Ersparnissen leben, bis ich pleite war. Dann würde ich weitersehen. Irgendwo noch mal neu anfangen, keine Ahnung. Um acht Uhr abends war ich pleite und wieder zuhause.

Ein milder Frühlingsmorgen in Wichtelbach. Lautlos glitt eine chinesische Dschunke, beladen mit Reis und Tee, Plastikspielzeug und Steppjacken, in den Hafen. Am Pier lagen bereits eine römische Galeere, die Olivenöl, Rotwein und handgenähte Lederschuhe an Bord hatte, und ein indonesischer Sampan, der mit Gewürzen beladen war. In der Karawanserei lagerten die Kamele, die am Tag zuvor Körbe mit Haschisch und Rohopium aus Afghanistan gebracht hatten. Bonetti saß in einem Pavillon im Palastgarten auf einem Hügel über der Stadt und sah wohlgefällig auf die blühende Handelsmetropole hinab, auf die rostroten Ziegeldächer der Steuerzahler und die strohgedeckten Hütten der Praktikanten. Er ließ sich von einem Diener Pinsel, Tusche und Büttenpapier bringen. Dann schrieb er ein Gedicht: „Die Angst hat tausend Gesichter, der Erfolg nur eins: Andy Bonetti.“

Automatisierung und Digitalisierung sollten uns von unangenehmen Tätigkeiten befreien. Aber die Müllabfuhr wird nach wie vor von Menschen erledigt und das Bad wird zu meinen Lebzeiten auch kein Roboter putzen. Der Beamtenapparat wächst jedes Jahr und Online-Banking ist ein alter Hut. Autonomes Fahren findet eigentlich nicht statt und die jungen Leute müssen immer noch einen Führerschein machen, daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. KI findet – zumindest in meiner Wahrnehmung – nur bei der Produktion alberner Filmchen statt und ChatGPT trägt höchstens zur Verblödung der Menschheit bei.

In eigener Sache: Ich liege seit einigen Tagen mit einer Erkältung im Bett und melde mich jetzt krank, auch wenn Merz es nicht gerne hört. Nächste Woche geht es hier im Blog weiter.  




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