Sonntag, 30. August 2026

Bonetti als Wirtschaftsfaktor

 

Es ist bisher weder im Feuilleton noch in der Ökonomie genügend gewürdigt worden, welchen Einfluss das künstlerische Schaffen von Andy Bonetti auf die Region, auf die Stadt Bad Nauheim und den Wetterau-Kreis, aber auch auf das gesamte Bundesland Hessen hat. Nehmen wir den winzigen Ort Grafenfels als Beispiel. Hier wohnen tapfere kleine Angestellte, oft nur mit befristeten Arbeitsverträgen und sehr kleinen Kindern, in die sie ihre ganze Hoffnung gesteckt haben. Viele von ihnen arbeiten am nahe gelegenen Flughafen und ihre flachen, breiten Schädel mit den verzerrten Gesichtszügen erwecken den Eindruck, als hätten sie sich im Schmerz des Fluglärms gebildet. Aber Grafenfels ist der Ort, in dem „Die Legende von Yak und Yakeline“ spielt, jene zauberhafte Liebesgeschichte zweier Menschen, die jahrelang in verschiedenen Schichten im Duty-Free-Shop des Flughafens arbeiten und erst in einer stürmischen, aber dennoch äußerst romantischen Novembernacht unter der Dorflinde zueinander finden. Ganze Busladungen literaturbegeisterter Menschen aus aller Welt kommen nach Grafenfels, um die Linde zu fotografieren, die eigentlich nur eine Erfindung Bonettis ist und nach dem Siegeszug dieses herzzerreißenden Beziehungsromans, der in einundvierzig Sprachen übersetzt wurde, erst eilig gepflanzt werden musste. Es gibt einen Souvenirshop und mehrere Landgasthöfe, die von diesem Buch leben.

Bad Nauheim selbst ist zu einer Pilgerstätte der Weltliteratur geworden wie Prag mit Franz Kafka oder Dublin mit James Joyce. Jedes Jahr am 14. August wird der Heinz-Pralinski-Tag feierlich begangen, die einzig und allein dieser wichtigsten Romanfigur im Werk Bonettis gewidmet ist. Die Stadt ist dann voller Fans, die man an ihren hellbraunen Cordhosen, dem Seitenscheitel drei Finger über dem Ohr und einem Regenschirm mit Schottenmuster erkennen kann (Pralinski ist in der Kleinstadt Schotten am Westhang des Vogelsbergs, etwa dreißig Kilometer von Bad Nauheim entfernt, zur Welt gekommen). Das Bonettimuseum auf dem Rathausplatz, in dem nicht nur die Kopien des Literaturnobelpreises und anderer Preise ausgestellt sind, die Bonetti gewonnen hat, sondern auch Reliquien wie sein Lieblingsteddy, der Zollstock, mit dem er sein erstes Bier aufgemacht hat, die Originaleinrichtung seiner Studentenbude in Kassel, diverse von ihm benutzte Schreibmaschinen, Computer und Kugelschreiber sowie einige von ihm selbst gemachte Zeichnungen auf Bierdeckeln, besuchen jährlich mehr als zwei Millionen Menschen. Auch hier profitieren Handel und Gastronomie in hohem Maße. Kein Restaurant kann es sich leisten, das Lieblingsessen von Andy Bonetti, Jägerschnitzel mit Pommes frites, Kaiserschmarrn und Lasagne, von seiner Speisenkarte zu streichen. Selbst ortsansässige Chinesen und Türken bieten diese Gerichte an. In Anspielung auf die weltberühmte Erzählung „Bonetti auf der Buchmesse“ gibt es in der Innenstadt Hot-Dog-Stände, wo man drei Hot-Dogs für den Preis von zwei bekommt.

Und ähnlich ist es auch in Kelsterbach, Schwalmstadt, Butzbach und den anderen Orten, die Bonetti in seinem Werk verewigt hat. Bonetti selbst schweigt zu diesem Sachverhalt und nimmt die Huldigungen der Gesandtschaften aus allen Teilen Hessens nur an ausgewählten Tagen entgegen. Dann tragen kleine Mädchen mit Schleifen im Haar Gedichte vor, die das lobende Andenken Bonettis zum Inhalt haben, Schulchöre singen und menschliche Pyramiden werden zu seinen Ehren gebildet. Bürgermeister und Germanistikprofessoren überreichen kostbare Füllfederhalter, goldene Korkenzieher, ganze Kisten voll edelstem Champagner und feinster Schokolade, Torten in B-Form und Schweinehälften. Es wird gemunkelt, dass Städte wie Gießen oder Marburg hohe Summen geboten haben, um endlich auch einen Platz in Bonettis literarischem Universum zu finden, bevor dessen Schaffenskraft und Sprachgewalt eines fernen Tages endgültig versiegen werden.      

P.S.: Im Kometenschweif von Bonettis Berühmtheit hat es auch das naturtrübe Kellerbier der Bad Nauheimer Brauerei „Emil Kesselhemd und Söhne“, die in siebter Generation von Rita Reuschlein, geb. Kesselhemd, geführt wird, zu einer bundesweit stark nachgefragten Marke gebracht. Das Werbemaskottchen „Halbstrack der Schwere“ geht auf eine Bierdeckelkritzelei von Andy Bonetti zurück.

 

Mittwoch, 26. August 2026

You never walk alone

 

Blogstuff 1375

In Brandenburg leben drei Millionen Einheimische und 750.000 Siedler aus Berlin, die völkerrechtswidrig ganze Dörfer bauen. Sie behaupten, Brandenburg gehöre eigentlich zu Berlin und sie schikanieren die Ossis, die sie als Menschen zweiter Klasse bezeichnen. Warum gibt es keine Sanktionen gegen Berlin? Bibi Wegner sollte in Den Haag vor Gericht gestellt werden.

Ein Freund arbeitete vor Jahrzehnten als Schlafwagenschaffner auf der Strecke Kopenhagen-Rom. Beide Städte hat er nie gesehen, weil er nach seinem Job zu müde war, um auf Sightseeing-Tour zu gehen. Er war hunderte Male in Italien, aber nachts sieht man bekanntlich nichts, wenn man aus dem Fenster schaut. Er war also zugleich in Rom und nicht in Rom - wie Schrödingers Katze. Das erinnert mich an meinen Flug von Manaus nach Fortaleza. Zwischenhalt in Belem, mitten in der Nacht. Wir durften nicht aussteigen. War ich in Belem oder nicht?

Die Schrift ist eine geniale Erfindung. Die ganze Welt in 26 Buchstaben. Das ist der wahre Da Vinci Code.

Die CDU hat uns erfolgreich eingeredet, die Wärmepumpe sei unser größter Feind, nicht der Rechtsextremismus oder Putin.

Mitten in Berlin steht ein berühmtes Tor. Aber warum heißt es Brandenburger Tor?

Hätten Sie’s gewusst? Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können.

Ich bin ein heterosexueller Faschist und habe Mikroaggressionen gegen Rothaarige.

Bei der Roboter-Olympiade hat eine Maschine den Rekord über die 100-Meter-Strecke gebrochen, den bisher Usain Bolt gehalten hat. Wenn ich ein Greis bin, werde ich unter der Diktatur der KI geknechtet werden. Mir tun die Kinder leid. Aber: Es bleibet dabei, die Gedanken sind frei.

„Heartbreak Breakfast Challenge“: Acht Spiegeleier, zwölf Streifen Bacon und ein halbes Pfund Hash Browns. Locker geschafft. Nachtisch: Käsekuchen.

Die Ossis beklagen sich über die Bevormundung durch den Staat. Aber zu den Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaat war es doch genauso, Nur jetzt kann man darüber meckern. Aber mit der AfD ist auch das bald wieder vorbei.

Wort des Tages: Shitnado. Denken Sie über unsere Zeit nach, es beschreibt alles. Kleine und große Probleme, nervtötende Petitessen und tödliche Dramen.

Die Stadt ist nachts voller Licht. Allein für dieses Geschenk muss man sie lieben.

Gibt es außerhalb Deutschlands „Doppelhaushälften“?

Maschmeyer und Ferres haben sich getrennt, Dolly Parton ist tot. What a great time to be alive.

Rammstein - Amerika (Official 4K Video)

Montag, 24. August 2026

Bonetti – Die Jahre der Entscheidungen

 

„Ich esse dreimal im Tag, in der Zwischenzeit gar nichts, aber nicht das Geringste.“ (Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer vom 21. November 1912)

An meine erste Begegnung mit Andy Bonetti kann ich mich noch gut erinnern. Es war in meinem ersten Semester an der Heinz-Schenk-Universität in Kassel, als mir der hochgewachsene, aber doch schmächtige, ja fast knabenhaft wirkende Kommilitone mit dem in der Mitte gescheitelten schwarzen Haar ins Auge fiel. Es war in der ideologiekritischen Vorlesung „Der Ismus wo ich mitmuss“ von Professor Ferdinand Klemm, als ich mit schöner Regelmäßigkeit sein glockenhelles Lachen aus der letzten Reihe hörte. Vorgestellt wurde ich ihm durch Heinz Pralinski bei einem Mittagessen in der Mensa und es stellte sich heraus, dass wir alle aus Bad Nauheim stammten. Tatsächlich hatten wir nur wenige hundert Meter voneinander entfernt gelebt, ohne uns als Kinder oder Jugendliche je kennengelernt zu haben. Das lag vermutlich daran, dass Bonettis Vater als Vogelstimmenimitator in den Gasthäusern der Stadt sein Geld verdiente und gelegentlich die Mülleimer der Stadt nach Pfandflaschen durchsuchte, während mein Vater Bankdirektor war und ich meine Freizeit mit Klavierunterricht und Reitstunden verbringen musste.

Ich begann bereits in meinem ersten Semester, in der Fachschaftszeitschrift der Germanisten kleinere Artikel zu veröffentlichen. „Der Schrei“ galt an der Universität als avantgardistisches Blatt und wurde für viele Studenten zum Sprungbrett in die nordhessische Presselandschaft und das Verlagswesen. Ich verwendete den Künstlernamen „Johnny Malta“, da meine Eltern nichts von meinen literarischen Ambitionen erfahren durften. In Wirklichkeit heiße ich Konrad Fleischhauer. Als Studienfächer hatte ich neben Germanistik noch Philosophie und Spätbyzantinistik gewählt, während ich meinen Eltern erzählte, ich würde Jura studieren. Bonetti hatte tatsächlich einige meiner Texte gelesen und erzählte mir, er würde auch schreiben. Und so trafen wir uns bald regelmäßig in den Weinstuben und Kaffeehäusern der Stadt, wo ich ihn mit anderen Gleichgesinnten bekannt machte. Bonetti blieb in unseren literarischen Diskursen jedoch meist ein stiller Beobachter und es fiel mir schwer, ihn zur Herausgabe eigener Arbeiten zu ermutigen. Bonetti schrieb damals an einem längeren Werk mit dem Titel „Beschreibung eines Krampfes“, in der es um eine traumatische Erfahrung während eines Fußballspiels ging. Aber es gelang mir, kleinere Stücke von ihm, meist Parabeln und Tiergeschichten, zu lesen. Wenn wir alleine in meiner Studentenbude waren, las er auch gerne aus seinen Texten vor.

Ein Jahr später gelang es mir, einen Gedichtband im Selbstverlag zu veröffentlichen, wobei mir der Kontakt der Fachschaft zur Druckerei der Universität wertvolle Dienste leistete. Der „Bad Nauheimer Morgen“ wurde auf mich aufmerksam und es gelang mir, einige Gedichte in der Sonntagsbeilage unterzubringen. Ich begann, Leserbriefe an überregionale Zeitungen zu schreiben und versuchte, mit anderen Schriftstellern in brieflichen Kontakt zu treten, was nur von mäßigem Erfolg war. Ich galt unter den Studierenden der Germanistik nun als arrivierter Schriftsteller und lernte Hedwig kennen, die meine erste feste Freundin wurde. Bonetti war immer noch ein schüchterner Mensch, dem es schwerfiel, zu anderen Menschen in Kontakt zu treten. Aber es ist keinesfalls richtig, dass er den Vergnügungen der Nacht gegenüber nicht aufgeschlossen gewesen wäre. Wir zogen oft bis in die frühen Morgenstunden durch die Gasthäuser, tranken Bier, Schnaps und Wein, oft im Kreise zwielichtiger Gestalten. Wir hörten in seinem WG-Zimmer laute Musik, so dass es bei seinen Nachbarn und Mitbewohnern bald den Spitznamen „Hauptquartier des Lärms“ hatte. Wir diskutierten viel über Literatur. Bonetti mochte, wie ich auch, Flaubert und orientierte sich an dessen präziser Beobachtungsgabe, aber er las auch immer gerne Abenteuer- und Indianergeschichten.

Bonetti wäre wohl auf ewig unentdeckt geblieben, wenn es mir nicht eines Abends vergönnt gewesen wäre, ihn zum Abdruck einer Kurzgeschichte in „Der Schrei“ zu überreden. Schon am nächsten Tag bereute er seinen Entschluss, aber da hatte ich den Text schon eingereicht. Das „Gespräch mit dem Betrunkenen“ war seine erste Veröffentlichung, Bonetti war zu diesem Zeitpunkt vierundzwanzig Jahre alt. In jenem Sommer fuhren wir gemeinsam mit einigen Freunden in den Urlaub. Es sollte natürlich in den Süden gehen und so bestiegen wir eines Morgens den Zug, um nach Frankfurt zu fahren. Die große Stadt machte einen gewaltigen Eindruck auf uns, stundenlang ließen wir uns durch die Metropole am Main treiben. Wir staunten über den ungeheuren Straßenverkehr und mit klopfendem Herzen fuhren wir zum ersten Mal mit der U-Bahn, einem Fortbewegungsmittel, das sich durch dunkle Tunnel unter der Stadt zwängte und uns an völlig anderen Orten wieder in das Menschengewimmel entließ. Bonetti war sehr beeindruckt und hat diese Erlebnisse später in seinem Roman „Labyrinth der Finsternis“ verarbeitet. Eines Nachmittags fuhren wir auch zum Flughafen hinaus. Das Fliegen, jener alte Menschheitstraum, steckte damals ja noch in den Kinderschuhen und die Piloten galten als tollkühne Kerle. Viele Menschen versammelten sich hier, um diesen Pionieren der Schwerkraftüberwindung bei ihren abenteuerlichen Manövern zuzuschauen. Bonetti verfasste darüber einen längeren Text mit dem Titel „Die Aeroplane von Frankfurt“, der bald darauf im „Bad Nauheimer Morgen“ erschien. Der Rest seiner Geschichte ist bekannt.

Samstag, 22. August 2026

Opa hat’s noch drauf

 

Blogstuff 1374

“Make the first step when your deadline is on fire.” (Andy Bonetti: Dancing on a razorblade)

Ich bin die Flaute unter deinen Flügeln.

KI kann niemals wirklich intelligent werden, weil ja der Mensch das Ausgangsmaterial ist. Falls sie sich jemals weiterentwickelt, wird sie zwangsläufig depressiv wie der Roboter Marvin in Douglas Adams Anhalter-Romanen. Sie ist gefangen auf einem Planeten, der ganz offensichtlich von Vollidioten bevölkert wird.

Die meisten Männer sind übergewichtig, aber sie kämen nie auf die Idee zu fragen: „Schaaatz, bin ich zu dick?“ Dieses Selbstbewusstsein hat uns eine Million Jahre zu Siegern gemacht. Wenn eine Frau diese Frage stellt und man antwortet „Im Vergleich zu wem?“ hat man ihr den Tag versaut. Frauen sind voller Selbstzweifel und brauchen die Bestätigung von außen. Bei Männern kommt sie von innen und dieses Feedback ist immer positiv.

Gibt es eigentlich nur in Deutschland „Übergangsjacken“?

Mathematik mit Bonetti. Heute: die Dunkelziffer.

Du schläfst immer nur in einem Bett, egal, ob du in einer Villa oder einem kleinen Apartment wohnst.

Iran und USA schließen Kompromiss. Bonetti Media soll zukünftig die Straße von Homburg kontrollieren.

Warum heißt es in der Bierwerbung „mit 0,0 % Alkohol“ und nicht einfach Getreidewasser?

Innerlich bin ich Brad Pitt, äußerlich Willy Millowitsch.

Katzen haben kein „Herrchen“, sie haben nur einen haarlosen Diener, der ihnen das Essen serviert.

Diesen Sommer habe ich Urlaub im Balkongo gemacht. Gutes Bier, gutes Brot.

Unsere Moderatoren werden eingekleidet von Loden-Günter.

Wieso versprechen sich so viele Deutsche Rettung von völlig Unbekannten? #AfD #1933

Endlich wieder Fußball und Formel 1. Die Wochen der Ungewissheit („Warum bin ich hier? Wo ist der Sinn? Deine Mutter!“) sind vorbei. Mainz 05 hat mit dem Oberligisten VfB Krieschow ein hartes Los gezogen. Ich erwarte einen verbissenen Kampf bis zum Elfmeterschießen und darüber hinaus,

Neonlicht (2009 Remaster




Donnerstag, 20. August 2026

Höcke – Das Phantom der Opfer

 

Blogstuff 1373

Trump hat zu Beginn seiner zweiten Amtszeit versprochen, keine Kriege fern der Heimat zu führen. Und jetzt das. Liar and Loser – Die Überschrift zur Arbeit des 47. Präsidenten.

„Du Arschloch“ ist für mich in Ordnung. „Sie Arschloch“ würde ich übelnehmen.

Bonetti sucht für seine neue Polka-Band „The Dust Bowl Devils“ noch einen Maultrommelspieler (bitte nur melden, wenn Sie Profi sind).

Ich war mal mit ein paar Freunden in einem Cranberries-Konzert in der Waldbühne (Hauptgruppe habe ich vergessen). Ich hatte eine PET-Flasche Woddy O-Mische und zwei richtig fette Joints am Start. Der kleine Bruder einer Freundin war auch dabei und saß direkt neben mir. Ich habe ihn ein paarmal ziehen lassen. An diesem Abend habe ich ihn zum Kiffer gemacht. Eine Woche später macht er eine Party und hat einen Haschkuchen gebacken. Es waren auch viele Klassenkameraden da. Einige landeten im Krankenhaus und er wäre fast von der Schule geflogen. Ich bin nicht stolz drauf.

Das Bibelcamp war ein Heidenspaß.

Ich bin von zuhause weggelaufen, als ich 35 war.

Viele Kriminelle, v.a. der Nachwuchs, machen immer denselben Fehler. Sobald sie Geld verdient haben, machen sie einen auf dicke Hose, kaufen teure Autos und alberne Klamotten. Aber es ist viel wichtiger, unsichtbar zu bleiben. Wenn irgendwo ein Maserati steht, erinnern sich die Leute. Niemandem fällt ein VW auf. Warum tragen Soldaten Tarnkleidung und keine knallroten Uniformen? Weil sie nicht entdeckt werden wollen. Kriminelle legen ihr Geld auch nicht langfristig an. Immobilien und Aktien, nicht Koks und Nutten. Deswegen landen auch so viele von ihnen im Knast. Die klugen Profis genießen irgendwann den Ruhestand, waren noch nie vorbestraft, und leben von Dividenden und Mieten.

Enshittification: Kunden werden an ein Produkt gewöhnt, danach wird es zum gleichen Preis immer kleiner und schlechter. Frosch im Wasser, das ganz langsam erhitzt wird. Schleichender Verfall. Als Kind habe ich Wagner-Pizza geliebt, neulich habe ich nach Jahren in einem Anfall von Sentimentalität wieder eine Wagner mit Schinken gekauft. Sie hat original nach gar nichts geschmeckt, aber umgerechnet acht Mark gekostet. Eigentlich wird der Begriff nur im Zusammenhang mit dem Internet verwendet, aber es gibt beliebig viele andere Beispiele, z.B. Politik. Vorwärts nimmer, abwärts immer.

Man sieht immer Menschen beim Essen, wenn es um die Werbung für Nahrungsmittel geht. Warum sieht man keine Betrunkenen in Alkohol-Werbespots?

Es ertrinken jede Menge Leute in diesem Sommer. In völlig harmlosen Gewässern. Ich war Rettungsschwimmer bei der DLRG. Der David Hasselhof von Ingelheim am Rhein. Schöne Frauen täuschten einen Notfall vor, um sich von mir retten zu lassen. Damals ertranken viel weniger Menschen als heute.

The Smashing Pumpkins - 1979 (Official Music Video)

 



 

Mittwoch, 19. August 2026

Er ist wieder da

 

Blogstuff 1372

“Herr Merz, was macht die Regierung gegen den Klimawandel?“ – „Wir planen eine Klimasteuer.“

In Berlin wurde ein nachtaktiver Bürofrosch entdeckt. Er ist vier Zentimeter lang und ernährt sich von Formularen und kaltem Kaffee.

In der Neuen Nationalgalerie in Berlin gibt es gerade eine Picasso-Ausstellung. Darunter ist auch ein Gemälde von Bonettis Gemächte, 2 x 2 Meter. Beide Hoden sind auf derselben Seite neben dem Penis.

Der Ort Andanaro hat eine Attraktion, die seinen Namen weit in die Welt hinausgetragen hat. Hier gibt es eine Frau, die ständig schreit. Eines Morgens fing sie einfach an zu schreien und seitdem schreit sie, Tag und Nacht, ohne Unterbrechung; keiner weiß, wie sie das macht. Die Bewohner des Ortes sind, wohl gequält durch den ständigen Lärm und den großen Verkehr der Schaulustigen, wenig gastfreundlich. Sie werfen die Speisen ihren Hunden vor und erst, wenn diese es partout nicht anrühren wollen, gibt man es den Gästen. Überhaupt herrschen hier raue Sitten und die Rohheit der Männer ist sprichwörtlich. Fragt man die kleinen Jungen nach ihrer zukünftigen beruflichen Orientierung, schreien sie mit wutverzerrtem Gesicht „Terrorist“ und blicken dir trotzig in die Augen.

Ist „Black Friday“ nicht rassistisch?

Demnächst in ihrem Kino: Die Sith Lords übernehmen Sachsen-Anhalt.

Ein halbes Jahr Iran-Krieg und kein Ende in Sicht. Ein paar Bomben und Raketen pro Tag werden nicht reichen, um dieses große Land in die Knie zu zwingen. Luftkrieg ist noch nie die Lösung für die USA gewesen, siehe Deutsches Reich oder Vietnam. Der Krieg erscheint wie Russlands Angriff auf die Ukraine als Fehlentscheidung. „Boots on the ground“ wäre der nächste Schritt – aber dann würde Trump sein blaues Wunder gegen die Revolutionsgarden, die iranische Armee und ein Heer von Selbstmordattentäter erleben. Die Mullahs werden mindestens bis zu den Midterms im November weitermachen. Möglicherweise verliert Trump seine parlamentarische Mehrheit und könnte sich nicht mehr so leicht über die Legislative hinwegsetzen wie bisher. Dann könnte man sagen: Well played, Teheran. Es sieht auf jeden Fall wie ein klassisches Eigentor aus, McDonald Trump.

Golf ist Trumps Obsession. Als Sport und in der Geographie.

Neandertaler haben schon Werkzeuge benutzt. Ich stelle mir die zotteligen Typen an der Hobelbank vor. Die Frauen haben eine Fell-Änderungsschneiderei eröffnet.

Gestern gab es einen Stau, in dem manche Familien ihren Grill aufgebaut haben. Wenn du das siehst, darfst du getrost alle Hoffnung fahren lassen.

Zu verkaufen: eine Original-Armbandsonnenuhr eines römischen Centurios.

The Cure - Just Like Heaven

 

Dienstag, 18. August 2026

McJob

 

Es ist neun Uhr morgens und ich, der Tapferste der Tapferen, sitze seit etwa einer Stunde an meinem Schreibtisch im Eingangsbereich einer Tennishalle. Draußen vor dem Fenster steht ein abgekämpfter älterer Herr im strahlenden Sonnenschein dieses Sonntagmorgens und kippt eine Flasche Cola in seinen aufgeschwemmten Leib – die müde Karikatur eines Fernsehwerbespots. Er kommt in die Halle und fragt mich in bestem Landserdeutsch: „Und Sie halten hier die Stellung?“ Ich antworte: „Einer muss ja da sein.“ Bis heute Abend werde ich hier sitzen, denn heute bin ich ein Pförtner, kein Taugenichts, sondern eine Respektsperson. Meistens beschränken sich die Dialoge auf die üblichen Grußformeln und ich tue das, was ich am besten kann: nichts. In meinem Büro gibt es einen Computer, den ich nichts anfassen darf, und Tennisschläger, deren Handhabung mir fremd ist. Vorhin, um 8:55 Uhr hat mich doch tatsächlich ein Mann gefragt, ob er schon auf den Platz dürfe. Die Spielzeit beginnt jeweils zur vollen Stunde. In welchem Land ist so etwas möglich? Und während sich die vorbeiziehenden Wolken in den blitzblank gewaschenen Mittelklassewagen der Kundschaft spiegeln, steigt in mir die leise Lust auf, in die Umkleidekabine zu gehen und einem dieser feinen Herren gepflegt in die Sporttasche zu scheißen. Später feiert eine italienische Großfamilie in der Pizzeria über mir die Kommunion eines kleinen Mädchens. Es ist Mittagszeit, die Plätze leeren sich und die Kinder, die zur Feier eingeladen sind, fragen mich, ob sie hier spielen dürfen. Ich gebe ihnen alle Leihschläger und Bälle, die ich finden kann, und bald bevölkert eine bunte kreischende Horde die gesamte Tennishalle. Das kleine Mädchen kommt in seinem herrlichen weißen Seidenkleid in mein Büro und ich schenke ihr zwei Bälle. Wegen des kostbaren Kleides kann sie nicht auf den Platz, also spielt sie mit den Bällen im Flur. Ganz artig hat sie sich bedankt, ihr Lächeln gibt diesem lausigen verkauften Tag erst einen Sinn. Überraschend taucht der Hallenbesitzer auf. Er ist entsetzt über meine freimütige Vergabe von Schlägern im Wert von über 5000 DM, wagt aber nicht, in dieses wunderbare Chaos einzugreifen. Erst eine Woche später werde ich gefeuert.