Samstag, 30. September 2017

Jamaika – eine Liebeserklärung

Worauf ich mich bei den Grünen in der neuen Regierung jetzt schon freue:
Anton Hofreiter rechtfertigt den Diesel: Grobstaub ist schlimmer als Feinstaub.
Cem Özdemir erklärt uns, warum wir mehr Ausländer „abschieben müssen“ (herrlicher Begriff – wann kommt die PC-Variante? „Mobilisieren“?!).
Katrin Göring-Eckardt weiß, warum eine Frauenquote im Vorstand der Unternehmen, wo die echten Entscheidungen getroffen werden, „nicht zielführend“ ist.
Claudia Roth erläutert vor einer Afrikakarte den nächsten Auslandseinsatz der Bundeswehr.
Jürgen Trittin schwärmt von der Notwendigkeit der Braunkohle und gibt uns wertvolle Tipps für die private Altersvorsorge mit Aktien und Immobilien.
Für die Bionade-Spießer ist die Jamaika-Koalition Tod auf Verlangen. Danach ist Schluss. Und mit dem neuen Videobeweis werden wir es amtlich bestätigt bekommen, wie die grünen Minister Angela Merkel das Rektum pudern.
Abba - One Of Us. https://www.youtube.com/watch?v=IIKAe8Wi0S0

Deutscher Herbst 1977 – aus der Perspektive eines Elfjährigen

Wie weit weg man als Kind doch von politischen Ereignissen war. Ist das heute noch so? Herbst 1977. Ich bin elf Jahre alt. Der sogenannte „Deutsche Herbst“, in dem die Rote Armee Fraktion und ihre palästinensischen Verbündeten die Nachrichten bestimmten, begann am 5. September mit der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer.
Meinem Tagebuch entnehme ich, dass ich an diesem Tag verschlafen hatte und zu spät zur Schule kam. „Zum Mittagessen gab es Nudeln mit Gulasch. Dann spielte ich mit den Spielzeugautos und mit meinem Lego. Ich baute eine Rennbahn, einen Tunnel, eine Box und spielte Rennen. Von 17 Uhr bis 18 Uhr Fernsehen gesehen. Dann mit Papi ins Schwimmbad. Es war schön. Um 20:20 Uhr zu Hause. Bis um 21:30 Uhr Fernsehen gesehen und dann ins Bett.“ Nichts zu den dramatischen Ereignissen. Es ist wie bei Kafka 1914 zum Kriegsbeginn: „Nachmittag Schwimmschule.“
Der Oktober ist von anderen Ereignissen geprägt: Herbstferien bei meiner Oma in Diez und am 14. Oktober der verwegene Plan: „Auch will ich ein Buch schreiben. Über die Träume, die ich hatte.“ Tatsächlich habe ich heute noch die Aufzeichnungen von einem halben Dutzend Träumen aus diesem Jahr in handschriftlicher Form. Ein Buch wurde es zwar nicht – aber die Ambition, endlich mal ein gutes Buch zu machen, hat mich seit vierzig Jahren nicht verlassen.
Dann treten die historischen Momente am 18. Oktober doch noch in mein Leben. Morgens hatte ich mit meiner Großmutter einen Nusskuchen gebacken und ein Puzzle gemacht. Es gibt Buletten und Kartoffelbrei zum Mittagessen, zum Nachtisch Vanillepudding. Am Nachmittag gehe ich mit meiner Oma in die Stadt, abends sehen wir fern. Ganz unten auf der Seite noch der Eintrag: „P.S.: Die von Terroristen entführte Boeing 737 von deutschen Soldaten erstürmt. Geiseln frei (nur nicht H.-M. Schleyer), 3 Terroristen begangen Selbstmord. Schleyer seit 6 Wochen entführt.“
Am nächsten Tag, es gab Schnitzel mit Kartoffeln zum Mittagessen und meine Oma kaufte mir ein 500-Teile-Puzzle mit dem Motiv „Schloss Neuschwanstein“, heißt es ganz am Ende nur lapidar: „P.S.: Schleyer doch von Terroristen ermordet.“ Mehr finde ich zum Thema Politik nicht in diesem Tagebuch, das ich akribisch geführt habe und mit dem unsterblichen Fazit endet: „In diesem Jahr gab es 46 mal Spaghetti mit Fleischsoße.“ Mein Lieblingsessen. Eine schöne Kindheit.
P.S.: Ich habe gerade die „Berlinreise“ von Hanns-Josef Ortheil gelesen. 280 Seiten über eine Woche in Berlin 1964 – damals war Ortheil dreizehn Jahre alt. Und für die Veröffentlichung des Manuskripts eines Kindes wurde nur die Rechtschreibung überarbeitet. Da sieht man schon in jungen Jahren den Unterschied zwischen einem gefeierten Schriftsteller und einem späteren Blogger.

Die Morgenfröhlichkeit der Mongolen


Blogstuff 162

„Schriftsteller bauen Luftschlösser, Leser wohnen darin und Verleger ziehen die Miete ein.“ (Maxim Gorki)
1861 begann der amerikanische Bürgerkrieg. Aldi Nord hat gewonnen.
„Du mieses, kleines Pfeifton, Pfeifton einer Pfeifton! Mögest du Pfeifton Pfeifton Pfeifton.“ (aus „Ghetto Talk“, der amerikanischen Ausgabe von „Kiezschreiber“)
Das Bild vom Stammbaum, den jeder von uns hat, ist eigentlich falsch. Denn unsere Vorfahren – sofern sich nicht ständig Cousins und Cousinen geheiratet haben, was ich nicht hoffe – haben ja immer wieder Menschen mit einem anderen Stammbaum geheiratet und mit ihnen Kindern gehabt. Die Äste meines Stammbaums sind also mit den Ästen anderer Stammbäume verbunden. Genetisch betrachtet sind die Menschen ein riesiges Netzwerk und kein Wald von Stammbäumen. Wir sollten uns auf unsere Herkunft also nichts einbilden.
1978 kam in Großbritannien das erste „Retortenbaby“ auf die Welt. „Louise Brown meidet die Öffentlichkeit. Sie ‚fühle sich nicht als etwas Besonderes‘, sei ‚einfach ganz normal‘, gebe nicht gern Interviews und habe auch nichts Aufregendes zu erzählen“, heißt es bei Wikipedia. Sie ist inzwischen selbst Mutter. Der Fortschritt von gestern ist heute keine Nachricht mehr.
Die gute Nachricht: ein Glas Rotwein am Tag verringert das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Die schlechte Nachricht: ein Glas roter Traubensaft hat den gleichen Effekt.
Hätten Sie’s gewusst? Elisabeth II. ist immer noch die Königin von Kanada.
„Ich sehe Schlangen aus Eisen und Flüsse aus Stein, über die Wigwams auf Rädern rollen. Mit Donner und Getöse fährt der weiße Mann über den Himmel und alle Pfälzer werden verdammt sein, den ganzen Tag in ein Viereck aus Licht zu starren.“ (Prophezeiung von Häuptling Leichter Schatten aus Kaiserslautern, 1788)
Niemand interessiert sich für deine Sorgen, wenn du kein Star bist. Erst wenn die versammelte Weltpresse gemeinsam mit dir über einen abgebrochenen Fingernagel trauert, hast du es geschafft.
Können die Menschen in Nordkorea den Namen ihres Landes eigentlich korrekt aussprechen oder sagen sie Noldkolea?
Seit wann dürfen sich Börsenastrologen eigentlich Wirtschafts“wissenschaftler“ nennen?
Es ist die Zeit der Pilzsammler und damit auch Zeit für die berühmten Tagliatelle Bonetti. Steinpilze und Garnelen in Knoblauchöl braten und mit Bandnudeln servieren – ganz einfach.
Achtung, an alle Österreicher oder Reichsbesucher! Ab morgen, 1.10.2017, tritt das „Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz“ bei unseren Nachbarn im Süden in Kraft. Nicht nur die Burka, sondern auch anderen Formen der Gesichtsbedeckung sind verboten. „Ausgenommen vom Verbot sind Verhüllungen, die im Rahmen künstlerischer, kultureller oder traditioneller Veranstaltungen oder im Rahmen der Sportausübung“, wie es bei Wikipedia heißt. Masken also nur zum Maskenball oder im Karneval, Eishockeytorhüter dürfen ihren Gesichtsschutz nur beim Sport tragen, Clowns ihre Verkleidung nur im Zirkus oder auf der Bühne, Chirurgen ihren Mundschutz nur im OP, Geishas ihren Fächer nur in japanischen Restaurants. Die Verhüllung des Gesichts mit einem Schal ist nur ausnahmsweise bei großer Kälte erlaubt. Wenn ich also in meinem Darth Vader-Outfit ein Wiener Beisl betrete, gibt es keinen spontanen Applaus mehr, sondern eine Anzeige.
P.S.: Freuen Sie sich auf ein Blogstuff Spezial im Oktober. Unter dem Titel „Der Siegeszug der Kartoffel“ werde ich ausführlich über diesen Leitstern der Nutzpflanzenwelt berichten.
Rufus Thomas - Do the funky chicken. https://www.youtube.com/watch?v=j2ArZ67Bk5g

Copyright: Frank Schönhals.

Freitag, 29. September 2017

Unter Indianern

„Woher weißt du meinen Namen?“
Ich deutete mit dem Kopf auf eine Frau mit langen schwarzen Zöpfen, die gerade zwei Teller mit Kuchen an einen der Tische des kleinen Ausflugslokals brachte.
„Das ist nicht gut“, sagte er und blickte mich scharf an.
„Warum?“ fragte ich.
„Fremde sagen meinen Namen. Das ist nicht gut. Wir sagen unseren Namen. Oder wir sagen unseren Namen nicht.“
Ich verstand kein Wort. Mein erster Tag in den Rocky Mountains.
„Wieso heißen Sie eigentlich Qualmende Socke?“
„Vor vielen Monden bin ich über die Berge gekommen. Ich habe die Berge bestiegen und schlief unter den Sternen. Als ich hier ankam, hat man mir diesen Namen gegeben.“
„Sie könnten doch einfach wieder zurückgehen.“
Er sah mich lange an und schwieg.
„Ich hätte gerne diese Schneekugel“, sagte ich schließlich und deutete auf eine kleine Glaskuppel, unter der man Berge und ein paar Wigwams sah.
Er drehte sich um, holte die Schneekugel aus dem Regal und stellte sie auf den Verkaufstresen. „Macht siebenfünfundneunzig.“
Komische Leute, diese Indianer.
Copyright: David Zinn.

Das süße Lotterleben ist vorbei, ihr Schmarotzer!

„Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert.“ (Friedrich Schiller: Wallenstein)
Wir alle wissen: Nach der Wahl werden nicht nur die Wahlversprechen einkassiert, sondern es ist auch die Zeit für jene Grausamkeiten, die in vier Jahren wieder vergessen sein sollen.
Sicher ist: die Rente mit siebzig kommt. Wer noch jung ist, darf sich auf die Rente mit fünfundsiebzig freuen. Das Berufsleben als Todesmarsch, den nur wenige schaffen werden. So hat es Bismarck bei der Einführung der Rentenversicherung auch vorgesehen. 1891 wurde das Renteneintrittsalter auf siebzig Jahre festgelegt. Übrigens erreichten damals nur fünf Prozent der Bevölkerung dieses Alter.
Aber es gibt, neben den Rentnern, noch eine zweite Bevölkerungsgruppe, die nicht produktiv ist und keiner geregelten Tätigkeit nachgeht: die Arbeitslosen.
Die Agenda 2010 reicht nicht mehr, die Motivationsschraube wird endlich wieder weitergedreht. Folgende Maßnahmen gelten ab 2018: Jeder Arbeitslose hat seine Bewerbungsunterlagen mit vollem Namen und Bild ins Internet (Homepage des zuständigen Job-Centers) zu stellen, damit endlich Transparenz hergestellt wird.
Nach einem Umzug müssen sich Arbeitslose bei ihren neuen Nachbarn persönlich vorstellen und auf ihre Arbeitslosigkeit hinweisen. In den USA wird das mit ehemaligen Strafgefangenen so gemacht. Das dient dem Schutz der Bevölkerung, denn Arbeitslose sind überdurchschnittlich kriminell.
Außerdem werden ausgewählte Arbeitslose einmal pro Woche auf dem Marktplatz potentiellen Arbeitgebern präsentiert. Wer also eine Haushaltshilfe braucht, kann ihre Muskeln betasten und das Gebiss überprüfen.
Es gilt eine Arbeitspflicht. Arbeitslose werden als Erntehelfer auf dem Land oder in der städtischen Straßenreinigung eingesetzt. Neue Medikamente werden an Arbeitslosen getestet. Möglich sind auch Einsätze als Minensucher bei Auslandsmissionen der Bundeswehr.
Sanktionen: Es gibt Lebensmittelkarten statt Geld. Damit kann man nur Brot und andere Grundnahrungsmittel kaufen. Diese Maßnahme richtet sich gegen den Missbrauch der Gelder für Alkohol, Tabak, Drogen usw. Jeder weiß, dass Arbeitslose ihr Geld verschwenden.
Es geht aber bekanntlich nicht nur ums Foltern, äh: Fordern, sondern auch ums Fördern. Die Gesundheit der Arbeitslosen zum Beispiel. Strecken unter fünf Kilometer dürfen bei Strafe einer harten Sanktion nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Laufen ist gesund und macht diese Menschen fit für den nächsten Job.
Für Arbeitslose gibt es außerdem spezielle Angebote im Supermarkt (MHD abgelaufen usw.), damit das Gejammer über die angebliche Armut mit Hartz IV aufhört.
P.S.: Den Vorschlag der AfD, jeder Arbeitslose solle das A-Zeichen auf der Brust tragen, halte ich für unmenschlich. Das geht zu weit!
Swing Out Sister - Breakout. https://www.youtube.com/watch?v=-P67b07z7Qw

Donnerstag, 28. September 2017

Bei den Schneckenjägern von Bornholm


Das ist ein Cord 810 Phaeton von 1936, aber darum geht es heute nicht.

Blogstuff 161
„Eine Inflation, von der niemand spricht, untergräbt unser Denken: die Informationsflut. Täglich und stündlich entwertet sie unsere geistige Währung, verstopft uns das Hirn und lenkt vom klaren Denken ab.“ (Daniel J. Boorstin 1982)
Ich werde oft gefragt, wie es mich aus der „pulsierenden Spree-Metropole“ (diverse Quellen) nach Schweppenhausen verschlagen hat. Haben Sie schon einmal vom Zeugenschutzprogramm des BKA gehört?
Bonetti Media präsentiert exklusiv zur Frankfurter Buchmesse: „538 Tage als Geisel in den Händen von sächsischen Fundamentalisten – ein Tatsachenbericht“.
‚Mein Gott‘, dachte er, als er sie nach zwanzig Jahren zum ersten Mal wiedersah. ‚Selbst ihre Nase ist fett geworden‘.
Mieten Sie Andy „Funkiest Man Alive“ Bonetti! Für nur fünfhundert Euro kommt er „zufällig“ in eine Bar oder ein Restaurant, freut sich unbändig, Sie zu sehen und begrüßt Sie als alten Freund. Es setzt sich zu Ihnen an den Tisch und erzählt Ihren Geschäftspartnern, Freunden oder Schwiegereltern, was für ein toller Typ Sie sind und welch steter Quell der Inspiration für einen Schriftsteller.
Die kommunistische Partei der USA hat 2500 Mitglieder. Zuletzt hat sie 1984 einen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt, der 0,04 Prozent der Stimmen erhielt. 1932, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, erzielte die Partei ihr bestes Ergebnis: 0,2 Prozent.
Hätten Sie’s gewusst? Alle Schriftsteller rasieren sich die Handrücken, um interlektuell zu wirken.
Die Europäer haben zahllose Menschen in Amerika ermordet. Die Ureinwohner rächten sich, indem sie die Europäer mit der Tabakpflanze bekannt machten.
Die Redakteure rätseln noch: Ist es Nostalgie oder Geldgier? Aber Meister Bonetti hat über Nacht einen Kaugummiautomaten im Redaktionsbüro anbringen lassen.
„Herr Oberst, da ist ein Flieger in meiner Suppe – Humor unterm Hakenkreuz“. Jetzt bei Ihrer AfD-Geschäftsstelle.
Es ist – ohne übertreiben zu wollen – eine Theatersensation: Kobalt 17. Das neue Werk von Andy Bonetti. Das Ein-Personen-Stück kommt ohne Text aus und ist nur spärlich beleuchtet. Es spielt in einem Ashram in Hackensack, New Jersey, drei Jahre nach der Apokalypse.
Was ein einzelner Quadratmeter Berliner Natur alles zu leisten vermag, wenn er sich in einem Innenstadtbezirk um einen Baumstamm windet: Hundetoilette, Aschenbecher, Sperrmüllfriedhof und optionales Reich der Gartenguerilla.
Hätten Sie’s gewusst? 1892 erfand Erwin Malotzke den Klingelstreich.
Die Regierung plant, nach der Wahl das Flaschenpfand zu erhöhen, um die Lage der Armen in Deutschland zu verbessern.
Kuscheln mit den Großen: Am 11.11. wird Andy Bonetti bei Goldman Sachs in Frankfurt eine humoristische Lesung zur Erhöhung der Arbeitsmoral veranstalten. Dabei kommen auch Handpuppen, Bengalos und Magic Mushrooms zum Einsatz.
Ich habe jetzt den perfekten Kompromiss zwischen Süßigkeiten und Abnehmen gefunden: Ritter Sport.
Er konnte ruhig und geduldig seinen Standpunkt vertreten und war dabei auf eine Weise beharrlich, die weder aufdringlich noch aggressiv wirkte. Und so schickte man ihn aus seinem Bergdorf in die Hauptstadt, um die Interessen des Jodelverbands zu vertreten.
„Wo ein Denkmal steht, da gibt es auch Tauben“, pflegt Meister Bonetti – Weltklassepoet und Influencer der ersten Stunde - zu sagen, wenn er sich über einen Leserkommentar ärgert.
Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? In unseren Träumen gibt es keine Reklametafeln, keine Werbepausen oder Product Placement.
Dave Brubeck - Take Five. https://www.youtube.com/watch?v=vmDDOFXSgAs

Mittwoch, 27. September 2017

Zur klandestinen Militanz der völkischen Zone

Coole Überschrift, oder? Colonel Clickbait hat wieder zugeschlagen. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass der bewaffnete Arm der rechtsversifften AfD-Bewegung immer noch Asylantenheime anzündet. Das sollte man bei der Diskussion um Adolf Kaufland und seine Volksgenossen im Berliner Palaverment nicht vergessen.
Angesichts des Rechtsrucks der Republik bei den Wahlen (der wievielte war das jetzt?) sollte man sich auch mal wieder in aller Ruhe über Radikalität unterhalten – und damit meine ich nicht die Radikalität der Rechten.
Warum starren wir wie die Kaninchen auf die Schlange und debattieren über die Zusammensetzung des Parlaments oder Koalitionsverhandlungen? Seien wir doch froh, dass mit dem Einzug der AfD das Gesicht dieses Staates wieder ein Stück ehrlicher geworden ist.
„Solange die ideologischen und repressiven Staatsapparate als eine über den Klassen und den entsprechenden Verhältnissen schwebende höchste Macht erscheinen, wenden sich die sozial Deklassierten und an den Rand Gedrängten auch an sie, mit der Bitte oder der Forderung, durch Gesetze die Prekarität zu mildern oder den kompletten ökonomisch-finanziellen Ruin zu verhindern.“
Quelle: https://radikalrl.wordpress.com/2010/06/02/grundsatzpapier-zur-organisierung-als-revolutionaere-linke-rl/
Warum nehmen wir uns nicht einfach, was wir brauchen, und leben, wie wir wollen?
In der DDR beschlagnahmtes rechtsradikales Propagandamaterial aus der BRD, Leipzig 1990.

Käse

„Nur einen heitern Blick in die Zukunft, dieses allein fehlt mir zur Freude dieses Tages.“ (Friedrich Schiller an Charlotte von Lengefeld am 19. November 1789)
Ich hätte nicht am Käsestand stehenbleiben sollen. Dabei mag ich Käse noch nicht mal besonders. Aber er war umsonst. Er war direkt vor meiner Nase. Und die Frau, die am Probierstand arbeitete, unterhielt sich gerade mit einer Kundin. Also nahm ich einen Zahnstocher, an dem ein Käsewürfel befestigt war. Ich kaute langsam und aufmerksam.
Als ich mir gerade ein zweites Stück von diesem mittelalten Gouda genehmigen wollte, hörte ich seine Stimme.
„Menschenskind, Olaf! Das ist ja eine Überraschung.“
Er strahlte und deutete mit dem Zeigefinger auf mich, als er sich zu seiner Frau drehte. „Mein alter Kollege Olaf Dietrichsen.“
„Hallo, Knut“, gab ich lahm zurück. Den Käse hatte ich schon vergessen.
„Olaf hat vor zwei Jahren in der Firma gekündigt, um Schriftsteller zu werden“, erklärte er seiner Frau.
„Was macht dein Buch?“ fragte er mich.
„Im Augenblick arbeite ich nicht an einem Buch. Ich schreibe jetzt Kurzgeschichten.“
Die Frauen am Käsestand musterten mich jetzt neugierig.
„Aber du wolltest doch einen großen Roman schreiben?“
„Ja, ich schreibe ja auch. Eigentlich sogar fast jeden Tag.“
„Wow, das ist so cool“, sagte Knut zu seiner Gattin. „Olaf, der Dichter.“
Dann sah er wieder mich an. „Was hast du heute geschrieben?“
„Eigentlich gar nichts. Ich bin erstmal hierher gefahren, um einzukaufen.“
„Ich habe dein rotes Cabrio gar nicht auf dem Parkplatz gesehen.“
„Das ist in der Werkstatt“, log ich. In Wirklichkeit hatte ich es längst verkauft, weil ich pleite war. Inzwischen fuhr ich mit dem Bus in die Stadt.
„Weißt du, dass ich auch darüber nachdenke, Schriftsteller zu werden?“
„Knut“, rief seine Frau mit gespielter Entrüstung und knuffte ihn auf die Schulter.
„Ganz im Ernst. Mir passieren immer so tolle Geschichten. Aber vielleicht kannst du den Stoff ja für deine Kurzgeschichten gebrauchen.“
Dann erzählte er mir eine lange und langweilige Geschichte über eine Autopanne in Italien, wegen der sie ungeplant zwei Nächte in einem wirklich entzückenden Bergdorf verbringen mussten. Die Leute seien ja so gastfreundlich gewesen. Er habe sogar einen Bauern beobachtet, der morgens zu seien Kühen in den Stall gegangen sei. Es hörte einfach nicht auf.
Dr. Feelgood - Milk and Alcohol. https://www.youtube.com/watch?v=a4IjrjMbmC4

Spitzwegs Bücherwurm. Copyright: C. Seeger Verlag.

Dienstag, 26. September 2017

1994 revisited

„Zögen alle am gleichen Strang, so würde die Welt kentern.“ (Jiddisches Sprichwort)
Wer erinnert sich noch an die Bundestagswahl 1994? Nochmal Helmut Kohl. Die vierte Amtsperiode. Bleierne Jahre. Ich kann mich gar nicht mehr an konkrete Politikvorhaben in dieser Legislaturperiode erinnern, obwohl ich zu dieser Zeit an meiner Doktorarbeit schrieb und als Politikwissenschaftler mein Vollkornbrot verdient habe, also näher am Thema dran war als heute, wo ich über tausend verschiedene Themen nachdenke, lese und schreibe.
Jetzt also die vierte Amtszeit von Angela Merkel. Wir werden alle froh sein, wenn es vorbei ist. Es gibt einfach den Punkt, an dem man eine Fresse nicht mehr sehen kann, wie es Pofalla mal formuliert hat. Fernsehserien werden bei mangelnder Quote abgesetzt, Politiker durch Wahlen. Da haben wir am Sonntag kollektiv versagt. Bleierne Jahre liegen vor uns.
Wer ist schuld? Die Politiker haben auf diese Frage eine schnelle, verdächtig AfD-nahe Antwort. Die Medien sind schuld. Klar, wer sonst? Intendanten und Redakteure haben den rechtsradikalen Wählern die Hand im Wahllokal geführt. Erst von den Medien belogen, dann verführt. Dann kann man sich ja bei den „Volksparteien“ beruhigt zurücklehnen und weitere Analysen bleiben lassen.
Was haben uns die Parteien vier Jahre im Parlament vorgeführt? Kuschelgespräche auf dem Konfrontationsniveau der Teletubbies. Tinky-Winky und Po spielen Regierung, Dipsy und Laa-Laa sind irgendwie dagegen. Wie war das Duell der Spitzenkandidaten? Die großen Sender hatten ein älteres Ehepaar eingeladen und einen Fernsehabend veranstaltet, der im Vergleich jeden Nähkurs meiner Volkshochschule zu einem Actionthriller macht. Man hätte auch zwei Pandabären zeigen können.
Die Zuschauer – auch in ihrer Funktion als Wähler – wollen aber die Zuspitzung, die Auseinandersetzung, den Wahl-Kampf im Wortsinne. Also wurden in den letzten Jahren die Talkshows zum Ersatzparlament. Die CDU hat es als letztes begriffen und immer nur eine Witzblattfigur aus der zweiten Reihe namens Bosbach in die Arena geschickt. Die AfD hat immer geliefert. Harte Auseinandersetzung, Holzhammer statt Plüsch. Das hat sie von Trump und all den anderen Demagogen gelernt. Die Teletubbies bringen keine Quote – und am Ende des Tages auch keine Wählerstimmen.
Wenn die „Volksparteien“ nicht schleunigst wieder in ihre alten Lager zurückkehren, die SPD nach links und die Union nach rechts, werden sie nach den bleiernen Jahren 2021 zusammen keine fünfzig Prozent mehr bekommen. Dazu muss man kein Prophet sein.
Carly Simon - You're So Vain. https://www.youtube.com/watch?v=b6UAYGxiRwU

Das Zentrum des Labyrinths ist leer

Es ertönt der wohlbekannte Ruf /
Der vielen schon Vergnügen schuf /
Der neue Blogstuff ist jetzt da /
Frisch von Bonetti Media!

Blogstuff 160
„Der Herbst ist ein Frühling, wo jedes zweite Blatt zur Blüte wird.“ (Albert Camus)
Machen wir uns nichts vor: Für meine Fettzellen bin ich nichts anderes als eine Kalorienbeschaffungsmaschine.
Sie war so schön wie ein Koffer voll Geld und ihr Name war Edna, wie der Vulkan in Italien.
Hätten Sie’s gewusst? Handwerker reinigen sich mit einem Schraubenzieher die Ohren, Schriftsteller mit einem Bleistift.
Wir essen Ente und Gans, aber nicht Schwan und Pfau. Schützt die Schönheit diese Tiere oder ihr schlechter Geschmack? Wir sind oberflächlicher als wir denken.
Die Bundestagswahl 2021 findet am 26. September statt. Ich kenne ein Mädchen, das am 27. September volljährig wird. Da die Wahllokale aller Voraussicht nach wieder um 18 Uhr schließen, fehlen ihr also gerade sechs Stunden zur Teilnahme an ihrer ersten Wahl. Das ist denkbar knapp.
Miss Minipony, meine Sekretärin, gab mir den Telefonhörer. „Es ist der Schwulenfachverband Pro Rektum. Sie wollen ein Interview mit Ihnen machen. Es geht um die Ehe für alle.“ Halt! Stop! Das ist doch albern. So kann der Text nicht anfangen.
In Erinnerung an ihren berühmtesten Premierminister schmücken die Briten noch heute viele ihrer Türen mit seinen Initialien: W.C.
Was ist der Unterschied zwischen Theater und Fernsehen? Im Theater probt man vor der Aufführung, beim Fernsehen probt man vor der Kamera.
Neu bei Bonetti Media Unlimited: Ein Fotoapparat, mit dem man auch telefonieren kann.
Wie viele Masken kannst du einer Zwiebel herunterreißen?
Neulich im Schwimmbad: „ Es ist mir egal, wer Ihr Vater ist. So lange ich hier Bademeister bin, geht niemand übers Wasser.“
Verpassen Sie nicht „Mona Laser“ – die neue Science Fiction-Serie von Bonetti Media in Zusammenarbeit mit RTL II.
Das Fußballstadion ist der einzige Ort, an dem man Millionäre noch in aller Öffentlichkeit beschimpfen kann.
„Neunzig Prozent der Seevögel haben Plastik im Magen“, schreibt mir Campact. Da frage ich mich: Wie viele Menschen haben Plastik im Magen, die sich nicht in freier Wildbahn ernähren können?
So sehen Stammwähler aus: Die MLPD hatte bei der Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz 859 Stimmen. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte sie ebenfalls 859 Stimmen.
Habe ich eigentlich schon von meiner Zeit als Wolgamatrose erzählt? Dann hatte ich noch diese Phase, in der ich mich fast ausschließlich von roher Flamingoleber ernährt habe, weil ich darüber irgendwas in der Zeitung gelesen hatte.
Kennen Sie Bandeja Campesina Bavaro? Ein kolumbianisch-bayrisches Crossover-Gericht, das aus Schweinekrustenbraten, Weißwürsten, Bohnenpaste, Reis, Spiegeleiern und Avocados besteht und auf einer großen Platte serviert wird.
Ultravox – The Frozen Ones. https://www.youtube.com/watch?v=XrZwr1uzegU

Meisterdieb, Spezialagent und Vorbild für eine ganze Generation französischer Liebhaber: Andy Bonetti. Rick Gervais spielt den hessischen Großschriftsteller in der geplanten Verfilmung von „Ekstase und Inferno“.

Montag, 25. September 2017

Der Dolchstoß

Treu sei er, behaupten Konservative und völkisch Erweckte gerne vom Deutschen. Treu, ehrlich und fleißig. Was der Deutsche nicht mag, ist Verrat. Ob es der heimtückische Mord am Sagenhelden Siegfried ist oder die Dolchstoßlegende 1918.
Womit wir bei Frauke Petry wären. Parteivorsitzende der AfD mit Mutterkreuz und selbsternannte Gralshüterin des Deutschtums. Es ist noch nicht einen Tag her, dass die Wahlergebnisse bekanntgemacht wurden, da verlässt sie die Bundestagsfraktion. Eine Parteivorsitzende, die mit ihrer Partei im Parlament nichts zu tun haben möchte. Wann hat es das in Deutschland je gegeben?
Die Entscheidung habe sie lange vorher getroffen, sagt sie im ZDF-Interview. Das nennt man Wählertäuschung. Verrat an der Partei und Verrat am Volk. Das Mandat will sie aber behalten, den Platz am Schweinetrog nicht räumen und vier Jahre als Fraktionslose stumm in der letzten Reihe ausharren. Von jedem gemieden, selbst in der Bundestagskantine, im Aufzug oder auf der Damentoilette.
Das ist Realsatire. Hoffentlich geht die Selbstzerfleischung des Hyänenrudels im gleichen Tempo weiter.
Nachtrag:

Paris – Stadt der Liebe

„Wer einen Garten besitzt und eine Bibliothek, hat alles, was er braucht.“ (Cicero)
„Könnten Sie mir bitte das Kalbsfilet mit Kartoffelgratin statt mit Salzkartoffeln bringen? Und das Filet nur leicht anbraten, es sollte keinesfalls zu lange in der Pfanne sein. Den Salat bitte ohne Gurken und Zwiebeln. Welches Öl nehmen Sie für das Dressing?“
Ihre Auftritte vor Publikum waren nervenaufreibend. Bei mir hatte sie es schon längst aufgegeben. Um weitere Komplikationen zu vermeiden, hatte ich bereits eine gemischte Vorspeisenplatte in Auftrag gegeben. Sicherlich würde die Hälfte der Kleinigkeiten ganz grundsätzlich nicht ihrem Geschmack entsprechen und die andere Hälfte würde einen Makel haben, den sie mir wortreich erläutern musste.
„Wie hat dir die Ausstellung gefallen? Ich kann ja mit der schwedischen Moderne nicht viel anfangen. Wer ist eigentlich dieser Silvio Burlesko?“
Sie hatte mich in diese Ausstellung geschleppt. Ich interessierte mich überhaupt nicht für Kunst. Aber sie brauchte Stoff für die Gespräche mit ihren Freundinnen nach unserer Rückkehr. Natürlich habe ich keine Ahnung von diesem Burlesko. Ich höre schon ihren schnippischen Kommentar: „So, du weißt es also nicht.“ Du weißt es doch auch nicht! Das Fräulein Naseweiß stellt mir seit dreißig Jahren Fragen, die sie selbst nicht beantworten kann. Aber ich bin der Idiot, wenn ich nicht wie aus der Pistole geschossen das Geburtsjahr von Shakespeare nennen kann.
„Was sagst du zu diesen Skulpturen? Waren sie nicht obszön? Oder ist dir das gar nicht aufgefallen?“
Sie hatte ihren zweiten Aperitif gerade ausgetrunken und ich wusste, dass Alkohol sie aggressiv und arrogant machte. Aber ich bin ja selbst schuld. Warum habe ich dieses verwöhnte Einzelkind aus gutem Hause, wie man damals sagte, überhaupt geheiratet? Sie brauchte diese Museums- und Theaterbesuche. Und dann erzählte sie auf Partys immer nur, was für ein Trottel der neue Liebhaber einer berühmten Opernsängerin war, die sie gerade gesehen hatte. Oder wie schrecklich die Modeboutiquen in Salzburg waren, das wir zur Festspielzeit besucht hatten.
„Wir müssen morgen unbedingt noch in die Galerie von Monsieur Popain. Vielleicht kaufen wir uns etwas für unser Schlafzimmer.“
Reisen mit meiner Frau sind wie eine Klassenfahrt. Den ganzen Tag Programm. Das Frühstück im Hotel ist nicht der Anfang eines entspannten Urlaubstags, es ist wie eine Besprechung. Sie stöbert in Reiseführern und zerrt ausgeschnittene Feuilletonartikel aus ihrer Handtasche hervor, ich sitze ihr mit Block und Stift gegenüber und schreibe auf, was wir an diesem Tag erledigen wollen. Dabei ist ihr Kunst so egal wie mir. Die Werkschau von Swetlana Ostrowski neulich in Hamburg hat sechshundert Exponate umfasst. Sie ist in einer halben Stunde durchgerast. Das sind drei Sekunden pro Bild oder Skulptur. Ich habe die Szene noch genau vor mir: Ich bin im ersten Raum und sehe durch die geöffneten Flügeltüren die gesamte Zimmerflucht. Meine Frau rennt gerade vom zweiten in den dritten Raum und stürmt, es ist nicht gelogen, ohne auch nur einmal nach links oder rechts in zehn Sekunden hindurch und ist verschwunden. Warum geht sie eigentlich überhaupt in Ausstellungen? Nur, um es anderen Wichtigtuern erzählen zu können?
„Schatz, das Essen war grauenhaft. Wie kann man nur Pfeffer an ein Kalbsfilet machen? Und der Wein war zu warm. Wir hatten Weißwein bestellt, aber der Temperatur nach war es Rotwein. Ich verzichte auf die Nachspeise. Hier gehen wir nicht mehr hin.“
Wir sind schon draußen auf dem Parkplatz, als sie noch einmal ins Lokal zurückkehrt, um die Toilette aufzusuchen. Ich halte solange ihre Handtasche. Warum bin ich nicht Single? Alleinstehende Männer müssen nie die Handtasche von irgendwelchen Frauen in ihren Händen halten oder nachts an der Tankstelle Tampons kaufen. Aber ich bin zu alt, um das alles noch zu ändern.
The Beatles - If I fell. https://www.youtube.com/watch?v=mdiXmzLAmDE

Sonntag, 24. September 2017

Danke, liebe AfD!

Ab 25.9.2017 sind folgende Sätze endlich wieder erlaubt:
„ Du dreckiger Knoblauchfresser hast mich beim Wechselgeld beschissen.“ (=> türkischer Gemüsehändler)
„Für Untermenschen wie dich gibt es immer einen Platz in der Gaskammer.“ (=> Behinderter, der sein Auto auf einem Behindertenparkplatz abstellt)
„Ihr Judenschweine solltet alle an den Laternen baumeln.“ (=> Sachbearbeiter der Sparkasse)
Endlich haben wir mehr Meinungsvielfalt in Deutschland. Oder hast du diesen Text gar nicht verstanden, weil du aus irgendeiner Ficki-Ficki-Bude in Timbuktu stammst?
Da fällt mir nur noch folgender Witz ein:
Ein Hai macht ein Kreuzworträtsel. Da kommt ein Delphin vorbei. Der Hai sagt: „Hey, Delphin, du bist doch so schlau. Was ist denn ein Raubfisch mit drei Buchstaben?“ Der Delphin antwortet: „Schau dich doch mal selbst an, dann kommst du drauf.“ Der Hai überlegt kurz und schreibt dann: AfD.

+++ breaking news +++ Elvis verlässt das Wahllokal +++

"Ich bin nicht der Typ, der sich gerne in den Vordergrund drängelt. Aber die Weltherrschaft? Ich würde es machen.“ (Andy Bonetti)
Hier sehen Sie Elvis Presley, der gerade das Wahllokal in Memphis, Ostwestfalen, verlässt.

Leider handelt es sich beim folgenden Bild um Fake-News von russischen Bäckern, äh: Hackern. Elvis ist kein Kommunist und hat auch nicht Sahra Wagenknecht gewählt.

EXKLUSIV: DIE ERSTE HOCHRECHNUNG

“Nach dem Reichstagsbrand ist vor dem Reichstagsbrand” (Johnny Malta)
Die Task Force „Horst Wessel“ von Bonetti Media Unlimited hat keine Kosten und Mühen gescheut und in tausend repräsentativ ausgewählten Wahlkabinen Kameras angebracht (gibt’s in „Ute’s Elektronikstübchen“ in Bad Nauheim recht günstig).
Das Ergebnis darf uns nicht überraschen: Die AfD ist mit 15 Prozent drittstärkste Kraft. Für den Abend hat Adolf Kaufland einen Fackelzug durchs Brandenburger Tor angekündigt.
Wer geglaubt hat, unsere „Erinnerungskultur“ würde uns vor den neuen Nazis schützen, wer geglaubt hat, rechtsradikale Bewegungen wie in Frankreich, Ungarn und anderen Ländern könne es bei uns nicht geben, hat sich nie mit dem Thema Rechtsradikalismus in Deutschland befasst. Zehn Prozent der Bevölkerung waren es in der Bundesrepublik zu allen Zeiten – mindestens. Wir sind nicht besser als andere Länder, wir glauben es nur immer noch.
Hier ein paar Zahlen aus der Studie „Die enthemmte Mitte“ (hrsg. von Decker/Kiess/Brähler, 2016):
10,6 Prozent wünschen sich einen Führer.
33,8 Prozent glauben, Deutschland sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.
10,9 Prozent sind Antisemiten.
50 Prozent fühlen sich wegen der Muslime als Fremde im eigenen Land. Selbst 37,7 Prozent der Linken-Wähler und 24,7 Prozent der Grünen-Wähler sehen das so.
In der Zusammenfassung kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Rechtsradikalen in der AfD ihre Heimat gefunden hätten und die Gewaltbereitschaft gestiegen sei.
Die Nazis waren schon immer unter uns. Jetzt sind sie auch im Bundestag.

Der rote Planet – Raumflug zum Marx


Blogstuff 159
„Er lehnte die Stirn gegen die kühle Kachelwand der Herrentoilette, während er am Urinal stand und tief unten nach seinen Genitalien suchte.“
Dieses Zitat stammt aus Andy Bonettis neuem Buch „Nach Mitternacht“. Gestern Morgen wurde die erste Auflage ab neun Uhr in allen deutschen Bahnhofsbuchhandlungen angeboten und schon vor zwölf war sie ausverkauft.
LSD ist unglaublich. Als ich von meinem ersten Trip runterkam, saß ich in einem Müllcontainer hinter McDonald’s und dachte, ich wäre in einer Raumkapsel beim Rücksturz zur Erde.
Es ist ein kniffliger Fall für die Juristen, der gerade am Amtsgericht in Wichtelbach verhandelt wird. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei in der Küche einer Studenten-WG einen Papagei, der linksradikale Parolen krächzte. Frage: Wer von den Bewohnern ist der Schuldige?
Glück ist kein Ziel, auf das man hinarbeitet, sondern das Ergebnis von Ereignissen, von deinen einige auf bloßem Zufall beruhen. Viele verwechseln Glück mit Zufriedenheit. Glück hat man, wenn man einen Euro auf der Straße findet. Zufrieden ist man, wenn man den Schokoriegel isst, den man sich von dem Euro gekauft hat.
Die Wohnungen unserer Großeltern waren mit zukünftigen Antiquitäten möbliert, wir wohnen in zukünftigem Müll.
Hätten Sie’s gewusst? Unser Körper besteht aus 100 Billionen Zellen. Würde man sie aneinanderlegen, wäre die Kette zweieinhalb Millionen Kilometer lang. Unser Blutkreislauf hat eine Gesamtlänge von etwa hunderttausend Kilometer.
„Mein Großonkel Ophelius Bonetti war ein Weltenbummler und Abenteurer, der die Quellen des Sambesi und der CDU gesucht hat, der in Saudi-Arabien mit einem Brauhaus und einem bayrischen Spezialitätenlokal Pleite ging, der dem Sultan von Brunei als Flötenspieler und Büchsenspanner diente, auf Helgoland nach Diamanten suchte, in der deutschen Scrabble-Nationalmannschaft spielte und in Kalkutta ein Steakhaus eröffnet hat. Alles, was er seinen Erben hinterließ, war seine Wasserpfeife, ein Bohnensuppenrezept auf der Rückseite einer Schatzkarte ohne Ortsangaben und eine Sammlung historischer Champagnerkorken.“ (Andy Bonetti: Die Bonettis – Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg in fünf Generationen und sieben Bänden)

Ophelius Bonetti
Ich habe mal zwei Wochen in einer IKEA-Filiale gewohnt und keiner hat’s gemerkt.
Richtigstellung: Die neue Dessous-Serie von Bonetti Enterprises heißt nicht „Schweinemettcontainer“.
99 Prozent der Menschen sind perfekt informiert und wissen doch nichts. Sie kennen die Daten der politischen Meinungsumfragen, kennen aber nicht die Programme der Parteien.
Hätten Sie’s gewusst? Wolfgang Bosbach nimmt sein Toupet nur ab, wenn die deutsche Nationalhymne gespielt wird.
Wenn Andy Bonetti sagt, er arbeite nur halbtags, heißt das: zwölf Stunden.
P.S.: Ich werde heute nicht zur Bundestagswahl gehen. Das ist auch eine Möglichkeit, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Was mir in den letzten Wochen tierisch auf die Klöten gegangen ist: der dumme Spruch, dass man sich anschließend nicht beschweren darf, wenn man nicht gewählt hat. Wer bestimmt das? Gibt es da ein Gesetz, das ich nicht kenne? Ich werde nicht zur Wahl gehen und mich dennoch die nächsten vier Jahre kritisch zur Bundesrepublik äußern. Menschen, die in diesen Zeiten von einer Wahlpflicht, also von einem Wahlzwang sprechen, offenbaren in meinen Augen eine totalitäre Gesinnung. Ich habe auch in den USA nicht gewählt und darf Trump Scheiße finden. Ich kenne ein Ehepaar, das seit vielen Jahren zur Wahl geht und die Stimmzettel in der Wahlkabine ungültig macht. Das ist legitim und ebenso eine Meinungsäußerung wie die Wahl einer Partei. Und mein Kommentar zu den Leuten, die jede Stimme für eine kleine Partei, die es nicht in den Bundestag schafft, für eine „Papierkorbstimme“ halten, mit der man indirekt sogar zum Aufstieg des Faschismus beiträgt: Fickt Euch bitte selbst. Fickt Euch jetzt. Fickt Euch hier.
N.W.A. - Express Yourself. https://www.youtube.com/watch?v=u31FO_4d9TY

Samstag, 23. September 2017

Speed-Dating – noch 24 Stunden

„Mein Name ist König und ich bin hier Kunde.“ (Andy Bonetti in einem Wahllokal)
Morgen ist Bundestagswahl und ich habe mich noch nicht entschieden. In der Turnhalle von Schweppenhausen veranstalte ich daher ein spontanes Speed-Dating mit den Spitzenkandidaten.
„Frau Merkel. Vor vier Jahren haben Sie uns besseres Internet versprochen. Im Hunsrück gibt es immer noch keinen Meter Glasfaserkabel. Was haben Sie zu Ihrer Entschuldigung zu sagen?“
„Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode damit anfangen.“
„Das haben Sie vor der letzten Wahl schon gesagt. Warum soll ich Ihnen heute glauben?“
„Für das Internet ist Verkehrsminister Dobrindt zuständig.“
„Der hat aber seinen dämlichen Arsch nicht hochgekriegt und vier Jahre lang an der bescheuerten Autobahnmaut rumgebastelt. In jedem gut geführten Unternehmen hätte man den Mann längst fristlos entlassen.“
„Er ist bei der CSU. Da kann ich nichts machen.“
„Was?! Sie sind doch die Kanzlerin. Warum können Sie als Regierungschefin nix machen? Der Typ kriegt seine Anweisungen doch von Ihnen und nicht aus München. Schwache Ausrede. Ganz schwach.“
Ich stehe auf und gehe zum nächsten Tisch. Dort sitzt ein unrasierter Typ mit Halbglatze.
„Herr Schulz. Die SPD war in den letzten Jahren an der Regierung. Warum haben Sie nichts für die soziale Gerechtigkeit gemacht? Ich denke vor allem an den skandalösen Umgang mit Hartz IV-Empfängern.“
„Sobald ich Kanzler bin, werden wir etwas für die Gesellschaft tun.“
„Aber Ihrem feinen Herrn Schröder, der jetzt für Inkasso-Iwan arbeitet, haben wir den sozialen Kahlschlag doch erst zu verdanken. Er hat den Armen genommen und den Reichen gegeben.“
„Die hart arbeitenden Menschen draußen im Lande …“
Es reicht mir eigentlich schon. Ich habe nur noch 24 Stunden. Ich stehe auf und gehe zu Adolf Kaufland.
„Wann hatten Sie zum letzten Mal Sex?“
„Zählt eine Prostata-Untersuchung auch dazu?“
Für so eine Scheiße habe ich heute wirklich keine Zeit. Ich gehe zum nächsten Tisch. Dort sitzt ein unrasierter Typ, der sich seine Arschhaare auf den Kopf verpflanzt hat.
„Herr Lindner. Warum kriegt Ihr Bonzenschweine eigentlich den Hals nicht voll genug?“
„Knete first. Bedenken second. So ähnlich hat es übrigens schon Bertholt Brecht formuliert.“
„Was machen Sie, wenn Sie noch mehr Geld haben? Lassen Sie sich Ihre Sackhaare in die Nase verpflanzen?“
„Denken wir neu.“
Ich gehe weiter und setze mich zu einer Frau in einem weinroten Tausend-Euro-Kostüm.
„Warum machen die Linken nichts gegen die Armut, Frau Wagenknecht?“
„Wir sind in der Opposition. Wir würden gerne die Sozialgesetzgebung ändern.“
„In Thüringen stellen Sie den Ministerpräsidenten. Warum verändern sich dort nichts? Und warum sind Sie immer noch mit diesem kleinen dicken Champagnersozialisten aus dem Saarland zusammen?“
Ohne eine Antwort abzuwarten gehe ich zu Katrin Göring-Eckardt.
„Nennen Sie mir einen guten Grund, warum ich euch verlogenen Bio-Spießer wählen soll!“
„Wir werden den Klimawandel stoppen.“
„Du bist so süß. Gibt’s dich auch in rosa und mit Einhorn? Was ist mit eurem Autohausfritzen aus Stuttgart? Kretschmann ist erklärter Diesel- und Merkelfan. Das ist doch nicht euer Ernst, oder?“
Ich gehe zum letzten Tisch. Serdar Somuncu erwartet mich mit einem Sixpack Bier.
Es wurde dann doch noch ein schöner Abend.
Howard Jones – Things Can Only Get Better. https://www.youtube.com/watch?v=-OO9LloDSJo

Andy Bonetti hört am Wahlabend die Ergebnisse der ersten Hochrechnung.

Freitag, 22. September 2017

Die Erfindung von Journalismus und Literatur

„Die alte Gomolke gehörte zu den Frauen, die das Husten eines Flohes auf einen Kilometer Entfernung mit der Präzision einer Waldohreule wahrnehmen konnte. Sie kannte alle Geschichten aller Menschen, die jemals in diesem großen Haus gewohnt hatten.“ (Johnny Malta: Tantrasex für Alleinstehende)
Es war an einem Abend, lange bevor die Zeitrechnung erfunden wurde. Harry, Larry und Barry saßen mit ihren Frauen Sandy, Candy und Mandy um das Lagerfeuer am Höhleneingang und fraßen wie die Wilden. Sie schmatzten, grunzten und rülpsten, was das Zeug hielt und ihre zotteligen Kinder waren auch nicht viel besser.
Als sie mit ihrer Mahlzeit fertig waren, ließ Harry einen letzten, ohrenbetäubenden Rülpser hören, der die Affen vor Schreck von den Bäumen fallen ließ.
„Ich war heute mit Larry auf der Jagd, als wir plötzlich dieses Rascheln im Gebüsch hörten.“
Alle hörten ihm aufmerksam zu.
„Ich gehe in das Gebüsch und wen sehe ich?“
„Wen siehst du, Harry?“ fragte seine Frau Sandy gespannt.
„Einen riesigen Bären.“
„Er war echt riesig“, ergänzte Larry.
„Er faucht mich an und schlägt mit seinen gewaltigen Pranken nach mir. Aber ich bin nicht weggerannt. Ich habe ihm mit der Keule so richtig die Fresse poliert.“
„Habt ihr ihn getötet?“ fragte Candy. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, wenn sie an gebratene Bärentatzen und die leckeren Bärenschinken dachte.
„Nein, das Mistvieh ist einfach weggelaufen.“
„Ist einfach weggelaufen“, fügte Larry zur Bestätigung hinzu.
„Wir haben heute Pilze gefunden, die waren so groß wie Köpfe“, begann Mandy zu erzählen. „Wir haben sie hinten in der Höhle zum Trocknen aufgehängt.“
„Das war ganz schön gefährlich“, sagte Sandy.
„Warum?“ fragte Harry seine Frau.
„Weil da überall Schlangen waren“, sagte Candy, die auch dabei war. „Aber die Kinder haben mit Stöcken auf den Boden geschlagen und die Schlangen sind abgehauen.“
„Das ist gar nichts“, sagte Barry, der sich bisher zurückgehalten hatte. „Ich war auf der Lichtung hinter dem Eichenhain. Ihr wisst schon, dieser Ort, der von Dämonen verhext wurde. Der Wind heulte über die Wiese und es lag ein merkwürdiger Dunst über allem, so dass ich kaum etwas sehen konnte. Ich trat näher – und dann sah ich es.“
„Was?“ riefen sie alle wie aus einem Mund.
„Ein weißes Einhorn. Es war fast so groß wie ein Mammut und wenn es mit den Hufen aufstampfte, zitterte die Erde. Und dann sprach es zu mir.“
„Was hat es gesagt?“ fragte Harry.
„Haltet euch von dieser Lichtung fern oder die Götter werden euch mit Fieber schlagen, ein gewaltiger Sturm wird kommen und eure Kinder davontragen.“
Sie alle schwiegen betreten. Die Männer sahen in die Finsternis hinaus, die Frauen hatten die Köpfe gesenkt und jammerten leise.
Er hatte es wieder einmal geschafft. Seine Geschichte war die Beste. Aber er hatte ja auch genügend Zeit gehabt, sich die Story auszudenken, als er bei schönstem Sonnenschein auf der Wiese gelegen und gedöst hatte.
Iggy Pop – Candy. https://www.youtube.com/watch?v=6bLOjmY--TA

Copyright: Olga Rotova.

Was haben Bayern, Katalanen und Ostukrainer gemeinsam?

Separatismus ist der neue heiße Scheiß. Das ist völkischer Egoismus auf niedrigstem Niveau – passt also wunderbar in die heutige Zeit. In meiner Jugend gab es nur die Basken, die von Spanien unabhängig werden wollten, und die Korsen, die von Frankreich unabhängig werden wollten. Dann kam die Lega Nord und wollte sich vom sonnigen Süden Italiens abseilen. In den neunziger Jahren schließlich wurde es in Jugoslawien richtig hässlich.
Was läuft aktuell in Sachen Separatismus? Nächste Woche gibt es ein Referendum zur Unabhängigkeit im Nordosten Spaniens. In der Ostukraine ballern sich seit Jahren russische Milizen in die Schlagzeilen – und Bayern hat es in diesem Jahr auch probiert. Der Antrag der Bayernpartei zu einem Referendum über den Austritt des Freistaats wurde im Januar vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt. Begründung: „In der Bundesrepublik Deutschland als auf der verfassunggebenden Gewalt des deutschen Volkes beruhendem Nationalstaat sind die Länder nicht ,Herren des Grundgesetzes‘. Für Sezessionsbestrebungen einzelner Länder ist unter dem Grundgesetz daher kein Raum. Sie verstoßen gegen die verfassungsmäßige Ordnung.“
Zur bayrischen Separatistenbewegung merkt Wikipedia lapidar an: „unbewaffnet, wird teilweise ohne Franken angestrebt“ (Artikel: Liste derzeitiger Sezessionsbestrebungen in Europa). Ich sage: noch unbewaffnet. Bergkarabach liegt am Chiemsee.

Weiche Ökonomie, Teil 1: Das Schenken


Blogstuff 158

„Als Künstler hat man eigentlich nie Feierabend. Man fängt auch nie richtig an, es geht einfach immer weiter. Alles ist Rohstoff, so wie für den Graffiti-Künstler die ganze Stadt eine Leinwand ist. Wenn man mit so einem außerordentlichen Talent gesegnet ist wie ich, ist jeder Augenblick kostbar. Jede Minute, in der ich nicht schreibe, ist eine Sünde, denn ich habe die Pflicht, Tag für Tag großartige Werke zu schaffen. Kunst ist – auf meinem Niveau – Dienst an der Menschheit, ist Fortschritt in seiner unmittelbarsten und schönsten Form.“ (Andy Bonetti)
Meine erste Million habe ich mit einer Offshore-Änderungsschneiderei gemacht.
Woher kommen Sie? Was sagt uns die Antwort „Kiel“? Was machen Sie beruflich? Was sagt uns die Antwort „Sachbearbeiter“? Wie alt sind Sie? Was sagt uns die Antwort „38“? Diese ganzen Standardfragen führen ins Leere.
Achtung Fake-News! Es gibt keine Gruppierung mit dem Namen „Brauner Halbmond – Muslime gegen Muslime“.
Zum Fußballgeschäft: Das Schöne an dieser sozial-christ-frei-demokratischen Welt mit Biosiegel ist ja, dass der Staat zwar den Fußball nicht reguliert, ihn aber via alternativloser Rundfunkgebühr von allen Haushalten finanzieren lässt. Das ist so wie mit den Kirchen und den Autobahnen, die ja auch von den atheistischen Fußgängern mitfinanziert werden, ohne dass es eine Ausstiegsmöglichkeit gibt. Das ist der Fortschritt: als die Scheichs ihr Geld noch in die Zucht von Rennpferden oder in Wetten bei Kamelrennen investiert haben, mussten sie das komplett aus eigener Kasse bezahlen.
Ist Ihnen mal aufgefallen, dass die großen Vögel, Tauben oder Krähen, gehen wie Menschen, die kleinen Singvögel aber hüpfen wie Kängurus?
„Operation Unthinkable“ hieß der Plan der USA und Großbritanniens, unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Sowjetunion anzugreifen und militärisch zu unterwerfen. Als Termin für den Angriff wurde der 1. Juli 1945 festgelegt, neben amerikanischen und britischen Truppen sollten auch Teile der ehemaligen deutschen Wehrmacht eingesetzt werden. Der Plan wurde dann jedoch aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der sowjetischen Truppen auf deutschem Boden fallengelassen.
Stichwort „Treuhandanstalt“. Warum ist es gelungen, die Gebäude und die Infrastruktur auf dem Gebiet der früheren DDR zu erneuern, aber nicht die Betriebe? Man hätte doch nur alte Maschinen durch neue Maschinen ersetzen müssen, bessere Produkte und Dienstleistungen anbieten müssen – dann hätten die intakten Strukturen ebenso erhalten werden können wie die Innenstädte und Straßennetze.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hätten wir die Amerikaner als Schutzmacht eigentlich gar nicht mehr gebraucht. Sie sind immer noch da. 28 Jahre später. Warum eigentlich?
Gibt es für ein Image auch ein Verfallsdatum? Was ist zum Beispiel mit dem Fußballclub FC St. Pauli? Szene, Prostituierte, Drogen? Linksalternativer Szene-Club oder wie? Geht’s hier nicht um Geld oder was? Ist das Christiane F. mit Stollen?
Es gibt nicht nur Fake News, sondern auch Fake-TV. Ein kleines Gerät, made in Malaysia, das flackert wie ein echter Fernseher und auf diese Weise die Einbrecher von meinem Haus fernhält.
Es gibt verschiedene Methoden, um das Unkraut im Garten zu bekämpfen. Man kann es selbst beseitigen, aber das ist harte Arbeit, die nie enden wird. Man kann, wie mein Nachbar, den Vorgarten mit Kunststoffmatten auslegen, auf denen dunkelgraues Geröll geschüttet wird. Dann sieht das eigene Grundstück wie ein Holocaust-Mahnmal aus. Oder man lässt wasserdurchlässige Folie ausbringen, auf dem Rindenmulch liegt. Rund um die Büsche und Rosensträucher. Dann sehen wir im Garten nur das, was wir uns wünschen. Das war auch unsere Lösung. Als ich im Esszimmer saß und durch die Panoramascheibe des Wintergartens bei einem ausgezeichneten Filetsteak und Rotwein die beiden polnischen Arbeiter beobachten musste, die in sengender Hitze diese Arbeit verrichteten, kam ich mir allerdings vor wie ein Plantagenbesitzer. Ich ließ daraufhin die Vorhänge schließen.
Die Scheibe Brot, die ich zum Frühstück mit Marillenkonfitüre bestrich, hatte die Umrisse von Österreich. Die Welt ist voller Zeichen und Wunder.
Echo and the Bunnymen - Lips Like Sugar. https://www.youtube.com/watch?v=OLQ7xr_Urag

Donnerstag, 21. September 2017

Berlin - eine Stadtrundfahrt mit dem Kiezschreiber

Meine Damen und Herren, ich möchte Sie heute auf eine Stadtrundfahrt durch Berlin mitnehmen, die einige unvergessliche Höhepunkte für Sie bereithält. Wie Sie wissen, habe ich mich viele Jahre mit der Geschichte dieser Stadt beschäftigt und möchte Sie nun an einige Orte entführen, die Ihnen von anderen Reiseanbietern nicht präsentiert werden.
Wir beginnen unsere Stadtrundfahrt am Bahnhof Zoo. Ich zeige Ihnen die Stelle, an der sich Christiane F. ihre erste Crackpfeife angezündet hat. Schräg gegenüber, da wo heute das Waldorf Astoria steht, war übrigens früher die Modelschule, in der Heidi Klum Laufen gelernt hat.
Wir fahren weiter zum Hotel Adlon am Brandenburger Tor, wo John F. Kennedy bei seinem Berlin-Besuch eine heiße Nacht mit Marlene Dietrich verbracht haben soll.
Anschließend besuchen wir, nur wenige Meter entfernt auf dem Prachtboulevard Unter den Linden, die russische Botschaft, an deren Gitterstäben einst Gerhard Schröder rüttelte und rief: „Ich will hier rein.“
Dann geht es zum Fernsehturm auf dem Alexanderplatz, wo wir die höchste Brauerei der Welt besichtigen werden. Hier können Sie beim Blick über die Stadt das berühmte Berliner Kellerbier genießen.
Der nächste Haltepunkt ist der Invalidenfriedhof an der Scharnhorststraße. Wir besuchen das Grab von Adolf Hitler, dem hier wegen seines fehlenden linken Hodens ein Platz zugewiesen wurde. Er liegt zwischen Bertholt Brecht und Rex Gildo. Fans hinterlassen hier gerne selbstgeschmiedete Hakenkreuze und AfD-Fähnchen.
Dann kommen wir zum Höhepunkt der Rundfahrt, dem Geburtshaus von Angela Merkel. Es steht im Prenzlauer Berg, Knaackstraße 97. Es handelt sich um ein äußerst unscheinbares Gebäude ohne besondere Kennzeichen. Wer abergläubisch ist, steckt einen Wunschzettel in den Briefkasten der Kanzlerin.
Weiter geht es in die Normannenstraße in Lichtenberg. Hier ist der Firmensitz des VEB Walter Ulbricht, einem erfolgreichen Bauunternehmen. Der Firmengründer erfand 1961 die berühmte Berliner Mauer. Eine der großen Attraktionen der Stadt.
Zum Abschluss unserer Rundfahrt kehren wir ins Gasthaus „Zum alten Fritz“ ein. Das Fachwerkgebäude, Baujahr 1753, ist das älteste Restaurant Berlins. Hier wurde die erste Bratwurst der Welt serviert. Sie finden es in der Allee der Kosmonauten im Stadtteil Marzahn.
Vielen Dank! Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.
Yello - Cuad El Habib. https://www.youtube.com/watch?v=1CE--qJai8U

Mittwoch, 20. September 2017

Erstaunliche Fortschritte der Nanopoesie


Blogstuff 157
„Die meisten Bücher von heute scheinen an einem einzigen Tage geschrieben zu sein, nach Büchern, die am Abend vorher gelesen wurden.“ (Nicolas Chamfort)
Zu alt für die angesagten Clubs, zu jung fürs Altersheim. 51 ist ein Scheißalter.
Pfaff vs. Singer – der große Nähmaschinenkrieg. Aber dafür kann man die Jugend heute nicht mehr begeistern.
Hätten Sie’s gewusst? 1965 war Roberto Blanco der einzige Schwarze in Deutschland.
Früher waren Medien Scharlatane, die behaupteten, bei spiritistischen Sitzungen den Kontakt zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Geister herstellen zu können. So betrachtet hat sich ja nicht viel geändert. Wir bezahlen Leute, die angeblich Stimmen hören.
Seit es arbeitsteilige Gesellschaften gibt, richtet sich die Tätigkeit des Einzelnen im günstigsten Fall an eigenen Neigungen und Fähigkeiten aus. Die einen sind handwerklich begabt, die anderen arbeiten gerne mit Vieh oder haben das richtige Händchen, um Getreide und Gemüse anzubauen. Später wird mancher Bauer, der auf dem Markt erfolgreich ist, zum hauptberuflichen Händler, und der Wirthausphilosoph zum Berufspolitiker. Die Arbeitsteilung differenziert sich aus. Der Ökonom David Ricardo hat dieses Prinzip einfach auf die Nationen übertragen. Ein Land verkauft Orangen, weil sie dort wachsen, das andere Land verkauft Nägel, weil dort keine Orangen wachsen. Diese Theorie ist dermaßen schlicht, dass man sich wundern muss, warum sie noch heute an unseren Universitäten gelehrt wird. In Zeiten, wo man in Gewächshäusern alles züchten und in Fabriken alles herstellen kann.
Hätten Sie’s gewusst? Der Begriff „neoliberal“ fällt bereits im Programm „Wir werden uns schon schaffen“ der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von 1971.
Vier Jahre lebe ich jetzt in diesem Haus und in dieser Zeit sind alle Uhren irgendwann einmal stehengeblieben. Ich habe keine neuen Batterien mehr gekauft. In jedem Raum ist jetzt eine andere Zeit. In der Küche ist es immer viertel vor sechs, im Wohnzimmer ist es halb vier. Zweimal am Tag zeigen sie aber immer noch die korrekte Uhrzeit an.
Beim Lesen können wir drei Mal so viele Informationen aufnehmen wie beim Zuhören. Ein geübter Leser schafft tausend Worte pro Minute. Niemand kann so schnell sprechen. Deswegen werden schriftliche Informationen wie Bücher oder Zeitungen – ob in Papierform oder auf einem Monitor – nie durch Radio, Podcasts oder Fernsehen verdrängt werden.
Schlechte Bücher oder Drehbücher spielen immer in der Welt der Reichen, weil Geld so viele Möglichkeiten eröffnet. Wer arm ist, besitzt eigentlich nur sehr wenige Alternativen. Er kann nicht in Wladiwostok einen Laden für Anglerbedarf eröffnen, um sich selbst zu finden. Er kauft keinen Fesselballon, um ein Rennen um die Welt zu gewinnen. Deswegen sind Bücher, in denen es um Arme geht, eine echte Herausforderung für jeden Autor.
Die Angst baut größere Häuser als die Gewissheit.
Man müsse unbedingt etwas gegen den Klimawandel unternehmen, sagte der Mann, der neben mir im Flugzeug saß.
An den ägyptischen Tempeln von Abu Simbel finden sich griechische Graffiti aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. Der Drang, irgendwo seinen Namen zu hinterlassen, ist älter, als wir denken.
Ganz im Süden von Rheinland-Pfalz, an der Grenze zu Frankreich, liegt das Dorf Schweigen mit 720 Einwohnern.
„Gestern Schwestern – Heute Beute – Morgen Sorgen. Geschichte aus ostdeutscher Perspektive“. Dieses Werk wird pünktlich zur Frankfurter Buchmesse bei Bonetti Media Unlimited erscheinen.
Über mein Heimatdorf Schweppenhausen wird ja gerne gelacht, aber wie ist es mit Hermann Schweppenhäuser? Der aus Frankfurt stammende Philosoph hat bei Adorno, Gadamer und Horkheimer studiert, war Assistent Adornos und hat später als Professor die Kritische Theorie bis in die neunziger Jahre vertreten.
Iggy Pop - Real Wild Child (Wild One). https://www.youtube.com/watch?v=def3ob2h-1s

Dienstag, 19. September 2017

Mein rechter rechter Platz ist frei

… ich wünsche mir die AfD herbei.
Meine These: Mittelfristig wird die AfD zur Mehrheitsbeschafferin einer neokonservativen Regierung der Union in der Post-Merkel-Ära. Sozialdemokraten und Grüne haben als Regierungsparteien, die seit 1998 an der Zerschlagung des Sozialstaats und der Arbeitnehmerrechte maßgeblichen Anteil hatten, ausgedient. Eine weitere Sozialdemokratisierung der Union ist daher gar nicht notwendig. Mithilfe der AfD als Koalitionspartner wird die Union ihr altes konservatives Profil schärfen können, da sämtliche politischen Ziele – Marginalisierung des linken Spektrums auf die zahnlose PdL und Splittergruppen, neoliberale Reformen, Spaltung und Verunsicherung der Gesellschaft, Stärkung der Arbeitgeberposition – erreicht wurden.
Sehen wir uns kurz die wesentlichen Programmpunkte der AfD an und überprüfen wir sie auf ihre Kompatibilität mit der Union:
Stärkung des Nationalstaats. Völlige Übereinstimmung mit der CSU, die auch aktuell an ihrer feudalen Außenpolitik festhält, wenn z.B. Seehofer Staatsbesuche bei Orban oder Putin unternimmt. Eine Ausweitung des europäischen Engagements der Union ist in der Post-Merkel-Ära nicht zu befürchten.
Aufrüstung des Militärs. Völlige Übereinstimmung mit der aktuellen Politik der Union.
Austritt aus dem Euro und dem ESM. Keine Übereinstimmung mit der Union. Wird aufgrund des fehlenden Konsens‘ marginalisiert wie zuvor die Themen Finanztransaktionssteuer oder Reform der Erbschaftssteuer bei Koalitionen mit der SPD.
Aufrüstung der Polizei, Erleichterung von Ausbürgerungen und Abschiebungen von Migranten, Begrenzung der Einwanderung. Völlige Übereinstimmung mit der Union.
Stärkung von Familien und der Ehe zwischen Mann und Frau, Kampf gegen Gender-Ideologie. Völlige Übereinstimmung mit der Union, selbst Merkel hat gegen die Ehe für alle gestimmt.
Deutsche Leitkultur. Völlige Übereinstimmung, v.a. mit der CSU.
Steuersenkungen, Abschaffung der Erbschaftssteuer. Übereinstimmung mit der CSU.
Kein Tempolimit auf Autobahnen, Ausstieg aus der Energiewende, Abschaffung der Umweltzonen. Übereinstimmung mit der CSU.
Schlanker Staat, Senkung der Subventionen und der Staatsquote. An diesem Punkt wird die Anschlussfähigkeit zur FDP als möglichem Partner einer sogenannten Scheißhauskoalition® (schwarz-braun-gelb) hergestellt.
P.S.: Im Kinderspiel „Mein rechter rechter Platz ist frei“ gibt es weder Gewinner noch Verlierer. In der politischen Variante gibt es 99 Prozent Verlierer. Die meisten von ihnen werden es – mal wieder – gar nicht oder zu spät begreifen.
Industry - State Of The Nation. https://www.youtube.com/watch?v=_SEn4Cc8BVM

Die Hinrichtung

„Eine Zeitlang waren sie alle still – der irdene Krug mit einem Wasserrest, der allen Gefangenen der Welt zu trinken angeboten hatte; die Wände, die Arme um die Schultern gelegt wie ein Quartett, das unhörbar flüsternd ein quadratisches Geheimnis bespricht.“ (Wladimir Nabokov: Einladung zur Enthauptung)
Am Ende saß er alleine auf der Bühne. Ein Holzstuhl ohne Lehnen, sehr schlicht. Ein älterer Herr in einem altmodischen Frack und mit beeindruckenden Tränensäcken trat aus der Kulisse und trug ein Silbertablett, auf dem ein Briefumschlag lag.
Er nahm den Umschlag. Der ältere Herr verließ wortlos die Bühne. Das Publikum schwieg gespannt. Er öffnete den Umschlag und entfaltete ein weißes Blatt Papier. Auf dem Blatt stand nur ein Wort: Schuldig.
Applaus brandete auf. Minutenlang. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nun standen sie auf und klatschten begeistert. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Aber irgendwann war auch der letzte Zuschauer gegangen.
Er ließ das Blatt fallen und verließ die Bühne. Der Gang, den er nun betrat, war leer. Hier waren die Garderoben der Anklage, der Verteidigung und des Richters. Er schaute in jeden Raum, aber es war niemand zu sehen. Nur Schminke und Kostüme.
Eine Wendeltreppe führte hinauf in das nächste Stockwerk. Hier war der Fundus. In der Ecke standen die beiden Scheinwerfer, mit denen ihm Sonne und Mond vorgegaukelt worden waren. Er fand die Handpuppen, mit denen man ihm Politik vorgespielt hatte.
Endlich erkannte er, wie alles funktionierte. Am Ende des Raums war ein kreisrundes Fenster. Er ging hinüber, um es zu öffnen. War es gerade Tag oder Nacht? Wie schmeckte wohl die Luft außerhalb des Theaters?
Er streckte den Kopf aus dem Fenster und das Fallbeil raste augenblicklich auf seinen Nacken hinunter.
Beatles – Strawberry Fields. https://www.youtube.com/watch?v=0aX9-dhii3o

Barcelona. Copyright: David J. Lew.

Montag, 18. September 2017

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„Hi, du süßer kleiner Wähler. Ich möchte mir dir über DIE PARTEI sprechen.“

Blogstuff 156
„Ich hatte sechs Jahre revolutionäre Tätigkeit aufzuweisen, lediglich unterbrochen von einem Jahr Festungshaft. Eher als viele andere spürte ich das Nahen des Sturms, und gelassener als sie begegnete ich ihm.“ (Alexander Bogdanow: Der rote Stern)
Wir kennen es von unseren nächtlichen Träumen: es fehlt ihnen an Logik, sie ergeben keinen kohärenten Sinn. So ist es mit unseren Tagträumen auch. Der Traummann ist ein Latin Lover, der gerne Windeln wechselt, ein Literat, der die defekte Klospülung reparieren kann. Die Traumfrau ist Heilige und Hure zugleich usw. Wie ist der Traumstaat? Er überwacht nur die Bösen mit totalitärer Präzision, den Guten lässt er alle Freiheiten. Er hält Flüchtlinge und Zigeuner fern, erfreut uns aber sonntags mit geschliffenen Reden zur Pluralität unserer Gesellschaft. Er sorgt für ein funktionierendes Gesundheits-, Straßen- und Bildungssystem, verlangt aber praktisch kein Geld dafür. Wir sind wie Kinder. Immer verlangen wir das Unmögliche.
Der Doppler-Effekt sieht aus wie eine Katze:

Quelle: Wikipedia.
In der Ökonomie spricht man übrigens vom Bonetti-Effekt: Geld geht schneller als es kommt. Diesen Zusammenhang hat Andy Bonetti zum ersten Mal 1988 auf der Rückseite eines Kontoauszugs notiert. Die Formel lautet „Geld : Zeit = Verschwindibus“. Das Tempo dieses Vorgangs liegt irgendwo zwischen Reise- und Lichtgeschwindigkeit.
Hätten Sie’s gewusst? Clarence Nash, der Donald Duck ab 1934 seine Stimme geliehen hat, ist vorher als hauptberuflicher Vogelstimmenimitator im Varieté aufgetreten. Er war auf einem Bauernhof groß geworden und hatte sich die Zeit damit vertrieben, die verschiedenen Tiere zu imitieren.
Das einzige, was bleiben wird, wenn die Zivilisation längst untergegangen und überwuchert ist, sind diese albernen Fernseh- und Spionagesatelliten im Orbit.
Bonetti hat in seinem Testament festgelegt, dass sein gesamtes Vermögen für den Bau einer Pyramide verwendet werden soll.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mein Großvater Milliardär war? Das war 1923.
Wenn man sieht, wie sich mancher Türsteher oder manche alleinerziehende Mutter zum Despoten entwickeln kann, muss man sich über die vielen durchgeknallten Diktatoren und Könige in der Weltgeschichte nicht wundern.
Der Beauty Case ist der Werkzeugkasten der Frau. Wann haben Männer und Frauen endlich beides?
Andy Bonetti hat einige seltsame Angewohnheiten. Im Winter lässt er sich, verpackt in einen dicken Mantel und mit einer russischen Fellmütze auf dem Kopf, von seinem Chauffeur in einem Cabrio durch die Gegend fahren. Er liest in neuen Büchern immer zuerst die Seite mit der Schnapszahl 111. Er geht nie ohne seine kleine Jadeschildkröte Orlando auf Reisen. Grundsätzlich läuft er Katzen durch die Stadt hinterher und hat deswegen schon mal einen Termin bei der Bundeskanzlerin verpasst.
Eine Marotte teilt er jedoch mit vielen großen Geistern: die meiste Zeit des Tages verbringt er im Bett. Der Philosoph René Descartes verbrachte sechzehn Stunden des Tages in seinem Bett, weil er dort besser denken konnte. Goethe und Churchill diktierten ihre Werke gerne vom Bett oder einem Diwan aus. Richelieu wickelte seine Staatsgeschäfte vom Bett aus ab, Könige und Gräfinnen empfingen ihre Besucher im Bett. In der Renaissance gehörten sogenannte Schaubetten zur Ausstattung des Adels, eine Einladung ins Bett – allerdings nur zur Konversation – war eine Auszeichnung. Damals wurden übrigens Hunde im Winter als lebende Wärmflaschen genutzt: „Von einer Eiderdaunendecke hab ich mein Leben nichts gehört. Was mich recht warm im Bett hält, sind sechs kleine Hündchen, so um mich herum liegen.“ (Liselotte von der Pfalz)
Da lacht Rheinhessen: http://www.wormser-zeitung.de/lokales/polizei/worms-feuerwehr-befreit-bestes-teil-eines-mannes-mit-trennschleifer-aus-hantelscheibe_18182723.htm
Montell Jordan - This Is How We Do It. https://www.youtube.com/watch?v=0hiUuL5uTKc

Sonntag, 17. September 2017

Billardkugeln in der Dunkelheit

„Von vielen Künstlern lese ich in der Zeitung, sagte mein Vater, von dir nichts.“ (Herbert Achternbusch: 1969)
Wer heute als junger Mensch die Arbeitswelt betritt, macht eine Reise ins Ungewisse. Am Ende des Arbeitslebens wird man so viele Jobs und Projekte gehabt haben, dass man sich durch einen gigantischen Lebenslauf scrollen muss, um auch nur die Stichworte überschauen zu können. Es werden Jobs und Unternehmen dabei sein, die es heute noch gar nicht gibt oder die längst verschwunden sind.
Ständig trifft man neue Leute. Wie Billardkugeln, die im Dunkeln gegeneinander stoßen. Du kommst in ein Projekt und arbeitest mit einem Typen zusammen, mit dem du dich gut verstehst. Der Typ macht sich ein halbes Jahr später mit einem eigenen Projekt selbständig und fragt dich, ob du mit nach Chicago kommst. Jemand anderes geht und es wird eine Stelle im Unternehmen frei, die dich interessiert und auf die du wechseln kannst. Du hast nur wenige Tage, um über alles nachzudenken. Türen öffnen sich, Türen schließen sich. Permanent. Du triffst eine Entscheidung, die im Nachhinein zum Jackpot deines Lebens führt – oder in die Sackgasse. Du weißt es vorher nicht. Öffnen sich in Chicago weitere Türen oder stehst du ein Jahr später mit deiner Gitarre in der U-Bahn und spielst für die nächste warme Mahlzeit?
Ein Leben in Bewegung, die Phasen der Ruhe werden sich oft nur in Monaten messen lassen. Es wird Lücken zwischen Projektabschluss und Projektanfang geben, die man mit Arbeitslosengeld oder einem bedingungslosen Grundeinkommen überbrücken muss. Vollgas und Chill-Out, Arbeit und private Projekte wechseln sich ab. Im Lebenslauf steht dann auch: zwei Monate am Strand in Südfrankreich. Oder: Ich habe zwei Jahre für meine neugeborene Tochter gebraucht und sie mir genommen. Und das muss ohne Hartz IV-Stigmatisierungskeule funktionieren.
Für diese Abenteuerreise brauchst du gute Nerven, Selbstvertrauen und einen Körper, der dich nicht im Stich lässt.
P.S.: Was ist das Schlimmste, das uns im Arbeitsleben passieren kann? Hartz IV – länger als ein Jahr Arbeitslosigkeit. Das ist die Katastrophe. Davor haben wir alle Angst. Ich habe diesen Horror tatsächlich erlebt. Von 2006 bis 2008. War es der Tiefpunkt meines Lebens? Nein, in der Rückbetrachtung war es eine der besten Zeiten, die ich je hatte. Ich habe in dieser Zeit mein wichtigstes Sachbuch geschrieben (2006: die Gandhi-Biographie für Suhrkamp) und meinen ersten Roman (der Anfang 2009 erschien). Unter dem Pseudonym Rondo Delaforce habe ich zwei Bücher mit Kurzgeschichten, Skizzen und Aphorismen veröffentlicht, die der Arbeit am späteren Blog schon sehr nahe kamen: „Die singende Fleischwurst“ (2007) und „Beamtenanwärter in Seenot“ (2008). Außerdem entstand ein zweiter Krimi, den ich erst Jahre später publiziert habe. Ich erfüllte mir einen Jugendtraum und machte als Ostasien-Fan eine dreiwöchige Reise nach China (2007) und eine zweiwöchige Reise nach Japan (2008). Dann bekam ich den Job als Kiezschreiber im Wedding (ab 1.12.2008). Voraussetzung für die Bewerbung war: man musste Hartz IV-Empfänger sein. Ohne diesen Tiefpunkt meiner „Karriere“ hätte ich also diese Stelle nie bekommen, hätte dieses Blog nie gemacht und wäre nicht in die aktuelle Phase meines Lebens gekommen, in der ich so produktiv, so frei und so zufrieden bin wie noch nie zuvor. Hartz IV war das Beste, was mir passieren konnte. Ansonsten wäre vielleicht ein ausgebrannter Hochschullehrer aus mir geworden, der den ganzen herrlichen Stuss auf dieser Internetseite nie produziert hätte.
Yes – Time And A Word. https://www.youtube.com/watch?v=vYwSxZXy_Tk
Quelle: CJ Henry.

Samstag, 16. September 2017

Mädchen dürfen nicht ins Baumhaus


Blogstuff 155
„Ich bin frei wie ein Vogel, habe keine Idole, verbeuge mich vor nichts. Heldentum ist ein leeres Wort für mich. Die Liebe – nackte Physiologie. Kinder – eine subtile Rechnung mit der Unsterblichkeit. Der Staat – ein System der Vergewaltigung. Geld – ein Mythos. Ich lebe sorglos in den Tag hinein. Los, trinken wir auf das sorgenfreie Leben!“ (Konstantin Waginow: Auf der Suche nach dem Gesang der Nachtigall)
U-Topos – das Nicht-Örtchen: Warum sind Toiletten immer nur Gegenstand alberner Komödien, warum befasst sich die zeitgenössische Kunst nicht mit ihnen? Marcel Duchamps‘ „Fountaine“ von 1917

und die goldene Toilette im Guggenheim-Museum

– war’s das etwa schon?
Bald kommt der Herbst in unsere Firma, mit einer Aktentasche voll buntem Laub.
Wenn ich auf die letzten Jahrzehnte zurückblicke, ist schon eine Menge erreicht worden, wenn es um die Emanzipation der Frau von der Rolle der Hausfrau und Mutter geht. In Sachen Emanzipation des Mannes von der Rolle des arbeitenden Familienernährers ist dagegen kaum etwas passiert.
Um einen Hobbygärtner zu beeindrucken, der mich neulich besucht hat, habe ich im Supermarkt die größten Möhren gekauft, die ich kriegen konnte. Dann habe ich sie in meinem Garten eingegraben und vor seinen Augen wieder ausgebuddelt. Er war schwer beeindruckt. Vor seinem nächsten Besuch koche ich einen großen Topf Spaghetti und lade ihn zur Ernte an meinem Pastabaum ein.
Wu-xiu nennt man in China die Mittagspause, bei der man gerne auch ein Nickerchen macht. Laut New York Times von 1982 dauerte sie damals bis zu drei Stunden. Das ist im Kapitalismus zum Glück vorbei. Dafür haben die Chinesen jetzt mehr Geld und viele schöne Sachen.
Die Autokorrektur macht aus Sachkenntnis tatsächlich Sachsentennis. Die Maschinen übernehmen die Macht, oder? Nein. Zum Glück habe ich kein Smartphone, sondern produziere solchen Blödsinn beim analogen Lesen noch selbst.
Die Bierpreisentwicklung macht mir große Sorgen. Vor zwei Jahren hat der halbe Liter Bier in Berlin noch etwa zehn Prozent weniger gekostet. Oft steht inzwischen die Vier vorne. Als Indikator nehme ich mal die Entwicklung auf dem Oktoberfest in München, wo die Maß 1980 noch 2,40 € gekostet hat, dieses Jahr aber bis 10,95. Der Preis hat sich also zu meinen Lebzeiten mehr als verbierfacht, Verzeihung: vervierfacht. Dazu schlägt der Fiskus wirklich dreist zu: 16 Prozent Mehrwertsteuer und sechs Prozent Biersteuer beim Flaschenbier. Zum Glück trinke ich hauptsächlich Wein, dessen Preis – zumindest bei meinem Winzer und im Supermarkt - recht stabil ist. Ich könnte ansonsten bei dieser Inflation kein Auge mehr zu machen.
Haustierbesitzer versuchen einen immer mit dem Spruch „Bei anderen Leuten macht er das nie“ um den Finger zu wickeln.
Der altehrwürdige Beruf des Schlangenbeschwörers ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Die jungen Leute wollen ja heutzutage alle studieren.
„Bonetti“, brüllte der Verleger. „Wie sind Sie überhaupt zur Literatur gekommen?“ – „Mit der U 9. Ab Güntzelstraße.“
Bildung kann gefährlich sein. Neulich hat man in Palermo einen Mann erschossen, weil er zu viel wusste.
Thor hatte nur einen Hammer und wurde weltberühmt. Ich habe einen ganzen Werkzeugkasten, aber es interessiert kein Schwein.
Es gibt Lehrer, die schaffen es, ein Wunder zu vollbringen, das physikalisch unmöglich ist: in ihrem Unterricht bleibt die Zeit stehen.
Am Eingang zum Jahrmarkt in Bad Kreuznach werden Taschen und Rucksäcke nach Waffen durchsucht – aber auf dem Festgelände kann man Messer kaufen. #Terror
Da lacht der Hunsrück: http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/117703/3730891

Danke, Ackerboy!
Modern English - I Melt With You. https://www.youtube.com/watch?v=LuN6gs0AJls

Kommunismus ist doof

Der ganze Kommunismus ist viel zu oberflächlich und typisch westlich. Was nutzen mir die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und völlige Lohngleichheit, wenn ich hinterher immer noch dieselbe Scheiße herstelle, weil der Mensch auch als Kommunist noch nach Smartphones und Nutella schreit, und ich – nur eben auf andere Weise - immer noch die Natur ausbeute und die Welt kaputt mache? Wir brauchen Buddha statt Marx: den ewigen Kreislauf von Produktion und Konsum durchbrechen, unseren endlosen Begierden entsagen, Askese und innere Einkehr statt Jägerschnitzel und Mallorca.
P.S.: Lustigerweise wird das iPhone, das globale Feldzeichen des siegreichen Kapitalismus, in einem kommunistischen Land von glücklich befreiten Proletariern hergestellt. Selbstverständlich hat der „Schwarze Block“ bei der Randale rund um den G20-Gipfel in Hamburg auch einen Apple-Store geplündert. Vor dem Gott des Konsums und der Gier sind offenbar alle Menschen gleich. Den technischen Fortschritt und die Abrichtung des Menschen zu Jägern oberflächlicher Glücksmomente der Aneignung von Tinnef & Talmi stellt niemand mehr ernsthaft in Frage. Smartphones als Teil des Systems, gegen das man eigentlich revoltieren wollte? Soweit denkt der pseudopolitische Eventtourist zwischen 18 und 29 nicht mehr. Zu Lebzeiten von Herbert Marcuse und seiner Forderung nach „totalem Protest“, nach der „großen Weigerung“ war der Gedanke der persönlichen Bereicherung nicht so ubiquitär wie 2017.