Donnerstag, 8. Juni 2023

Kalle Grabowski, Großmeister des Abgrübelns

 

Blogstuff 813

„Mit jeder gegenderten Nachrichtensendung gehen ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD.“ (Friedrich Merz)

Mit jedem neuen Veganer gehen ein paar hundert Stimmen mehr zur AfD. Wer am Grill das Schweinenackensteak verweigert, trägt aktiv zum Aufstieg des Faschismus bei!

Ich habe eine Woche lang vegan gelebt, ich habe auf Gluten und Zucker verzichtet. Trotzdem habe ich zugenommen. Wussten Sie, dass ein Liter Wein 700 Kalorien hat?

There is no free lunch. Du bekommst Freikarten für die Row Zero. Du hast den besten Platz – vor der Absperrung. Solche VIP-Plätze kosten bei großen Shows vierstellige Beträge. Niemand ist dem Star näher als du und du stehst nicht im Gedränge. Alles völlig kostenlos. Du darfst zur Aftershow-Party hinter die Bühne – im Gegensatz zu den siebzigtausend Menschen im Stadion. Und du glaubst, dafür würde keine Gegenleistung verlangt werden? Dann hast du den Kapitalismus leider noch nicht verstanden, Checkerbunny. No blow, no show. Der Spruch ist so alt wie das Showbusiness. Hollywood, Besetzungscouch. Und die Groupies wissen das. Schließlich ist es genau das, was sie wollen. Was ich mich frage: Warum gehen Frauen überhaupt zu Konzerten eines misogynen Arschlochs, der sexistische und faschistoide Texte und Videos verbreitet? Welche intelligente Frau möchte ernsthaft Till Lindemann persönlich kennenlernen?

Fakt: Es gibt Groupies, die mit ihrem Idol schlafen wollen. Eine Schulfreundin wollte mal zur „Münchner Freiheit“ (es wurden junge Frauen für ein Video gesucht) und sich dem Sänger an den Hals werfen. Wir haben sie davon abhalten können. Das werden die bürgerlichen Geigenspielerinnen aus den Vorstadtvillen nie begreifen. Julio Iglesias kam nach eigenen Angaben auf etwa 3000 Frauen in seinem Leben, selbst der hässliche Lemmy auf über tausend. Mick Jagger in seinen sechzig Bühnenjahren vermutlich auf mehr als die beiden zusammen. Wer kennt nicht die „Ich will ein Kind von dir“-Plakate auf den Konzerten?

In einem uralten Cartoon wird der Roadrunner als „Accelerati Incredibilus“ bezeichnet, der Kojote als „Carnivorous Vulgaris“. Bildung 1952.

Als Wissenschaftler habe ich gelernt, faktenbasiert zu argumentieren und an die Vernunft zu appellieren. Im Laufe der Jahre habe ich dann auch gelernt, dass die Mehrheit unvernünftig ist und mit Argumenten nicht erreicht werden kann.

Life-Hack: Im Supermarkt die Eier aus dem Karton nehmen und eine Rolex reinlegen.

Seit sechzig Jahren gibt es die Bundesliga. 32-mal wurden die Bayern Meister, 28-mal der Rest der deutschen Fußballwelt. Gladbach und der BVB sind mit jeweils fünf Titeln auf Platz 2.

Dienstag, 6. Juni 2023

Reden wir über Sex

 

Es ist unglaublich, wie verklemmt und spießig die identitären Linken und die Woke-Bubble sind. Der neue Puritanismus redet viel über das Geschlecht, aber wenig über Geschlechtsverkehr. In ihrer primitiven Ideologie gelten die Gleichungen Frau = Opfer und Sex = Vergewaltigung. Selbstgerechte Moralapostel, die gerne über andere Menschen zu Gericht sitzen möchten. Eine Karikatur der Bourgeoisie.

Seit es Rockmusik gibt, gibt es Rockstars, und seit es Rockstars gibt, gibt es Groupies. Ich habe nie verstanden, warum die Fans Musiker anhimmeln wie Götter, Bildhauer und Landschaftsmaler aber nicht. Spätestens seit den sechziger Jahren fangen junge Frauen an, hysterisch zu schreien und ohnmächtig zu werden, sobald ihr Star an einem Toilettenfenster im dritten Stock auftaucht.

Elvis, Mick Jagger oder Prince konnten sich aus dem Meer der Groupies ein, zwei oder viele aussuchen, die mit ihnen eine Nacht im Hotelzimmer verbringen wollten. Stars haben es nicht nötig, Frauen zu vergewaltigen. Sie haben im Gegenteil Bodyguards, die sie vor den fanatischsten Fans schützen müssen. Notfalls lassen sie sich eine Edelprostituierte kommen. Die paar tausend Dollar zahlen sie aus der Portokasse. Das klingt plausibel, muss aber für den Einzelfall nichts heißen. Im Suff oder auf Drogen ist vieles möglich. Daher befassen sich ausgebildete Juristen mit diesen Fällen – und nicht ein wütender Lynchmob. #Unschuldsvermutung

Groupies gibt es übrigens auch bei homosexuellen Stars und weiblichen Rock- und Popgöttinnen. Von Madonna ist bekannt, dass sie regelmäßig mit ihrer Limousine durch die Stadt fuhr. Sah sie einen Mann, der ihr gefiel, ließ sie ihren Chauffeur anhalten und fragte ihn durchs geöffnete Wagenfenster, ob er einsteigen möchte. Oft hat sie die Kerle direkt in ihrem Wagen gevögelt. Ein alter Schulfreund von mir arbeitet als Roadie in den USA und hat jahrzehntelang das Business erlebt. Er hat mir in dieser Hinsicht wirklich die Augen geöffnet, als wir uns vor Jahren mal wieder in Ingelheim getroffen haben.

Es gibt Frauen, die wollen einfach Sex. Keine Liebe, keine Hochzeit, keine Kinder, kein Reihenhaus. Der pure dreckige Sex! Ein Freund von mir hatte seine Autowerkstatt direkt neben einem Swingerclub. Der Star war eine Frau, die ein halbes Dutzend Männer hintereinander brauchte, um zum Orgasmus zu kommen. Das konntest du die ganze Straße runter hören. Vor mir lag einmal eine Frau auf Knien, hatte die Hände wie zum Gebet erhoben und bettelte „Fick mich!“ Vorher hatte sie für ein paar Minuten das Zimmer verlassen und war splitternackt wieder zurückgekehrt. Ich habe ihr in jener Nacht vor zwanzig Jahren als Gentleman alter Schule natürlich ihren Wunsch erfüllt.

Sex, Drugs & Rock’n‘Roll. In dieser Aufzählung kommt die Musik ganz am Ende. Rockstars saufen, koksen, kiffen und vögeln wild durch die Gegend. Nicht jeder entspricht diesem Klischee, Peter Maffay lässt es backstage vermutlich etwas ruhiger angehen. Die Grünen in München haben jetzt die After-Show-Partys von Rammstein verboten. Diese Leute haben wirklich jeglichen Kontakt zur Realität verloren. Glauben die im Ernst, die Jungs würden sich nach der Show brav ins Hotel zurückziehen, ihren Micky-Maus-Schlafanzug anziehen, noch ein Glas warme Milch trinken und dann ins Bett gehen?

Die Grünen haben sich mit dieser Nummer unsterblich lächerlich gemacht. Darauf wäre noch nicht mal die CSU gekommen. Wie will man diesen Leuten ihren Lebensstil verbieten? Dann feiern sie eben woanders. Und jeder, der mitfeiert, weiß genau, worauf er sich einlässt. Wer zu einem Rammstein-Konzert geht, kennt die Band und ihre Gepflogenheiten. Wer keinen schnellen Promi-Fick will, hört sich die Musik an und geht anschließend. Eigentlich ganz einfach. Warum sollte ich nach dem Konzert den Sänger treffen wollen? Ich will nach einem Fußballspiel ja auch nicht in die Kabine meiner Mannschaft. Selbst als Fan nicht.   

P.S.: Ist es Ihnen aufgefallen? Ich habe mich zur Causa Lindemann nicht konkret geäußert. Woher soll ich wissen, ob dieser unsympathische Kotzbrocken schuldig oder unschuldig ist? Warten wir erst einmal ab, ob es überhaupt zu Ermittlungen kommt und was am Ende dabei herauskommen wird. Bisher wurde noch keine Anzeige erstattet. Shelby Lynn, die die Sache ins Rollen gebracht hat, schreibt ausdrücklich in ihrem Twitter-Account am 30. Mai, Lindemann habe sie weder berührt noch vergewaltigt. Er habe ihr Nein akzeptiert. Aber Geduld ist noch nie die Stärke der zwanghaft Dauerempörten und der sensationsgeilen Boulevardpresse gewesen.   

Montag, 5. Juni 2023

Niemand ist unschuldig, Renate, niemand

 

Blogstuff 812

Er ist Vertikalist und Bandleader. Das heißt: Er klettert und singt für Geld. Neulich sind wir uns mal wieder in einem Lokal über den Weg gelaufen. Er ist in meinem Alter und hatte zwei kleine Kinder im Schlepptau. Da ich weiß, dass er zwei erwachsene Kinder hat, nahm ich an, es wären seine Enkelkinder. Da hat er nur gelacht. Nein, er habe einfach nochmal eine Familie gegründet. Er sagte mir, Luis Trenker sei mit 96 Vater geworden. Teufelskerl! Al Pacino (83) hat eine 29jährige geschwängert, Robert de Niro ist gerade mit 79 nochmal Vater geworden. Vielleicht sollte ich mich endlich mal bei Tinder anmelden.

Hörnchen wurden 1940 von den Nazis erfunden, damit die Leute nicht die feindlichen Croissants essen. Bitte nicht kaufen! 

Roundhouse-Kick immer, wenn im Supermarkt eine zweite Kasse aufgemacht wird.

„Wenn noch ein Bengalo gezündet wird, breche ich die Unterrichtsstunde ab.“

Frage: Macht uns das Internet aggressiv oder kommt durch das Internet unsere Aggressivität erst zum Vorschein?

In Uelzen gibt es ein Sushi-Restaurant, das „Pearl Harbor“ heißt. Das ist mutig, um nicht zu sagen dreist.

Alle großen Stars haben Groupies. Das war schon bei Elvis und Mick Jagger so. Ich kann ein Lied davon singen. Ich habe einen Praktikanten, der nur dafür zuständig ist, Termine zu vergeben. Mehr als drei Groupies pro Tag (ich bin 56!!!) schaffe ich einfach nicht mehr. #CarstenLinnemann/Rammstein #HysterischerPuritanismus

Die Klimakleber haben angekündigt, vom 15. Juli bis 6. August Sommerpause zu machen. Das gibt es auch nur in Deutschland. Was macht ihr Hoschis in den drei Wochen? Eimersaufen am Ballermann, oder was?!

Warum ist die selbsternannte Avantgarde der Arbeiterklasse immer Teil der Bourgeoisie? Ulrike Meinhof: Akademikerkind, Studentin, Journalistin. Andreas Baader: Akademikerkind, Privatschule, Künstler, Edel-Dandy. Gudrun Ensslin: Pfarrerkind, abgeschlossenes Studium mit Stipendium. Jan-Carl Raspe: Fabrikantensohn, Studium. Holger Meins: Kaufmannssohn, Studium. Und jetzt erklären uns die Reemtsma Sisters die Welt. Wenigstens sind sie bisher friedlich geblieben. Lustig ist auch, dass die Letzte Generation Aktionen gegen Reiche starten will. Wissen Mama und Papa davon?

Mit Nazis kann man nicht diskutieren. Ein Nazi ist ein Nazi, weil er ein Nazi sein will. Ich habe es trotzdem mal probiert. Jetzt bin ich selbst Nazi.

Okay, gut. Nase, Lippen, Brüste. Aber ansonsten ist an mir alles echt.

Am Glascontainer. Ich sehe, dass in einer Weinflasche noch dreifingerbreit Wein ist, überlege kurz, setze sie an den Hals und weiter geht’s. Das schickt dich morgens um zehn ja auch ein bisschen. War ein schöner Moment.

Sonntag, 4. Juni 2023

Bonetti bringt es auf den Punkt

 

Blogstuff 811

„Der Kreml behauptete oft, Russland habe die zweitstärkste Armee der Welt. Viele glaubten das. Heute betrachten viele Russlands Militär als das zweitstärkste in der Ukraine.“ (Anthony Blinken)

Als blutjunger Journalist arbeitete ich als Schiffskorrespondent für eine renommierte englische Tageszeitung am Hafen von Southampton. Damals gab es noch keine Linienflüge zwischen Europa und Amerika, die Gäste kamen auf Ozeanriesen in unser Land. Immer wenn ein Prominenter von Bord ging, man erkannte sie an den vielen Überseekoffern und Dienern, telegrafierte ich seinen Namen an die Redaktion des Swinehead Observer. Für jede Meldung bekam ich die unglaubliche Summe von fünf Pfund. Das war zu jener Zeit viel Geld. Ein frischgezapftes Pint kostete drei Shilling Twopence. 

Seit zehntausend Jahren befinden wir uns in einer Sackgasse, die wir hochtrabend Zivilisation nennen. Wir arbeiten. Wie blöd kann man sein? Wenn ein Affe Hunger hat, isst er eine Frucht. Wenn er Durst hat, trinkt er aus dem Fluss. Was machen wir? Schuften wie die Blöden, fahren dann in den Supermarkt, kaufen Wasser in Plastikflaschen und teures Obst. Selbst die „fleißigen Bienen“ sind nur sechs Stunden pro Tag unterwegs. Und welcher Tätigkeit gehen sie nach? Sie fliegen von Blume zu Blume und trinken süßen Nektar. So als ob wir von Bar zu Bar ziehen und überall einen Cocktail trinken. Ja, höre ich an dieser Stelle immer, aber wir werden alt. Aber wir werden auch krank. Schon mal ein krankes Tier im Wald gesehen? Die Viecher sind chronisch gesund. Ein Faultier kann überhaupt keinen Burn-Out bekommen. Es würde mich nicht wundern, wenn Krebs in der Tierwelt unbekannt wäre. Warum überhaupt alt werden? Ich habe mal ein Interview mit einer Hundertjährigen gesehen, die zum Reporter gesagt hat, sie wünschte, es wäre endlich alles vorbei. Ich bin 56 und denke manchmal: Eigentlich ist ja auch mal gut. Was soll im Alter noch kommen?

Er hieß Jupp Gerstäcker, aber alle nannten ihn Josef. Er arbeitete seit zwanzig Jahren für die Gesellschaft zur Verbesserung des Lebens mbH. Er wusste nicht genau, welchem Zweck das Unternehmen eigentlich diente. Er war für die Reisekostenabrechnungen zuständig. Offenbar gab es in Las Vegas, Miami, Monte Carlo und auf Bali viel zu verbessern.

„Bunt ist das Dasein und granatenstark“. Kann sich noch jemand an Bill und Ted erinnern? „Volle Kanne, Hoschi“ hieß im Original übrigens „Party on, dudes“. Auch schön: „Na, kommen wir vom Kakerlakenscheuchen, königlicher Nasengully?“

Ich habe mal in einem Forschungsprojekt mit zwei promovierten Wirtschaftswissenschaftlern zusammengearbeitet, die mir beide erzählt haben, sie würden diesen Job so gerne machen, dass sie auch ohne Bezahlung jeden Tag zur Arbeit ins Institut kämen. Ich habe sie dann gefragt, wie sie ihre Mieten und ihre Einkäufe finanzieren würden. Wer zu viel Theorie im Kopf hat, ist für die Praxis verloren.

Samstag, 3. Juni 2023

Macht doch einfach, was ihr wollt


Blogstuff 810

Mit dem Lesen dieses Texts akzeptieren Sie die Geschäftsbedingungen von Bonetti Media. Ihre persönlichen Daten wie Gewicht, Alter, Einkommen und sexuelle Vorlieben werden an Elon Musk, Mathias Döpfner und Burger King verkauft.

Die Wahrheit entsteht an der Spitze der Hierarchie. Was der Chef sagt, ist die absolute Wahrheit. Seine Einschätzungen haben den Rang von Naturgesetzen. Auf der mittleren Ebene entstehen die kleinen, die unbedeutenden Wahrheiten. Wahrheit sickert von oben nach unten. Oben wird sie produziert, unten wird sie konsumiert und in die Realität übertragen. Die Wahrheit manifestiert sich durch Arbeit in der Wirklichkeit.

Bald hat sich’s ausgetschilpt, ihr blöden Vögel. (Morgens bei offenem Fenster geschrieben)

Oliver Kahn ist für das Dschungelcamp 2024 im Gespräch. Vorher macht er noch beim „Großen Promi-Backen“ mit.

Warum nicht mal die binomischen Formeln als Graffiti? #Bildungsmisere

„Was wurde eigentlich aus Flipper?“ – „Angeblich ist er untergetaucht.“

Das ist der Hunsrück: Ein Schweinezüchter überfällt einen Baumarkt – mit seiner Nagelpistole. Dann flüchtet er auf einem Traktor und wird auf der A 61 gestellt.

Was passiert mit einem Waschbären, der von Spiderman gebissen wird? #Kopfkino

Sensibel: Begriff, der eine überempfindliche Nervensäge beschreibt, die bei jeder Andeutung von Kritik bis in alle Ewigkeit die beleidigte Leberwurst spielt.

Sie vermeiden Fruchtfliegen in der Küche, wenn Sie keine Früchte mehr kaufen.

7.500 Leser und 225 Likes für einen Tweet. Jahresrekord. Twitter ist ein mühseliges Geschäft. Normalerweise müsste ich wie El Hotzo performen.

Ich habe mir ein halbes Hähnchen gekauft. Jetzt frage ich mich, wer wohl die andere Hälfte hat.

Neulich musste ich wiederbelebt werden. Der Sanitäter hatte Mundgeruch. Im Krankenwagen gab es keinen Cappuccino, Musikwünsche wurden nicht erfüllt. Lieb gemeinte zwei von fünf Sternen.

Achtung! Ab 1. Juli stellt Bonetti Media von Blog auf Kokstaxi um. Das bringt mehr.

Männer: sinnlos antrainierte Muckis, dicke Autos, „Marken“-Klamotten. Frauen: Makeup, teure Frisuren, Schmuck, operierte Brüste. Unser Balzverhalten ist auf dem Niveau von Fischen.

Wir sind genauso dämlich wie Dinosaurier. Und was das Schlimmste ist: Wir sind der Meteorit.

Auch Mann: Doppelkorn. Auch Frau: Lavendel-Kissenspray.

P.S.: Heute verbreitet die Lügenpresse die Meldung von einem schweren Eisenbahnunglück in Indien mit 300 Toten, damit die Leute nicht mit dem Zug zur Demo nach Leipzig kommen. Das System ist sooo krank ...

Freitag, 2. Juni 2023

Ilse

 

Ilse, Ilse, keiner willse. Ein alter Spruch, ich weiß. Hätte ich nur auf ihn gehört.

Ilse war das komplette Gegenteil von mir. Sie hatte einen Plan, ihr Leben hatte Struktur. Sie hatte eine klare Meinung zu jedem Thema, einen geregelten Tagesablauf und eine Stelle als Sachbearbeiterin in der Stadtverwaltung. Ich hingegen war Künstler, manchmal schon morgens angetrunken und völlig verpeilt. Ich töpferte japanische Teetassen, die ich an einen japanischen Teetassenladen in Düsseldorf lieferte, wo sie als angebliche Originale verkauft wurden.

Wie alle Liebenden fuhren Ilse und ich nach Paris. Dort nahm die Tragödie, das namenlose Elend, seinen Lauf. Wir kamen mit dem Nachtzug um sieben Uhr morgens an, weil wir auf diese Weise eine Übernachtung sparten. Der Sinn dieser Maßnahme hat sich mir nie erschlossen, weil wir die ersten acht Stunden die Champs-Elysees, den Triumphbogen und andere Sehenswürdigkeiten mit dem Rollkoffer besichtigen mussten.

Nachdem wir in einem mehr als fragwürdigen Hostel im 21. Arrondissement eingecheckt hatten, gingen wir essen. Ilse hatte in einer Bahnhofsbuchhandlung in einem Feinschmeckerjournal herumgeblättert und das „Le Bleu Merveille“ gefunden. Wir aßen Boudin Noir, ein Gericht, das sich als ordinäre Blutwurst herausstellte. Danach teilten wir uns ein Choucroute, eine elsässische Sauerkrautplatte mit Kassler und Wurst. Dafür muss ich als Deutscher nicht nach Paris fahren! 

Am nächsten Morgen weckte mich Ilse um halb sieben. Punkt sieben öffnete der Frühstücksraum und wir waren am unreichlich gedeckten Buffet in der Pole Position. Neben Ilses Teller lagen ihr Reiseführer, ein Notizblock und drei Kugelschreiber. Sie hatte einen Plan für diesen Tag. Ich sah eine lange Reihe von Uhrzeiten und Orten. Wie schön, dachte ich.

Kurze Zeit später standen wir vor dem Eiffelturm.

„Mach ein Foto von mir!“

Ich knipste sie vor dem Eiffelturm. Ich nenne solche Fotografien immer „Beweisbilder“.

„Sollten wir nicht auf den Turm gehen und uns die Stadt von oben anschauen?“

„Wozu? Wir sind doch in der Stadt.“ Sie schüttelte den Kopf.

Louvre. Ich war noch im ersten Raum und wollte Ilse gerade auf die Schönheit eines impressionistischen Gemäldes hinweisen. Sie war verschwunden. Ich schaute in den nächsten Raum. Dort rannte sie, ohne nach links und rechts zu schauen, bereits in den dritten Raum. Als ich nach einer Stunde zum Ausgang kam, sah sie mich vorwurfsvoll an.

„Wo bist du gewesen?“

„Die Mona Lisa …“

„Eine Kopie hinter Sicherheitsglas, belagert von hundert Japanern und Chinesen.“

So ging es weiter. Ich sah Ilse den ganzen Tag nur von hinten, während sie von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten eilte. Montparnasse, Präsidentenpalast, Sacré-Cœur im Laufschritt. Coffee to go und ein Croissant.

„Mach ein Foto“, sagte sie immer wieder. „Zuhause können wir uns alles in Ruhe anschauen.“

Dreißig Stunden Paris, davon sechs Stunden Schlaf. Dann ging es zurück nach Hause. Ich war froh, als ich am Montagmorgen wieder in meiner Werkstatt war.  

 

Donnerstag, 1. Juni 2023

Das Leben muss ja irgendwie weitergehen

 

Blogstuff 809

Täglich sterben Tierarten aus und es werden neue Tierarten entdeckt. Das hält sich doch irgendwie die Waage, oder?

Früher bin ich gerne zu IKEA gegangen. Ich habe zwar nie Möbel gekauft, aber die kostenlosen Bleistifte und die billigen Hot Dogs haben mich magisch angezogen. Und wo sonst auf der Welt gab es Köttbullar?

Hätten Sie’s gewusst? Ein Pferd kann kurzzeitig bis zu 25 PS leisten. Ein Shetland-Pony kommt allerdings im Schnitt nur auf 0,4 PS.

Bonetti Media bereitet gerade eine zehnteilige Filmreihe mit Heinz Pralinski in der Hauptrolle vor. Die geplanten Titel:

„Das hinterhältige Wiesel“

„Das hinterhältige Wiesel ist wieder auf Achse“

„Das hinterhältige Wiesel III“

„Das hinterhältige Wiesel startet durch“

„Das hinterhältige Wiesel – Das muss kesseln“

„Das hinterhältige Wiesel – Volles Rooäää!!!“

„Das hinterhältige Wiesel kommt selten allein“

„Das hinterhältige Wiesel gibt Gas“

„Das hinterhältige Wiesel wird Papst“

„Das hinterhältige Wiesel – Die Fortsetzung“

Vor mir in der Bäckerei steht eine alte Dame mit Rollator. Sie kauft ein halbes Brot, die andere Hälfte wird wieder ins Regal gelegt. Spontan entscheide ich mich, dieses halbe Brot zu kaufen. Zuhause habe ich den Geschmack aus meiner Kindheit zurück, Abendbrot bei Oma und Opa. Kein Vollkorn, kein Dinkel, kein Tralala. Brot. Und fertig. Guter Kauf. Leider kenne ich den Namen des Brots nicht.

„Ja, wen haben wir denn da?“ Jedes Mal, wenn ich den Kühlschrank öffne und eine Flasche Bier sehe.

Jahrzehntelang war der deutsche Arbeitsmarkt von den Arbeitgebern dominiert, die den Stellensuchenden die Bedingungen diktieren konnten. Jetzt dreht sich der Markt. Wenn ein Mensch einen Halbtagsjob sucht, kann der Arbeitgeber dieses Angebot annehmen oder eine Stelle bleibt komplett unbesetzt. Auch das ist Marktwirtschaft, aber plötzlich haben CDU/CSU und FDP ein Problem mit dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.