Donnerstag, 27. Oktober 2016

Ein Abschied für immer?

Nein. Colonel Clickbait forever.
Bis 23. November bin ich in Franken und Berlin.
Euch allen wünsche ich eine schöne Zeit.
Der Kiezschreiber
„Und selbst die Geschichte stürzt einen nur in Bekümmernis. Man lernt, man liest, dass da eine Zeit der Not hereingebrochen ist; die Menschen sind unglücklich; sie raffen ihre Kräfte zusammen, arbeiten, hasten, leiden schrecklich und mühen sich ab und suchen sich bessere Tage zu schaffen. Nun haben die besseren Tage begonnen – wenigstens nun könnte die Geschichte selbst sich erholen: aber nein, wieder erscheinen dunkle Wolken, das Gebäude stürzt zusammen; es muss wieder gearbeitet und gehastet werden ... Die besseren Tage verweilen nicht; sie laufen davon – und so fließt das Leben immer, alles fließt, ist fortwährend in der Umänderung begriffen. (…) Es kam auch vor, dass er von Verachtung des menschlichen Lasters, der Lüge, der Verleumdung und all des in der Welt verbreiteten Bösen ergriffen und von dem glühenden Wunsche erfüllt wurde, die Menschen auf ihre Wunden hinzuweisen; und plötzlich flammten in ihm Gedanken auf und gingen in seinem Kopfe hin und her wie die Wogen im Meere; dann wuchsen sie zu Vorsätzen heran und erhitzten sein ganzes Blut (…). Aber siehe da, der Morgen ging vorüber, der Tag neigte sich schon zum Abend, und gleichzeitig verlangten auch Oblomows ermüdete Kräfte nach Ruhe: die Stürme und Aufregungen beruhigten sich in seiner Seele; der Kopf wurde nach der Trunkenheit des Denkens wieder nüchtern; das Blut strömte langsamer durch seine Adern. Oblomow drehte sich in stillem Sinnen auf den Rücken herum, richtete einen melancholischen Blick durch das Fenster nach dem Himmel und verfolgte traurig mit den Augen die Sonne, die hinter einem vierstöckigen Hause versank. (…) Niemand sah und kannte dieses innere Leben Ilja Iljitschs: alle meinten, Oblomow liege nur so da und esse nach Herzenslust; weiter könne man von ihm nichts erwarten; es stecke kaum ein Gedanke in seinem Kopfe. So redeten über ihn alle, die ihn kannten.“ (Iwan Gontscharow: Oblomow)
Chitty Chitty Bang Bang Theme Song. https://www.youtube.com/watch?v=ZTTzcXSLjhI

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Neulich bei meinem Therapeuten

Dann habe ich diese japanische Entspannungsmusik gehört, „Zen Chill Out“, verstehen Sie, diese Musik, die einen runterbringen soll, und im Hintergrund plätschert so ein Bach, verstehen Sie, die ganze Zeit hören Sie diesen gottverdammten Scheißbach im Hintergrund, es hört nicht auf, irgendwann sind Sie total auf diesen Scheißbach getriggert, verstehen Sie, dieser Scheißbach, ich habe gar nichts anderes mehr gehört als diesen bescheuerten Bach, das hat nicht aufgehört, die CD hat zwei Stunden gedauert, wissen Sie, zwei Stunden, ganz verschiedene Stücke, mal mit Gesang, mal ohne Gesang, aber immer dieser Scheißbach im Hintergrund, außerdem Vogelgezwitscher, verstehen Sie, dieses Scheißvogelgezwitscher kommt noch dazu, nicht nur dieser gottverdammte Scheißbach, sondern auch dieses total sinnlose Gezwitscher von irgendwelchen Scheißvögeln, verstehen Sie, da bin ich einfach ausgerastet, ich habe gedacht, wenn dieser Scheißbach nicht aufhört, dann raste ich total aus, verstehen Sie, aber der Scheißbach hört überhaupt nicht auf, zwei Stunden Entspannungsmusik und dieser Scheißbach plätschert ohne Ende im Hintergrund, da bin ich raus auf die Straße, verstehen Sie, ich musste einfach raus, ich habe diesen Scheißbach nicht mehr ausgehalten, diesen gottverdammten Scheißbach und die gottverdammten Scheißvögel, die Scheiße nochmal gezwitschert haben, ich meine, wo ist da der Sinn, verstehen Sie, wo ist der Sinn, warum sollte ich mir zwei Stunden lang diesen Scheißbach im Hintergrund von irgendeiner Scheißmusik anhören, da denkt man die ganze Zeit, ich habe einen Wasserschaden, verstehen Sie, aber ich habe keinen Wasserschaden, ich habe noch nie einen Wasserschaden gehabt.
Fehlfarben - Das war vor Jahren. https://www.youtube.com/watch?v=QhuxZjNBhQM

Was mich am meisten nervt

Was mich an der Politik im Augenblick am meisten nervt, ist diese Heimlichtuerei. Offenbar glaubt man, die Öffentlichkeit und eine öffentliche Debatte würden beim Geschäft nur stören. Nehmen wir die neuen Handelsverträge mit Nordamerika (TTIP, CETA) als Beispiel. Nur eine Handvoll Politiker durfte den Vertragstext in der US-Botschaft am Pariser Platz sehen. Keiner, der ihn gesehen hat, durfte sich Notizen machen oder öffentlich über den Inhalt sprechen.
Selbst der Hitler-Stalin-Pakt war nicht so geheim wie dieser Text. Witzblattfiguren wie „unser“ Wirtschaftsminister Gabriel erzählten uns ernsthaft, wir sollten erst unterschreiben, dann würden wir über den Vertrag sprechen. Wer würde jemals einen Vertrag unterschreiben, den er nicht gelesen hat? Jeder Deal auf dem Flohmarkt ist transparenter als diese Nummer. Sind wir irgendein gottverdammter Scheiß-Indianerstamm in Oklahoma, dem man für ein paar Flaschen Feuerwasser das Land nehmen kann?
Und so lief es ja schon in der Vergangenheit, als beispielsweise über „Griechenland-Rettungspakete“ im Parlament abgestimmt wurde, ohne dass irgendjemand – weder ein Abgeordneter oder ein Journalist, also weder ein Vertreter des Volkes noch der Öffentlichkeit – auch nur einen Blick auf den Text werfen konnte. Wenn ich einen guten Deal anzubieten habe, kann ich ihn auch öffentlich machen. Dann sage ich: „Hier ist der Vertrag. Lesen Sie ihn in Ruhe durch. Ich muss gar nichts dazu sagen. Er ist so gut, dass Sie ihn unterschreiben werden.“
So laufen Verhandlungen in der Demokratie. Offen. Völlige Transparenz bei jedem Schritt. Aber offenbar glaubt man jenseits des Atlantiks, wir wären irgendwelche Hillbillys aus Kentucky, denen man mit dem Finger im Arsch rumbohren kann. Und der Zwingerclub EU, Merkel und Konsorten sind nicht für fünf Pfennig besser. Genau diese Arroganz der Politiker nervt gerade unglaublich.

Vier Fäuste für den Dalai Lama

„Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall.” (Giacomo Casanova)
Was bisher geschah: Eike, der kleine Eierbecher, hatte mit seinen Freunden, dem Teeservice, ein Bistro in Wuppertal eröffnet. Doch dann bekam er ein Angebot aus Amerika, dem er nicht widerstehen konnte: First Eierbecher im Porzellanweißen Haus in Washington. Live dabei, wenn sich die Großen der Welt zum Frühstück treffen. Aber er landete, wie so viele gutgläubige Einwanderer, im Lieferwagen des finsteren Mister van Move und machte eine Tournee durch alle zweitrangigen Städte der USA: Cincinnati, Kansas City, Baltimore, Indianapolis, Detroit, Walla Walla. Und eines Tages bekam Mister van Move ein Engagement für das Vorprogramm der Nachmittagsvorstellung eines Casinos in Las Vegas.
***
Etwa hundert Amerikaner, die ausgelassen johlten und schrien, sorgten für Atmosphäre. Aus den Lautsprechern dröhnte der berühmte Säbeltanz.
Sabre Dance - Aram Khachaturian. https://www.youtube.com/watch?v=gqg3l3r_DRI
Auf einem Wald von schmalen Bambusstöcken drehten sich Teller – und ein Eierbecher. Mister van Move jonglierte im Vordergrund mit Kettensägen und brennenden Fackeln. Popcorn und Pappbecher flogen auf die Bühne. Aber die Show musste weitergehen.
Eike war schon ganz schwindelig. Er würde sich nie an diesen Job gewöhnen. Bitte, Mister van Move, hatte er oft gesagt. Ich könnte doch die Buchhaltung machen. Aber er hatte keine Chance. Jeden Tag riskierte er als Teil einer Jonglier-Nummer in Las Vegas drei Mal sein Leben. Wer nicht aus Porzellan ist, weiß nichts von den Gefahren eines Artisten wie Eike, der ohne Netz und doppelten Boden hoch über der Bühne schwebt.
Mister van Move hieß eigentlich Gao Lin und stammte aus Guangzhou. Er hatte als Jugendlicher stark unter Akne gelitten und sein Gesicht sah aus wie ein Minigolfplatz. Aufgrund seines mangelhaften und ockerfarbenen Gebisses lachte er nie – und er mochte es auch nicht, wenn jemand aus seiner Truppe lachte.
Nach dem Auftritt waren sie alle in der winzigen Garderobe und durften sich eine Stunde ausruhen. Dann mussten sie zum nächsten Auftritt zurück auf die Bühne. Schlecht gelaunt zupfte sich Mister van Move vor dem Spiegel, der von einem Kranz Glühbirnen umgeben war, einen Kaugummi aus den Haaren. Dann aß er hastig eine Schüssel Reis mit Gemüse, während ihm Eike und die Teller stumm zusahen.
Johnny Silverflash, der Impresario des Diamond Life Casinos, stürmte wutentbrannt in die Garderobe und füllte sie augenblicklich mit seinen drei Zentnern und seinem Zorn.
„Mister van Move, in den Saal passen vierhundert Leute. Gerade einmal hundert Karten haben wir für die letzte Vorstellung verkauft. So geht es nicht weiter. Ich habe Angebote von anderen Künstlern, die gerne hier auftreten würden. Ein Zwergpony, das rechnen kann. Zwei Schimpansen, die eine Messerwerfernummer eingeübt haben. Wenn es bis nächste Woche nicht besser wird, sind Sie gefeuert!"
Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ er die Garderobe und schmiss die Tür hinter sich zu.
Mister van Move drehte sich zu seinen Artisten um und funkelte sie böse an.
„Nichtsnutziges Polzellanvolk“, schrie er. „Ich welde Euch alle velkaufen an dleckiges koleanisches Lestaulant odel an läudige Clew von Klabbenkuttel in Hafen!“
Dann schleuderte er die kleine unschuldige Reisschüssel gegen die Wand, wo sie in tausend Stücke zersprang.
Betroffen sahen Eike und die Teller auf die Scherben, die leblos auf dem Boden lagen.
So konnte es nicht weitergehen, dachte Eike.
Er hatte sich in den vergangenen Wochen mit Akuma angefreundet. Sie war eine winzige Porzellanfigur, die immer auf dem Garderobentisch von Mister van Move stand. Er hütete sie wie seinen Augapfel, denn sie war seit seiner Kindheit sein Talisman.
Also schmiedeten die beiden einen Plan.
Während der nächsten Vorstellung zog Akuma heimlich ein Kissen auf die Bühne. Während vorne Mister van Move mit brennenden Smartphones und glitschigen Aalen jonglierte, ließ Eike sich von seiner Jonglierstange auf das Kissen fallen und schlich mit seiner Geliebten davon.
Als Mister van Move nach der Vorstellung den Verlust bemerkte, waren sie längst am Hauptbahnhof von Las Vegas angekommen.
Sie sahen die offene Tür eines leeren Güterwaggons und überlegten nicht lange. Akuma und Eike kletterten hinauf. Wenige Augenblicke später setzte sich der Zug in Bewegung.
Sie kannten ihr Ziel nicht, aber endlich fuhren sie neuen Abenteuern entgegen.
Fortsetzung folgt.
Black Eyed Peas - I Gotta Feeling. https://www.youtube.com/watch?v=L446CMoGDCY

Dienstag, 25. Oktober 2016

Die sieben emotionalen Phasen der Frau

Colonel Clickbait hat wieder zugeschlagen!

Blogstuff 85
„Die kommende Revolution wird bonettistisch sein oder sie wird gar nicht sein.“ (Heinz Pralinski)
Häufig lassen es Blogger, aber auch Mitarbeiter renommierter Redaktionen, an Respekt vor dem Arbeitsgerät mangeln. Andy Bonetti reinigt sich zuerst gründlich die Hände mit einem O-shibori, einem feuchten heißen Frotteetuch, bevor er den ersten Satz an seinem Notebook schreibt.
Gibt es ein gutes Synonym für Synonym?
Haben Sie schon einmal einen Hund gesehen, der die Scheiße von einem anderen Hund frisst? Das liegt an den Geschmacksverstärkern im Hundefutter. Die Industrie macht das Hundefutter inzwischen so appetitlich und lecker, so unwiderstehlich und gut, dass der Hund es selbst in ausgeschissener Form noch goutiert. Das ist der wahre Fortschritt. Das gab es früher nicht.
Hätten Sie’s gewusst? Am 2. März 1907 wurde in den USA ein Bundesgesetz verabschiedet, mit dem jede Amerikanerin, die einen Ausländer heiratete, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft verlor. Auch schön: In dem Verfahren „Ozawa v. United States“ bestätigte der U. S. Supreme Court am 23. November 1922, dass Japaner die amerikanische Staatsbürgerschaft nicht erwerben können. 1964 wurde die Apartheid beendet, 1967 das Verbot von Mischehen in den gesamten Vereinigten Staaten aufgehoben. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_der_Rassengesetze_der_Vereinigten_Staaten
Poesie aus Fleisch und Blut: der Pfälzer Bauernseufzer. https://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzer_Bauernseufzer

Typische Tracht eines Pfälzer Bauern im frühen 20. Jahrhundert.
Wir lagen vor Alabama und hatten Geschwätz an Bord. Zum Glück ist der US-Wahlkampf, die Mutter aller Medienkatastrophen, bald vorbei.
Hätten Sie’s gewusst? 2017 ist eine Primzahl. Das nächste Primzahljahr ist 2027.
Haben Sie schon einmal eine negative Kritik zu einem Bonetti-Text veröffentlicht? Dann wissen Sie, was der Ausdruck „intellektuelles Waterboarding“ wirklich bedeutet.
Durchsage im Verkehrsfunk: „Achtung auf der A 61. Ein selbstfahrendes Roboterauto ist mit einem Toten unterwegs. Ziel unbekannt. Während er mit seiner Frau über Skype telefonierte, erlag der Passagier einem Herzinfarkt.“
Medien konkurrieren mit realen Erlebnissen. Deswegen muss es auch jedes Jahr eine Steigerung der Show geben. Internationale Gipfeltreffen bieten im Politikbereich keine Show mehr, aber durchgeknallte Amateure wie Donald Trump oder Skandalnudeln wie Frauke Petry liefern leicht verdauliche Höhepunkte, ohne Substanz zu vermitteln oder beschwerliche Denkprozesse in Gang zu setzen.
Ich begreife das Unverständnis der Politiker nicht, wenn die Leute gegen Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP sind. Jeder Bürger wägt für sich persönlich ab, was ihm diese Verträge, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschlossen werden sollten, bringen werden. Nutzt es mir, wenn ich den kanadischen Ahornsirup zwanzig Cent billiger bekomme? Nö. Ich brauch den ganzen Scheiß aus Nordamerika gar nicht. Punkt. Nutzt es mir, wenn die Zölle abgeschafft werden und der Staat noch weniger Geld einnimmt, um Schulen, Krankenhäuser und Straßen zu finanzieren? Nö. Bin ich als Kunde König und als Wähler der Souverän? Na, also. Dann behandelt mich nicht wie einen Vollidioten.
Hätten Sie’s gewusst? Die VOG Ingelheim (Vereinigten Großmärkte für Obst und Gemüse Rheinhessen) ist der größte deutsche Anbieter für Mirabellen (2013: 1600 Tonnen, das ist ein sehr kleines Containerschiff voller köstlicher Mirabellen!).
Depeche Mode - Get The Balance Right. https://www.youtube.com/watch?v=XWK7QLvuI-I

Montag, 24. Oktober 2016

Tryptichon: Hopfen, Malz und Wasser




P.S.: Im Bamberger Bierkrieg ging es um die Preiserhöhung von einem Pfennig. https://de.wikipedia.org/wiki/Bierstreit

Das Kenotaph – Zur Ikonografie der autoreferenziellen Spätmoderne

Ist mal wieder zu hoch für Sie, oder? Lieber was Einfaches?

Blogstuff 84
„Da Mensch is guad, abr d’Leit san schlecht.“ (Zen-buddhistisches Paradoxon aus Bayern)
„Die Mitte“ als Obsession. Wo fühlt sich das Schaf in der Herde am sichersten und damit am wohlsten? Genau in der Mitte.
Ich kann mich an meine Führerscheinanfängerzeit (100 Scrabble-Punkte) erinnern, in der ich mit netten Leuten einfach durch die Gegend gefahren bin (damals Alfa Romeo-Pilot mit einem verhängnisvollen Hang zu Blondinen). Da ging es von Ingelheim mal eben nach Straßburg oder Köln. Das Auto war früher ein Erlebnisort, heute reden wir über die Entmündigung des Fahrers durch neue Technik.
Würstchen: Ich kaufe immer die „Strammen Jungs“ von Dörffler. Den Namen hat bestimmt eine Schwulette erfunden.
Hätten Sie’s gewusst? Erlangen ist die schlaueste Stadt Deutschlands mit einem Akademikeranteil von fast 32 Prozent an den „Beschäftigten“ (herrlich blödes Wort). Damit kommt die fränkische Stadt auf Platz 2 der zukunftsfähigsten Städte Deutschlands (laut „Wirtschaftswoche“), geschlagen nur von – Tusch! – Darmstadt. Wer hätte das gedacht? Schlusslicht im Ranking ist übrigens Gelsenkirchen.
Warum gibt es eigentlich keine Bananenmarmelade? Oder Birneneis?
Der neue heiße Scheiß: Die Sachs Pistols. Punk statt Porzellan aus Meißen!
Cocktailparty-Wissen: Das älteste Restaurant in Portland (Oregon) ist „Huber’s Cafe“, 1879 gegründet. Die Spezialität des Hauses ist Truthahn in allen Variationen mit Kartoffelbrei, Cranberry-Soße und Salbei.
Wenn man sich den US-Wahlkampf anschaut, könnte man vermuten, dass selbst die Debatten über ein Baseballspiel der Buffalo Beans gegen die Miami Muffins gehaltvoller sind.
Ich verstehe gar nicht, was da immer von „sozialer Mischung“ gefaselt wird, wenn man das Thema Gentrifizierung diskutiert. Man muss sich doch nur den Prenzlauer Berg anschauen: da gibt es Rechtsanwälte UND Zahnärzte, Menschen aus Baden UND aus Württemberg. Es ist doch eigentlich ein sozialer Fortschritt, wenn das Dienstpersonal nicht mehr in der Kammer oder im Hinterhaus wohnt, sondern eigene Stadtviertel wie Moabit oder Neukölln hat.
Du bist die Gerda in meinen Gerdanken.
Barack Obama bekommt einen Nobelpreis für Frieden, den es in seiner Regentschaft nie gab. Bob Dylan bekommt einen Nobelpreis für Literatur, obwohl er keine einzige Erzählung, kein Gedicht und keinen Roman geschrieben hat. Es wird höchste Zeit, dass wir einen Nobelpreis für Musik bekommen – und einen für politische Heuchelei, den man an amerikanische Präsidenten vergeben kann.
Sugar Hill, ein paar Häuserblocks nördlich der 145th Street in Harlem. Ghettoblaster auf der Schulter, groß wie Samsonite-Koffer. Hier hat Andy Bonetti Ende der Siebziger den Rap gelernt, der später seine Lieder über Äppelwoi prägen sollte.
Der echte Berliner hält die Anmache von Schnorrern, Zeitungsverkäufern, Religionsvertretern, Nutten und Tierschutzfaschos locker aus – den Zugezogenen erkennen Sie an den riesigen Ohrschützern, die dumpfe Rhythmen abstrahlen.
Früher war die Klassengesellschaft klar definiert: Die feinen Leute saßen im Zug in der ersten Klasse, die anderen Leute saßen in der zweiten Klasse. Heute ist das zum Glück anders: die feinen Leute sitzen in der ersten Klasse im Jumbojet, die anderen Leute rollen mit der Regionalbahn durch die Pampa.
Schleichwerbung im Atlas: die Fuji-Inseln.
Wie geil ist das denn !?! Kurzsichtigkeit ist ein Zeichen von Intelligenz:
http://www.gmx.net/magazine/gesundheit/kurzsichtigkeit-folge-intelligenz-31959610
Bill Haley & His Comets - Rock Around The Clock. https://www.youtube.com/watch?v=ZgdufzXvjqw&spfreload=5



Sonntag, 23. Oktober 2016

Fette Zahlen: Statistik zu Blogs

Der Ring ist doch süß, oder?

Aber jetzt zu den Daten:
Foodporn, made in USA:

P.S.: Warum erwähnt der sympathische Herr Buggisch von DATEV eigentlich in seiner Grafik nicht Bild-Online (laut IVW im September 2016 über 316 Millionen Visits) und SPON (200 Millionen)?

Drei, nein, fünf Gedanken über Geld

Palmström liest von reichen Leuten,
die das Geld, das sie erbeuten,
teils in Kellern fremder Schergen,
teils in eignen Schränken bergen.
Er ist fern von solchem Sinn;
was er hat, das legt er hin.
(Christian Morgenstern)

„Arbeite, als würdest du das Geld nicht brauchen. Liebe, als hätte dich nie jemand verletzt. Tanze, als würde niemand zusehen. Singe, als würde niemand zuhören. Lebe, als wäre der Himmel auf Erden.“ (Mark Twain)
„Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das Billigste ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.“ (Erich Fromm)
„Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.“ (Bob Dylan)
„Vom organisierten Geld regiert zu werden, ist genauso schlimm, wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden.“ (Franklin D. Roosevelt)


Seit Jahren quälen mich eitle Menschen mit den Fotografien ihrer Mahlzeiten, oft noch in der Bildfolge Teller vorher/Teller nachher. Seit 5 Uhr 45 ... na, Sie wissen schon.

Traumtherapie – Therapietraum

„Indem ich allein dahinmarschierte, fiel mir ein, dass ich im Grunde alle meine Wege so einsam gemacht habe, und nicht nur die Spaziergänge, sondern alle Schritte meines Lebens.“ (Hermann Hesse: Eine Fußreise im Herbst)
Ich mache diese Therapie nicht freiwillig. Ich habe sie geträumt und auch im Traum bin ich nicht freiwillig in dieses Therapiezentrum gegangen.
Ich spreche nicht gerne in der Gruppe. Genauer gesagt, ich habe Hemmungen, vor einer Gruppe Fremder zu sprechen. Aber hier machen alle genau das: sie sprechen. Ununterbrochen. Sie sprechen die ganze Zeit über sich selbst.
Sie sprechen darüber, dass die Welt sie nicht versteht. Sie sprechen darüber, dass sie die Welt nicht verstehen. Nicht mehr verstehen. Noch nie verstanden haben. Vermutlich auch nie verstehen werden. Ich verstehe das nicht.
Sie halten endlose Monologe. Sie haben kleine Sprechzettel dabei, die sie mitgebracht haben, um keine ihrer Sorgen zu vergessen. Sie haben eine Menge über sich selbst mitzuteilen.
Der kleine Dicke mit der Brille und der Halbglatze. Er möchte verstanden werden. Er hat niemandem, der ihm zuhört. In dieser Gruppe findet er endlich Zuhörer. Aber er ist ein Langweiler. Es gibt gute Gründe, warum ihm freiwillig niemand zuhört, denn er hat nichts zu erzählen.
Zwei Frauen mit kurzen Haaren im Schlabberlook vergangener Epochen freunden sich an. Endlich trifft man Menschen, denen es genauso geht, wie mir selbst. Die Euphorie des Anfangs. In jeder Sitzung sitzen sie nebeneinander, in den Pausen glucken sie zusammen.
Die Kursleiterin, eine Frau Ende dreißig mit wilden Locken und starken Zähnen, die beim Sprechen aufblitzen, führt mit jedem Teilnehmer zur Begrüßung ein kurzes Vier-Augen-Gespräch. Während ich warte, kann ich sie durch das große Fenster zum Flur beobachten.
Die beiden Freundinnen gehen nacheinander zum Einzelgespräch. Sie lästern über die andere Freundin, beschweren sich. Danach lächeln sie sich wieder an, als wäre nichts geschehen. Aber ich kann Lippen lesen. Schweigen und Lippen lesen.
Die Kursleiterin fragt mich, warum ich so kurz und lakonisch antworte. Warum ich mich nicht an den Diskussionen beteilige. Warum ich für meine Selbstbeschreibung keine schriftlichen Unterlagen mitbringe wie alle anderen auch. Ausgerechnet der Schriftsteller in der Gruppe habe nichts zu sagen.
Sie hat recht. Ich schreibe lieber, ich spreche nicht gerne. Während sich nach einigen Treffen eine feste Sitzordnung gebildet hat, sitze ich jedes Mal woanders. Ich bin froh, wenn das alles vorbei ist.
Wie kann ein Mensch so selbstbezogen sein? Wie schafft man es, permanent über sich selbst nachzudenken und zu sprechen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen vor hundert oder tausend Jahren so viel geredet haben. Was sind das für schreckliche Zeiten, in denen alle Leute, die man trifft, der Mittelpunkt des Universums sein wollen? Während sie mit ihren winzigen Ego-Schrammen und langweiligen Eigenheiten allen anderen auf die Nerven gehen?
Prinzessinnen auf der Erbse und dauerbeleidigte Leberwürste, denke ich. Das sollte ich ihnen sagen. Jetzt und in dieser Sitzung der Therapiegruppe sollte ich eine Brandrede gegen den Egozentrismus halten. Aber dann ist die Stunde schon wieder vorbei. Verdammt!
Claude Debussy - Prélude à l'après-midi d'un faune. https://www.youtube.com/watch?v=EvnRC7tSX50

Samstag, 22. Oktober 2016

Brauchen wir den Staat noch?

Gedankenspiel: Was wäre, wenn man den Bereich Sicherheit privatisieren und damit kommerzialisieren würde?
Ich müsste dann die Sheriffs privat bezahlen, die einen Einbruch in meine Wohnung aufklären. Nach der Anzahlung gibt es die volle Summe erst, wenn der Fall erfolgreich aufgeklärt wurde.
Was müsste ich bezahlen, um meinen nervigen Nachbarn lebenslänglich in einem Privatgefängnis verschwinden zu lassen? Hunderttausend Euro oder eine halbe Million? Der Gefängnisunternehmer hätte mit meinem Nachbarn eine billige Arbeitskraft gewonnen, so läuft es in den USA schließlich auch.
Im Kriegsfall legen die Bürger zusammen und bezahlen eine Söldnerarmee, die unsere Grenzen verteidigt - bis auf die armen Gegenden, die nichts zur Finanzierung der Armee beitragen.


Daumen der Woche


Und zum Nachtisch ein Stück Schokoladenkuchen

Sie müssen jetzt ganz stark sein. Das ist Angela Merkel als Tortenverzierung:

Oder doch lieber einen soliden Hamburger?

Unvergessen: Eike, Der Komödie zweiter Teil

„Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schlossberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor.“ (Franz Kafka: Das Schloss)
Am nächsten Tag herrscht ein fürchterliches Unwetter, als Eike die düsteren Mauern des alten Schlosses erreicht. Blitze zucken über den Himmel und erleuchten für Sekundenbruchteile die hohen fensterlosen Mauern und das Eingangstor.
Der Türklopfer ist ein eiserner Löwenkopf, in dessen Maul ein Ring hängt.
Eike klopft drei Mal und ruft mit seiner porzellandünnen Stimme jedes Mal „Herr Ungewitter!“
Ein winziges dürres Männlein mit einem bösen Grinsen, Buckel und spitzen Schuhen öffnet ihm.
Er schaut Eike von oben bis unten an, was nicht allzu weit ist, und fragt: „Sie wünschen?“
„Ich möchte zu Ludwig Ungewitter, der heute das Testament von Herrn Nuckelborger eröffnen soll.“
Eike wird durch eine düstere Halle geführt, die von Fackeln erleuchtet wird. Sie betreten einen langen Raum, in dem ein riesiger Tisch steht. An den Wänden stehen Ritterrüstungen und im Hintergrund flackert ein Feuer im Kamin, der die Größe eines Kleinbusses hat.
Es sind einige Menschen an diesem Tisch versammelt. Eike setzt sich dazu.
„Da wir nun vollständig sind“, beginnt Ungewitter mit feierlicher Stimme, „möchte ich nun das Testament des Verstorbenen vollstrecken.“
„Esmeralda Dünnbier.“ Er wendet sich an eine steinalte Dame, die ihn durch ein Lorgnon neugierig anstarrt. „Als Tante von Herrn Nuckelborger und einzige Blutsverwandte erben Sie dieses Schloss.“
Die alte Dame kichert vergnügt.
„Niki der Korse.“ Er sieht zu dem riesigen Kerl mit der schwarzen Lederjacke hinüber. „Herr Nuckelborger musste fünf Jahre auf der Gefängnisinsel Gorgona im Toskanischen Archipel absitzen. Dies war sein Zellengenosse.“
Der Mann hat auf den Fingern seiner rechten Hand vier Buchstaben als Tattoo: DUMM. Auf den Fingern der linken Hand steht: FAUL. Außerdem glänzt er mit einer Vollglatze und hat Augenringe wie ein Waschbär.
„Sie bekommen den Lamborghini Miura des Verstorbenen.“
Niki schlägt mit der Faust auf den Tisch. „YES!“
„Sonja Vormelker“, fährt Ungewitter fort. „Sie waren die Lebensgefährtin des Verstorbenen und erben sein – allerdings nicht sonderlich umfangreiches – Vermögen.“
Frau Vormelker springt auf und macht einen Salto, bevor sie sich wieder hinsetzt. Und das alles in einem engen schwarzen Cocktailkleid, mit einer Federboa und einer Zigarettenspitze im Mund.
„Kommen wir nun zu Ihnen, Eike Eierbecher.“
Eike ist schon ganz aufgeregt. Was wird es sein? Eine Yacht? Eine Gemäldesammlung? Die Denver Broncos?
„Sie haben Herrn Nuckelborger anlässlich eines Frühstücks in Antibes kennengelernt. Ihnen vermacht der Verblichene sein Teeservice.“
***
Eike ist mit dem Teeservice unterwegs. Es sind sechs freundliche geblümte Tassen, hauchzart und sehr zerbrechlich. Dazu sechs Untertassen und eine bauchige alte Kanne, die voller Humor und Lebenserfahrung ist.
Als sie im Tal ankommen, lädt Eike sie zu einem Picknick im Wald ein.
Sie sitzen auf einer karierten Decke und genießen den Sonnenschein.
„Liebe Freunde“, sagt Eike. „Ihr habt ein karges Leben voller Pflichten hinter den dicken, verzauberten Mauern dieses finsteren Schlosses hinter Euch. Aber am heutigen Tag möchte ich Euch die Freiheit schenken. Geht, wohin Ihr wollt. Ich kehre zurück nach Deutschland.“
Und was soll ich Ihnen sagen? Das Teeservice ist bis zum heutigen Tag bei Eike geblieben, und sie haben ein Bistro in Wuppertal eröffnet. Ist das Leben nicht schön?
P.S.: Besuchen Sie Gorgona! http://www.spiegel.de/reise/europa/gefaengnisinsel-gorgona-in-toskana-ausflug-zum-alcatraz-italiens-a-998187.html
S.O.S. Band - Just Be Good To Me. https://www.youtube.com/watch?v=khj9jyNvhpQ

Christian Morgenstern: Lass die Moleküle rasen
Lass die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
Lass das Tüfteln, lass das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen!

Freitag, 21. Oktober 2016

Der Raum als Element der Ordnung

Die perfekte kapitalistische Organisation des Raumes sehen Sie dort, wo der Raum am kostbarsten ist: im U-Boot, im Panzer, im Jagdbomber. Das Militär ist der Nihilismus menschlicher Bewegungsfreiheit. Ob im Wasser, zu Lande oder in der Luft: der Raum wird quasi zur Haut, da alles andere Geldverschwendung wäre.

Zukunft und Vergangenheit der Raumfahrt

2019 ist der fünfzigste Jahrestag der Mondlandung. Weiter ist der Mensch nie wieder gekommen. Heute eiern wir mit einem Wohnmobil im erdnahen Orbit herum. Das ist alles.

Artist in Resistance gesucht

Bonetti Media Unlimited sucht einen Autoren oder eine Autorin, der ab dem 1. Januar 2017 im Zimmer über Andy Bonettis Garage leben und schreiben darf. Ein Jahr lang berichten Sie knallhart und direkt aus Bad Nauheim. Bevorzugte Themen: Fashion, Lifestyle, Andy Bonetti, Fußballbundesliga, Bahnhofsbuchhandlungsliteratur, Essen, Trinken. Ihr Entgelt bemisst sich an Ihrer Bereitschaft, in Haus und Garten von Mister Bonetti tatkräftig mitzuwirken.


Essen ist der Sex des Alters – Neue Serie

„Wenn du ewig leben willst, musst du Wein trinken und Nudeln essen.“ (Sizilianisches Sprichwort)
Der Winter naht und es kommt die Zeit kräftigender und gehaltvoller Mahlzeiten, die Leib und Seele zusammenhalten. In den nächsten Tagen wird Colonel Clickbait von Bonetti Media Ihnen einige appetitanregende Bilder präsentieren.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem schönen fetten Burger?

Oder ein herrlicher Fleischspieß?

Eine Pizza mit Garnelen?

Colonel Clickbait wünscht Ihnen guten Appetit.

Habe ich Ihnen schon gesagt, dass Sie eine gute Figur haben? Also keine Angst ... der Winter kommt.

Unvergessen: Eike

„Es gibt keine aufrichtigere Liebe als die zum Essen.“ (George Bernhard Shaw)
Es ist ein sonniger Morgen im August. Im Hafen lassen sich die schneeweißen Yachten von den Wellen schaukeln wie schlafende Kinder.
„Zweimal Eggs Benedict für die Amerikaner an Tisch zwölf“, ruft die Kellnerin in die Küche.
„Viermal Spiegeleier mit Bacon und Toast für die Engländer an Tisch sieben.“
Es ist um diese Zeit schon einiges los auf der Terrasse an der Strandpromenade.
„Noch zwei grüne Tees für die Chinesen an Tisch acht und ein Kännchen Kaffee für den Deutschen in der Ecke.“
Das „Ristorante Portauovo“ in Sanremo ist berühmt für sein Frühstück und den Blick auf den Hafen. In der Küche arbeiten fünf Menschen stumm und konzentriert. Obst wird filetiert, Pfannen werden geschwenkt und drei Bezzera-Eagle-Dome-Kaffeautomaten laufen gleichzeitig.
Nur einer hat nichts zu tun: Eike. Niemand scheint an diesem Morgen einen Eierbecher zu brauchen. Manche verzichten aus Angst vor Cholesterin ganz auf Eier, andere bestellen Rühreier, Spiegeleier, pochierte Eier. Nur kein weichgekochtes Ei, das in einem Eierbecher mit einem kleinen Löffel und Salz serviert wird.
Meine Karriere geht den Bach runter, denkt sich Eike. So kann es doch nicht weitergehen.
Dann klopft es an die Küchentür.
Pablo, der Küchenjunge, öffnet die Tür. Der Lieferant für den Fisch kommt heute aber früh. Aber es ist nicht der Fischhändler.
Es ist ein Hüne in einem schwarzen Umhang, sein Kopf ist mit einer Kapuze bedeckt, so dass sein Gesicht kaum zu erkennen ist. Der Imperator aus Star Wars ist nix dagegen.
„Ich habe eine Nachricht für Eike, den kleinen Eierbecher“.
Die tiefe Stimme scheint aus einem Grab zu kommen.
***
Am Abend des gleichen Tages kommt Eike in Marmora an, einem winzigen Bergdorf in den italienischen Alpen. Nur 68 Menschen leben hier, aber an diesem Ort ist auch die Biblioteca del Monastero benedettino, die höchstgelegene Bibliothek Europas.
Die Bibliothekarin nimmt das Pergament entgegen, das Eike von dem geheimnisvollen Boten bekommen hat. Schweigend erhebt sie sich und verschwindet zwischen den endlosen Regalreihen.
Sie kommt mit einer Landkarte wieder, auf der ein schwarzes Kreuz eingezeichnet ist. Der Zielort. Hier würde Eike alles über seine Erbschaft erfahren.
Der sympathische kleine Eierbecher weiß weder etwas über das Schloss „Sapore di Sale“ in einem abgelegenen Seitental, noch über den verstorbenen Besitzer, Lord Santiago Nuckelborger, der ihn überraschend in seinem Testament bedacht hat.

Fortsetzung folgt.
Frank Sinatra - I Love You Baby. https://www.youtube.com/watch?v=IvPWyv4Jd_8

Christian Morgenstern: Korf erfindet eine Art von Witzen
Korf erfindet eine Art von Witzen,
die erst viele Stunden später wirken.
Jeder hört sie an mit Langerweile.

Doch als hätt ein Zunder still geglommen,
wird man nachts im Bette plötzlich munter,
selig lächelnd wie ein satter Säugling.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Bad hombres und Reichsbürger

Reichsbürger zahlen also keine Steuern, melden ihr Gewerbe ab, hängen zu Hause rum und erkennen den Staat nicht an. Hey! Das war in meiner Jugend das Privileg der Anarchisten. Seit wann nehmen Rechtsradikale Menschen wie mir den Lebensstil weg? Das bringt mich in üble Gesellschaft, wenn ich von meinem Alltag berichte.
#badhombres

Blogstuff 83 – Das Ende der Schönheit

„Wer hier nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen.“ (CDU-Generalsekretär Peter Tauber)
Unser Körper als Metapher: Alles, was hinein geht, kommt als Scheiße wieder raus. Im Internet ist es genauso.
Andy Bonetti arbeitet derzeit an seinem ultimativen Überblick zum Thema „Zeitgenössische Musik“. Der Titel ist geradezu überirdisch treffend: „Der Fahrstuhl kommt gleich“.
Vorbild Krokodil: „Wochen oder Monate ohne Nahrung für Krokodile kein Problem. Leisten- und Nilkrokodile können sogar bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben. In dieser Zeit zehren die Tiere von den Fettreserven in ihrem Schwanz.“
http://www.wasistwas.de/archiv-natur-tiere-details/wie-lange-koennen-krokodile-ohne-nahrung-auskommen.html
Hätten Sie’s gewusst? „Pflaumenkuchen Hawaii“ wird mit Ananas gemacht.
Astrologie ist Aberglaube. Jeder vernünftige Mensch weiß, dass man die Zukunft nur aus den Eingeweiden eines frisch geschlachteten Veganers lesen kann.
Ich wollte schon immer mal wissen, wie Veganer schmecken. Vermutlich nach Hühnchen.
Werbung: „Die Lustschreie der Maulesel – deutsche Talkshows in der Analyse“. Das neue Sach- und Lachbuch von Lupo Laminetti. Jetzt im Handel. Nur für kurze Zeit.
Tagebuch, 25.11.207: Gestern Nachmittag bin ich aus Prag zurückgekommen und heute habe ich schon "Heimweh" - ich könnte glatt morgen früh wieder in den Zug steigen. Ich sage nur "Kozel", das helle im schwarzen Ochsen auf dem Hradschin, das dunkle im U Bubenice auf der Myslikova. Glückliche Stunden beim Glas, habe in diesen Tagen fast ein kleines Oktavheft gefüllt. (…) Dazu Novemberwetter, nicht einmal war die Sonne zu sehen, aber auch kein Regen. Das Hotelzimmer entpuppt sich als große Zweiraumwohnung mit Einbauküche, dafür lässt sich auch kein Zimmermädchen blicken. Das Schlafzimmer sieht am Ende aus wie in einer Bukowski-Erzählung, eine Flaschenlandschaft ...
Warum wählen manche Leute immer noch die Grünen? Weil die anderen Parteien in ihren Augen noch beschissener sind. Es ist wie in einer miesen Kantine, wo ich von drei angebotenen Gerichten kotzen muss. Also nehme ich Gericht Nummer 4, davon wird mir nur schlecht.
Postfaktisches Zitat der Woche: „When they get low, we get high.” (Michelle Obama)
Tagebuch, 15.12.10: Freiheit erhält sich nur jenseits der Büros, jenseits der Zeitpläne, jenseits der Ordnung. Aber der Preis der Freiheit ist hoch. So wie jeder verdammte Spatz im Winter an den Punkt kommt, wo er die Käfigvögel hinter den goldgelben Fensterscheiben beneidet, so zweifelt auch der … wie nennen wir ihn? Einzelgänger, Lebenskünstler, Versager, Exzentriker, meinetwegen auch Spieler in Momenten der Kälte, der Armut oder der Einsamkeit. Aber er ist ohne die Distanz zu diesem Herdenleben nicht lebensfähig, dann endet mit der Freiheit auch die Fähigkeit, sich selbst zu definieren. Es bleibt ein Blick durch die Scheiben, mal zornig, mal sehnsüchtig.
Tagebuch, ca. November 2011: SIGNS
Es gibt Kneipen, in denen irgendwelche Sprüche an der Wand hängen, meistens in Tresennähe. Es sind geheime Zeichen, die uns vor manchen Kneipen warnen sollen. Zum Beispiel: Freibier nur für Hundertjährige in Begleitung ihrer Eltern. Oder: Wir sind hier bei der Arbeit und nicht auf der Flucht. Wenn du das liest, lauf schnell, lauf weit, lauf jetzt! Sonst hockst du für alle Ewigkeit an einem klebrigen Tresen, wartest auf dein 17-Minuten-Bier, das dir eine Lockenwicklertussi zapft, während keine Musik läuft und noch drei andere Kerle schweigend in der Gegend hocken.

Wirtshaus Bronn – Saturday Night Fever.
Arcade Fire - Rebellion (Lies). https://www.youtube.com/watch?v=MQvZ4N1RfS8

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Werbung des Monats: Junge Union

Werden uns also 2017 Sozialisten von der Merkel-Diktatur und damit auch von der Merkel-Jugend befreien?

Eilmeldung

„Eine Welt, in der ein Prozent der Menschen genauso viel besitzen wie die übrigen 99 Prozent, wird nie eine sichere Welt sein.“ (Barack Obama)
In den frühen Morgenstunden wurde ein Gebäude in Hanau von einer Kampfdrohne der US-Streitkräfte getroffen. In dem Mehrfamilienhaus waren Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan untergebracht. Nach Auskunft der zuständigen Polizeibehörde kamen bei dem Angriff siebzehn Menschen ums Leben.
Der Bericht unseres Reporters vor Ort, Thomas Hundt:
„Ich befinde mich hier am Eingang der Straße, in der die Flüchtlingsunterkunft ist. Sie ist vollständig abgesperrt, nur Feuerwehr und Krankenwagen dürfen an den Unglücksort. Der Pressesprecher der Polizei in Hanau teilte mit, das zwei Nachbargebäude Feuer gefangen hätten. Alle Bewohner der Straße sind evakuiert und wurden an einen unbekannten Ort gebracht, wo sie medizinisch und psychologisch betreut werden. Es sind noch nicht alle Opfer aus den Trümmern geborgen worden. Im Gebäude, das von einer amerikanischen Drohne getroffen wurde, waren aber siebzehn Flüchtlinge gemeldet, darunter vier Kinder. Der Grund für den Angriff der US-Streitkräfte ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.“
Presseerklärung der US-Botschaft in Berlin:
„Heute haben die US-Streitkräfte einen terroristischen Anschlag auf einen Militärstützpunkt der amerikanischen Luftwaffe in Wiesbaden verhindert. Unsere Nachrichtendienste haben die Terrorzelle in Hanau ausfindig gemacht und vollständig zerstört. Das deutsche Innenministerium wurde über den Vorgang unmittelbar nach Abschluss der Aktion informiert.“
Am Nachmittag wird der amerikanische Botschafter im Bundeskanzleramt erwartet. Dann werden wir mehr zu den Details des Angriffs auf die Terroristen erfahren. Der Sprecher der Bundesregierung äußerte in der Bundespressekonferenz bereits Verständnis für die Aktion der Amerikaner. Es habe eine unmittelbare Gefährdung bestanden, da der Terroranschlag am gleichen Tag stattfinden sollte. Daher musste die Terrorzelle auch sofort ausgeschaltet werden. Die Drohne sei von Ramstein aus gesteuert worden.
Der Bundesinnenminister beglückwünschte in einem Interview die Amerikaner für ihren erfolgreichen Schlag gegen den Terrorismus, mit dem zahlreiche Menschenleben gerettet wurden. Er forderte zugleich eine Ausweitung der Überwachung der Flüchtlinge, vor allem der Muslime, und eine Verschärfung der Gesetze.
Der Bundesaußenminister traf seinen amerikanischen Kollegen am Rande einer NATO-Tagung in Brüssel und gab anschließend zu Protokoll, dass man in diesen schwierigen Zeiten an der Seite des NATO-Partners USA stünde und kündigte an, die Zusammenarbeit der beiden Staaten im Kampf gegen den Terrorismus zu vertiefen. Im Gespräch sei eine gemeinsame Task Force der US-Militärpolizei in Deutschland und der Bundespolizei.
Bundeskanzlerin Merkel kündigte für den Abend eine Presseerklärung an. Sie habe bereits mit dem amerikanischen Präsidenten telefoniert und ihm einen Lagebericht von der Unfallstelle gegeben.
Beth Hart – Leave the light on. https://www.youtube.com/watch?v=6Nyq5Dnq6dY

Dienstag, 18. Oktober 2016

Die Welt bringt mich zum Lachen

Ich delektiere mich abwechselnd an Mövenpicks „Eiscreation des Jahres – Weiße Vanille und Maracuja“ und einem fruchtigen Müller-Thurgau aus Bingen. Dazu lese ich einen großartigen Artikel der SZ-Online-Ausgabe.
Der Ami ist gar nicht böse. In Wirklichkeit ist er in dieselbe Waldorf-Seitenbacher-Tofu-Falle getappt wie wir. Gut, nebenher werden noch Penner und Neger erschossen, weil es halt zur Tradition gehört. Aber der Ami hat das Totenglöckchen der Macho-Kultur eben auch läuten hören. Da machst du nix.
Zuerst ein befreiendes Lachen. Dann Staunen. „Seit 2003 dürfen in den USA nicht nur Blindenhunde mit in die Flugzeugkabine, sondern auch ‚Emotional Support Animals‘. Sie sollen psychisch instabilen Menschen Trost und Beistand beim Flug liefern.“
Und weil das kostenlos ist, tummeln sich jetzt Affen, Schweine und Minipferde in der Flugkabine. Truthähne bekommen spezielle Windeln für den Flug. Natürlich. Wenn ich mich nicht an meinen Papuawaran oder meine Königskobra kuscheln kann, muss ich ja mit dem Zug fahren.
Ich fordere die gleichen Rechte in Deutschland! Ich möchte mit meinen beiden Tigern Siegfried und Roy auch gerne mal in eine Lufthansa-Maschine. Ohne meinen drogenabhängigen Dodo komme ich niemals von „Frankfurt“-Hahn nach Mailand.
http://www.sueddeutsche.de/reise/emotional-support-animals-flauschige-flugbegleiter-1.3209390

Ein ganz heißes Eisen

Wie viele Menschen sind in Deutschland eigentlich transsexuell? Ist es angesichts der Fallzahlen nicht eine ähnliche Gespensterdebatte wie um die Burka?
Faktencheck: Es gibt diverse Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die Häufigkeit variiert von 0,001 Prozent der Bevölkerung bis 0,25 Prozent. Als verlässlich gilt die Schätzung der Amsterdamer Gender Clinic, die Daten über mehr als vier Jahrzehnte gesammelt hat. Danach sind es 0,005 Prozent der Bevölkerung. Ein Mann von 10.000 Männern, eine Frau von 30.000 Frauen. Das wären in Deutschland etwa 5.500 Menschen, wenn man die komplette Bevölkerung berücksichtigt.
Zur Burka gibt es keine verlässlichen Zahlen, vielleicht sind es hundert Frauen, vielleicht auch mehr. Es lässt sich in Prozentzahlen nicht mehr vernünftig ausdrücken, selbst wenn man andere Formen der Verschleierung addiert.
Wichtig ist, dass wir immer neue Themen zur Diskussion stellen. Über die Diskriminierung rollstuhlfahrender Hindus in McDonald’s-Filialen ohne Barrierefreiheit wird meines Erachtens nicht ausreichend und mit dem nötigen sittlichen Ernst debattiert. Die Medien schweigen das Thema bewusst tot. Typisch.
Aber wenn es um biodeutsche und blütenweiße Hetero-Einzelhandelskaufleute bei Tengelmann geht, da flennen sie alle wieder um die Wette.
Nächste Woche findet übrigens mein veganer Transgender-Antifa-Workshop zum Thema Heteronormativität statt. Anmeldungen bitte an: Rudi Weißmann, Fleischhauergasse 18, 1933 Braunau.

You’re the cat in catholicism

Ich möchte es mal ganz deutlich formulieren: Katholiken sind Warmduscher. Und die schlimmsten Sorte sind die schwäbischen Katholiken. Das beste Beispiel für meine These sind die Maultaschen. Da packt man also Fleisch in eine Teighülle, weil man glaubt, Gott sieht es nicht. So kann man dann auch am Freitag Fleisch essen. Glaubt ihr wirklich, Gott sieht es nicht, wie Ihr die Maultaschen macht? Wie Ihr das Fleisch versteckt? Gott sieht alles außer Dallas, haben wir früher immer gesagt.
Oder die Nummer mit den Fischen. Fisch ist also kein Fleisch. Noch so eine katholische Lebenslüge, damit man sich auch am Freitag ein totes Tier auf den Teller packen kann. In den lodernden Flammen der Hölle werdet Ihr brennen, wenn Ihr am Freitag Fleisch esst. Und dazu gehört auch Fisch. In den lodernden Flammen der Hölle!
Aber der feine Herr Katholik darf ja bekanntlich jede Scheiße bauen, die er will. Dann geht er einfach zu irgendeinem Gesinnungsgenossen in die Beichte, betet fünf Vaterunser und alles ist vergeben. Bei uns wird nichts vergeben! Protestantismus ist was für die ganz harten Jungs. Wir Protestanten sind die Navy Seals unter den Christen. Diese ganze lauwarme Vergebung, die Seniorenteller, Tempo 30 in der Spielstraße. Wo kommen wir denn da hin?
An Weihnachten feiert Ihr dann auf Kindergartenniveau mit einem albern geschmückten Baum und Geschenken die Geburt Jesu. Das ich nicht lache! Warum die Geburt? Als Baby hat der Mann doch noch gar nichts geleistet. Für uns ist der Karfreitag der höchste Feiertag, da feiern wir den Tod. Das ist eine ernste Angelegenheit, da wird nicht gelacht, gesungen, sich vollgefressen und irgendein Tinnef von Onkel Kurt aus Magdeburg ausgepackt.
Außerdem wird in unseren Kirchen DEUTSCH gesprochen, bei euch war der Gottesdienst ja bis neulich noch auf Latein. Kommen wir zum letzten Punkt: die Transsubstantiation. Nur weil Ihr Eure Aldi-Plörre in Eure kitschigen Barocktempel schleppt, wird daraus noch kein Blut Christi. Und eine Oblate schmeckt immer nach feuchtem Bierdeckel, das ist kein Fleisch. Elende Blutsäufer. Im Fegefeuer wird Gott Euch schmoren lassen für Eure Karikatur des Glaubens. Mindestens drei Wochen!
Ich könnte noch einiges erzählen, beispielsweise zum katholischen Terrorismus in Nordirland oder zu Eurem Umgang mit kleinen Jungs, zu angeblichen „Haushälterinnen“ in den Pfarreien und Eurem Milliardenvermögen, das Ihr nicht mit den Armen teilen wollt. Dafür werdet Ihr alle in der Hölle brennen. In den lodernden Flammen der Hölle! Man müsste die Bergpredigt in Euch hineinprügeln. Hineinprügeln müsste man das Wort unseres Herrn Jesus Christus in Eure Dickschädel.
Und ausgerechnet Ihr erdreistet Euch, einen „Stellvertreter Gottes“ zu ernennen und ihn in Frauenkleidern auf einen römischen Thron zu setzen. Fall es für Euch Katholiken überhaupt einen allerletzten Funken Hoffnung auf die Gnade des Allmächtigen gibt, dann ist es die Tatsache, dass Gott in seinen unerforschlichen Ratschlüssen sehr viel barmherziger ist, als ich es je sein werde.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Diese Rede zum Tag der Ökumene wurde leider abgelehnt)
Art Brut - Alcoholics Unanimous. https://www.youtube.com/watch?v=OaHV4ysxjIU
Chewbacca kurz nach der Geburt.

Montag, 17. Oktober 2016

Neues aus der Welt der Landwirbeltiere

“Indeed, it is probable that the mammals may have survived and succeeded to hegemony of the earth not in spite of but by reason of their very weakness and obscurity, their smallness in a world dominated by giants, their nakedness in a world of armor plate -- in particular, by their fear and sensitivity and awareness in a world of unperceiving, insensate, brainless brutes.” (Lincoln Barnett: The World We Live In)


Blogstuff 82
Warum gilt ein Mann als homosexuell, wenn er das Wort „zauberhaft“ benutzt?
Wir alle kennen die Football-Legende Bubba Smith (Super Bowl 1970, Baby!) alias „Hightower“ aus den „Police Academy“-Filmen. Er starb 2011 an einer Überdosis Diätpillen. Lasst Euch das eine Lehre sein!
Wir lassen unseren Content übrigens inzwischen in Malawi produzieren, weil uns Bangladesh zu teuer geworden ist. In Afrika bekommen wir die Pointe für zehn Cent, in Asien müssen wir fünfzehn Cent bezahlen. Minderjährige Spaßvögel von alleinerziehenden Müttern, die am Hungertuch nagen, sind die Quelle unseres Reichtums.
Hätten Sie’s gewusst? In einem Dorf in der Nähe von Schweppenhausen war früher eine amerikanische Raketenabschussbasis, die Delta Battery in Dichtelbach. Verballhornt zu Wichtelbach hat die Ortschaft ihren Platz im Bonetti-Universum gefunden. http://lost-place.jimdo.com/lost-place/delta-battery-55494-dichtelbach/

Es heißt, wer von den AfD-Funktionären nicht radikal genug ist, muss zur Strafe „Anatevka“ sehen.
Es gibt keinen Hunger, es gibt nur einen Mangel an Zahlungsmitteln. Es gibt keine Erschöpfung, es gibt nur einen Mangel an Energy Drinks. Wir brauchen neue Probleme, weil die Lösungen der Treibstoff unserer Wirtschaft sind. Und diese Wirtschaft braucht gute Zahlen, die das große Tier beruhigen. Wir haben keine Flüchtlinge, wir haben zusätzliche Verbraucher, die durch ihre bloße Anwesenheit das Bruttosozialprodukt stimulieren. Die Welt ergibt nur einen Sinn, wenn man alles durch diese Brille betrachtet.
Neuer Trend aus den USA: Coulrophobie = krankhafte Angst vor Clowns.
Lord Zwetschge von Daimler spricht auf einem Grünen-Parteitag. Wahnfried Krätzmann hat dafür den Fachausdruck „New Open Assness“ geprägt. Thema: Ab 2030 fahren wir alle ein Elektro-Auto, das natürlich letztlich mit Braunkohle befeuert wird. Fortschritt 4.0.
Hätten Sie’s gewusst? Jenseits von 130 Kilo geht die Zahl Ihrer Dates (vor allem Ihrer zweiten Dates) dramatisch zurück. Ban Lookism NOW !!!
Das war von 2009 bis 2013 mein Abstieg: „Legal Highs“ per Internet. Inklusive Klinikaufenthalt, Psychose und einem langen Weg zurück ins Leben. Schön, dass mein Dealer von damals genauso abgekackt ist: http://www.zeit.de/2016/40/legal-highs-drogenhandel-chemie-student/komplettansicht
Für Homöopathen und Yogalehrer empfehle ich alles, was knapp unter Euthanasie liegt. Bin ich zu hart?
Haben Sie es bemerkt? Seit dem Relaunch des Blogs nach den Prinzipien des Feng Shui vor zwei Monaten ist der Energiefluss im Kommentarbereich nicht mehr blockiert.
Frank-Walter Steinmeier, der Außendienstmitarbeiter ihrer Majestät. 000.
Hier im Hunsrück ist mehr los, als Sie denken. Neulich habe ich einen Betrunkenen gesehen, der auf allen Vieren sein Glasauge unter dem Wirthaustisch gesucht hat.
So definiert man „Frühschoppen“ im österreichischen Restaurant Grünauer in Kansas City: „Frühschoppen doesn’t really have an exact translation but refers to an Austrian Sunday gathering where the main focus is a dish called ‘Stelze’. Stelze is a pork shank, slow roasted with the skin crisped on the outside. It is a dish meant to be shared, and eaten with beer. Our version of Stelze is a 3lb shank from a farm just north of Kansas City in St. Joseph.” Das Schnitzel à la Grünauer wird übrigens mit Rahmspinat gefüllt und mit Kartoffelbrei serviert. Unter „Viennese Classics” findet sich auch die „Kalbsleber Berliner Art“.
Was unterscheidet die Demokratie vom Fußball? Das Gespräch und der Austausch von Argumenten sind für Fußballfans unterschiedlicher Mannschaften vollkommen sinnlos, aber für Demokraten sind sie die Essenz ihrer Tätigkeit. Wenn Politik auf dem Niveau von Sportfan-Gebrüll angekommen ist, kann man es auch genauso gut sein lassen. Und wenn man aus sicherer Entfernung zum Gegner Rituale praktiziert, ist man in die gleiche Sackgasse geraten.
Depeche Mode - Waiting For The Night. https://www.youtube.com/watch?v=RyLmV1yQJFg

Sonntag, 16. Oktober 2016

Guter Jorunalsmus muss sich wieder lohnen

Bonetti Media hat fünf Herausgeber. Sie haben eine eigene Tiefgarage mit separater Einfahrt, von der man in einem Privataufzug in den 34. Stock des Verlagsgebäudes kommt, ohne vom Anblick der einfachen Angestellten belästigt zu werden.
Beeindruckend sind die Toilettenanlagen, eine Wellnessoase mit eigenem Symphonieorchester und Gemäldegalerie. Aus dem Wasserhahn kommt wahlweise Perrier oder Champagner.
Hier wird niemand krank. Neulich hat sich eine Sekretärin mal an einem Schamhaar verschluckt, das war aber schon alles.
Die Themenabsprache erfolgt direkt mit der Abteilung Agitprop des Bundeskanzleramts (Politik), dem BDI (Wirtschaft), Uli Hoeneß (Sport) und RTL (Kultur).
Dann werden die Parameter für die Texte (Länge, Inhalt, Meinung) an die Redaktionen weitergegeben. Bildmaterial liefern das Internet, Praktikanten oder Bonetti-Leser-Reporter.
Renditeziel: 25 Prozent.

Safety first - der Grundsatz unserer Firmenpolitik.

Harvey Wallbanger

„Sie sind total übermüdet und können trotzdem nicht einschlafen? Sie sind im Stress und fühlen sich ausgebrannt? Sie machen sich ständig Sorgen und finden keinen Ausweg? Dann sage ich Ihnen nur eins: Gehen Sie anderen Leuten mit ihren Problemen nicht auf den Sack!!!“ (Heinz Pralinski: Was ich dir noch sagen wollte)
Jeder von uns kennt ihn. Aber er hat stets einen anderen Namen. Nennen wir ihn heute mal Harvey Wallbanger.
Er ist Hartz IV-Empfänger und lebt in einem runtergerockten Ein-Zimmer-Appartement in Mainz-Mombach. Am Tag raucht er ein Päckchen Zigaretten, trinkt zwei Liter Wein und natürlich kifft er auch.
Harvey ist bekennender Linker – aber nicht so ein lauwarmer Linker wie die Leute, die man in den Talkshows sieht. Die Welt ist voller Ausbeuterschweine und Kriegstreiber. Die Welt geht gerade unter und keiner macht etwas dagegen. Die Leute scheinen es noch nicht mal zu merken.
Aber unser Freund Harvey hat einen Blog und kotzt jeden Tag seinen Hass und seinen Zynismus kübelweise in diese Welt hinaus, die ohnehin dem Untergang geweiht ist. Es hilft nur die Weltrevolution und die wird nicht kommen, weil das System uns alle im Griff hat und das Leben einfach Scheiße ist.
Geld und Konsum, das ist alles, was die Leute in der Birne haben, denkt er, wenn er im Aldi an der Kasse steht. Der Liter Wein kostet 1,79 und damit vergoldet sich doch wieder so eine Bonzensau die Rosette. Und dieser Drecksstaat zockt mich bei der Tabaksteuer ab und finanziert damit den nächsten Angriffskrieg des Yankee-Imperialismus.
An allen vier Ecken müsste man die Welt anzünden, sagt Harvey, wenn er seine Kontoauszüge sieht. Ich habe noch nicht mal genug Geld, um mir ein Brot kaufen zu können. Noch nicht mal Butter habe ich, schluchzt er am Monatsende, wenn die Kohle mal wieder komplett für Suff, Kippen und Dope draufgegangen ist.
Neulich war der Gerichtsvollzieher da, aber er hat in der Bruchbude nichts gefunden, was man pfänden könnte. Drei Monatsmieten ist er im Rückstand und dieser seidenschlipstragende Miethai mit seinem BMW wird ihm wieder einen Brief schreiben, den er ungelesen in den Müll schmeißt. Genau wie die Stasi-Spitzel von der GEZ. Zahlt er nicht. Dann kommen die Mahnungen und irgendwann zahlt er die Scheiße inklusive Mahngebühren doch, obwohl im Fernsehen nur Schwachsinn und Propagandalügen kommen.
Dann ist noch weniger Geld da und der Hass auf die ganze Welt wird noch größer. Weltuntergang, Weltkrieg, Katastrophen, Seuchen, Gewaltphantasien. Aber die Welt geht nicht unter. Harvey geht unter. Seine Freundin hat ihn vor Jahren verlassen. Sein Kind sieht er alle zwei Wochen und er schämt sich, weil er seinem Kind nichts kaufen kann. Verdammte Ausbeuterschweine und Kriegstreiber!
Er hat Sozialklimbim studiert, wie die Immobilienmakler und Investmentbanker es verächtlich nennen, und ist seit zehn Jahren arbeitslos. Harvey hat keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, weil das System gegen ihn ist. Aber wenn ich ehrlich bin: Niemand möchte mit einem Arschloch wie Harvey zusammen arbeiten, ich auch nicht.
Ich habe ihm neulich einen gutgemeinten Rat gegeben. Harvey, habe ich gesagt, fahr zu OBI. Kauf dir einen soliden Strick, geh in den Wald und häng dich einfach auf. Dann hast du das Elend doch wenigstens hinter dir. Aber er hat nur sein bitteres, freudloses Lachen gelacht und geantwortet: Du bist genau wie alle anderen.
Elton John – Rocketman. https://www.youtube.com/watch?v=-LX7WrHCaUA

Samstag, 15. Oktober 2016

Aleppo und so

Im syrischen Bürgerkrieg gibt es nach Auskunft der staatstragenden Medien und Politikern wie Özdemir von den transatlantischen Grünen nur eine Möglichkeit: das Ende der Aktivität der syrischen Regierung. Aber dieser Bürgerkrieg ist nicht alternativlos. Die Bombardierung der belagerten Rebellen (oder, je nach Herkunft: Terroristen – kommt immer auf die Trademark der Kämpfer an) könnte ja auch ein anderes Ende finden. Warum geben die Rebellen nicht auf? Ihre Stadt ist umzingelt und sie nehmen die Zivilbevölkerung als Geisel. Sie könnten einfach aufgeben, einen Abzug verhandeln und die ganzen Frauen und Kinder in Aleppo wären in Sicherheit. Aber diese Möglichkeit wird bei uns ja noch nicht einmal diskutiert. Wir machen da ein neues Stalingrad auf und wundern uns wenig später, warum wir mal wieder verloren haben.

Werbung, die ich mag

A: Wenn du das Meer gemacht hättest, hättest du es zahm gemacht?
B: Nein, ich hätte es alkoholhaltig gemacht.
A: Wenn du den Wind gemacht hättest, hättest Du ihn lau gemacht?
B: Ich sage nur: Passiv rauchen macht Laune.
A: Und wenn du ein Bier gemacht hättest, wie hättest Du das gemacht?
B: Dann hätte ich ihm nicht so einen schwachsinnigen Namen wie „Jever Fun“ gegeben. Schon mal den Ausdruck „bierernst“ gehört? Terminator-Trippelbock – wie klingt das?

Der Rattenfänger

“It's a global power structure that is responsible for the economic decisions that have robbed our working class, stripped our country of its wealth and put that money into the pockets of a handful of large corporations and political entities.”
Dieses Zitat würden viele rechte Wutbürger und linke Verschwörungstheoretiker sofort unterschreiben. Es fasst die aktuelle Situation sehr schön zusammen. Leider ist es von Donald Trump.
“Let's be clear on one thing, the corporate media in our country is no longer involved in journalism. They're a political special interest no different than any lobbyist or other financial entity with a total political agenda, and the agenda is not for you, it's for themselves.”
Wie oft habe ich diese These in den letzten Jahren gelesen – und selbst vertreten? Trump ist der perfekte Rattenfänger, denn zu diesen „linken“ Thesen fordert er gleichzeitig Pussys und Knarren, Bibel und Bomben. Er kann mit seinem Vermögen prahlen und gleichzeitig die Armen ansprechen. Er zahlt als Milliardär keine Steuern und fordert Steuererhöhungen für Milliardäre.
Ich würde es gerne vermeiden, aber ich kann nicht anders: Ich muss Trump mit Hitler vergleichen. Ausschließlich ihre Rhetorik, nicht ihre Taten. Dazu ist es noch zu früh. Hitler verband die besten Parolen des Sozialismus und des Nationalismus zum Nationalsozialismus und hat diese Mischung so emotional verkauft, dass jeder Fernsehprediger oder Marktschreier vor Neid erblassen musste.
“This election will determine whether we are a free nation or whether we have only the illusion of democracy, but are in fact controlled by a small handful of global special interests rigging the system, and our system is rigged. (…)They will attack you, they will slander you, they will seek to destroy your career and your family, they will seek to destroy everything about you, including your reputation. They will lie, lie, lie, and then again they will do worse than that, they will do whatever is necessary. The Clintons are criminals, remember that.”
Wollt Ihr den totalen Wahlkampf?
“We will end the politics of profit”, ruft er am Ende in den Saal. Trump? Weiß er noch, was er sagt? Wird der Schweinetrog in Washington abgeschafft, sobald er ihn erreicht?
Quelle: http://www.npr.org/2016/10/13/497857068/transcript-donald-trumps-speech-responding-to-assault-accusations
Die Coolen Säue - Die Musterknaben. https://www.youtube.com/watch?v=lf1Qb2_O-oI

The devil needs content

„Wie soll ich Euch je danken?“ – „Helft den Unterdrückten!“ (Die Rebellen vom Liang Shan Po)

Blogstuff 81
„Das ist alles, was Bonetti kann: Er verkauft uns billige Wortspiele aus Plastik wie ‚Staubsaugallergie‘ oder ‚Grübelmonster‘. Buchen Sie auf keinen Fall sein Seminar über die korrekte Verwendung des Semikolons.“ (Lupo Laminetti)
Auch die Toten haben einen Gott, er heißt Pluton und ist der Herrscher der Unterwelt. Von diesem griechischen Wort leitet sich Plutonium ab.
Der Typ war so was von blind, Ray Charles nix dagegen.
Hinter Merkels berühmtem Diktum „Wir schaffen das“ steckt ja eigentlich „Wir machen das!“ Mit Ausrufezeichen., ähnlich wie Schröders „Basta!“
Der Mensch, gefangen in der kleinen Welt seiner emsigen, ameisenhaften Betriebsamkeit … (Textanfang)
Zu ihrem fünfundzwanzigjährigen Dienstjubiläum überreichte Andy Bonetti seiner Haushälterin Bärbel-Paloma, Trägerin des Verdienstordens „Banner der Arbeit“, ein Bild der heiligen Notburga, der Schutzpatronin der Dienstmägde.
Hätten Sie’s gewusst? Johnny Malta kann nicht nur Marimba, sondern auch Vibraphon spielen.
Hätten Sie’s gewusst? 36 Prozent der Leser dieses Blogs benutzen Linux als Betriebssystem.
Über fünf Milliarden Euro hat das Bistum München auf der hohen Kante. Finde ich gut. Ist ja auch nur der Notgroschen der katholischen Kirche. Falls man in der notorisch klammen Hauptstadt Bayerns mal ein bisschen Kohle braucht. Mal im Ernst: Warum sollte man das Geld den Armen geben? Die können doch mit Geld sowieso nicht umgehen. Sonst wären sie ja nicht arm. Die kaufen sich doch gleich wieder Schnaps, Kippen und Dope, wenn man ihnen ein paar Scheinchen in die Hand drückt. Kennt man ja. Gebt mir die Kontonummer vom Papst! Ich muss spenden.
Schlagzeile der Woche: „Bob Marleys Sohn eröffnet eine Cannabis-Farm“. Als ob wir das nicht schon immer gewusst hätten.
Breaking News: Die anarchistischen Gedichte aus der Frühphase von Andy Bonetti sollen demnächst legal erhältlich sein – allerdings nur für den medizinischen Gebrauch.
A: Sie hören von meinem Anwalt!
B: Sie haben einen Anwalt? Ich habe ja noch nicht mal eine Putzfrau.
Auf einem Bein kann man nicht stehen, heißt es im Sprichwortbereich. Doch. Man kann. Das Sprichwort ergibt also keinen Sinn.
Frage: Wie kommen Sie auf die ganzen Ideen für Blogstuff?
Antwort: Ich beschäftige allein zehn Praktikanten für Kalauer. In diesem Augenblick fächern mir zwei Anwälte mit Palmwedeln frische Luft zu. Es ist ja nicht so, dass hier ein arbeitsloser Lkw-Fahrer in Unterhosen an einem Atari 520 sitzt …
Werbespruch für Rharbarbersaft: „Pflaumt Sie wenigstens nicht an.“ (tatsächlich geträumt!)
Der Fußballplatz von Turbine Wichtelbach heißt jetzt nicht mehr Bröselheimer-Dichtungsringe-Stadion, sondern Lidl-Arena.
„Bevor die Zwangsgebühr kam, habe ich in Berlin jahrzehntelang schwarz gesehen und mir selbst auch den Kabelanschluss schwarz gelegt. Ich habe mal ausgerechnet, dass ich die Sendeanstalten und den Kabelbetreiber um ungefähr 10.000 Euro beschissen habe. Ich find's geil.“ (Anonymus)
Ich konzentriere mich wie ein Scharfschütze. Ich atme ganz ruhig, der Kopf wird leer. Die ganze Aufmerksamkeit gilt der Aufgabe. Dann atme ich ganz langsam aus. Ja, es kommt. So läuft das Geschäft auf der Toilette, wenn man alt ist.
Fliehende Stürme - Kleines Herz. https://www.youtube.com/watch?v=4D-NaxvfBLg

Freitag, 14. Oktober 2016

Perlen der Akquise

So sieht das Schriftstellerleben in Wirklichkeit aus:
Exposé Reisekrimi
Die Idee
Reiseführer und Reiselektüre wie etwa einen spannenden Kriminalroman haben fast alle Reisenden im Gepäck. Warum verbindet man nicht einfach Unterhaltung und Information in einer neuen Form? Reiseführer und Kriminalroman werden in einem Format miteinander verknüpft. Buy one, get two. Der Krimi ist die klassische Unterhaltungs- und Reiselektüre, die Verbindung von Action und Location fern des Alltags hat bereits eine lange Tradition – schließlich ist jeder James Bond-Film eine Art „Weltreise-Krimi“. Warum sollte man also nicht in einem Crossover beider Formate eine neue Form der Reiseliteratur erschaffen, die – im Vorfeld und während der Reise – den Leser zugleich unterhält und informiert?
Das Produkt
Eingebettet in die Handlung eines Kriminalromans erhält der Leser Informationen über die Geschichte, die Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Hotellerie, Kultur, Architektur usw. einer Stadt, einer Region oder eines Landes. Der Text soll etwa 160 Seiten umfassen, 140 Seiten Roman und 20 Seiten Informationsteil, in dem noch einmal alle im Text enthaltenen Hinweise in knapper Form zusammen gefasst und um weitere Informationen (Anreise, Klima, Geldumtausch usw.) ergänzt werden. Da in diesem Format nur wenige Abbildungen und keine komplexen Layouts wie Info-Kästchen, wechselnde Schriften usw. vorgesehen sind, ist die Produktion vergleichsweise günstig.
Möglicher Plot für einen Prag-Reisekrimi
Es gibt eine rätselhafte Mordserie in Prag, die Opfer werden an verschiedenen Schauplätzen gefunden und haben immer eine zerknüllte Buchseite im Mund. Opfer Nr. 1 wird im Goldmachergäßchen gefunden (Seite aus Schloßroman => Hradschin), Opfer Nr. 2 vor einem Gerichtsgebäude ("Vor dem Gesetz"-Seite aus dem "Prozeß"), Opfer Nr. 3 vor einem tschechischen Reisebüro (=> "Amerika"), Opfer Nr. 4 am Grab Kafkas (Seite aus "Das Urteil"). Alle Opfer sind Lektoren.
Der Ermittler trifft verdächtige Personen in ausgewählten Gasthäusern (=> Gastronomie-Verweise), einzelne Szenen spielen z.B. an der Hungermauer und in Vysegrad (=> Sehenswürdigkeiten und Geschichte). Zum Zeitpunkt der Mordserie findet ein Schriftstellerkongress in Prag statt (Ermittlungen in Hotels => Hotellerie-Verweise; die Autoren wohnen dort), die Verdächtigen kommen aus diesem Kreis. Am Ende ist der Täter ein erfolgloser Schriftsteller, der sich am Literaturbetrieb rächen will.
2008 wurde diese Idee von diversen Verlagen abgelehnt. Wer möchte es noch einmal versuchen?

Neutronen-Gerd

Am Anfang haben wir noch gelacht. Zigarre im Mund und Haifischlächeln. Genosse der Bosse. Brioni-Kanzler. Aber dann hat er kurz vor seinem spektakulären Abgang noch die sozialdemokratische Neutronenbombe gezündet: die Agenda 2010. Die Gebäude stehen noch, aber Millionen Menschen wurden in Angst und Elend gestürzt. „Hartz“ ist das Ungeheuer, mit dem man heute kleine und große Kinder erschrecken kann. Inzwischen ist er Multimillionär. Wie man ein Staatsamt perfekt vermarktet, hat er von den Clintons gelernt.

Frage der Woche

„Über Tagesfragen sind doch verschiedene Meinungen möglich. Warum sind aber alle unsere Zeitungen immer einer Meinung? Haben denn die Redakteure keine eigenen Gesichtspunkte?“
Das ist eine sehr gute Frage. Wenn in allen Zeitungen ohnehin dasselbe steht, wozu haben wir dann noch die vielen Zeitungen? Dann reicht doch eine einzige Zeitung, oder? Es wäre doch auch im Sinne der Ökologie viel sinnvoller, diese Flut von Papiermüll einzugrenzen. Die Leser folgen diesem Gedanken seit einigen Jahren und kaufen immer weniger Zeitungen und Zeitschriften, die Auflagen sinken. Man könnte die Einheitszeitung „Das neue Reich“ nennen. Kernaussage der „Berichterstattung“: Unsere Regierung ist großartig und wir leben im besten Land der Welt.
Das Zitat ist übrigens nicht aktuell, sondern sechzig Jahre alt. Die Frage wurde auf einer Veranstaltung der Bezirksleitung der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ), der SED-Jugendorganisation, gestellt, als junge Menschen verdienten Partei-Kadern wie Hans Modrow (damals 28 Jahre alt, FDJ-Bezirkssekretär von Ost-Berlin, später der letzte SED-Regierungschef in der DDR vor der Volkskammerwahl 1990), Hermann Axen (damals zweiter Bezirkssekretär der SED in Ost-Berlin, später Mitglied des Politbüros des ZK der SED, am 8.11.1989 ausgeschlossen und nach Moskau geflohen), Joachim Hermann (damals Chefredakteur des FDJ-Organs „Junge Welt“, später Chefredakteur der SED-Parteizeitung „Neues Deutschland“ und Mitglied des Politbüros des ZK der SED, am 10.11.1989 ausgeschlossen) und anderen offen Fragen stellen durften (Josef Stalin war wenige Wochen zuvor verstorben).
Quelle: Der Spiegel 16/1956. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43061976.html
Ach ja, die Antwort lautete: „Die der SED angehörenden Redakteure mögen auf Grund ihrer Weltanschauung dieselbe Meinung haben. In den Zeitungen der anderen Parteien gibt es aber doch auch andere Meinungen.“
Noch ein Schmankerl aus der Fragerunde:
Frage: „Ist es denn wirklich so schlimm, wenn ein französischer Sänger im Varieté 'Friedrichstadt-Palast' vor dem Wolga -Lied den Witz macht, er singe jetzt etwas aus dem Osten und dazu solle rotes Licht gemacht, werden? Können die Arbeiterbewegungen und die Regierung solche Scherze nicht vertragen?“
Antwort: „Selbstverständlich kann die Arbeiterbewegung solche Scherze vertragen. Die Regierung ist viel lustiger, als man glaubt.“
So was haben wir in der BRD, beispielsweise bei der Bundespressekonferenz, schon lange nicht mehr gehört. Auch wenn die DDR in Wahrheit natürlich genauso unkomisch wie die heutige Bundesrepublik gewesen ist.
P.S.: Sehr lustig ist auch der Bericht zum Lehrlingsmangel in derselben Spiegel-Ausgabe von 1956. „Am meisten klagen die Bäcker, Fleischer, Friseure, Schneider und Schuhmacher“, und an anderer Stelle: „Völlig unbeliebt machten sich die Handwerksmeister, die noch vor einiger Zeit die Verlängerung der Lehrzeit auf vier Jahre forderten, weil die Elementar-Kenntnisse der Volksschüler erheblich nachgelassen haben“. Nichts Neues unter der Sonne.
Dave Pike - Jazz for the Jet Set (1966). https://www.youtube.com/watch?v=jvoSSkp2Njc

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Bob Wer?

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr wieder nicht an Andy Bonetti, sondern an einen gewissen Bob Dylan, der noch nicht mal richtig singen kann. Es ist ein Trauerspiel – nachdem Johnny Malta beim Physiknobelpreis übergangen wurde, Heinz Pralinski bei der Chemie-Trophäe und Lupo Laminetti beim Friedensnobelpreis. Diese Wikinger haben keine Ahnung!
Bob Dylan - Like a Rolling Stone. https://www.youtube.com/watch?v=-sftw5k_JRs

Bonetti – Das Windrad des Bösen

Oder ganz schlicht:


Blogstuff 80
„Du bist für diese einfache, bequeme, mit so wenigem zufriedene Welt von heute viel zu anspruchsvoll und hungrig, sie speit dich aus, du hast eine Dimension zu viel. Wer heute leben und seines Lebens froh werden will, der darf kein Mensch sein wie du und ich. Wer statt Gedudel Musik, statt Vergnügen Freude, statt Geld Seele, statt Betrieb echte Arbeit, statt Spielerei echte Leidenschaft verlangt, für den ist diese hübsche Welt hier keine Heimat.“ (Hermann Hesse: Der Steppenwolf)
Ich habe gar nicht mitbekommen, dass ich getauft wurde. Entweder war ich sehr jung oder sehr betrunken.
Wir leben auf dem Meeresgrund, über uns der hundert Kilometer tief der Luftozean.
Es wird immer über Zeit und Geld gesprochen. Aber Vertrauen ist die wesentliche Ressource jeder Gesellschaft. Ich muss dem Koch vertrauen, dass er mein Essen nicht vergiftet hat. Ich liege im Tiefschlaf schutzlos neben einem anderen Menschen. Ich muss anderen Menschen vertrauen, denen ich in der U-Bahn den Rücken zuwende. Ich muss der Diagnose meines Hausarztes Glauben schenken. Ich kann nicht jedes Mal, wenn ich mit anderen Menschen spreche, danach fragen, woher sie die Informationen haben und um einen Quellennachweis bitten. Ich muss mich langfristig auf die Rahmenbedingungen verlassen können, die der Staat in Person seiner Entscheidungsträger setzt. Aber das Vertrauen nimmt ab, das Misstrauen wächst. Misstrauen kostet Zeit und Nerven. Einer von mehreren Faktoren für die wachsende Aggressivität und den Zorn gegenüber Politikern und Medien.
Hätten Sie’s gewusst? Die Kármán-Linie bezeichnet die Grenze zwischen Atmosphäre und Weltraum. Sie ist einhundert Kilometer über der Erdoberfläche. In der Exosphäre, in 400 bis 1000 Kilometer Höhe herrschen übrigens tausend Grad. Dahinter beginnt die eisige Leere des Weltalls.
Früher ist gelegentlich ein Hubschrauber der Gesinnungspolizei über meinen Blog geflogen und hat Gender-, Links-, Dings- und Bumsgedöns angemahnt. Hey! Ich vermisse Euch!
Für Politiker sind Wähler nur Publikum, nur Verfügungsmasse, die man im Bedarfsfall der Lächerlichkeit preisgeben darf.

Wertgegenstände werden verwahrt, Menschen verwahrlosen.
Hartnäckige Autoreferenzialität: „Die Bankzentralen in Frankfurt zeigen uns, wo der Zaster liegt. Wie Geldfontänen, die zu Glas geronnen sind, wirken diese riesigen Türme. Hier ist das Öl der Finanzmärkte nach oben geschossen, hier stehen die Fördertürme des Kapitalismus. Dagegen wirken die Anlagen auf den Ölfeldern in Texas oder Saudi-Arabien wie Spielzeug aus dem vergangenen Jahrhundert.“ (Kiezschreiber, 14.8.2012)
Jetzt lese ich gerade, dass der Hamburger Senat drei Millionen Euro für den Straßenbau in Wilhelmsburg aus Versehen an den falschen Bezirk überwiesen hat. Das Geld ist weg, kommt auch nicht wieder. Da frage ich mich natürlich gleich: Was ist das denn für eine Meldung? Lumpige drei Millionen? Ist das überhaupt die Druckerschwärze eines lokalen Anzeigenblättchens wert?
Wenn es eine Liga der Unfähigkeit in Deutschland gibt, dann konkurrieren Hertha BSC Berlin (Flughafen) und VfB Stuttgart (Bahnhof) um die Meisterschaft – und ich möchte nicht wissen, wo wir Deutschen in der Champions League stehen.
Seit den Tagen, als sich das erste Lebewesen aus den Wassern des Devon-Zeitalters auf trockenes Land gewagt hat, … (Textanfang).
Hätten Sie’s gewusst? Der Nachname des bayrischen Ministerpräsidenten, Seehofer, ist aus dem altgriechischen Wort Sehoforos abgeleitet, und bedeutet so viel wie mit heißer Luft gefüllter Hohlraum.
Wer hier im Hunsrück alleine spazieren geht, also ohne Hund, macht sich sofort verdächtig. Der Hund ist ja nicht nur deswegen fester Bestandteil jeder Familie, damit der Ehemann nicht das letzte Glied der Befehlskette sein muss („Aus! Sitz!“), sondern damit er auch einen Grund hat, das Haus zu verlassen, ohne sich verdächtig zu machen („Ich glaube, der Hund muss raus“).
Auto-News: Den Porsche Calimero gibt es jetzt auch als Leichenwagen – in den Farben Schwarz, Silber und Rot.
Julia Klöckner: die große süße Mauss der CDU.
Queen – It’s A Hard Life. https://www.youtube.com/watch?v=XgNzxqrngU8