Frankfurt 1987. Mein erster
großer Fall. Wir observierten Dimitri Gonzalez, einen international gesuchten Auftragsgebrauchtwagenhändler,
der unserem Bürgermeister einen uralten Peugeot mit aufgeklebtem Mercedesstern
als Luxuslimousine angedreht hatte. Damals hingen überall die Wahlplakate zur
Bundestagswahl: „Weiter so, Deutschland“ (CDU), „Den Besten für Deutschland:
Johannes Rau“ (SPD), „F.D.P. - Zukunft durch Leistung“.
Es war schwierig, auch nur in
die Nähe von Dimitri zu kommen, der sich in der Kaiserstraße, dem hiesigen
Rotlichtmilieu, verschanzt hatte. Ich sah so unauffällig aus, dass ich
praktisch mit meiner Umgebung verschmolz. Vokuhila-Frisur und Schnauzbart, Pilotensonnenbrille,
lila Blazer mit Schulterpolstern und weiße Karotten-Jeans, rote Cowboystiefel
und ein Saga-Shirt. Heute würde diess Outfit schwuler wirken als ein Arschfick.
Ich fuhr damals einen Ford
Granada, Lackierung: Arizona-Goldmetallic, V6-Motor mit 160 PS, Baujahr 1981.
Damit wirkte ich wie ein ambitionierter Nachwuchszuhälter. Aber Dimitri ließ
sich nirgends blicken. Auch meine Kollegen hatten kein Glück.
Dann kam mir die rettende Idee. Durch
einen V-Mann wussten wir, dass Dimitri im „Madame Olga“ (heißt inzwischen „Cum
and Go“) war und dass er gerne in die Sauna ging. Ich hatte eine geniale Idee:
Wir schickten Holgi hinein. Harmlos, nett, mit einem Gesicht, das man sofort
wieder vergaß.
Holgi hatte Laktoseintoleranz. Vor
seinem Einsatz aß er eine Käsepizza mit Extra-Käse und trank einen Milkshake. So
ging er in den Puff und betrat die Sauna. Eine Viertelstunde später kamen alle
herausgerannt, schreiend und nackt, in wilder Panik und um Luft ringend. Ich
nahm die Verfolgung von Dimitri auf, der in Richtung Hauptbahnhof lief. Kurz
vor dem Bahnhof trat er auf einen Legostein. Das war’s.
Fall gelöst. Verhaftung. Aber
das glaubt einem ja heute kein Mensch mehr. Nächste Woche erzähle ich von
meinem zweiten Fall, der bedeutend schwieriger war: Gunnar die Blutaxt, ein
schwedischer Eishockey-Hooligan.
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