Dienstag, 5. Dezember 2017

Satire - Die Bonetti-Offensive läuft

Seit heute läuft die neue Kampagne von Bonetti Media Unlimited. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen an meine Mitarbeiterin Paula Rosenholz. Bitte verbreiten! Hartz 4 - we love it.
http://mein-jobcenter.com/
P.S.: Die Personen, die hinter der Kampagne stehen, sind: Andy Bonetti, Johnny Malta, Heinz Pralinski, Lupo Laminetti, Antonella Freudenschuss, Cheyenne Zwiebelgarten, Zacharias van Gnom, Robert Klumpf, Wanja Nothgroschen, Wilma Wolkenblume, Pandora Fleischmann, Rüdiger Schmorkohl, Mr. Shlingdingaling, Edgar Hufnagel, Elvis Presley und der Dalai Lama.

Begegnung mit einem Weltstar

„Die Fenster sind noch geöffnet, die frühen Aromen des Tages strömen herein, ich nippe an dem leicht cremigen Schaum, der den Caffé beinahe ganz verdeckt, ich nippe ein zweites Mal und nehme durch den porösen, lauwarmen Schnee einen kleinen Schluck des schwarzen Caffés, sofort bin ich hellwach und gespannt wie ein kleines Kind, das sich auf ein lange ersehntes Geschenk freut. Mein Geschenk ist die Schrift, ich setze mich an den Schreibtisch, ich trinke weiter in kleinen Schlucken, ich schreibe.“ (Hanns- Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens)
Es war ein milder Herbstmorgen. Ich saß an der Piazza Nuvolari, nicht weit vom Tiber entfernt. Auf dem Platz standen einige uralte Kastanienbäume, unter denen Rentner, Raucher und andere Müßiggänger im Schatten saßen. Ich genoss die Stille der Piazza bei einem Cappuccino und las den Corriere della Sera. Dieses Viertel wurde glücklicherweise nicht von Romtouristen frequentiert, sodass dem beginnenden Tag die Möglichkeit gegeben war, Kraft für alles weitere zu sammeln.
Ich hätte ihn vermutlich nie kennengelernt, wenn nicht in diesem Augenblick mein Handy geklingelt hätte. Ein Freund aus Wermelskirchen rief an und fragte, wie lange ich noch in Rom bleiben wolle. Es ging um seine Geburtstagsfeier. Wir plauderten eine Weile, dann verabschiedeten wir uns voneinander.
Da sprach er mich an. Er saß am Nachbartisch und lächelte zu mir hinüber. „Offensichtlich sind Sie aus Deutschland“, sagte er auf Deutsch.
„Ja“, antwortete ich. „Ich verbringe nur den November und die Adventszeit in Rom.“
„Daher können Sie so gut Italienisch“, sagte er und deutete auf meine Zeitung.
„Ich komme schon seit zwanzig Jahren hierher. Immer in dasselbe Hotel. Im Laufe der Zeit habe ich mir die Sprache angeeignet. Sind Sie zum ersten Mal hier?“
„Ja, ich habe mir für drei Monate eine kleine Wohnung gemietet. Ich möchte hier in Ruhe an einem Manuskript arbeiten. Leider kann ich nur ein paar Worte Italienisch. Fremdsprachen waren noch nie meine Stärke. Es muss schön sein, sich in anderen Sprachen ausdrücken zu können. Vermutlich gibt es Themen oder Situationen, zu denen die italienische oder eine andere Sprache viel besser passt als die deutsche.“
Ich nickte ihm zu. „Sind Sie Schriftsteller?“
„Ja. Mein Name ist Andy Bonetti. Aber vermutlich haben Sie noch nie von mir gehört“, antwortete er bescheiden.
Ich war wie vom Blitz getroffen. Der berühmte Andy Bonetti. Hier in Rom. Am Nachbartisch. Was für ein Wunder. Das würde mir kein Mensch glauben.
„Doch, doch“, stotterte ich mühsam und spürte, wie die Röte in mein Gesicht stieg.
„Darf ich mich ein Weilchen zu Ihnen setzen?“ fragte er.
Ich stimmte natürlich hocherfreut zu und alsbald plauderten wir angeregt über Literatur und Politik. Bonetti schrieb gerade an einem Roman über den Untergang der Maldini-Dynastie, die im 18. Jahrhundert die Käseherstellung revolutioniert hatte.
Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns voneinander.
„Wollen wir uns vielleicht morgen zum Abendessen treffen und ein Glas Wein trinken?“ fragte ich, mutig geworden durch die Freundlichkeit und Bescheidenheit dieses Weltstars aus Bad Nauheim.
„Ich möchte ungern einen Termin machen. Vielleicht habe ich gerade zu diesem Zeitpunkt ein paar gute Einfälle und sitze an meinem Schreibtisch. Daher möchte ich nichts festlegen, um den ganzen Tag offen für meine Arbeit zu sein. Deswegen bin ich auch gerade in Rom. Hier habe ich keine Verpflichtungen, sondern die absolute Ruhe für meine Arbeit. Kein Internet, kein Telefon. Mein Sekretariat ist angewiesen, mich nur in absoluten Notfällen zu kontaktieren.“
„Das verstehe ich, Herr Bonetti“, antwortete ich. „Der Zufall wird uns wieder zusammen führen. Und die Nähe unserer Unterkünfte wird den Zufall begünstigen.“
Tatsächlich trafen wir uns in diesem Herbst noch einige Male an der Piazza Nuvolari. Ein ganz famoser Bursche, dieser Bonetti. Im darauffolgenden Jahr erschien dann sein Roman „Der Käse meiner Großmutter“ und wurde natürlich ein Welterfolg.
Slade - Coz I Luv You. https://www.youtube.com/watch?v=VxFHTxI_dzs

Sonntag, 3. Dezember 2017

Michel’s Leitkultur

Deutsche Lieder, deutscher Reim
Deutsches Bier und deutscher Wein

Deutscher Diener, deutscher Boss
Deutsche Technik, deutsches Ross

Deutsche Frauen, deutsche Männer
Deutsche Bullen, deutsche Penner

Deutsches Schwein und deutscher Fraß
Deutscher Diesel, deutsches Gas

Bambi und der Wolf

„Sie hatte große schwarze Augen – wie das Universum.“ (Johnny Malta)
Ein Bekannter von mir hatte über einige Jahre eine Beziehung mit einer jüngeren alleinerziehenden Mutter, die sich mit einem Halbtagsjob und ohne Unterhaltszahlungen durchs Leben schlug.
Sie träumte von einem gemeinsamen Haus und hoffte, er würde sich um ihre beiden Kinder kümmern. Mir hat sie gesagt, sie würde ihn lieben und wollte mit ihm alt werden.
Er hat mir gegenüber die Beziehung als Fickfreundschaft bezeichnet. Für ihn als VWL-Professor ein gutes Geschäft: eine Einladung zum Abendessen pro Woche, dann eine gemeinsame Nacht. Pizza gegen Sex.
Es hat lange gedauert, bis sie begriffen hat, dass es ihr wie ihren vielen Vorgängerinnen ergangen war – trotz meiner ausdrücklichen Warnung. Der Typ ist schon immer so gewesen, habe ich ihr erklärt. Ich kenne ihn seit der Schule. Er interessiert sich nicht für den Menschen hinter der Möse. Sie ließ es noch eine Weile zu, dass er seine sexuelle Notdurft in ihr verrichtete. Jetzt hat sie ihn endlich verlassen.
Ultra Nate – Free. https://www.youtube.com/watch?v=utddSTvRvrg

Samstag, 2. Dezember 2017

Die drei Phasen des Bloggerzorns


Das gibt’s doch gar nicht. Ein kritischer Kommentar?

Kritik an meinem Text? Und auch noch mit Fakten, Argumenten und in einem sachlichen Tonfall?

Den Typ mache ich fertig! Ach was, den sperre ich, der hat lebenslanges Kommentarverbot in diesem Blog.

Freitag, 1. Dezember 2017

Kampfbegriff „Weimar“

Mit dem Warnruf „Weimar“ wird auch im 21. Jahrhundert noch die angeblich notorische Unzuverlässigkeit der deutschen Bevölkerung in politischen Fragen erklärt. Dabei haben damals die politischen Institutionen versagt, allen voran das Staatsoberhaupt Hindenburg, aber auch Reichsregierung und Reichstag. Justiz und Polizei sowieso, weil sie dem Treiben der Nazis ab 1933 tatenlos zugeschaut haben.
Es ist natürlich einfacher, für dieses Staatsversagen dem Pöbel die Schuld zu geben. Und so schützt sich auch 2017 noch die Elite – mit Parteienstaat und Massenmedien als Burgwall und Graben – vor dem Volk und verhindert bundesweite Plebiszite, die Direktwahl des Bundespräsidenten usw. Kaum verzögert sich, wie aktuell, die Regierungsbildung um ein paar Wochen, droht der Klassenlehrer den Kindern wieder mit dem Rohrstock: „Weimarer Verhältnisse“. Pfui! Mach das weg! Da gab es Minderheitsregierungen - und keine Betonkanzlerin.
Wo ist fundamentale Kritik am Staat erlaubt? Im Kabarett, denken wir z.B. an Sendungen wie „Die Anstalt“ oder an Menschen wie Pispers und Schramm. Das Publikum applaudiert begeistert – wählt beim nächsten Mal aber doch wieder die staatstragenden Parteien SchwarzRotGelbGrün. Das Kabarett hat daher eine Ventilfunktion, es ist kein Instrument der Aufklärung. Sollte ein Kabarettist wirklich frech werden, geben ihm die Massenmedien keine Plattform mehr. Notfalls jubelt man ihm ein paar Dateien mit Kinderpornographie unter oder macht ihn auf andere Weise öffentlich fertig.
Dann gibt es noch kleinere Publikationen und politische Gruppen, denen eine kritische Auseinandersetzung mit den „herrschenden Verhältnissen“ zugestanden wird. Überschreiten sie eine gewisse Schwelle der Massenwirksamkeit, richten sich die Augen des Verfassungsschutzes und der Justiz auf ihre Aktivitäten. Selbst Abgeordnete der harmlosen „Linken“ im Bundestag wurden schon observiert. Alles natürlich offiziell zum Schutz der Demokratie, in Wirklichkeit zum Schutz der Herrschaft, die mit dem Demos nichts zu tun haben will.
https://www.youtube.com/watch?v=EX2prYi2SQI

Die Macht der Autonomen

„Die Erkenntnis, dass das Ziel emanzipatorischer Gesellschaftsveränderung, von Befreiung und Menschlichkeit verfehlt wird, wenn man dabei auf irgendwelche Formen der ‚Machteroberung‘ im Staatsapparat setzt, bleibt bestehen.“ (Joachim Hirsch: Faszination des Staates, in: „links“, März 1985)
Wer sich in den Herrschaftsapparat des Staates begibt, kommt darin um. Inhaltlich, nicht physisch. Die Teilhabe am System der Herrschaft verändert die Politiker - je stärker, desto länger sie Teil dieses Systems sind und desto tiefer sie in dieses System eindringen.
Das mussten alle linken Bewegungen in Deutschland erfahren. Schon im Kaiserreich gab es eine linke Partei, die das Parlament zur Tribüne des Klassenkampfs machen wollte und als Vertreter der Arbeiterklasse dann doch kleinlaut an eben jenem Ort, wo auch heute noch der Deutsche Bundestag seinen Sitz hat, den Kriegskrediten eines Feudalherren zustimmte, der offensichtlich einem imperialistischen Größenwahn verfallen war. 1918/19 stellte sich dieselbe SPD auf die Seite des Bürgertums und des Militärs und verriet die proletarische Revolution, die zum Sturz des Massenmörders Willem Zwo geführt hatte. 1932 ermöglichte sie aus parteitaktischen Erwägungen die Wahl des erklärten Demokratiefeinds Hindenburg zum Reichskanzler, der wiederum Adolf Hitler den Weg ebnete.
Und so ging es in der Bundesrepublik weiter. Die APO rieb sich beim „Marsch durch die Institutionen“ innerhalb des Apparats auf. Je höher ihre Vertreter in den Institutionen aufstiegen, desto geringer wurde ihr Interesse, diese Institutionen zu verändern. Wie lange bleibt man renitent, wenn man „dazu gehört“, wenn man üppige Abgeordnetendiäten oder ein Professorengehalt kassieren und allerlei Privilegien wie Fahrdienst oder Reisen erster Klassen genießen darf? Da ist der Schritt vom Volksvertreter zum Volksverräter nicht weit. Die größten Kritiker der Elche werden später selber welche. Früher wurden die Rädelsführer der Opposition erschossen, heute scheißt man sie mit Geld zu. So trug auch die APO-Generation, wie alle Generationen vor und nach ihr, - wenn auch ungewollt – zur Stärkung des politischen Systems bei, indem sie ihre gesamte Energie innerhalb des Apparats verbrauchte.
Als sich die sozialen Bewegungen der siebziger und achtziger Jahre zur Partei der Grünen formierten und den Gang in die Parlamente wagten, gingen sie unter. Anfangs wollten sie noch ein wenig an den Spielregeln herumbasteln (Rotation der Abgeordneten, imperatives Mandat usw.), aber bald hatten sie sich an die formalisierten Abläufe des „Hohen Hauses“ mit präzisen Redezeiten und vorgedruckten Tagesordnungen gewöhnt. Bekanntlich geht es im Bundestag nicht um Meinungsbildung in offenen Diskussionen – das haben die Grünen irgendwann gelernt und damit erlosch zugleich ihr Versuch, eine Alternative zum Establishment der Altparteien zu sein.
„Die Präsenz der Grünen im Parlament wirkt nicht destabilisierend, bringt umgekehrt etliche dissidente Gruppen der Gesellschaft wieder heim ins Verfassungssystem. Wie weiland die Sozialdemokraten (…) betätigen sich die Grünen heute – obzwar ungewollt – als Stützen der sonst kritisierten Ordnung. (…) Die Utopie der ‚Gesellschaft der Freien und Gleichen‘ (Marx) kann nicht als Gesetzesvorlage (…) in den Bundestag eingebracht werden.“ (Johannes Agnoli: Zwanzig Jahre danach – Kommemorativabhandlung zur Transformation der Demokratie, in: Prokla 62, März 1986) Ergänzend muss man konstatieren, dass die Grünen auch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse stabilisiert haben, indem sie auf „umweltfreundliche“ Produkte und Herstellungsverfahren gepocht haben – sonst wären die Industriestaaten längst in ihrem Dreck erstickt.
Später ging es den Linken so und auch den Piraten. Es gilt die alte Regel: Wer tatsächlich Opposition betreiben will, der halte sich von den Institutionen des Staates fern. Wer den Sumpf austrocknen will, darf nicht selbst zum Frosch werden. Das hat in den letzten 150 Jahren keine einzige linke Partei in diesem Land begriffen. So blöd waren die Nazis nicht. Sie haben nicht nur bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Demokratie abgeschafft, sie hatten mit SA und SS auch eine eigene Polizei und ein eigenes Militär, mit deren Hilfe sie ihre Gegner in Konzentrationslager steckten oder gleich ermorden ließen. Sie haben sich an keine einzige Regel gehalten, sondern einfach die Verfassung ignoriert.
Von den Faschisten wollen wir natürlich nichts lernen. Wer war erfolgreich? Da fällt mir als erstes Beispiel die polnische Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ ein. Man begab sich nicht ins Getriebe der Macht und gründete eine Partei oder trat einer Partei bei, sondern entwickelte eine eigene autonome Organisation, die am Ende den Staat besiegt hat. Oder die Hausbesetzer in Berlin und anderswo, zumindest in den Anfängen. Die fragten nicht nach Eigentumsrecht und Mietverträgen, die wohnten einfach, wo sie wollten. Gandhis Aufrufe zum Boykott von Waren und Steuerzahlungen – glatter Rechtsbruch eines gelernten Juristen in den Augen der britischen Kolonialherren. Na und?
Wer sich geistig vom Staat unabhängig macht und sich nicht selbst als Teil des Staates begreift, kann seine Autonomie verwirklichen. Vielleicht geht man sogar den letzten Schritt und verabschiedet sich vom ehernen Gehäuse des Nationalstaats? Der Weg hinaus ist weit, das Labyrinth unserer wachsenden Ansprüche und angeblichen Bedürfnisse ist unüberschaubar geworden. Dieser Weg ist auch auf keiner Karte eingezeichnet, es gibt keinen Fahrplan für ein selbstbestimmtes Leben mit festen Haltepunkten und Terminen.
So wünscht es sich der deutsche Michel, aber so funktioniert es natürlich nicht. Freiheit + Planungssicherheit + Vollkaskomentalität kann es niemals geben. Die meisten Deutschen haben sich ohnehin längst bequem in ihrer Abhängigkeit, in dieser Mischung aus rein materiellem Wohlstand und ständiger Bevormundung, eingerichtet. Schon einige Wochen ohne Regierung empfinden sie als Krise – oder, wie die Boulevardpresse getitelt hat, als „Stunde Null“. Als ob es wirklich eine Zeit ohne Herrschaft wäre und als ob man vor herrschaftsfreien Zeiten Angst haben müsste.
„Aus der Erkenntnis, dass der Kapitalismus das Leben zerstört und sein Staat die Zerstörung institutionalisiert, kann der Schritt ins Emanzipatorische nicht unmittelbar vollzogen (…) werden. (…) Dazu gehört auch Aufklärung, als Teil der Maulwurfs-Arbeit. (…) Denn der alte Weg, von Plato über Fichte bis zu Lenin: man müsse die Massen zu ihrem Glück und zur Freiheit zwingen, ist nicht nur theoretisch brüchig und intellektuell eine Legitimationsideologie der Macht. Viel schlimmer: er lässt alles bei den alten Verhältnissen (mit ausgewechseltem politischen oder gesellschaftlichen Personal).“ (Agnoli, ebenda)