Samstag, 7. September 2024

Meine zwei Cent zu den Paralympics

 

Warum gilt Adipositas nicht als Behinderung? Ich fühle mich diskriminiert. Ich würde gerne in der Klasse BMI Ü40 die zwanzig Meter laufen. Oder den Adipositas-Triathlon mitmachen: fünf Minuten Duschen, 100 m Laufen, 500 m auf dem E-Roller (abschüssige Strecke).

Freitag, 6. September 2024

Mein Job ist nicht einfach


A.B.: „6. September: James Brown eröffnet die Internationale Funk-Ausstellung. Funk. Verstehen Sie?“

Pastewka (humorlos): „Ja. Und?“

A.B.: „Ich überlasse Ihnen die Pointe für fünfzig Euro.“

Pastewka: „Kein Interesse.“

A.B.: „Na gut, zwanzig Euro.“

Pastewka: „Würden Sie meine Frau und mich jetzt endlich in Ruhe essen lassen. Warum glaubt eigentlich jeder, er könnte mich im Restaurant anquatschen?“

A.B.: „Geben Sie mir wenigstens einen Obstler aus?“

Jetzt hat er eine einstweilige Verfügung und darf sich dem Schauspieler nicht auf weniger als hundert Meter nähern.

 

Donnerstag, 5. September 2024

Kleine Länder, große Sorgen

 

MC Kretschmer hat Kenia und Sachsen in die Scheiße geritten. Seine amtierende Koalitionsregierung kommt im Parlament nur noch auf 58 von 120 Sitzen. Entweder er geht einen diabolischen Bund mit einem populistischen Gemischtwarenladen mit einem breiten Ostalgie-Angebot ein oder er lässt sich tolerieren. So oder so sitzen Leute an seinem Tisch, denen er am liebsten aus dem Weg gehen würde. Aber wären denn Sozis und Gründe wirklich besser? So wie Kretschmer im Wahlkampf geredet hat, unterscheidet er sich höchstens in Nuancen von der AfD.

Noch schlimmer sieht es in Thüringen aus. Die westdeutschen Altparteien CDU und SPD kommen nur auf 29 von 88 Sitzen, Grüne und FDP wurden komplett eliminiert. Die Populisten kommen auf 47 Sitze. Wagenknecht kann sich die Koalition aussuchen und hat derzeit eine größere Schnittmenge mit der AfD als mit den einstmals mächtigen Westparteien. Sie wird in einer Koalition einen möglichen CDU-Ministerpräsidenten vor sich hertreiben können und damit auch die Bundespartei, die im nächsten Jahr viel Angriffsfläche bieten wird, wenn es ums Kanzleramt geht. Werden sich die CDU-Landesverbände an ein Machtwort aus dem Konrad-Adenauer-Haus halten? Schließlich haben sie schon einmal mit der Wahl eines FDP(!)-Ministerpräsidenten den Aufstand geprobt.  

Was hat Frau Wagenknecht eigentlich programmatisch im Gepäck? Ich halte mich an die Kurzfassung:

1.    Kritik an der Umverteilung von unten nach oben und der wachsenden sozialen Ungleichheit

2.    Kritik am autoritären Politikstil, der zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung führt

3.    Wirtschaftlicher Abstieg

4.    Abrüstung, Antiamerikanismus

5.    Begrenzung der Einwanderung

Drei der fünf Punkte sind mit Unionsregierungen nicht zu machen. Mit der AfD ginge alles. Beide Parteien gehören zur fünften Kolonne Moskaus in der EU. Von Sahra W. habe ich noch nichts von Brandmauern gehört. Wie gelenkig sie auf dem politischen Parkett ist, hat sie bei SED/PDS/Linken bewiesen. Wie man geschmeidig die Fronten wechselt, hat sie von ihrem Mann Oskar Lafontaine gelernt. Wir werden uns über die Kapriolen der nächsten Wochen noch wundern.

(von meinem Nokia 1011 gesendet)

Mittwoch, 4. September 2024

Viva Maduro


Wahlfälschung, Wirtschaftskrise, Massenauswanderung? Socialismo o Muerte. Navidad o Muerte. Maduro hat eine geniale Idee. Weihnachten in Venezuela wird auf den 1. Oktober vorgezogen. Glühwein am Strand, Lebkuchen unter Palmen. 2020 und 2021 gab es dieses Weihnachtswunder schon einmal. Der Mann ist gut. Wäre er nicht 2025 eine gute Alternative zu Merz oder Söder? Ich habe übrigens morgen Geburtstag. Ich erwarte eine Torte mit 29 Kerzen, einen Ring Fleischwurst und eine Unze Kokain.

Dienstag, 3. September 2024

Das darf doch alles nicht wahr sein

 

Blogstuff 964

„I wanna bei an anarchist, get pissed, destroy.“ (Sex Pistols: Anarchy in the UK)

Dönerladen, elf Uhr. Ich bin der erste Kunde. Dönermann: „Hast du heute Nacht von Döner geträumt, weil du so früh kommst?“ Antwort: „Ich träume jede Nacht von Döner.“ Endlich wieder in Berlin.

Ich sehe das Qualifying in Monza und denke mit Wehmut an das vergangene Jahr, als ich selbst noch eine Einsneunzehnfünf in den Asphalt gemeißelt habe. 

Mein Lieferservice Underground Delights liefert jetzt auch polizeilich gesuchten Nudelsalat und extremistische Terror-Falafel. Bitte nur im Darknet bestellen und das täglich wechselnde Safeword beachten.

Ich treffe Axel Prahl vom Münster-Tatort auf der Straße. „Kann ich offen mit Ihnen über Ihre schauspielerische Leistung sprechen oder sind sie sensibel?“ Zwei Minuten später verspricht er mir, er würde sich beim nächsten Job-Center um einen neuen Beruf bemühen.

Bei der Bestellung im Internet lerne ich ein neues Wort: Hack-Salsa. Interkultureller Austausch at its best.

Die Thailänderin im vietnamesischen Sushi-Restaurant erzählt den Deutschen an ihrem Tisch, ihr Bruder hätte einen Wasserbüffel. Das ist Großstadt.

Ich habe in den letzten Monaten zwanzig Kilo abgenommen. Ich bin nur noch ein Balken in der Landschaft.

In den letzten dreißig Tagen haben 17 Leser den Text „Das Sandbuch“ von 2015 gelesen. Merkwürdig, dass es Leute gibt, die noch in den alten Blogposts rumstöbern.

Die Wahlergebnisse von Thüringen und Sachsen sind entsetzlich. Auf diesem Niveau waren die Nazis am Ende der Weimarer Republik auch. Sachsen wird wohl nicht mehr mit einer Kenia-Koalition weitermachen können, Sahra ante portas. Thüringen bleibt unregierbar, Ramelow hat fast 18 Prozent verloren. Welchem Ministerpräsidenten ist das jemals bei einer Wahl gelungen?

Ich verachte zutiefst Menschen, die Sand von einem Strandurlaub mitbringen. Aber meine Cola-Flasche mit schneeweißem Sand aus einer amerikanischen Wüste („White Sands National Monument“) ist einfach ein cooles Statement (White Coke, vastehste?). Hier wurde am 16. Juli 1945 die erste Atombombe gezündet.

A: Ich grille inzwischen auch Gemüse.

B: Seit wann?

A: Seit einem halben Jahr.

B: So lange ist deine Vasektomie schon her?

Montag, 2. September 2024

Bonetti findet die Bernsteintoilette

 

Blogstuff 963

Warum bekommt man zu Sushi immer diese Kinder-Drumsticks geliefert? Sushi ist Fingerfood! Komm damit klar, Yu-Gi-Oh.

Ich habe einen Bachelor in Reiki von der Volkshochschule in Bochum und einen Master in Gurkensandwichmachen von Tik-Tok.

In meinem alten Biologiebuch steht noch, dass man die Geschlechter an ihren Pizza-Präferenzen unterscheiden kann. Nur Frauen essen Ananas auf der Pizza, Männer nicht. Heute frage ich mich: Wie ist die Situation bei den Transmenschen?

Wenn man früher aus Westdeutschland nach Berlin kam, war der Bahnhof Zoo die Endhaltestelle. Düster, stinkend und furchteinflößend. Voller Nutten, Penner und Kleinkrimineller. Ein Höllenort. West-Berlin war eine sterbende Stadt. Der erste Eindruck ist immer prägend. Christiane F. Heroin. RAF. Kreuzberg. Langhaarige Bombenleger. Systemfeinde, soweit das Auge reicht. Heute kommt man am Hauptbahnhof an. Eine klinisch saubere Shopping-Mall mit Gleisanschluss. Kein Gesindel, nur Touristen. Keine Gerüche, keine Gefühle. Ein Verkehrsknotenpunkt, ohne Geschichte, so bedeutungslos wie ein Korkenzieher.

Hätten Sie’s gewusst? Wladimir Putin war früher Agent beim KaDeWe.

Gestern Abend Lieferservice. Ich habe unter Anmerkungen geschrieben: „Klingel ist rechts vom Namen – sonst wird die Nachbarin wütend.“ Ich war live dabei, als sie einen indischen Hünen mit Turban zusammengefaltet hat (sie ist Pädagogin). Gestern kam sie mit dem Lieferjungen die Treppe hinauf. Gutgelaunt, sie hatte gerade ihren 63. Geburtstag mit ein paar Freundinnen gefeiert. Wir unterhielten uns lange, schließlich umarmten wir uns zum ersten Mal seit zwanzig Jahren. Währenddessen hielt ich die Rechnung mit der erwähnten Anmerkung in meiner Hand.

Paris, Ende der siebziger Jahre. Bonetti, verletzlich, einsam und deprimiert, stirbt im Alter von 53 Jahren. Nie wieder hat man den faszinierenden Klang dieses stimmgewaltigen Kolosses auf den Opernbühnen dieser Welt gehört. Die Verfilmung seiner letzten Tage mit Reiner Calmund in der Hauptrolle wurde gerade bei den Filmfestspielen von Detmold mit dem goldenen Backstein ausgezeichnet.

Warum bin ich jeden Mittwoch im Casino in Monte Carlo? Weil es dann Gratisbockwurst gibt. GRATISBOCKWURST!

Alt sein heißt Überlebender sein.

Anfang der sechziger Jahre hatte der Berliner Senat die Idee, auf der Pfaueninsel ein Atomkraftwerk zu errichten. Berlin sollte energieautark werden, die Berlin-Blockade lag noch nicht weit zurück – schreibt Tanja Dückers in ihren Erinnerungen über das alte West-Berlin. Sie lebte damals bei mir um die Ecke, in der Schaperstraße, gegenüber der ehemaligen Freien Volksbühne, an der Erwin Piscator nach dem Zweiten Weltkrieg gearbeitet hatte.

Sonntag, 1. September 2024

Fundstücke

 


Ein großes Haus birgt viele Geheimnisse. Es gibt zum Beispiel einen Tresor, aber nur mein Vater wusste, wo der Schlüssel versteckt war. Im Alter war er vergesslich geworden und versuchte, mir Hinweise zu geben. Richtige und falsche Spuren, jedenfalls kam oft ein Aktenkoffer in seinen Erzählungen vor. Eines Tages fand ich ihn – aber keinen Schlüssel. Wochen später öffnete ich ihn noch einmal und bemerkte ein kleines Ledertäschchen, das im Deckel eingenäht war. Der Schlüssel! Es war mein großer Indiana-Jones-Moment. Endlich hatte ich den Schatz gefunden. Gold, Juwelen, ein Hinweis auf das verschollene Bernsteinzimmer. Mit klopfendem Herzen und zitternden Händen öffnete ich den Tresor. Natürlich war er leer.

***

Viele Hausbesitzer sind bewaffnet. Pfefferspray, Baseballschläger, Pistolen. Mein Vater hat den Vogel abgeschlossen. Im Schlafzimmerschrank fand ich eine Maschinenpistole der Marke Heckler & Koch. Zum ersten Mal im Leben rief ich die Polizei an. Kurze Zeit später hielt ein Streifenwagen vor dem Haus. Ich zeigte den beiden Beamten die Waffe. Eine hübsche kleine Polizistin mit türkisfarbenen Augen und einem hinreißenden Lächeln holte sie hervor, zog das volle Magazin heraus und prüfte, ob noch eine Kugel im Lauf ist. Als ich mich von ihr und ihrem hünenhaften Kollegen verabschiedete, machten wir Witze darüber, dass eine nicht registrierte Waffe und nicht registrierte Munition perfekt für einen Mord wären und was eine automatische Waffe im Darknet bringen würde. Das Bürgertum kauft derlei Gerät übrigens nicht bei Kriminellen, sondern bei diskreten Waffenhändlern in der Schweiz, auf deren Schießständen sie in die Handhabung ihrer Neuerwerbung eingewiesen werden und sie zum ersten und letzten Mal abfeuern, bevor die Erben sie schließlich finden. Merke: Feine Pinkel werden nur bei der Einreise in die Schweiz kontrolliert (#Geldköfferli), nicht aber bei der Ausreise.