Andy Bonetti zog Anfang der
neunziger Jahre nach Berlin, genauer gesagt in den Prenzlauer Berg, wo es
damals noch jede Menge Künstler und lustiges Volk gab. 2008 musste er seine
Altbauwohnung in der Husemannstraße verlassen - die nach einer Luxussanierung
von einem Stuttgarter Scheich gekauft wurde, dessen Sohn dort mit seiner
Freundin einzog, die er nach seinem BWL-Studium heiratete und mit der er drei
Kinder hat, die in goldenen Kinderwägen durch die Straßen gerollt werden, denen
jeder Platz zu machen hat – und ging nach Bad Nauheim zurück.
Was wurde eigentlich aus den
vielen Zwangsexilanten des Prenzlauer Bergs? Die meisten von ihnen landeten –
nachdem sie eine Weile auf dem Sofa eines Kumpels in Friedrichshain oder
Kreuzberg gepennt hatten, der dann aber ein Stipendium für ein halbes Jahr in
Florenz bekam, wo er eine Frau kennenlernte, die kurz darauf schwanger wurde
und mit ihm nach Berlin zog, wo er nach Abschluss seines Studiums eine Stelle
als Lehrer bekam – in Bad Nauheim.
Die Stadt verwandelt sich seit
einigen Jahren durch die Neuankömmlinge: Ständig machen neue Clubs und Bars
auf, Eigentumswohnungen werden in vermietete Szene-WGs verwandelt, die Straßen
sind bis in die tiefe Nacht mit Studenten und Künstlern bevölkert, Biomärkte
und Einkaufszentren werden abgerissen, auf den Brachflächen sind
Bauwagensiedlungen entstanden und es werden am laufenden Band Partys gefeiert.
Immer mehr Leute verlassen die öde Kleinstadt
im Osten Berlins und kommen in die hippe Trendmetropole im Wetterau-Kreis. Es
leben nur Leute hier, die normale Jobs wie Bäcker oder Krankenschwester,
Schlagzeuger oder Kunstmalerin haben, viele haben überhaupt keinen Job.
Deswegen sinken die Mieten von Jahr zu Jahr. „Bäd Nowheim rulez“ sprühen die
Kids an die Häuserwände und es stört keinen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen