Samstag, 25. April 2026

Aus meinen nachlassenden Werken


Sie hatte einige Spitznamen: Escort-Lady der Gas-Lobby, Fossil-Hostess oder einfach Kraftwerk-Kathie. Sie hatte das kleine Schwarze angezogen und saß an der Theke des Blue Raccoon, einer angesagten Bar in der Nähe des Wirtschaftsministeriums. Die Chefs der Ölkonzerne waren zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt in der Stadt und würden bald vorbeikommen.

„Einen Four Roses und ein Wasser.“

Agua con gas?“ fragte der spanische Barkeeper.

Sie musste lachen. Den ersten Manager, der durch die Tür kam, würde sie sich schnappen und wilden schmutzigen Sex mit ihm haben. Deutschland braucht Kerosin. Sie kippte den Bourbon auf ex hinunter.

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Er hatte die ganze Welt gesehen, konnte aber nicht aufhören zu verreisen. Er flog nach Chikago, verbrachte eine Nacht im Flughafenhotel und nahm am nächsten Morgen den ersten Flug nach Hause.

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Eigentlich war es viel zu einfach gewesen. Ein Anruf im Sekretariat und er wusste, dass der Start-up-Milliardär drei Wochen in seiner Villa am Mono Lake in Wisconsin verbringen würde und den Rest des Jahres in seinem Haus in Bel Air.

Einen Monat später brach er in das einsame Haus ein, das auf einem zwölf Hektar großen Seegrundstück stand, und war enttäuscht. Kein Geld, keine teuren Uhren, kein Schmuck. Aber er hatte Zeit. Also stellte er alles bei Ebay ein und verkaufte Gemälde, Möbel, Kronleuchter, Standuhren, Vasen, Skulpturen und am Ende sogar das Wasserbett und die vergoldete Kloschüssel an diverse Kunden, die alle keinen Verdacht schöpften, denn er begrüßte sie freundlich an der Haustür.

Der Einbruch war ein Kinderspiel. Mit einer Universalfernbedienung hatte er die Garage geöffnet, die Tür zum Haus war unverschlossen gewesen. Die Haustür war sorgfältig verriegelt, alle drei Schlösser, aber Lesmo Dangle hatte die Schlüssel von innen steckengelassen, bevor er abgefahren war.

Er plünderte im Laufe der Zeit die Vorratskammer, den Weinkeller und die Tiefkühltruhe, bevor er auch den Herd und die Mikrowelle verkaufte. Dann fuhr er mit dem Bentley davon.

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Meine erste Million habe ich mit phosphoreszierenden Duschvorhangringen in Armenien verdient und dann mein Geld in Bitcoins angelegt. Ich genoss das Leben in vollen Zügen und dachte nicht mehr an Arbeit. Wissen Sie, was der Vorteil an Luxushotels ist? Man wird nicht mehr belästigt und trifft nur Seinesgleichen. Niemand klopft an deine Tür, weil er Spenden für ein sudanesisches Waisenhaus sammelt. Kein zahnloser Penner steht plötzlich vor deiner Liege am Pool, wo du gerade bei einem Nickerchen ein halbes Dutzend in Knoblauchöl gebratene Langusten und eine Flasche Chablis verdaust, und nervt dich mit seiner Leidensgeschichte und seinem Gestank.

Aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und ich eröffnete eine Eckkneipe im Wedding. Ich ließ die Maßanzüge im Schrank, kaufte mir bei KIK neue Klamotten und zapfte Bier für gescheiterte Existenzen, die sich schon um die Mittagszeit abschossen und mir von ihren Scheidungen, Entlassungen, Knastaufenthalten und Besuchen vom Gerichtsvollzieher erzählten. Das war der Stoff für meinen ersten Roman, der 2009 erschien.

 

 

Freitag, 24. April 2026

Andy Bonetti, Gigant der Hüfte

 

Blogstuff 1312

Der wirkliche Irrsinn an Trumps Blut- und Bodenideologie ist, dass es keine amerikanische Rasse gibt. Die USA sind das genaue Gegenteil. Wo hört der Hass gegen die Einwanderer auf, wenn alle die Nachkommen von Einwanderer sind? Wessen Vorfahren standen auf der Passagierliste der Mayflower? Wer hat das Blut von Mohikanern oder Cheyenne in seinen Adern?

Seine besten Jahre als Journalist lagen längst hinter ihm. 2003 hatte er noch den Grimme-Preis für seine Reportage über die Menschenrechtsverletzungen in einem niedersächsischen Schlachthof bekommen.

„Was machst du da, Spock?“ – „Weltraum-Kram, Holgi.“ – „Darf ich zugucken?“

Klar, die alten Medien sind auf dem absteigenden Ast. Aber RTL kauft Sky für läppische 150 Millionen Euro? Da hätte ja sogar ich diesen Saftladen übernehmen können.

Früher stand die Formel 1 für satten Sound. Heavy Metal auf vier Rädern. Gespräche nach einem Rennsonntag liefen so ab: „WAS?!“ – „WAS?!“ Highlight im Vorprogramm des British Grand Prix 1984 in Brands Hatch war eine Concorde, die im Tiefflug über das Motodrom donnerte. Kinder und Hunde flippten aus, die Fans blickten verzückt lächelnd in den Himmel. Heute sind die Fahrer nicht mehr mit soliden V10- oder V12-Motoren unterwegs, fünfzig Prozent der Energie werden elektrisch erzeugt. Der Wechsel von Vollgas und Vollbremsung ist vorbei, sie müssen „Energiemanagement“ betreiben. Wenn ich Manager sehen will, gehe ich in eine Firma, nicht an die Rennstrecke. Diese ganze Öko-Scheiße kotzt mich nur noch an.

Hätten Sie’s gewusst? Weder der Weihnachtsmann noch der Osterhase werden in der Bibel erwähnt. Das Christentum ist sooo kommerziell geworden.

Warum gibt es eigentlich keinen Kriegsnobelpreis? Den Sieger würden wir wenigstens kennen. Die ganzen Friedenswinsler aus der dritten Welt kennt doch kein Schwein.

Bitte benutzen Sie nach 22 Uhr in Mehrfamilienhäusern keine Kettensägen mehr, um ihren Ehepartner zu zerlegen. Auch die Urschreitherapie ist erst ab 8 Uhr morgens wieder möglich. Danke!

Gestern habe ich meinen ersten Porno gesehen. Damals hatte ich noch eine gute Figur.

Langsam dämmert es mir, dass es ein Fehler war, mein gesamtes Geld in eine usbekische Kryptowährung zu investieren.

Trumps Irankrieg hat den erneuerbaren Energien eine Sonderkonjunktur verschafft. Danke, Donny!

DOUNANA (without us) SIBA & MONKYMAN

Donnerstag, 23. April 2026

Warten auf Malone


Es ist elf Uhr nachts, als es an der Tür des einsamen Landhauses von Tristan McTickleberry klingelt. Er beschließt, das Klingeln zu ignorieren, aber es brennt Licht in seinem Haus und die Besucher hämmern an die Tür. Schließlich öffnet er. Vor ihm stehen zwei blutende Männer, einer von ihnen ist offenbar schwer verletzt.

„Können wir bei Ihnen mal telefonieren? Ich muss nur den Chef anrufen, der holt uns hier ab.“

„Gut, kommen Sie herein.“

Das Telefon steht im Flur. McTickleberry sieht ein Auto vor der Tür, das von Kugeln durchsiebt wurde. Der Schwerverletzte setzt sich auf den Boden neben der Garderobe. Der andere Mann telefoniert.

„Hallo, Malone. Ich bin’s, Jerry. Nein, es ist schiefgegangen. Das Geld war nicht im Hotelzimmer. Sie haben auf uns geschossen. Ich bin hier in einem Haus an der Straße zwischen den Ortschaften Nether Addlethorpe und Middle Fritham. Der Name ist North Cothelstone Hall.“ Dann legt er auf.

„Soll ich den Verbandskasten aus dem Auto holen?“, fragt McTickleberry.

Der Mann zieht eine Pistole. „Wir gehen jetzt ins Wohnzimmer und warten. Ich könnte einen Whisky vertragen.“

Sie sitzen eine Stunde vor dem Kamin und schweigen.

„Was ist mit Ihrem Kollegen?“, fragt McTickleberry.

Der Mann geht kurz hinaus und kommt wieder. „Er ist tot.“

Der Schnaps und der Blutverlust lassen den Fremden schließlich einschlafen. McTickleberry steht leise auf, nimmt die Pistole an sich und geht in den ersten Stock, wo er sich in seinem Schlafzimmer einschließt.

Am nächsten Morgen geht er hinunter. Der Fremde ist wach und sieht ihn. „Malone ist nicht gekommen. Ich muss weiter.“

Er verlässt das Haus und fährt davon.

 

 

Mittwoch, 22. April 2026

Kleine Causerien und Wortgeschnetzeltes

 

Blogstuff 1311

„Bonetti! Ich bin von weit hergekommen. Dieser Augenblick ist heilig. Man wird noch lange von ihm sprechen.“ (ein Fan auf der BloggerCon in Wichtelbach)

Hätten Sie’s gewusst? Im März hat sich Reality-Blogger-Star Andy Bonetti zum dritten Mal die Brust vergrößern lassen.

Früher musste der Ost-Berliner jahrelang auf einen Trabbi warten, heute auf eine Wohnung.

Was sind eigentlich „manierierte Hähnchenflügel“?

Was ist der größte Feind des Kapitalismus, des Profits? Der Wettbewerb. Man sieht es an die Ölkonzernen, die gemeinsam die Mörderkohle scheffeln und so wenig miteinander konkurrieren wie die VEB in der DDR. Der zweitgrößte Feind ist der Staat, weswegen ein Unternehmer im Weißen Haus sitzt, der schon im ersten Jahr einen Milliardengewinn gemacht hat und seine Politik mit anderen Milliardären bespricht. Im Kanzleramt sitzt eine Heuschrecke von Black Rock und Macron kommt von Rothschild. Andere wurden zu Oligarchen, als sie an der Spitze der Nahrungskette angekommen waren wie Putin oder Orban.

Ein „Highlight“ der siebziger Jahre war der Toast Hawaii, der das Fernweh und den Größenwahn des Durchschnittsdeutschen perfekt repräsentierte. Selbstverständlich hatte man in Honolulu nie von dieser kulinarischen Zumutung gehört. Man nehme eine Scheibe billiges Toastbrot, eine Scheibe gekochten Schinken, selbstverständlich den in Plastik verpackten Mist aus dem Supermarkt, eine Scheibe Ananas aus der Dose (frische Ananas habe ich erst mit dreißig zum ersten Mal gegessen und war vom völlig unterschiedlichen Geschmack überrascht) und Scheiblettenkäse, den größten Scheißdreck, der je unter dem Namen Käse verkauft wurde, und schiebe es in den Ofen. „Bei euch gibt es heute Abend Toast Hawaii. Ja, bin ich denn beim Hochadel gelandet?“ Nein, Tante Erna. Das hier ist die Hölle – und dazu gibt es einen Lambrusco aus der 1,5-Liter-Korbflasche vom Aldi.

In der DDR gab es dieses Gericht übrigens ohne Ananas als „Karlsbader Schnitte“. In der Mitropa zahlte das werktätige Volk 80 Pfennig für diese Köstlichkeit.

Warum gibt es nur einen Rabatt für Nutzer von Verbrenner-Motoren und nicht für Leute mit E-Autos, Radfahrer und Nutzer des ÖPNV? Warum bekommen Porsche- und Subaru-Fahrer den gleichen Rabatt?

Die BILD-KI empfiehlt mir als idealen Wohnort Freiburg.

Esther Williams wurde ab 1942 (“Badende Venus“) für etwa zehn Jahre Hollywood-Star. Mit ihr wurde Synchronschwimmen der heiße Scheiß in Hollywood. Größer konnte der Kontrast zum Krieg nicht sein.

Dienstag, 21. April 2026

Bonetti kennt die Namen der Hintermänner


Blogstuff 1310

Meine Ex hat sich nie die Achselhöhlen rasiert. Im Sommer sah es aus, als hätte sie zwei Hippies im Schwitzkasten.

Im Papiermüll fand ich einen Haufen verschiedenfarbiger Post-It-Zettel mit rätselhaften Botschaften und musste sie einfach mitnehmen. Hier eine Auswahl der Inhalte: „Weak security“, „Reparations from Russia“, „Paternalism financially unsustainable!”, “Ongoing war”, “Investments”, “Energy price”, “Cost competitiveness”, “New generation requests and engagements”, “Decrease of demand”, “Lack of investment”, “Climate change”, “Rule of law”, “Weak government structure”, “Social pressure”, “Work force / human capital”, “Bloody Russians”, “USA China”, “Political chaos”. Haben wir ein Genie im Haus oder einen Büttenredner?

Ich habe die sogenannten „Ultras“ beim Fußball noch nie verstanden. Beim Tennis oder beim Motorsport prügeln sich die Fans nie. Haben diese Leute kein Leben, keine Familie, keinen Beruf, keine anderen Hobbys? Die Hooligans sind ja noch schlimmer. Da geht es nur um Gewalt, die interessieren sich nicht mal für Sport. Und wo ist bitte schön der Zusammenhang von Fußball und Feuerwerk? Warum brennt man im Stadion Bengalos ab? Wenn bei mir um die Ecke Sommerschlussverkauf ist, ziehe ich ja auch nicht grölend und mit brennenden Fackeln ins Kaufhaus. Fußball ist Unterhaltung und nach Abpfiff geht es in die Kneipe. Es gibt immer einen Grund zu trinken. Man feiert den Sieg, man betrauert die Niederlage und analysiert fachkundig bei vier, fünf Bier das Spiel und vor allem die Leistung des Schiedsrichters.

Die würdelose Routine einer unbedeutenden Angestelltenexistenz. Wieder waren acht Stunden vorbei. Er bestellte sich eine zweite Erdbeer-Margarita.

Kinder haben Kindergärten, Männer haben Biergärten. Die Welt ist wohlgeordnet.

Mitten in der Nacht wache ich plötzlich auf. Ein Mann steht an meinem Bett und sieht mich an. „Hören Sie damit auf“, sagt er und geht.

„Du hast doch früher hinterm Bahnhof Zoo Schwänze gelutscht und machst jetzt einen auf Künstler, du Münzgeld-Stricher.“ Für diesen Kommentar hat mich Harald Martenstein angezeigt. Die Leute sind so dünnhäutig geworden.

Die Linken haben meinen Vater umgebracht. Als in seiner Stammkneipe das Rauchverbot eingeführt wurde, musste er im Winter alle dreißig Minuten bei Eiseskälte vor der Tür stehen und eilig eine Zigarette rauchen, bevor er schließlich an Lungenentzündung gestorben ist.

Als ich nach Manila versetzt wurde, änderte sich mein Leben schlagartig. Statt der kleinen Mietwohnung hatte ich ein Haus mit Garten. Dienstpersonal kostete pro Person nur hundert Euro im Monat. Ich engagierte ein Ehepaar. Sie putzte, kochte und ging einkaufen, er bewachte das Haus und kümmerte sich um den Garten. Beide wohnten im Gartenhäuschen und haben sich nie beschwert. Versuchen sie mal in Deutschland, so zu leben.

Montag, 20. April 2026

Bonetti schaut zu tief ins Glas, nimmt aber kein Blatt vor den Mund

 

Blogstuff 1309

„I’m sorry, Dave. I’m afraid I can’t do that.” (KI 1968)

Neulich beim Töpfer. „Mir gefällt ihr Ton nicht.“

Mafalda. Was ist das denn für ein Vorname? Klingt wie ein griechischer Hirtensalat. #Pastewka

Ich kann mir keinen Text merken. Mein ganzes Leben ist improvisiert.

Botoxfresse reimt sich auf Boulevardpresse. 

Wer kann sich noch an die „Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft“ auf der Transitautobahn erinnern? Die Soljanka war unübertroffen.

Natürlich sind Trump und Vance von der katholischen Kirche enttäuscht. In früheren Kriegen haben die Priester noch brav die Waffen christlicher Armeen gesegnet – selbst wenn es gegen andere Christen ging. Aber auf den linksgrünversifften Vatikan ist ja leider kein Verlass mehr.

Sparkanzler Merz, der die eigene Bevölkerung als Faulpelze und Taugenichtse diffamiert und denunziert, hat eine Gehaltserhöhung von 5400 Euro für sich selbst durchgewunken. Erst ein Shitstorm konnte diesen Gangster-Move stoppen. Fürs Fußvolk gibt es immerhin ein paar Cent Steuererlass an der Tanke. Danke!

Wo war ich bei 9/11? Wo war ich beim WM-Sieg 2014? Wo war ich beim Beginn des Ukrainekriegs? Ich kann mich sehr genau erinnern. Ich saß auf dem Sofa und habe Fernsehen geguckt. Wo waren Sie? In New York, Rio oder Kiew? Oder zuhause?

Jede Ordnung produziert Sieger und Verlierer, mal mehr (Bundesliga), mal weniger deutlich (warum hat es Tengelmann erwischt und nicht Lidl?). Ich habe meine Kindheit in einer Arbeiter- und Angestelltensiedlung verbracht. Niemand fühlte sich als Verlierer, denn alle hatten einen Aufstieg erlebt. Die meisten Väter (so auch meiner) waren die ersten in ihrer Familie, die ein Auto besaßen. Man war stolz auf den Opel, den Ford oder den Volkswagen, der samstags gewaschen wurde wie die Kinder in den modernen Mietwohnungen (mit Badezimmer!). Alle waren die ersten in einer langen Familiengeschichte, die einen Fernseher hatten (der irgendwann sogar Farben zeigen konnte) und das Mittelmeer gesehen haben (bis auf die paar Männer, die Rommels Afrikafeldzug überlebt hatten). Einmal im Monat gingen wir ins Gasthaus und aßen Jägerschnitzel mit Pommes frites. Die Menschen waren zufrieden und wählten sogar ein Weichei wie Willy Brandt, der keinen Krieg angefangen, sondern einen Friedensnobelpreis bekommen hatte. Und heute? Überall Verlierer, Verbitterung und Verfall. Krebszelle AfD. Wie bekämpft man sie? Man müsste nur mal in Ruhe nachdenken …

Fremdmaterial: Warum tragen Kamikaze-Piloten einen Helm? Warum können Nasen laufen, während Füße riechen?


Gina-Lisa Lofink erneut operiert.

Sonntag, 19. April 2026

Der Tod in Wilmersdorf

 

Ich bin an einem Freitag gestorben. Allein. In meinem Bett. Mein Herz ist einfach stehengeblieben.

Nach meinem Tod bewegte sich mein Astralleib aus meiner Wohnung in den Hausflur zum Fahrstuhl. Er öffnete sich und ich musste keinen Knopf drücken. Er fuhr nach unten. Ich hatte nichts anderes erwartet.

Im Erdgeschoss stieg ich aus. Aus der Wohnung von Brigitte Hartnack drang Musik. Ich ging zu ihrer Tür, die zu meiner Überraschung offen war. Ich trat ein.

„Hi, schön, dass du da bist.“

Frau Hartnack trug einen knallroten Lederbody, schwarze Strümpfe und war wie eine Katze geschminkt. Obwohl sich Katzen natürlich nicht schminken – aber sie wissen, was ich meine.

Sie führte mich ins Wohnzimmer, wo etwa ein Dutzend Gäste standen. Sie deutete auf den Tisch, auf dem ein Buffet aufgebaut war. Panierte Kuhaugen, Quallensalat und eine Schweineblutbowle.

„Hallo“, sprach mich ein Mann an. „Ich bin der Siggi und ich bin Anlageberater. Im Augenblick ist am Finanzmarkt die Hölle los und ich habe die besten Tipps, wenn du richtig Geld verdienen willst.“ Aus den Ärmeln seines Jacketts krochen dicke schwarze Käfer.

Ich ging zur Bar hinüber, wo die harten Sachen standen. Eine Frau lächelte mich an. Ihre Zähne waren spitz, als würde ihr Gebiss nur aus Eckzähnen bestehen. „Ich heiße Gesine Vogelsang und ich bin Heilpraktikerin.“ Sie zündete sich eine Zigarette an. Alle rauchten auf dieser Party. Der Raum war mit stinkendem Nebel angefüllt.

Ich ging auf den Balkon. Mein fifty-fifty Gin Tonic schmeckte nach nichts und hatte auch keine Wirkung. Der Ausblick war ganz anders, als ich ihn von meiner Wohnung in Erinnerung hatte. Eine laute Kreuzung voller wütender Autofahrer, Menschen schrien sich an und in einem Truck brüllte das Schlachtvieh.

Ein großer Mann stellte sich neben mich. Seine Haut war rot wie Feuer, sein Anzug schwarz wie die tiefste Finsternis. „Ich bin der Gastgeber. Schön, dass Sie es heute Abend einrichten konnten.“