Donnerstag, 6. April 2017

Die Zerstörungskraft der Gleichgültigkeit

Blogstuff 120
„Einer, der Aphorismen schreiben kann, sollte sich nicht in Aufsätzen zersplittern.“ (Karl Kraus)
Politiker wie Gauck haben den weinenden Mann salonfähig gemacht, aber dem wütenden Mann gilt immer noch die öffentliche Verachtung. Warum? Weil Zorn die Basis von Ungehorsam, Protest und Rebellion ist. Wir haben es zugelassen, dass man uns die eigene Feigheit als Gelassenheit, als edle Gesinnung und vornehme Bürgerlichkeit verkauft.
Mein Haus hat einen Speicher, ebenso wie mein Computer. An beiden Orten finden sich viele Dinge, die wir nicht brauchen, von denen wir uns aber auch nicht trennen können. Ein dunkles, staubiges Zwischenreich, weder tot noch lebendig, weder nützlich noch sinnlos. Wir betreten es nur selten. Es ist uns vertraut und fremd zugleich.
Erdogans Pöbeleien auf dem Niveau eines hormonell fehlgesteuerten Halbstarken haben letztlich nur zwei Folgen. Erstens wird er von den Regierungschefs in Washington, Paris, Berlin usw. nicht mehr eingeladen. Ich bin gespannt, wo dieser Mann überhaupt noch einen Staatsbesuch machen wird. Würden Sie Herrn E. gerne in Ihrem Haus zu Gast haben? Zweitens wird niemand mehr zu Gast bei ihm sein wollen. An den Türkei-Ständen der ITB herrschte jedenfalls gähnende Leere.
„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, hat Herberger einmal gesagt. „Nach dem Arbeitstag ist vor dem Arbeitstag“, „Nach dem Terroranschlag ist vor dem Terroranschlag“, „Nach dem Essen ist vor dem Essen“ usw.
Man ist entweder Arbeitnehmer, Arbeitsloser, Student, Rentner usw. Dass man nichts ist, dass man in keine Kategorie eingeordnet werden kann, ist offenbar nicht vorgesehen.
Alle halten Einstein für bedeutend, aber wie viele Menschen haben seine Schriften tatsächlich gelesen?
Von einer Villa zu träumen ist nicht viel besser als in einer Villa zu leben.
Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er schreibt an einer Ästhetik des Scheiterns.
Das Gesicht eines alten Politikers, in dem sich die Lügen vieler Jahrzehnte abgelagert haben wie toxischer Müll. Da die Lügen, die Vereinfachungen, die Verzerrungen, die Verblödungsversuche, täglich dutzendfach vor Mikrophonen wiederholt werden müssen, erscheinen sie dem Parteifunktionär in seiner unappetitlich klebrigen Scheinheiligkeit recht schnell als strahlende Wahrheit. Die penetrante Redundanz und degoutante Ignoranz dieser Dauerlautsprecher ist in Wahljahren besonders schwer zu ertragen. Und Wahlen sind schließlich fast immer.
Andy Bonetti ist inzwischen so reich, dass er neulich einem Flaschengeist drei Wünsche erfüllt hat.
Manche Träume vergehen von selbst. Als junger Mann habe ich von einem Ferrari oder einem Porsche geträumt. Heute hätte ich Schwierigkeiten, in eine solche PS-Flunder einzusteigen. Das Lenkrad hätte ich quasi auf dem Schoß und die Knie würden an die Windschutzscheibe stoßen. Ohne fremde Hilfe käme ich aus dem Auto gar nicht mehr heraus. Mit fünfzig hat der Ehrgeiz mich längst verlassen und ich habe einen ganzen Rucksack voller Wünsche hinter mir gelassen. Morgens ohne Schmerzen aufstehen, ein gutes Abendessen. Die Ziele werden immer kleiner. Aber man erreicht sie auch leichter.
Die Rolle des Fernsehens als chemiefreie Einschlafhilfe wird leider zu selten gewürdigt.
Im Frühling hat mein Urgroßvater immer Weidenruten geschnitten und gewässert. Dann kam ein Korbflechter, die zu dieser Jahreszeit von Hof zu Hof wanderten, und machte aus den Weidenruten Kartoffelkörbe und anderes. Dafür gab es freie Kost und Logis, bis er weiterzog.
Ein Video der legendären Anarcho-Punk-Band „Die Bäckar“. Früher traten sie unter dem Namen „Die drei lustigen Vier“ auf, weil das vierte Bandmitglied Sid Vicious nie zu den Proben erschien. Sie treten gelegentlich in Bonettis hauseigenem U-Bahnhof auf. Bitte nicht füttern! https://www.youtube.com/watch?v=BdQkrrBfGzI