Mittwoch, 19. August 2026

Er ist wieder da

 

Blogstuff 1372

“Herr Merz, was macht die Regierung gegen den Klimawandel?“ – „Wir planen eine Klimasteuer.“

In Berlin wurde ein nachtaktiver Bürofrosch entdeckt. Er ist vier Zentimeter lang und ernährt sich von Formularen und kaltem Kaffee.

In der Neuen Nationalgalerie in Berlin gibt es gerade eine Picasso-Ausstellung. Darunter ist auch ein Gemälde von Bonettis Gemächte, 2 x 2 Meter. Beide Hoden sind auf derselben Seite neben dem Penis.

Der Ort Andanaro hat eine Attraktion, die seinen Namen weit in die Welt hinausgetragen hat. Hier gibt es eine Frau, die ständig schreit. Eines Morgens fing sie einfach an zu schreien und seitdem schreit sie, Tag und Nacht, ohne Unterbrechung; keiner weiß, wie sie das macht. Die Bewohner des Ortes sind, wohl gequält durch den ständigen Lärm und den großen Verkehr der Schaulustigen, wenig gastfreundlich. Sie werfen die Speisen ihren Hunden vor und erst, wenn diese es partout nicht anrühren wollen, gibt man es den Gästen. Überhaupt herrschen hier raue Sitten und die Rohheit der Männer ist sprichwörtlich. Fragt man die kleinen Jungen nach ihrer zukünftigen beruflichen Orientierung, schreien sie mit wutverzerrtem Gesicht „Terrorist“ und blicken dir trotzig in die Augen.

Ist „Black Friday“ nicht rassistisch?

Demnächst in ihrem Kino: Die Sith Lords übernehmen Sachsen-Anhalt.

Ein halbes Jahr Iran-Krieg und kein Ende in Sicht. Ein paar Bomben und Raketen pro Tag werden nicht reichen, um dieses große Land in die Knie zu zwingen. Luftkrieg ist noch nie die Lösung für die USA gewesen, siehe Deutsches Reich oder Vietnam. Der Krieg erscheint wie Russlands Angriff auf die Ukraine als Fehlentscheidung. „Boots on the ground“ wäre der nächste Schritt – aber dann würde Trump sein blaues Wunder gegen die Revolutionsgarden, die iranische Armee und ein Heer von Selbstmordattentäter erleben. Die Mullahs werden mindestens bis zu den Midterms im November weitermachen. Möglicherweise verliert Trump seine parlamentarische Mehrheit und könnte sich nicht mehr so leicht über die Legislative hinwegsetzen wie bisher. Dann könnte man sagen: Well played, Teheran. Es sieht auf jeden Fall wie ein klassisches Eigentor aus, McDonald Trump.

Golf ist Trumps Obsession. Als Sport und in der Geographie.

Neandertaler haben schon Werkzeuge benutzt. Ich stelle mir die zotteligen Typen an der Hobelbank vor. Die Frauen haben eine Fell-Änderungsschneiderei eröffnet.

Gestern gab es einen Stau, in dem manche Familien ihren Grill aufgebaut haben. Wenn du das siehst, darfst du getrost alle Hoffnung fahren lassen.

Zu verkaufen: eine Original-Armbandsonnenuhr eines römischen Centurios.

The Cure - Just Like Heaven

 

Dienstag, 18. August 2026

McJob

 

Es ist neun Uhr morgens und ich, der Tapferste der Tapferen, sitze seit etwa einer Stunde an meinem Schreibtisch im Eingangsbereich einer Tennishalle. Draußen vor dem Fenster steht ein abgekämpfter älterer Herr im strahlenden Sonnenschein dieses Sonntagmorgens und kippt eine Flasche Cola in seinen aufgeschwemmten Leib – die müde Karikatur eines Fernsehwerbespots. Er kommt in die Halle und fragt mich in bestem Landserdeutsch: „Und Sie halten hier die Stellung?“ Ich antworte: „Einer muss ja da sein.“ Bis heute Abend werde ich hier sitzen, denn heute bin ich ein Pförtner, kein Taugenichts, sondern eine Respektsperson. Meistens beschränken sich die Dialoge auf die üblichen Grußformeln und ich tue das, was ich am besten kann: nichts. In meinem Büro gibt es einen Computer, den ich nichts anfassen darf, und Tennisschläger, deren Handhabung mir fremd ist. Vorhin, um 8:55 Uhr hat mich doch tatsächlich ein Mann gefragt, ob er schon auf den Platz dürfe. Die Spielzeit beginnt jeweils zur vollen Stunde. In welchem Land ist so etwas möglich? Und während sich die vorbeiziehenden Wolken in den blitzblank gewaschenen Mittelklassewagen der Kundschaft spiegeln, steigt in mir die leise Lust auf, in die Umkleidekabine zu gehen und einem dieser feinen Herren gepflegt in die Sporttasche zu scheißen. Später feiert eine italienische Großfamilie in der Pizzeria über mir die Kommunion eines kleinen Mädchens. Es ist Mittagszeit, die Plätze leeren sich und die Kinder, die zur Feier eingeladen sind, fragen mich, ob sie hier spielen dürfen. Ich gebe ihnen alle Leihschläger und Bälle, die ich finden kann, und bald bevölkert eine bunte kreischende Horde die gesamte Tennishalle. Das kleine Mädchen kommt in seinem herrlichen weißen Seidenkleid in mein Büro und ich schenke ihr zwei Bälle. Wegen des kostbaren Kleides kann sie nicht auf den Platz, also spielt sie mit den Bällen im Flur. Ganz artig hat sie sich bedankt, ihr Lächeln gibt diesem lausigen verkauften Tag erst einen Sinn. Überraschend taucht der Hallenbesitzer auf. Er ist entsetzt über meine freimütige Vergabe von Schlägern im Wert von über 5000 DM, wagt aber nicht, in dieses wunderbare Chaos einzugreifen. Erst eine Woche später werde ich gefeuert.

Sonntag, 9. August 2026

:See you later, Blogstuff-Hater

 

Blogstuff 1371

Deutsche erkennt man daran, dass sie Nudelsalat zu einer Party mitbringen. Wenn sie aus dem Ausland zurückkommen, beschweren sie sich über das Brot, das sie essen mussten.

Star Wars: Wann muss man das Laserschwert denn zum Aufladen an die Steckdose hängen?

Ich verstehe Sarkasmus und Ironie nicht. Ich habe das Asbach-Syndrom.

Merkt man es eigentlich selbst, wenn man demenzkrank wird? Die eigene Dummheit merkt man ja auch nicht.

Neulich habe ich eine Zusammenfassung des WM-Endspiels 1954, Deutschland – Ungarn, gesehen. In den ersten zehn Minuten sind tatsächlich schon drei Tore gefallen. „Aus dem Hintergrund“ schoss Rahn erst in der 84. Minute. Und ich konnte es gar nicht fassen, wie klein der Siegerpokal war. Als wären es die Bundesjugendspiele gewesen.

Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man alt ist. Eine junge Frau ist im Bus freiwillig aufgestanden, als sie mich gesehen hat. Und bei der Geiselnahme in meiner Bankfiliale bin ich als Erster freigelassen worden.

Im Traum gibt es nie Uhren oder eine Uhrzeit. Keinen Wochentag, keinen Monat, kein Jahr. Zeit scheint keine Rolle zu spielen.

Wir haben im Sportunterricht früher noch „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?“ gespielt. Vorbei. Dabei könnte man das Spiel doch einfach umbenennen. „Wer hat Angst vor Björn Höcke?“ Und wenn er kommt? Dann laufen wir.

Wenn es mit dem Auto im Sommer nach Spanien ging, haben wir Kinder Autokennzeichen-Raten gespielt. Heute sitzen die Kids im Flugzeug und sehen sich auf dem iPad Tiktok-Videos an.

Ist der Begriff “Schwarzes Loch” nicht rassistisch? Warum gibt es kein weißes Loch? Oder können wir es nicht einfach POC-Loch nennen?

Das grüne Elend begann mit der E-Gitarre. In meiner Kindheit waren die Gitarren noch benzinbetrieben.

1500 v. Chr. Eine deutsche Expedition findet im peruanischen Hochland die erste Kartoffel und bringt sie nach Deutschland. Aus dieser Urkartoffel wurde eines der wichtigsten Nahrungsmittel unseres Landes. Stellen Sie sich vor, sie müssten ihre Currywurst oder ihr Schnitzel ohne Pommes essen. Anfangs wurde die Kartoffel misstrauisch betrachtet. Schließlich wurde sie in der Bibel nicht erwähnt. In Deutschland erließ Preußenkönig Friedrich II. den Kartoffelbefehl, damit setzte er den Anbau in Gang.

Pro-Tipp: Wenn du im Traum eine Toilette siehst – niemals benutzen!

Members Of Mayday - Sonic Empire



Samstag, 8. August 2026

Leben mit Bonetti

 

Als sich der Himmel am frühen Morgen langsam aufhellte, erwachten die Vögel als Erste und sie begannen zu zwitschern. Nichts Besonderes: Ich lebe noch, du lebst noch, ein neuer Tag beginnt, keine Gefahr. Das übliche Gezwitscher. Sonst war es wunderbar ruhig in der Villa Bonetti. Ich blieb noch eine Weile liegen, obwohl ich längst wach war. Dieser Genuss ist mir nicht jeden Morgen vergönnt. An manchen Tagen, gerade im Hochsommer, wird Mister Bonetti schon vor fünf Uhr wach und drückt die Eins auf seinem Smartphone. „Eins“ bedeutet, in sein Schlafzimmer zu kommen, da er etwas von mir wünscht. Meistens ist es ein Glas Wasser, gelegentlich auch eine Tasse Tee oder ein frisch gepresster Fruchtsaft. „Zwei“ bedeutet Arbeitszimmer, „Drei“ Wohnzimmer und bei „Vier“ nehme ich tatsächlich ab. Dann ist er irgendwo anders oder hat einen Wunsch, für dessen Erfüllung ich nicht in ein Zimmer kommen muss. Etwa, wenn ihm einfällt, dass er gerne mal wieder Popcorn am Wochenende essen würde oder wenn er Freunde einladen möchte. Die ersten vier Nummern seines Telefons sind für mich reserviert, ich kenne die unterschiedlichen Melodien längst auswendig. „Fünf“ steht für Sekretärin, „Sechs“ für Chauffeur, „Sieben“ für Verleger, „Acht“ für Oberbürgermeister, „Neun“ für Kultusminister und die „Null“ ist angeblich eine Direktleitung zum Bundeskanzler – aber über die „Null“ schweigt Mister Bonetti beharrlich.

Was nur die wenigsten wissen: Mister Bonetti zieht sich zum Schreiben gerne um. Natürlich sitzt er gelegentlich auch im Morgenmantel an seinem Schreibtisch. Und an heißen Tagen trägt er nur eine Unterhose. Dann hat er ein großes Badehandtuch auf seinem Ledersessel ausgebreitet, ein Handtuch hängt über der Sessellehne und seine stark schwitzende Denkerstirn wird von zwei Ventilatoren angeblasen, die links und rechts neben seinem Notebook stehen. Sehr gerne trägt er beim Schreiben seiner Abenteuergeschichten ein Batman-Kostüm. Er hat auch einen großen Spiegel in seinem Arbeitszimmer, vor dem er Heldenposen einstudiert. Ich gestehe, dass ich ihn bisweilen durch das Schlüsselloch beobachte. Manchmal kleidet er sich auch wie seine großen Vorbilder Oscar Wilde und Charles Baudelaire. Ich habe ihn aber auch schon in einem japanischen Kimono gesehen – oder in grauen Jogginghosen. 

Die linke Seite seines riesigen schwarzen Schreibtischs enthält eine Minibar, die immer mit fränkischem Bier, rheinhessischem Wein, schottischem Whisky, Bourbon und Gin gefüllt ist. Dazu passt auch der gerahmte Sinnspruch über seinem Sofa: „Da man aber nicht immer nur schreiben kann, gab es große Lücken zu füllen. Ich füllte sie mit Scotch, Bier, Ale und Frauen. Mit den Frauen hatte ich meistens Pech, und die Folge war, dass ich mich stark aufs Trinken konzentrierte.“ (Charles Bukowski). Sein Notebook in der Mitte des Schreibtischs ist trichterförmig von Papieren, Büchern, Zetteln, leeren Pralinenschachteln und allerlei anderem bunten Durcheinander eingefasst, zu dem der zweite Sinnspruch passt: „Chaos ist das halbe Leben - und die andere Hälfte suche ich gerade“ (Andy Bonetti). Dieser Raum ist sein Heiligtum. Für die eigenartige Unordnung auf seinem Schreibtisch hat Mister Bonetti ein fotografisches Gedächntis. Selbst offensichtlich wertloser Müll darf erst entsorgt werden, wenn er im Papierkorb liegt. Es könnte ja sein, dass der Meister ein Gedicht auf die Innenseite einer Schokoladenverpackung geschrieben hat. Wenn Bonetti mit dem Schreiben fertig ist, schickt er mir den Text per Mail ins Büro im Erdgeschoss, wo ich ihn zweimal ausdrucke, einmal für meine Ablage, einmal für Mister Bonetti.

Gegen sieben Uhr klingelte es an der Hofeinfahrt. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise kam der Bote der Konditorei Schwalbenheim aus der Innenstadt erst um kurz nach Zehn, um für Bonettis zweites Frühstück Sesambrötchen und französische Zitronentarte sowie ein frischgebackenes Brot zu bringen. Ich ging zur Haustür und sah auf den kleinen Monitor, der das Bild der Kamera am Eingangstor zeigte. Vor dem schmiedeeisernen Gitter standen Tino und Toni Schwendlinger, die beiden Gehilfen Bonettis.

„Schnell, lassen Sie uns hinein, Johann!“ rief einer von ihnen. Es ist mir unmöglich, die eineiigen Zwillinge voneinander zu unterscheiden. „Und schließen Sie augenblicklich das Tor, wenn wir hindurchgefahren sind!“ sagte der andere.

Ich drückte einen Knopf und das Tor öffnete sich. Ein 1958er Chevrolet Impala Sport Coupé, den die Schwendlingers für eine längere Recherche aus dem Fuhrpark Bonettis entliehen hatten, rollte knirschend auf den Kies vor den säulenbewehrten Portikus der Villa. Hastig stiegen die beiden großen Männer aus und rannten durch die Tür an mir vorbei in die Vorhalle. Sie trugen ockerfarbene Multifunktionsjacken mit einem ganzen Universum kleiner und kleinster Taschen, die alle mit einem Reißverschluss versehen waren, khakifarbene Hosen und verstaubte, knöchelhohe Schnürstiefel. Ungewöhnlich waren vor allem die Tropenhelme auf ihren Köpfen.

„Wir müssen sofort Mister Bonetti sprechen“, riefen sie im Chor. Nun steht Mister Bonetti aber gewöhnlich erst um neun Uhr auf und verbittet sich jedwede Störung seines Schlafes. In seinen Augen ist es eine schwere Sünde, einen schlafenden Menschen zu wecken.

Also sagte ich: „Darf ich die Herren fragen, in welcher Angelegenheit Sie Mister Bonetti zu sprechen wünschen?“

„Es ist wirklich dringend“, flehte mich einer der beiden an. Ob es Tino oder Toni, oder um es mit Bonetti zu sagen: ob es Schwendlinger Eins oder Schwendlinger Zwo war, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. „Es geht um Shangri-La“.

Nun wusste ich, dass Mister Bonetti seine beiden Gehilfen nach Tibet geschickt hatte, um für seinen neuen Roman etwas über das legendäre Shangri-La herauszufinden, ein abgelegenes Tal, in dem angeblich das Geheimnis des ewigen Lebens gehütet wurde. Der andere Schwendlinger trat unruhig von einem Bein auf das andere und schwenkte dabei eine Pergamentrolle über seinem Kopf. Also bat ich sie, mir leise vor die Schlafzimmertür von Mister Bonetti zu folgen und keinen Laut von sich zu geben. Währenddessen klingelte es an der Hofeinfahrt. Ich klopfte behutsam an die Tür. Aus dem Schlafzimmer war nichts zu hören. Ich klopfte etwas fester und sagte: „Mister Bonetti, verzeihen Sie die Störung, aber es scheint dringend zu sein.“ Es klingelte erneut, ich konnte es schwach aus dem Erdgeschoss hören.

Endlich rief Bonetti „Herein“ und ich öffnete die Tür. Sofort liefen die Schwendlingers an das riesige Himmelbett von Mister Bonetti, der den seidenen Vorhang etwas zur Seite zog.

„Wir haben das Geheimnis entdeckt, Mister Bonetti. Aber die Chinesen sind hinter uns her“, sagte einer der Schwendlingers und übergab Bonetti die Pergamentrolle.

Mister Bonetti sah mich an und nickte in Richtung Fenster. Ich ging zum Fenster und warf einen kurzen Blick zwischen den geschlossenen dunkelblauen Brokatvorhängen nach draußen. Ich sah einige Asiaten in schwarzen Anzügen und mit Sonnenbrillen, die gerade über die Grundstücksmauer kletterten. Da werde selbst ich unleidlich. Das ist nicht korrekt. Ich informierte Mister Bonetti, der sich augenblicklich erhob.

Er ging zu einem Schrank hinüber, öffnete ihn und nahm zwei Jagdgewehre heraus. „Schwendlinger Eins und Schwendlinger Zwo, Sie halten die Chinesen auf! Johann, Sie kommen mit mir!“ Nur mit einem Pyjama bekleidet und in Seidenpantoffeln lief er eilig in sein Arbeitszimmer. Ich folgte ihm, so schnell ich konnte. Bonetti ging ins Separee des Zimmers, in dem sich nur eine Toilette und ein Waschbecken befanden. Er drückte auf die Steckdose und eine schmale Tür öffnete sich. Diesen geheimen Mechanismus kannte ich gar nicht. Er verschwand dahinter und ich lief hinterher. Über eine Wendeltreppe aus Metallgittern gingen wir in einen Keller hinab, dessen Wände aus grob behauenem Fels bestanden. Hier war ein Laboratorium aufgebaut, von dem ich noch nie gehört hatte. Mister Bonetti hatte diese Räumlichkeiten in all den Jahren mit keinem Wort erwähnt.

Er zog sich einen dreiteiligen weißen Anzug an und ich band ihm den karmesinroten Schlips. Nachdem er auch seine dunkelbraunen Lederhalbschuhe an den Füßen hatte, stiegen wir in einen Bugatti Type 57 SC Atlantic. Von diesem Modell wurden nur vier Stück gebaut, wovon noch zwei erhalten sind. Es ist derzeit das teuerste Auto der Welt. Auch seine Existenz in dieser Höhle war mir unbekannt geblieben. Mister Bonetti startete den Wagen und nahm die Scheinwerfer in Betrieb. Vor uns lag ein Tunnel, durch den wir mit hoher Geschwindigkeit fuhren. Nach einigen Minuten drückte Mister Bonetti einen Knopf am Armaturenbrett und vor uns öffnete sich ein Tor. Wir fuhren ins helle Sonnenlicht hinaus und neuen Abenteuern entgegen.

 

Donnerstag, 6. August 2026

Alkohol, Wespen und Inkompetenz

 


Blogstuff 1370

„Hirntotes Geschwafel ist der Mörtel, der die Steine der Fehlentscheidungen in einer Mauer der Inkompetenz zusammenhält.“ (Helmut Schmidt über Friedrich Merz)

„Du treibst mich in den Wahnsinn.“ – „Und was machst du, wenn du angekommen bist?“

In der Beringstraße ist Russland nur vier Kilometer von den USA entfernt. Die unbewohnte große Diomedes-Insel gehört zu Russland, die kleine Diomedes-Insel mit 83 Einwohnern gehört zu den USA. Trotzdem trennen die Inseln 21 Stunden. Wenn auf der russischen Insel Montag, 12 Uhr, ist, ist auf der amerikanischen Insel Sonntag, 15 Uhr.

Der Konsum von Alkohol begleitet die Menschheit von Anfang an. Schon unsere Vorfahren, irgendwelche Primaten, kannten den Rausch. Vergorene Früchte. Nach dem Genuss fühlten sie sich gut, also wiederholten sie es. Aber irgendwann wollten Menschen diesen Zustand, auch Rausch genannt, unabhängig von den Zyklen der Natur. Wein und Bier wurden erfunden. Die alten Ägypter glaubten, Bier wäre ein Geschenk von Osiris an die Menschen. Die Bauarbeiter, die die Pyramiden gebaut haben, bekamen als Lohn kein Geld, sondern Bier. Vier bis fünf Liter am Tag. In der Nähe von Haifa fand man in einer Höhle die erste Brauerei der Welt – 13.000 Jahre alt. Es gab noch keine Schrift, keine Landwirtschaft, keine Städte, aber es wurde schon gesoffen. Manche sagen, nur wegen des Alkohols hätte man mit dem Anbau von Getreide begonnen. Nicht um Brot zu backen, sondern um Bier zu brauen. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer Scheibe Brot und einem Weizenbier, müssten Sie nicht lange überlegen, oder?

Im Antikriegsfilm „Platoon“ sieht man einmal eine Nazi-Kriegsflagge auf einem amerikanischen Panzer im vietnamesischen Dschungel. Fehler? Nein. US-Soldaten nutzten Nazi-Symbole in diesem Krieg – so wie die Südstaaten-Flagge.

Recycling ist eine Lebenslüge, die uns beruhigen soll. Plastik kann man nur theoretisch wiederzuverwenden, in der Praxis ist diese Methode viel teurer als die Herstellung von neuem Plastik.

Alle kennen Versailles, aber niemand das Schloss Caserta nördlich von Neapel mit 1217 Zimmern.

Muss Spiderman im Winter einen Mantel tragen? Warum sieht man Batman nie mit Regenschirm, obwohl es in Gotham City ständig regnet?

Es gibt gefühlt eine Milliarde Wespen in Berlin. Aber sie stehen unter Artenschutz und dürfen nicht getötet werden. Ich habe in meinem Leben schon hunderte von diesen geflügelten Ratten im BVB-Design ins Jenseits befördert.

Früher gab es nur Thailänderinnen aus dem Katalog, heute kannst du dir ein Kind von einer Leihmutter bestellen wie eine Pizza bei Lieferando. Warum  ist das ein moralisches Problem?

Mittwoch, 5. August 2026

Bonetti - Aufstieg des Bösen

 

Blogstuff 1369

Wir exportieren unsere Second-Hand-Klamotten in die Dritte Welt, wo sie von Menschen getragen werden, die unsere neuen Klamotten herstellen. Das wird (hoffentlich) kein Mensch in der Zukunft verstehen.

Nur ein Prozent der Bürger im Römischen Reich war wohlhabend. Sie konnten sich in ihren Villen jeden erdenklichen Luxus leisten und lebten in völliger Dekadenz. Die anderen 99 Prozent mussten sich ihr Brot mit Arbeit verdienen und wurden dafür von den Reichen verachtet. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Nach Beckers Wimbledon-Sieg 1985 fing unser Freundeskreis in Schweppenhausen an, Tennis zu spielen. Der Vater von J. hatte einen Brotvertrieb und hinter dem Haus war die Halle für die Ware und die Lastwagen. Dazwischen eine große asphaltierte Fläche und in einer Ecke war ein Tennisplatz. Schläger und Bälle waren vorhanden. Normalerweise wird Tennis auf Gras, Sand oder Kunststoff gespielt, aber dieser Platz war der einzige im Dorf und außerdem kostenlos. Wir wurden immer besser, denn wir spielten regelmäßig stundenlang Einzel oder Doppel. Am Ende habe ich die Rückhand nicht nur slice, sondern auch top-spin gespielt, teilweise sogar beidhändig diagonal. Dann kam ich nach Berlin und ging mit einer Freundin in eine Tennishalle. Kunststoffbelag. Ich habe nichts getroffen. Da wurde es mir klar, dass ich nur auf Asphalt spielen konnte und gab den Sport 1991 auf. So ging es mir übrigens auch, als ich zum ersten Mal Tischtennis auf einer richtigen Platte eines Vereins gespielt habe. Ein Parameter ändert sich und du bist verloren.

Die Zahl der Senioren, die in Berlin Wohngeld beziehen, hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. #Altersarmut

„Polnischer Abgang“: Heimlich die Gruppe verlassen, ohne sich zu verabschieden. In Frankreich nennt man das „auf Englisch“.

Vor 25 Jahren, 2001: Schalke vier Minuten deutscher Meister, danach Meister der Herzen.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? In der kommenden Saison wechselt er auf Leihbasis zu den Fliegenden Brettern. Im Sommer 2027 hat Stefan Rose eine Kaufoption.

Ein Drei-Sterne-General genießt in Deutschland endlich wieder ein höheres Ansehen als ein Drei-Sterne-Koch. Wie im alten Preußen.

Im Alter von 17 Jahren schrieb Bonetti in sein Tagebuch: „Eines Tages werde ich einen Turm bauen, der in der Farbe von Elfenbein angestrichen werden soll. Ich werde ihn „Das Observatorium“ nennen. Von diesem Turm, der auf einer Wiese fernab von jeder Siedlung stehen soll, werden ich die Welt beobachten, um sie zu beschreiben und zu analysieren.

Montag, 3. August 2026

Medusa, Medea, Megäre

 

Blogstuff 1368

Es gibt eine Menge schrecklicher Frauenfiguren in der griechischen Mythologie. Medusa wurde von Pallas Athene in ein Monster mit Schlangenhaaren verwandelt, bei dessen Anblick man zu Stein erstarrte. Medea ermordete u.a. ihre eigenen Kinder. Eine Megäre war eine Rachegöttin.

Amerikaner sagen Bro, Deutsche Alter, Türken Lan und Araber Habibi. Mashallah, was dieser Bonetti alles weiß.

Erster August 1976: Niki Lauda sitzt auf dem Nürburgring in seinem brennenden Ferrari. Er kann mit schweren Verletzungen gerettet werden, im Krankenhaus bekommt er die letzte Ölung. Fünfzig Jahre ist das jetzt her. Ich kann mich, als Lauda-Fan bis zu seinem Karriereende 1985, noch gut daran erinnern, denn der deutsche Grand Prix lief jedes Jahr live im Fernsehen.

Das hätte Trump gefreut: Der römische Kaiser Augustus gab die Hälfte seines Staatshaushalts, 450 Millionen Sesterzen, für die Armee (300.000 Mann) aus. Zwanzig Jahre mussten die Legionäre dienen, dann bekamen sie zwölf Jahresgehälter oder einen Bauernhof mit Land als Pension. Seine Nachfolger verlängerten die Dienstzeit, um Geld zu sparen. Kommt einem heutzutage bekannt vor, oder?

Vom Mercedes W123 wurden 2,7 Millionen Stück gebaut. In Äthiopien sind sie heute noch als Taxi unterwegs – mit siebenstelligen Tachoständen.

Fun Fact: Mit einer Schiffsladung Solarpanels aus China können wir so viel Energie zu produzieren wie mit der Ladung von 85 Öltankern.

An einem Novemberabend hatte Bonetti seine erfolgreichsten Kollegen und größten Konkurrenten zum Essen eingeladen. Es tobte ein fürchterliches Gewitter und gelegentlich erhellte ein Blitz die Nacht und die Fassade der Villa Bonetti. Nacheinander trafen Martin Mosebach, Ferdinand von Schirach, Saša Stanišić, Daniel Kehlmann, Robert Menasse und Herta Müller beim Literaturfürsten ein. Man setzte sich zu Tisch. Die Teller, Servietten und die Tischdecke waren rabenschwarz. Vor jedem Autor stand ein kleiner Grabstein mit seinem Namen. Der erste Gang: Spaghetti al nero di seppia mit Belugalinsen und schwarzen Oliven, der zweite Gang: gebratene Blutwurst mit schwarzem Reis, der dritte Gang: ein Kompott aus schwarzen Johannisbeeren und Brombeeren. Dazu wurde ein dunkler Rioja, Negroamara und ein Noir de Noir gereicht, zum Abschluss gab es schwarzen Kaffee. Bonetti redete unaufhörlich über den Tod und schließlich waren alle Gäste überzeugt, er würde sie in dieser Nacht umbringen. Aber um Mitternacht konnten sie nach Hause fahren. Die Schriftsteller waren erleichtert. Das Essen war nicht vergiftet. Vor ihren Häusern warteten schon Mitarbeiter Bonettis. Sie überreichten jedem Gast einen Präsentkorb mit Kaviar und Champagner, dazu bekamen alle noch eine Rolex.