Eigentlich
war alles wie immer. Ich verbringe den Sonntag vor dem Fernseher und mit meiner
Playstation, am nächsten Tag gehe ich zur Arbeit. Als ich meinen PC einschalte,
sehe ich, dass es Dienstag ist. Habe ich den Montag verschlafen? Keiner sagt
etwas, auch der Chef nicht, der sonst penibel auf die Einhaltung der
Arbeitszeiten achtet.
Mittags
sitze ich mit meiner Kollegin Chantal Wagenheber in der Kantine. Erst beim
Schokoladenpudding traue ich mich, sie zu fragen: „Warum ist heute Dienstag?
Gestern war Sonntag. Was ist passiert?“
„Keine
Ahnung“, antwortet sie gleichmütig. „Aber keiner von uns verliert ein Wort
darüber. Babsi hat gesagt, es wäre eine Kalenderreform der Regierung. Aber
Babsi erzählt viel, wenn der Tag lang ist.“
Ich
mache mir keine Gedanken. Ich arbeite also nur vier Tage. Ist das die
Vier-Tage-Woche, vor der Friedrich Merz uns alle gewarnt hat? Ist der Standort
Deutschland in Gefahr?
In der
Woche darauf fehlt der Montag schon wieder. Jetzt berichten die Medien. BILD: „Weltweit
gibt es keinen Montag mehr. Stecken die Russen dahinter? Oder die Chinesen?“
Wirtschaftsverbände fordern eine Lohnkürzung um zwanzig Prozent. Aus dreißig
Urlaubstagen werden jetzt über sieben Wochen Urlaub, nicht mehr sechs.
Spaßvögel
setzen Meetings am Montag an, Geschäfte versprechen einen fünfzigprozentigen
Rabatt am Montag, die Kirchen trauern dem Ostermontag nach. Es dauert ein paar
Monate, bis das eigentliche Problem auftritt. Das Jahr hat 52 Tage weniger,
also nur noch 313 Tage. Es schneit an Ostern und die ersten Sommertage sind Ende August. Also gibt man ein paar Monaten, allen voran dem Februar, 31 Tage.
Dazu wird ein neuer Monat eingeführt: der Bonetti mit den Highlights
Weihnachten und Silvester.
Klassische
Sprüche geraten in Vergessenheit. „Warum
ist Montag so weit weg von Freitag, aber Freitag so nah am Montag?“ „Traue
keinem, der am Montagmorgen lächelt.“ „Montag im Büro ist, wenn die Motivation
erst nach der dritten Kaffeepause kommt.“ Natürlich ist die Sache eine
Katastrophe für die Karnevalshochburgen. Kein Rosenmontag mehr. Die Umzüge sind
am Dienstag und danach kommt direkt der Aschermittwoch.
Im
Büro träumen wir alle, dass als nächstes der Freitag verschwindet. Dienstag zur
Arbeit kommen und Donnerstag ins Wochenende. Dann hätten wir alle zehn Wochen
Urlaub im Jahr. Drei Tage Arbeit, zwei Tage frei. Damit könnte ich leben. Der
wegfallende Karfreitag wäre locker zu verkraften. Wenn der Samstag oder der
Sonntag verschwinden würde, wäre es natürlich eine Katastrophe. Für alle
Beschäftigten, aber auch für Christen (Sonntag) und Juden (Sabbat). Müsste dann
auch der Anfang des Alten Testaments umgeschrieben werden?
P.S.:
Seit der WM machen wir alle zwanzig Minuten eine Hydration Break, formerly
known as Kaffeepause. Nach dem Ende des Montags ein weiterer Fortschritt.