Freitag, 1. Januar 2016

München

„Wohl dem Manne, dem ein blühend Vaterland das Herz erfreut und stärkt! Mir ist, als würd ich in den Sumpf geworfen, als schlüge man den Sargdeckel über mir zu.“ (Friedrich Hölderlin: Hyperion)
Überall lese ich, dass 2015 so ein schreckliches Jahr gewesen ist. Aber in der „guten alten Zeit“ meiner Kindheit war es nicht besser. Arabische Terroristen bei den Olympischen Spielen von München 1972, ein Nazi-Terroranschlag 1980 in derselben Stadt, dazwischen RAF. Vietnamkrieg, Bürgerkrieg im Libanon, Afghanistankrieg. Das Waldsterben, die Katastrophen von Seveso, Bhopal und Tschernobyl. Reagan, Breschnew, Ayatollah Khomeini. Früher war es schon genauso schlimm wie heute. Gier, Gleichgültigkeit und Gewalt. Narzissmus, Nepotismus und Nihilismus. Die Menschheit ist immer noch eine Seuche – und daran wird sich auch nichts mehr ändern. Wir sind nicht frei und wir waren es nie. Wir sind nicht gleich und wir waren es nie. Und das Wort Brüderlichkeit hat schon lange niemand mehr gebraucht.
2016 beginnt mit einer Terrorwarnung, die ich in der Silvesternacht im Fernsehprogramm des Bayrischen Rundfunks sehe. Seit einigen Wochen sind wir Kriegspartei im Nahen Osten. Wir befinden uns mitten im syrischen Bürgerkrieg. Und die Front ist jeder Bürgersteig, jeder Bahnhof, jedes Einkaufszentrum und jede Schule in dieser Republik. Frau Merkel hat den Arabern den Krieg erklärt, mit den Stimmen von CDU, CSU, SPD und den Grünen. In unseren Medien wurde und wird diese Kriegserklärung verharmlost. In der arabischen Presse wurde in großen Schlagzeilen verkündet, dass Deutschland in den Krieg gezogen ist. Der IS hat verkündet, Deutschland habe ihm den Krieg erklärt, also erkläre man auch Deutschland den Krieg. Der verhinderte Terroranschlag von München ist kein gutes Omen für das Jahr 2016. Ein neues Annus horribilis hat begonnen.
Ton Steine Scherben - Halt dich an deiner Liebe fest. https://www.youtube.com/watch?v=sWDQxBi8vlg