Donnerstag, 14. Dezember 2023

Neulich in der Studentenkneipe

 

Sören: Diese ganzen Bilder vom Krieg in den Medien. Das ist alles so krank.

Holgi: Ja, diese Welt ist echt kaputt. Aber ohne mich. Ich bin Pazifist.

Sören: Ja, ich auch. Keine Gewalt.

Holgi: Richtig. Keine Gewalt, Brudi. Die Ballerspiele auf der Playstation sind natürlich was ganz anderes.

Sören: Ich zocke auch. Und steh total auf Schwarzenegger-Filme. Vor allem Terminator.

Holgi: Und Bruce Willis. Keanu Reeves als John Wick. Da kommst du beim Zählen der Toten gar nicht mehr mit. Es gibt schon eine Menge geiler Action-Filme.

Sören: Finde ich auch. Aber das ist ja keine echte Gewalt. Sowas kommt für mich nicht in Frage.

Holgi: Außer bei diesen Drecks-Nazis. Ich freue mich immer, wenn die aufs Maul kriegen.

Sören: Die haben’s ja auch verdient. Genau wie die Bullen.

Holgi: Ich hoffe, jemand erschießt Trump, wenn er nochmal Präsident wird.

Sören: Ja, aber ich würde es nicht selbst machen.

Holgi: Ich auch nicht. Ich habe sowieso keine Schusswaffe.

Sören: Ich habe eine Pistole zuhause.

Holgi: Echt?

Sören: Ja, aber ich würde sie nicht benutzen.

Holgi: Weil du ein Pazifist bist.

Sören: Genau. Wenn alle so denken würden wie wir, wäre die Welt ein besserer Ort.  

 

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Heimlich hinter der Turnhalle rauchen

 

Blogstuff 895

“Modern World how I hate it.
Modern World you can take it.
Modern World your magic′s gone for me.
Where's the mystery that there used to be.“

(Fisher Z: Bathroom Scenario)

Ich hatte einen merkwürdigen Traum. Die Jun, unverkennbar die Japaner, hatten die Weltherrschaft. Ihnen gegenüber standen die Dschun, ein Mischvolk aller anderen Kontinente. Manche hatten europäische Gesichtszüge, die Mischlinge aus Asiaten und Afrikanern nannten sich selbst „Kastanien“. Zum Teil waren die Dschun friedlich, ein Teil aber führte Bürgerkrieg gegen die Jun. Da beide Völker seit Jahrhunderten zusammenlebten, gab es keine reinen Dschun-Gebiete. Flugzeuge, Raketen und Panzer kamen also nicht zum Einsatz. Man tötete mit Messern und Pistolen. Ich wachte in der Nacht mehrmals auf und tauchte immer wieder in denselben Traum ein, aber in verschiedenen Rollen. Einmal gehörte ich zu einer Gruppe Jun, die in ein Haus der Dschun-Rebellen eindrang. Es gab ein fürchterliches Gemetzel. Einmal war ich in einem Zug mit anderen Dschun auf dem Weg zu einem Attentat. Einmal gehörte ich zu den „zehn Familien“, der Oberschicht der Jun, die von jedem Dschun gegrüßt werden musste. Man erkannte sie an besonderen Hoheitszeichen. Wenn ein Dschun vergaß zu grüßen, fragte man einen anderen Jun ironisch, wie man reagieren sollte. Der andere Jun antwortete dann: „Er möchte bestraft werden.“ Dann konnte man den Dschun auch töten. Einmal war ich ein Kind, das im Unterricht einen 3-D-Globus zusammenbauen musste. Japan war sehr groß dargestellt, die Inselgruppe entsprach der Größe Europas. Teile der chinesischen Küste und Südostasien gehörten dazu.

Die Parallelen zu den aktuellen Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten sind augenfällig. Ich bin in dieser Nacht erst um vier Uhr eingeschlafen und habe bis neun Uhr in wechselnden Rollen in dieser grauenhaften Welt gelebt.

Ein anderer Traum war eher skurril. Ich habe einen Freund besucht, der an einer Kunsthochschule studiert hat. Das Gebäude lag in einem Park, der voller Kunstwerke war. Wir gingen dort spazieren und er hat einen Kommilitonen mitgebracht. Jedes Mal, wenn dieser Kommilitone ein Kunstwerk betrachtete, eine Skulptur oder eine Installation, wurde er komplett blau. Kopf, Hände, Klamotten – alles in einem einheitlichen Blau. Wenn er weiterging, sah er wieder normal aus. Später ging ich allein zur Hochschule und klopfte an eine Glasschiebetür. Eine junge Frau öffnete mir und überschüttete mich mit Projektangeboten. Das Einzige, was ich verstand, war ihr Vorschlag, meine goldene Hochzeit zu organisieren. Ich willigte ein, sie war zufrieden und ging. Ich bin nicht verheiratet, habe also noch ein bisschen Zeit.

Derzeit hat mich die Gicht mal wieder fest im Griff. Seit Samstag liege ich auf dem Sofa und lese, zum dritten Mal in vierzig Jahren, Larry Nivens „Ringwelt“. Ein wunderbarer SF-Roman, ganz klassisch mit Außerirdischen, Raumschiffen und den Wundern des Universums.

 

Montag, 11. Dezember 2023

Mit dieser Methode nehmen Sie zwanzig Kilo ab

 

Blogstuff 894

„The dreams in which I’m dying are the best I ever had.” (Tears for Fears: Mad World)

Bonetti wird nicht an der Firmenweihnachtsfeier teilnehmen, weil er jedes Jahr von den Praktikantinnen begrabscht wird.

Mich erreichen traurige Berichte von Weihnachtsmärkten: Bratwurst mit Brötchen: 7 Euro, Currywurst mit Pommes: 10 Euro, fünf mit Schokolade überzogene Erdbeeren: 6 Euro, 400 gr gebrannte Mandeln: 10 Euro, Glühwein: 7,50 Euro.

Ein Mann steht auf, als eine alte Frau den Bus betritt. „Setzen Sie sich hier hin.“ – „Das ist nett, junger Mann. Ich beeil mich auch.“ – „Nur die Ruhe, wir haben Zeit. Da, wo wir hinwollen, ist es doch auch scheiße.“

Bonetti Future Food & Lifestyle hat jetzt Sättigungsbeilagen entwickelt, die genau wie Kartoffeln und Gemüse schmecken, aber zu hundert Prozent aus Schweinefleisch hergestellt sind.

57. Ich liege praktisch mit einem Bein auf dem Sterbebett. Oder heißt es „mit einer Arschbacke“?

Viele fragen sich, was die Abkürzung GT bedeutet. Bonetti hat sie 1984 eingeführt, als er seine Karriere als DJ angefangen hat und den Namen Grandmaster of the Turntables (GT) trug.

Stellen Sie sich mal vor, in zehn Jahren wird ein Mittel entwickelt, das den Alterungsprozesse aufhält. Menschen können zweihundert Jahre alt werden. Jedes zusätzliche Jahr kostet aber eine Million Euro. Das können sich also nur die Reichen leisten. Dann würden 2150 immer noch Leute wie Musk und Bezos die Welt beherrschen.

Natürlich ist die Klimakatastrophe nicht schön, aber die Sache mit den Autos und Flugzeugen war es wert.

“Ich werde es wie meinen Augapfel hüten.“ Hört man auch schon lange nicht mehr.

Drei Jahre habe ich für ein Quartiersmanagement im Wedding die Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Meine Chefin, eine sächsische Kampflesbe, hat mir verboten, die Begriffe Weihnachten und Advent zu benutzen, wegen multikulti und so. Ich hoffe, sie stirbt an Arschkrebs.

Diese Geschichte haben alle Kinder im Kiez vorgelesen bekommen, jeder hatte sie im Briefkasten, zusammen mit einem Jahreskalender, auf dem alle Feiertage aller Religionen verzeichnet waren: Kiezschreiber: Eine kleine Kinderwintergeschichte

„Lukas, du strengst dich nicht genug an.“ – „Aber ich gebe alles auf dem Platz.“ – Du hast während des Spiels Pommes gegessen!“

„Lukas, du hast während einer Messerstecherei Pommes gegessen.“ – „Jetzt reicht’s aber!“  

Samstag, 9. Dezember 2023

Entfremdung im Endstadium


Ich erwachte, als der Wecker klingelte. Der Wecker? Ich hatte überhaupt keinen Wecker. Im Dämmerlicht sah ich ein Nachttischchen und tastete nach dem Lichtschalter der kleinen Lampe. Es wurde hell und ich konnte endlich diesen schrecklichen Wecker ausschalten. Es war sieben Uhr morgens. So früh war ich noch nie wach gewesen.

Ich schaute mich im Zimmer um. Nichts kam mir bekannt vor. Wo war ich? Dann bewegte sich neben mir etwas und ich bekam einen Schreck. Da lag eine Frau! Sie sah mich an, dann gähnte sie. Ich beschloss, das Zimmer zu verlassen und das Bad zu suchen. Als ich es gefunden hatte, schloss ich die Tür hinter mir und betrachtete mich im Spiegel. Das war mein Gesicht. Kein Zweifel. War es ein Traum? War es ein Fluch?

Ich ging zurück ins Schlafzimmer. Die Frau war verschwunden. Ich zog die Sachen an, die über einem Stuhl und auf einem Bügel am Schrank hingen. Ein dunkler Anzug und ein blauer Schlips. Ich hatte überhaupt keine Anzüge. Aber ich beschloss, das Spiel mitzumachen, bis ich mehr Informationen über die Situation hatte. Also zog ich mich an und ging die Treppe hinunter. Aus einem Raum hörte ich Geräusche.

Es war die Küche. Am Tisch saßen die fremde Frau, die einen Bademantel trug, und zwei kleine Kinder. Ein Junge und ein Mädchen. Auch sie hatte ich noch nie gesehen. Ich trank, gegen meine Gewohnheit, eine Tasse Kaffee und sagte dann, ich müsse los. Im Hausflur lehnte eine Aktentasche an der Wand und auf der Kommode lag ein Autoschlüssel.

Ich verließ das Haus. Die Frau stand in der Tür und winkte mir zu, immer noch im Bademantel. Offenbar war sie nicht berufstätig. Mussten die Kinder in die Schule? Oder gingen sie noch in den Kindergarten? Ich hatte keine Ahnung. Also stieg ich einfach in den Wagen und fuhr los. Die Straßen dieser Stadt hatte ich noch nie gesehen. Wo sollte ich hinfahren? Sollte ich einfach die Stadt verlassen? Hatte ich denn überhaupt Geld?

Ich fuhr rechts ran und untersuchte den Inhalt meines Jacketts und der Aktentasche. In der Brieftasche hatte ich etwa hundert Euro in bar und eine Bankkarte, deren Geheimzahl ich allerdings nicht wusste. Dann fand ich einen kleinen Stapel Visitenkarten. Offenbar hieß ich Edgar Oswaldo, die Stadt hieß Bottrop und ich arbeitete bei einer Versicherung. Ich gab die Adresse in mein Navi ein und fuhr los. Spätestens im Büro musste der ganze Spuk doch auffliegen, oder?

Ich schaltete das Radio ein. Söder war Bundeskanzler. Es regierten die CDU/CSU und die AfD. Alice Weidel war Außenministerin, Höcke Verteidigungsminister. Wir befanden uns im Krieg mit Österreich. Aufgrund der mangelhaften Ausstattung beider Armeen beschränkten sich die Kriegshandlungen jedoch auf gelegentliche Schießereien an der bayrisch-österreichischen Grenze. Der österreichische Kanzler Kickl von der FPÖ bereitete mit dem ungarischen Diktator Orban eine Neuauflage des Habsburgerreichs vor. Es war Januar, fünfzehn Grad im Schatten. Immerhin gab es den Klimawandel noch.



Freitag, 8. Dezember 2023

Fisher Z – The Writer


The other side of the room an empty bottle lies broken.
Purple faces are sure, of snow white sheets to soak in.
His clothes are spread around, they smell of perspiration.
A half eaten meal attracts the flies attention.
[Chorus]
Do I Do I Do I Do I Hear the man's cries.
Do I Do I Do I Do I Look in his eyes.
Do I Do I Do I Do I Care if he dies
Do I Do I Do I Do I?
Take a paper towel and place it over his head.
Phone up reception and report him as dead.
Open up the window and expose him to light.
Push it all away from me...No that can't be right.
Ri High hight...
A continental breeze has set the blinds in motion.
Brings just a hint of change from the Atlantic Ocean.
The ancient church bell rings. Defies the march of progress.
The senoritas said you were too young to notice.
[Repeat Chorus]

Die höchste Form der Kunst

 

Volksbühne Berlin. Der Saal ist vollbesetzt. Gedämpftes Murmeln und Hüsteln ist zu hören. Dann ertönt der Gong.

Der Vorhang bleibt geschlossen. Wir werden Zeuge einer völlig neuen Form der Vorstellung.

Hinter dem Vorhang sitzt Bonetti und stellt sich ein Stück vor.

Das Publikum ist aufgefordert sich zu konzentrieren. Sie sollen sich vorstellen, was sich Bonetti vorstellt.

Nach neunzig Minuten ist die Vorstellung vorbei.

Natürlich sitzt Bonetti nicht hinter dem Vorhang. Das Publikum stellt sich nur vor, er säße dort.

In Wirklichkeit sitzt Bonetti zuhause auf dem Sofa und zählt die Einnahmen.

 

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Vielsagendes, Nichtssagendes

 

Blogstuff 893

„Was ohne Beweis behauptet wurde, kann auch ohne Beweis abgelehnt werden.“ (Euklid)

PISA-Studie? „Wallah, ich schwör, sind Ausländerkinder schuld! Die machen dem Niveau kaputt.“

Die Rübenbauern aus dem Voralpenland haben ja schon immer ein großes Gossenschlappmaul gehabt, aber das der erste Schnee die Hauptstadt München komplett lahmlegt, ist an Armseligkeit nicht mehr zu überbieten. Söder reagiert mit einem Verbot des Genderns. Nur Hasen schlagen Haken.

Niederlande: Hoffen wir mal, dass die Ekelschwelle aka Brandmauer gegen Wilders hält.

Sobald der erste Schnee fällt, macht der Klimawandel bekanntlich Pause.

Regionale Produkte kaufen, gut. Aber das Glas Wildgulasch von einer Manufaktur in Bad Kreuznach hat acht Euro gekostet und das Pfund Eierbandnudeln von Daniel’s Hühnerhof in Seibersbach vier Euro.  So wird das nix mit der Nachhaltigkeit, zumindest nicht für einen Großteil der Bevölkerung.

Er weiß es nicht. Er weiß auch nicht, warum er es nicht weiß.

Best-Case-Szenario: Die Rechten werden beim Marsch durch die Institutionen genauso aufgerieben wie die 68er in den siebziger Jahren. Sie passen sich dem bestehenden System an, um im System bestehen zu können. Das wäre zu schön, um wahr zu sein.

Nur Deutschland hat im EU-Vergleich mehr Mieter als Eigentümer, meldet das ZDF. Das beobachte ich auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Die Kinder von Mietern bleiben Mieter, die daher auch keine Immobilien vererben können, so dass deren Kinder auch wieder Mieter werden. Ich kenne Leute, die bezahlen in Großstädten zwei- bis dreitausend Euro Warmmiete im Monat, wenn es sich um Häuser oder große Wohnungen handelt. Das sind im Jahr dann 30.000 Euro, in zehn Jahren 300.000 Euro, die einfach so durch den Schornstein geblasen werden. Sie können keine Rücklagen für Immobilienkäufe bilden, selbst wenn sie gut verdienen. Wer eine Immobilie erbt, zahlt keine Miete, kann Rücklagen bilden und vielleicht sogar eines Tages eine weitere Wohnung kaufen, deren Miete ein schönes Zubrot im Alter ist. Der Herren und Knechte auf dem Wohnungsmarkt bleiben immer dieselben.

Wenn wir heute erfahren würden, dass in hundert Jahren ein riesiger Meteorit auf der Erde einschlagen wird, wäre es uns völlig egal und wir würden in den nächsten achtzig Jahren keine Gegenmaßnahmen ergreifen.

Der erste Adventssonntag heißt in Oberösterreich Bratwürstelsonntag. Ein alter Brauch, den ich in Deutschland vermisse. Einfach ein Tag, an dem Bratwurst gegessen wird, weil es Tradition ist.