Er wusste nicht, woher das Geld
seiner Familie stammte. Vermutlich aus der legendären Gründerzeit in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als im Deutschen Reich der
Industrialisierungsturbo gezündet wurde und aus dem Land der Dichter und Denker
das Land der Erfinder und Fabrikbesitzer wurde, bevor 1945 alles in Massenmord
und Zerstörung endete.
Schon sein Urgroßvater, der als
Großwildjäger in den deutschen Kolonien Kamerun und dem heutigen Tansania
unterwegs war, machte sich vermutlich keine Gedanken darüber. Vor seiner Villa
lagen zwei riesige Elefantenschädel auf dem Rasen, Anfang der 1940er Jahre
erlag er der Malaria. Glücklicherweise hatte er das Vermögen hauptsächlich in
Grundbesitz und Immobilien angelegt, so dass es den Zusammenbruch des Reichs
und die Währungsreform 1948 überlebte.
Sein Großvater war ebenfalls
passionierter Jäger. Der Familie gehörten fünfzig Quadratkilometer im Pfälzer
Wald, er ließ sich nach dem Krieg ein Jagdhaus bauen und erlegte weniger
exotische Tiere wie Hirsch und Wildschwein, die allerdings für veritable
Festessen in der Familienvilla am Rhein verwendet werden konnten. Die Elefantenschädel
verschwanden in der Remise. Er ließ mit staatlichen Fördermitteln ganze
Siedlungen für Ostflüchtlinge bauen und lebte fürstlich von den Mieten.
Sein Vater war ein kunstsinniger
Mensch und legte ein Gemäldesammlung an. Damals konnte man Werke von Picasso,
Matisse und Richter noch für kleines Geld kaufen. Was seine Vorfahren sähten, konnte
er nach dessen Tod ernten. Er verkaufte Immobilien und Grundstücke, ließ für
die Gemälde ein Museum bauen und für sich selbst eine Villa in
Südfrankreich.
Dort lebte er als Poet und
Maler, wobei die Malerei nur ein Vorwand war, um schöne Frauen in sein Haus zu
locken und unbekleidet posieren zu lassen. Er war völlig unbegabt und die
Frauen auf seinen Bildern waren so klobig und deformiert wie bei Picasso. Aber
mit Champagner, Kokain und fürstlichen Honoraren machte er sich die Dorfschönheiten
der Umgebung gefügig.
Wie im
Privatfernsehen gibt es vor dem Showdown einen sehr langen Werbeblock. HB - Wer
wird denn gleich in die Luft gehen? Jakobs Dröhnung. Raider heißt jetzt Twix. Like
ice in the sunshine. Fruchtzwerge – So wertvoll wie ein kleines Steak. Sie
baden gerade ihre Hände darin.
Dann lernte er Lilou kennen, die
in Aix-en-Provence im Café „Les Fleurs Du Mal“ als Kellnerin arbeitete. Lange
schwarze Haare, die in der Sonne glänzten, als wären sie frisch lackiert. Jeden
Tag fuhr er in seinem knallroten Maserati-Cabrio vor, trank Milchkaffee und las
Zeitung. Er verliebte sich rettungslos in die schöne Lilou und tatsächlich
heiratete er sie im zarten Alter von 52 Jahren.
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