Freitag, 1. Dezember 2023

Bonetti verlegt Soldaten und schwere Waffen an die Grenze

 

Blogstuff 891

„In Sewastopol wurde das Aquarium überflutet, 5000 Meerestiere wurden laut dem örtlichen Gouverneur getötet.“ (SPON 27.11.23)

Henry Kissinger ist im zarten Alter von hundert Jahren gestorben. Der höchst ehrenwerte Tricky Dick Nixon hatte ihn einst in die Politik geholt. Er ist für die Bombardierung von Kambodscha während des Vietnamkriegs (500.000 zivile Opfer) und den Militärputsch in Chile verantwortlich. Dafür bekam er den Friedensnobelpreis.

Samstagabend. Mein Vater und seine Freundin sitzen auf dem Sofa, ihre Tochter und ich, beide etwa zehn Jahre alt, liegen vor dem Fernseher. Wir sehen uns einen Film an. Plötzlich kommt eine Sexszene, merkwürdigerweise in einem Waggon voller Schafe. Schockstarre, peinliches Schweigen im Wohnzimmer. Dann die Freundin, am Rande der Hysterie: „Kinder, haltet euch die Augen zu!“

Wenn ich gewusst hätte, dass es mal Internet gibt, hätte ich mir doch nicht die vielen CDs gekauft.

Ist es Ihnen auch aufgefallen? 2023 war komplett verregnet. Seit die Grünen regieren, ist auch das Wetter schlechter geworden. Warum haben wir gegen Österreich verloren? Weil elf Grüne auf dem Platz standen. Das nächste Jahr hat 366 Tage, wir müssen alle einen Tag länger arbeiten. Danke, Habeck!

Es gibt auch eine Hufeisentheorie des Humors. Ganz links und ganz rechts wird nicht gelacht. Hier herrscht der strenge Pietismus der reinen Lehre. Oder gibt es Comedians und Kabarettisten bei den identitären Linken und Rechten?

Bei der morgigen EM-Auslosung bekommen wir Österreich, Niederlande und Italien zugelost, dann haben wir wenigstens eine gute Ausrede für das frühe Ausscheiden.

Michelangelo und andere große Künstler hatten immer ihre Meisterschüler, die die Fleißarbeit an den Gemälden erledigten. Der Meister malte nur die schwierigen Teile, das Gesicht und die Hände. So macht es Bonetti auch. Er gibt seinen Praktikanten ein Thema vor, lässt sie recherchieren und eine Rohfassung schreiben. Er selbst ergänz den Text dann nur noch um die Schlüsselsätze und Pointen.

Das Beste an meinem Leben: Ich muss mich nicht mehr beeilen. 1993 – 1995 habe ich meine Dissertation über Entschleunigung geschrieben, seit zwölf Jahren lebe ich sie. Der 30.11.2011 war mein letzter Tag in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Es gibt ein richtiges Leben im falschen.

Ab 1. Januar zahlt die Gastronomie wieder denselben Mehrwertsteuersatz wie vor der Pandemie. Ich verstehe die Aufregung mancher Wirte nicht. Die Stammgäste kommen sicher auch weiterhin. Außerdem stellt sich doch die Frage, wie viel Prozent der Bevölkerung sich überhaupt einen Restaurantbesuch leisten können. Die Leute, die es sich vorher leisten konnten, werden auch im nächsten Jahr noch kommen.

R.I.P. Shane MacGowan. The Pogues - A Pair of Brown Eyes - YouTube

Donnerstag, 30. November 2023

Die Sackgasse

 


Bonetti und Pralinski sind auf dem Weg zum Volksmusikfestival in Wacken. Es ist schon dunkel, die beiden sitzen in Bonettis höhergelegtem Opel Deckhengst und freuen sich auf De Randfichten, die Wildecker Hetzbuben und die Amigos. Pralinski war schon öfter hier, jetzt hat er seinen Chef überredet mitzukommen. Im Kofferraum liegen ein Zelt, zwei Paar Gummistiefel und zwei Paletten Dosenbier.

„In zweihundert Metern rechts abbiegen“, säuselt die sicherlich gutaussende Dame aus dem Navi.

„So ein Quatsch“, sagt Pralinski. „Wir fahren weiter auf der Landstraße geradeaus.“

„Das Navi ist nagelneu. Habe ich gerade erst beim Black Friday für 29 Euro geschossen.“

„Aber wenn ich’s dir doch sage …“ – aber da ist Bonetti schon auf den schmalen Weg eingebogen. Immerhin ist er asphaltiert, also wird er schon irgendwo hinführen.

Sie fahren eine halbe Stunde, links und rechts nichts als finsterer Wald. Dann beginnt der Motor zu stottern. Bonetti schaut auf die Tankanzeige.

„Scheiße“.

Wenig später rollen sie aus.

„Mein Fehler“, sagt Bonetti, obwohl er das nicht gerne sagt. „Ich gehe mit dem Benzinkanister los und du bleibst schön im warmen Wagen.“

Dann macht er sich auf den Weg. Zum Glück bietet ihm die Mondsichel ein wenig Licht. Er läuft und läuft, kein Haus in Sicht. Er verliert das Zeitgefühl, will aber auch nicht auf seine Armbanduhr schauen.

Dann hört er von hinten einen Wagen kommen. Er dreht sich um und sieht zwei Scheinwerfer rasch näherkommen. Er hält den Daumen raus. Es ist ein schwarzer Leichenwagen. Er rauscht an ihm vorbei. Bonetti schaut ihm hinterher und sieht im Rückfenster Pralinski, der verzweifelt an die Scheibe klopft.

Bald endet der Asphalt. Jetzt läuft er auf einem Waldweg, der zu einem Pfad wird und schließlich ganz aufhört. Bonetti steht mitten im Wald.

Da sieht er in der Ferne eine Frau. Sie trägt ein langes weißes Kleid und winkt ihn zu sich. Bonetti folgt ihr besinnungslos.

Niemand hat unsere Helden jemals wiedergesehen.  

 

Mittwoch, 29. November 2023

Was haben wir vom Ende der Weimarer Republik gelernt?

 

Die älteren Leser werden sich erinnern: Anfang der dreißiger Jahre gab es eine schwere Weltwirtschaftskrise. Millionen Menschen verloren damals in Deutschland ihren Arbeitsplatz, die Unternehmen schlossen reihenweise ihre Pforten und die Steuereinahmen brachen drastisch ein. Was machte die Regierung? Sie hat gespart. Sie hat die Augen und vor allem ihre Brieftasche vor der Not verschlossen. Die Folgen sind hinlänglich bekannt.

Was lernen wir daraus? In der allergrößten Not ist die Austerität der Tod. In der Bundesrepublik hat man aus diesen Fehlern gelernt. Auf die Weltwirtschaftskrisen Anfang der Siebziger und Anfang der Achtziger wurde mit antizyklischer Wirtschaftspolitik reagiert. Niemand hatte diese Krisen im Jahr zuvor in den Haushalt eingestellt. Es wurden Schulden gemacht.

Helmut Kohl hat die SPD immer für diese Politik durch den Kakao gezogen – bis die deutsche Einheit kam. Stand im Haushaltsplan 1990, der 1989 vom Bundestag beschlossen wurde, dass man ein ganzes Land retten musste? Konnte man vorher wissen, wie viel die Erneuerung der Infrastruktur der DDR und die Massenarbeitslosigkeit kosten würde? Nein. Hätte man alle Ostdeutschen in ihrem Dreck sitzen lassen sollen? Nein. Die Einheit wurde auf Pump finanziert.

Merkel hat in ihrer Amtszeit gleich drei solcher Momente erlebt: Bankenkrise, Eurokrise und Corona. Mich hätte es ja diebisch gefreut, wenn alle deutschen Banken bankrottgegangen wären. Aber ohne Bankwesen keine Wirtschaft, die Kredite zur Finanzierung ihrer Investitionen benötigt. Ohne Banken keine Konten. Hätten wir unser Geld in bar zum Elektrizitätswerk und zum Wasserwerk tragen müssen? Hauskauf mit Bargeldkoffern? Bush hat nur Lehman Brothers abrauschen lassen und die Finanzwelt stand in Flammen. Merkel hätte ein zweites Weimar riskiert.

In der Eurokrise wurde der teure Euro-Rettungsschirm aufgespannt, das Griechenlanddrama ist uns noch allen in Erinnerung. Wegen Corona wurde die Bazooka (Wirtschaftsstabilisierungsfonds und andere Maßnahmen im Umfang von einer Billion Euro!)) rausgeholt. Scholz ging es als Kanzler nicht besser. Ein Vierteljahr nach Amtsantritt begann der Ukrainekrieg. In der Folge sind die Energiepreise explodiert und wie Dominosteine auch die Produktionskosten der Unternehmen. Die Folge war die höchste Inflation in der Geschichte dieses Landes. Stand der Ukrainekrieg in unseren Büchern? Hatten wir Rücklagen für die Folgen gebildet? Hatten wir 2019 die Coronakrise im Haushaltsplan berücksichtigt? Natürlich nicht. Wie soll das gehen? Also kam der Doppelwumms.

Noch ein Beispiel aus einem kleinen unbeugsamen Bundesland im letzten Mäusewinkel der Republik: die Flutkatastrophe im Ahrtal. Manu Dreyer hatte sie nicht eingeplant. Hätten wir die Menschen im Stich lassen sollen? Nein, wir haben ihnen natürlich sofort geholfen. Und uns erst hinterher gefragt, wie wir die Milliarden für den Wiederaufbau finanzieren.

Kommen wir zur Gretchenfrage dieser Tage: Haben wir eine Notfallsituation? Nein. Geht die deutsche Wirtschaft in die Rezession? Ja. Brauchen wir das Geplärre um Austerität? Nein. Müssen wir den aufgeblähten Staatshaushalt mit seinen unzähligen Fördertöpfen, aus denen selbst Superreiche wie Andy Bonetti Zuschüsse zu Solaranlagen und Wärmepumpen bekommen, gründlich nach Sparmöglichkeiten durchforsten? Ja. Sollen wir bereits genehmigte Investitionen wieder streichen? Nein. Brauchen wir Kredite über die mickrigen 0,35 Prozent des BIP hinaus, die das Grundgesetz (Artikel 115) zulässt? Ja.  

 

Dienstag, 28. November 2023

Massenschlägerei bei Friedensdemonstration

 

Blogstuff 890

„Der Mensch von heute hat nur ein einziges wirklich neues Laster erfunden: die Geschwindigkeit.“ (Aldous Huxley)

Gestern hat es zum ersten Mal geschneit. Stundenlang und es ist liegengeblieben. Ich fand’s einfach gut. Im Internet: Häme gegen Klimaschützer, die üblichen rechten Kläffer „erklären“ uns, es gäbe keinen Klimawandel. Genauso war es mit dem vielen Regen in diesem Jahr. Anstatt sich nach den vielen Dürrejahren zu freuen, dass wir eins der niederschlagsreichsten Jahre der letzten Jahrzehnte hatten, was sicherlich sehr gut für die Natur war, wird die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen in Frage gestellt. Möge dieses ganze Volk der ewigen Besserwisser und Klugscheißer im Tartaros enden.

Schade, dass es die Schuldenbremse nicht schon 1990 gegeben hat. Dann hätten die Ossis ihre marode Infrastruktur selbst reparieren müssen und bei uns wäre alles im Lack. Kleiner Spaß.

Ich bin ja ein großer Architekturfan. Gotik, Batik – da gibt es viele tolle Sachen. Am besten gefällt mir das Baumhaus in Weimar.

Jetzt geht es wieder los mit dieser gequirlten Harmoniescheiße aka Weihnachtsfilme. Der einzig gute Weihnachtsfilm spielt im Nakatomi Plaza. Ich mag Filme, in denen Meinungsverschiedenheiten nicht mit Argumenten, sondern mit Schusswaffen geklärt werden.

Hätten Sie’s gewusst? Argentinien ist fast achtmal so groß wie Deutschland, aber zwanzigmal so pleite. 

Mieses Novemberwetter und Schnee im Anmarsch? Dreimal habe ich um diese Jahreszeit eine Städtereise in den Süden gemacht, an die ich heute noch gerne denke: Barcelona, Neapel, Rom. Kann ich jedem Spätherbstbluesgeschädigten nur empfehlen. T-Shirt-Wetter, mit einem Eis durch die Stadt schlendern, Kultur bis zum Abwinken und das Essen ist ja bekanntlich auch nicht zu verachten.

Gretas Palästinensertuch ist ein ganz klarer Fall von kultureller Aneignung. Wo bleibt der Aufschrei in der linken Szene?

Ein Fremder kam in die Stadt. Dieser Fremde war ich. (Beginn einer sehr kurzen Kurzgeschichte)

Es ist bemerkenswert, mit welcher Verbissenheit die Presse einen angeblichen Vergewaltiger wie Lindemann verfolgt und wie schnell man nach der Massenvergewaltigung israelischer Frauen zur Tagesordnung übergegangen ist. Auch die Feministinnen äußern sich nicht, obwohl der 7. Oktober doch ein Paradebeispiel toxischer Männlichkeit war. Wirkt die Einschüchterung durch die islamistischen Terroristen, Charlie Hebdo als Stichwort, doch stärker, als wir alle dachten?

 

Montag, 27. November 2023

Der grüne Bundesparteitag

 

Gestern ist der Parteitag der Grünen zu Ende gegangen und da hatte ich plötzlich die Idee, mir ihr erstes Parteiprogramm von 1980 noch einmal anzuschauen. Schon die Präambel (Prä-Ampel, muhaha) ist sehr lustig. Die Partei fühlt sich der „Arbeiterbewegung“ verbunden. Der „Abbau demokratischer Rechte“ hat ein „so bedrohliches Ausmaß erreicht“, dass dieses Land eine „grundlegende Alternative“ brauche. Offenbar meinten sie sich selbst. „Ein völliger Umbruch unseres kurzfristig orientierten wirtschaftlichen Zweckdenkens ist notwendig.“ Ja, wo ist er denn? Irgendwie in 43 Jahren verloren gegangen. Bei wirtschaftlichem Zweckdenken fällt mir als erstes Robert Habeck ein. „Wir werden uns nicht an einer Regierung beteiligen, die den zerstörerischen Kurs fortführt.“ Was haben wir gelacht.

In den ersten Kapiteln folgen weitere schöne Bonmots. Da ist die Rede von „selbstbestimmten und selbstversorgenden überschaubaren Wirtschafts- und Verwaltungseinheiten“, „ausbeuterische Wachstumszwänge“ werden beklagt, Arbeitszeitverkürzung (35-Stunden-Woche!) und direkte Demokratie gefordert. Es lebe die Gewaltfreiheit, nur sozialer Widerstand ist erlaubt. Habe ich auch schon lange nicht mehr bei den Grünen gehört, vor allem nicht von Flinten-Anton. Eine „gerechte Verteilung der geschaffenen Werte“? Da hatten doch irgendwelche Marxisten ihre Finger im Spiel.

„Energieimperialismus“ ist ein schöner Begriff. Die Industrieländer verbrauchen immer mehr, die Entwicklungsländer können sich immer weniger leisten. Da sehe ich wieder Habeck vor meinem geistigen Auge, wie er mit seinem Geldköfferchen ganz brav einen Diener in Qatar macht. Flüssiggas muss man sich halt leisten können, liebe Afrikanerinnen und Afrikaner, Solidarität hört beim Thema Heizung auf. Interessant: Beim Thema Landwirtschaft wird Veganismus oder Vegetarismus gar nicht angesprochen. Gab’s das bei den Körnerfressern 1980 noch nicht? Aber Makrobiotik fehlt auch.

„Keine Kontrolle der Ausleihkarteien und keine Einziehungen von Büchern aus öffentlichen Büchereien.“ Da werde ich richtig nostalgisch. Hand aufs Herz: Wann waren Sie zuletzt in einer öffentlichen Bücherei? Gibt’s die überhaupt noch?

„Die Verfilzung zwischen Parlamen­ten, Regierungen, Bürokratien und der Wirtschaft durch Beraterverträge, Zuwendungen, Aufsichtsratssitze ist zu unterbinden.“ Das will ich auch! Aber jetzt machen die Grünen ja endlich was dagegen.

„Politische Ämter sind ehrenamtlich. Ausgenommen davon sind Aufwandsentschädigungen, deren Höhe von der Mitglieder- bzw. Delegiertenversammlung festgelegt werden.“ WHAT ?!?

Migranten kommen nur als ausländische Arbeitskollegen vor. Das auch nur einer von ihnen hierbleiben könnte, geht offenbar 1980 über den geistigen Horizont. „Wir fordern, daß die ausländischen Kollegen und ihre Familien auf Wunsch mit allen Bürgerrechten unserer Gesellschaft ausgestattet werden (Freizügigkeit, freie Wahl des Arbeitsplatzes, freie politische Betätigung).“

Schwule und Lesben werden als „sexuelle Außenseiter“ bezeichnet, deren Rechte man stärken möchte. Antike Begriffswelt.

Allerletzter Punkt des Programms: Behinderte. Wie immer.

War schön jewesen.  

Sonntag, 26. November 2023

Haunted by clouds

 

Blogstuff 869

Eigentlich braucht man Wissen, um sich in politischen Fragen eine Meinung bilden zu können. Zumindest war das früher so. Heute genügen drei Überschriften bei BILD und man hat eine felsenfeste Ansicht zur Schuldenbremse, zum Nahostkonflikt oder zur nächsten US-Präsidentschaftswahl. Deswegen kann man mit solchen Leuten auch nicht diskutieren. Schließlich haben sie keinerlei Informationen oder Argumente.

Immer, wenn es mit der Wirtschaft nicht läuft, ist die Regierung schuld. Wenn es läuft, haben wir ganz tolle Unternehmen und Produkte. Das Spiel kenne ich seit über vierzig Jahren. Weltwirtschaftskrise Anfang der Achtziger. Wer war schuld? Die SPD. Wer sonst? Wir müssen nur Helmut Schmidt abwählen und der Weltwirtschaft geht es wieder gut. Wozu sich in die wirtschaftlichen Zusammenhänge und das Thema Staatsfinanzen einarbeiten, wenn man auch mit seinem fetten Arsch auf der Couch sitzen, RTL gucken, Chips fressen und sagen kann: „Die Grünen sind schuld.“ Ist doch viel einfacher, spart Zeit und der Rübenbauer muss noch nicht mal sein Spatzenhirn einschalten.

Aber 2025 kommt ja Merz als Heilsbringer ins Kanzleramt. Sein Text: Die Ampel hat nach vier Jahren einen Scherbenhaufen hinterlassen. Marode Straßen und Schulen, keine Digitalisierung, Billionen Staatsschulden und sämtliche Klimaziele versemmelt.  

Neben Partisan Wichtelbach ist Wichtelbach Wednesday der wichtigste Fußballclub im Dorf. Der ungewöhnliche Name geht auf den 1845 gegründeten The Wednesday Cricket Club zurück, dessen Mannschaft ausschließlich mittwochs antrat und daher nie an einer Meisterschaft teilgenommen hat.

Der Staat soll sparen? Gut. Aber dann sollten wir nicht anfangen, in den Krümeln zu suchen. Erhöhung des Bürgergelds? Etwa zwei Milliarden Euro, Kindergrundsicherung ebenfalls. Pillepalle. Wir müssen über die großen Kostenblöcke reden. Staatlicher Zuschuss zur Rentenkasse: 109 Milliarden (2022). Subventionen für die Wirtschaft: 65 Milliarden. Einfach streichen und der Staatshaushalt wird auf einen Schlag um 174 Milliarden entlastet. Hieße: ausgeglichener Haushalt. Und es bliebe immer noch Geld übrig, um endlich in die Infrastruktur und die Bildung zu investieren. Natürlich sollten wir uns auch mal über eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, die Vermögenssteuer und die Kerosinsteuer unterhalten.

Golden Memories: die Lila Pause von Milka. Ich war sofort, d.h. ab 1986, ein großer Fan. Vorbei. Fun Fact: Es gab in der DDR auch eine Lesbengruppe gleichen Namens. Und was wurde aus dem McTrain, der McDonald’s-Filiale in deutschen Fernzügen? Dreißig Jahre ist das jetzt her. Da gab es in pünktlichen Zügen noch Fritten und Burger!

Kennen Sie Kazuyoshi Miura? Er ist Jahrgang 1967 und der älteste aktive Fußballprofi der Geschichte. Im Augenblick spielt er bei UD Oliveirense in der zweiten portugiesischen Liga. Wo sind meine Fußballschuhe?

Samstag, 25. November 2023

Lohnt sich der Umstieg aufs Bürgergeld zum 1. Januar?


Derzeit wird die Debatte um das erhöhte Bürgergeld sehr polemisch geführt, in erster Linie von der Opposition, die es kaum abwarten kann, die Ampel so schnell wie möglich zu beerben. Es wird behauptet, viele Arbeitnehmer würden ihre Jobs aufgeben, weil sich Arbeit nicht mehr lohnen würde.

Dazu lohnt sich ein differenzierter Blick auf die Themen Arbeit, Miete und Energiekosten. Miete und Nebenkosten sind inzwischen zu entscheidenden Faktoren bei der Berechnung geworden. Aber der Reihe nach. Hier ein Rechenbeispiel:

Ich gehe einfach mal von meiner Person aus. 57 Jahre alt, in Rheinland-Pfalz lebend. Dann nehme ich den Mindestlohn von 12 Euro brutto und gehe von einer Vollzeitstelle aus. Dann würde ich 1920 Euro brutto verdienen. Macht 1410 Euro netto bei Steuerklasse 1. Lohnt es sich zu arbeiten? In meinem Fall schon, da ich keine Miete zahle, sondern nur die Nebenkosten.

Bei uns im Dorf kenne ich einen Mieter, der 500 Euro warm bezahlt. Bei ihm blieben noch 910 Euro in der Kasse. Lohnt sich also auch noch. Anders in den Großstädten. Bei mir in Berlin wohnt ein Mann im Haus, der 1100 Euro warm bezahlt – für eine Einzimmerwohnung. Blieben 310 Euro übrig. Arbeit würde sich nicht mehr lohnen, denn das Bürgergeld beträgt 563 Euro. Noch unattraktiver wird Arbeit für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern unter 14 Jahren. Sie bekäme 1343 Euro Bürgergeld.

Das Thema Bürgergeld statt Arbeit ist also in erster Linie ein Thema im Niedriglohnsektor und in zweiter Linie ein Großstadt-Thema. Das Durchschnittseinkommen in Deutschland (Vollzeitstelle) liegt bei über 2500 Euro netto. Bürgergeld lohnt sich nicht, für Friedrich Merz schon mal gar nicht. Es gibt mehrere Lösungsmöglichkeiten. Der Mindestlohn könnte erhöht werden, in den Großstädten könnte mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden oder die Arbeitnehmer ziehen aufs Land und nehmen weite Wege zur Arbeitsstelle in Kauf.

All dies wird nicht passieren, schon gar nicht mit einer unionsgeführten Regierung. Also werden die Münchner Gastwirte auch weiterhin keine Küchenhilfe finden, die Frankfurter Hoteliers keine Zimmermädchen, die Krankenhäuser keine Pflegekräfte, die Kindergärten keine Erzieherinnen. Sowas kommt von sowas. Man kann es keinem Menschen übelnehmen, wenn er Arbeit im Niedriglohnsektor unattraktiv findet. Auch die Unterschicht hat im neoliberalen Zeitalter gelernt, ökonomisch zu denken. Was volkswirtschaftlich bedenklich erscheint, ist betriebswirtschaftlich für den Einzelnen sinnvoll.