Sie
hatte einige Spitznamen: Escort-Lady der Gas-Lobby, Fossil-Hostess oder einfach
Kraftwerk-Kathie. Sie hatte das kleine Schwarze angezogen und saß an der Theke
des Blue Raccoon, einer angesagten Bar in der Nähe des Wirtschaftsministeriums.
Die Chefs der Ölkonzerne waren zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt in der
Stadt und würden bald vorbeikommen.
„Einen
Four Roses und ein Wasser.“
Agua
con gas?“ fragte der spanische Barkeeper.
Sie
musste lachen. Den ersten Manager, der durch die Tür kam, würde sie sich
schnappen und wilden schmutzigen Sex mit ihm haben. Deutschland braucht
Kerosin. Sie kippte den Bourbon auf ex hinunter.
***
Er
hatte die ganze Welt gesehen, konnte aber nicht aufhören zu verreisen. Er flog
nach Chikago, verbrachte eine Nacht im Flughafenhotel und nahm am nächsten
Morgen den ersten Flug nach Hause.
***
Eigentlich
war es viel zu einfach gewesen. Ein Anruf im Sekretariat und er wusste, dass
der Start-up-Milliardär drei Wochen in seiner Villa am Mono Lake in Wisconsin
verbringen würde und den Rest des Jahres in seinem Haus in Bel Air.
Einen
Monat später brach er in das einsame Haus ein, das auf einem zwölf Hektar
großen Seegrundstück stand, und war enttäuscht. Kein Geld, keine teuren Uhren,
kein Schmuck. Aber er hatte Zeit. Also stellte er alles bei Ebay ein und
verkaufte Gemälde, Möbel, Kronleuchter, Standuhren, Vasen, Skulpturen und am
Ende sogar das Wasserbett und die vergoldete Kloschüssel an diverse Kunden, die
alle keinen Verdacht schöpften, denn er begrüßte sie freundlich an der Haustür.
Der
Einbruch war ein Kinderspiel. Mit einer Universalfernbedienung hatte er die
Garage geöffnet, die Tür zum Haus war unverschlossen gewesen. Die Haustür war
sorgfältig verriegelt, alle drei Schlösser, aber Lesmo Dangle hatte die
Schlüssel von innen steckengelassen, bevor er abgefahren war.
Er
plünderte im Laufe der Zeit die Vorratskammer, den Weinkeller und die
Tiefkühltruhe, bevor er auch den Herd und die Mikrowelle verkaufte. Dann fuhr
er mit dem Bentley davon.
***
Meine
erste Million habe ich mit phosphoreszierenden Duschvorhangringen in Armenien verdient
und dann mein Geld in Bitcoins angelegt. Ich genoss das Leben in vollen Zügen und
dachte nicht mehr an Arbeit. Wissen Sie, was der Vorteil an Luxushotels ist?
Man wird nicht mehr belästigt und trifft nur Seinesgleichen. Niemand klopft an
deine Tür, weil er Spenden für ein sudanesisches Waisenhaus sammelt. Kein
zahnloser Penner steht plötzlich vor deiner Liege am Pool, wo du gerade bei
einem Nickerchen ein halbes Dutzend in Knoblauchöl gebratene Langusten und eine
Flasche Chablis verdaust, und nervt dich mit seiner Leidensgeschichte und
seinem Gestank.
Aber
irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich eröffnete eine Eckkneipe im
Wedding. Ich ließ die Maßanzüge im Schrank, kaufte mir bei KIK neue Klamotten
und zapfte Bier für gescheiterte Existenzen, die sich schon um die Mittagszeit
abschossen und mir von ihren Scheidungen, Entlassungen, Knastaufenthalten und
Besuchen vom Gerichtsvollzieher erzählten. Das war der Stoff für meinen ersten
Roman, der 2009 erschien.
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