Donnerstag, 12. Februar 2026

Kaninchen tötet Schlange

 

Frankfurt 1987. Mein erster großer Fall. Wir observierten Dimitri Gonzalez, einen international gesuchten Auftragsgebrauchtwagenhändler, der unserem Bürgermeister einen uralten Peugeot mit aufgeklebtem Mercedesstern als Luxuslimousine angedreht hatte. Damals hingen überall die Wahlplakate zur Bundestagswahl: „Weiter so, Deutschland“ (CDU), „Den Besten für Deutschland: Johannes Rau“ (SPD), „F.D.P. - Zukunft durch Leistung“.

Es war schwierig, auch nur in die Nähe von Dimitri zu kommen, der sich in der Kaiserstraße, dem hiesigen Rotlichtmilieu, verschanzt hatte. Ich sah so unauffällig aus, dass ich praktisch mit meiner Umgebung verschmolz. Vokuhila-Frisur und Schnauzbart, Pilotensonnenbrille, lila Blazer mit Schulterpolstern und weiße Karotten-Jeans, rote Cowboystiefel und ein Saga-Shirt. Heute würde diess Outfit schwuler wirken als ein Arschfick.

Ich fuhr damals einen Ford Granada, Lackierung: Arizona-Goldmetallic, V6-Motor mit 160 PS, Baujahr 1981. Damit wirkte ich wie ein ambitionierter Nachwuchszuhälter. Aber Dimitri ließ sich nirgends blicken. Auch meine Kollegen hatten kein Glück.

Dann kam mir die rettende Idee. Durch einen V-Mann wussten wir, dass Dimitri im „Madame Olga“ (heißt inzwischen „Cum and Go“) war und dass er gerne in die Sauna ging. Ich hatte eine geniale Idee: Wir schickten Holgi hinein. Harmlos, nett, mit einem Gesicht, das man sofort wieder vergaß.

Holgi hatte Laktoseintoleranz. Vor seinem Einsatz aß er eine Käsepizza mit Extra-Käse und trank einen Milkshake. So ging er in den Puff und betrat die Sauna. Eine Viertelstunde später kamen alle herausgerannt, schreiend und nackt, in wilder Panik und um Luft ringend. Ich nahm die Verfolgung von Dimitri auf, der in Richtung Hauptbahnhof lief. Kurz vor dem Bahnhof trat er auf einen Legostein. Das war’s.

Fall gelöst. Verhaftung. Aber das glaubt einem ja heute kein Mensch mehr. Nächste Woche erzähle ich von meinem zweiten Fall, der bedeutend schwieriger war: Gunnar die Blutaxt, ein schwedischer Eishockey-Hooligan.

Beastie Boys - No Sleep Till Brooklyn

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen