Dienstag, 12. Mai 2026

Hier weht jetzt ein anderer Wind


Blogstuff 1321

Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. #Hanta-Virus

Laut Bärbel Bas gibt es keine Einwanderung in die Sozialsysteme. Wir sind ein Einwanderungsland – und ein Teil der Einwanderer landet im Sozialsystem. Punkt. Schon weil viele nicht sofort eine Arbeitserlaubnis bekommen. Die SPD will uns die Worte im Mund umdrehen wie ein drittklassiger Gebrauchtwagenhändler und wundert sich, warum sie in Umfragen nur noch bei zwölf Prozent liegt.

Paulo Coelho ist der Philosoph der Hausfrauen und Sekretärinnen. „Wenn du fliegen willst, musst du Dinge loslassen, die dich runterziehen.“ Es ist einfach nur lustig.Das Geheimnis des Lebens besteht jedoch darin, siebenmal zu fallen und achtmal aufzustehen.“ Alles schon hundertmal gehört. Aber es verkauft sich wie geschnittenes Brot.

Zehdenick (13.000 Einwohner) hat jetzt als erste Stadt in Brandenburg einen AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt. Die Veganer und Liegeradfahrer verlassen den Ort.

Auch das noch! Bonetti verträgt kein Ozempic.

Am 10. Mai zeigte die ARD die erste Tatort-Wiederholung. Die Sommerpause geht bis Oktober. Fünf Monate Sommerpause. Das ist sportlich. Wird Friedrich Merz die Arbeitsmoral des ÖRR thematisieren?

Warum heißt es eigentlich „Jägerzaun“?

Hätten Sie’s gewusst? Es gibt ein New Wichtelbach in Iowa.

Der Gründungsmythos von Rom wurde von anderen Erzählungen inspiriert und hat wiederum Einfluss auf andere Kulturen gehabt. Die Stadtgründer Romulus und Remus waren die Kinder einer jungfräulichen Tempelpriesterin, der Vater war angeblich der Kriegsgott Mars. Maria und der Heilige Geist lassen schön grüßen. Die Zwillinge sollten ermordet werden, wurden aber nur ausgesetzt und von einer Wölfin, später von einer Hirtenfamilie großgezogen. So wie fünfhundert Jahre vorher Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos. Die Entführung der schönen Helena durch Paris führte zum Krieg und schließlich zum Untergang Trojas. Auch Moses wurde bekanntlich in Ägypten ausgesetzt. Romulus erschlägt seinen Bruder Remus, so wie Kain Abel erschlagen hat. Um seine Stadt zu vergrößern, nahm Romulus bereitwillig Kriminelle, Fremde aus aller Herren Länder und entlaufene Sklaven auf. Dieses Prinzip wurde später von den USA kopiert. Frauen verschafften sich die frühen Römer durch den Raub der Sabinerinnen – ganz wie über zweitausend Jahre später die Osmanen bei der Eroberung des Balkans, als die Frauen in die Harems gebracht und die Männer in die Sklaverei verkauft wurden.  

 

Montag, 11. Mai 2026

Taunus Blues

 

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab und gähnte meinen Namen in den Hörer.

„Konrad Toenz am Apparat“, sagte eine Stimme mit einem Akzent, den ich nicht gleich zuordnen konnte. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“

„Wo können wir uns treffen?“

„Hotel Waldfrieden in Bad Schwalbach. Wir sehen uns um 18 Uhr im Speisesaal.“

„Das ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt.“

„Ich werde Ihnen dort alles Nähere erklären. Sind Sie mit einem Vorschuss von fünfhundert Mark einverstanden?“

Also machte ich mich auf den Weg. In meinem Wagen suchte ich im Aral-Atlas die Strecke heraus. Unterwegs hielt ich in einem kleinen Städtchen an einer Tankstelle. Während der Tankwart das Benzin einfüllte, die Windschutzscheibe von Insektenmatsch befreite und anschließend den Ölstand kontrollierte, fragte ich ihn, wo es ein Münztelefon gäbe. Er zeigte mit einem öligen Finger auf eine gelbe Telefonzelle auf der anderen Straßenseite.  

Irgendwo hatte ich den Namen Konrad Toenz schon einmal gehört. Also rief ich meinen alten Schulfreund Frank bei der Polizei in Frankfurt an, der mir manchmal mit ein paar Informationen aushalf.

„Toenz ist mehrfach vorbestraft und gehört zur Züricher Mafia. Falschgeld, Glücksspiel, Erpressung. Sei vorsichtig.“

Im Hotel angekommen nahm ich mir ein Zimmer. Mit dem Zahnputzbecher und einer Flasche Jägermeister aus meiner kleinen Reisetasche machte ich es mir auf dem Bett bequem. Weniger später klopfte es an meiner Tür und ich rief „Herein“. Ein junger Page in einer dunkelroten Uniform übergab mir ein Telegramm von Frank: „Toenz ist gerade im Taunus unterwegs + Fahndung ist raus + Vorsicht, bewaffnet“.

Punkt 18 Uhr ging ich in den Speisesaal hinunter. Fast alle Tische waren besetzt, Zigarettennebel lag kalt und grau in der Luft. Ich setzte mich und fischte eine Reval aus meinem Päckchen. Bald darauf kam ein Mann, der sich suchend umsah. Ich winkte und er setzte sich zu mir.

Nach der Begrüßung gab er mir einen Barscheck der Sparkasse Wiesbaden und erklärte mir, ich solle seine Frau beschatten. Sie habe vor Ort einen Liebhaber. Er nannte mir die Adresse und beschrieb mir den Weg. Wir tranken ein Bier und dann fuhr ich los. Wo war der Haken an der Sache? Und was machte die Frau eines Schweizer Mafiosi in diesem gottverlassenen Kaff?

Es war bereits dunkel, als ich vor dem Haus von Eduard Zimmermann ankam. Sicherheitshalber parkte ich meinen Opel Kapitän dreihundert Meter weiter. Als ich an der Haustür klingelte, machte niemand auf, obwohl in der offenen Garage ein Mercedes-Benz 220 stand. Aber es brannte kein Licht. Ich öffnete mit einem Dietrich die Tür und trat ein. Offenbar war niemand zu Hause, die Stille war unheimlich.

Im Wohnzimmer fand ich ihn. Seine Augen waren offen, aber sie sahen mich nicht. Er saß in einem Sessel und hatte eine hässliche Schusswunde an der Schläfe. Mit meinem Stift hob ich einen Revolver hoch, der neben ihm auf dem Boden lag. Er war erst kürzlich abgefeuert worden. Selbstmord? Oder eine Inszenierung?

Plötzlich donnerten Fäuste an die Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Offenbar hatte mir Toenz eine Falle gestellt. Ich flüchtete durch das Küchenfenster auf der Rückseite des Hauses in den nahen Wald. Dieses Schwein würde ich in die Finger kriegen!

  

Sonntag, 10. Mai 2026

Bonettis Helfer

 

Heinz Äugelein, Chauffeur, 58, war früher Landarbeiter, Flötist und Trapezkünstler. Er stammt aus Butzbach und hat als junger Mensch mit dem Zirkus Bonetti unter dem Namen „Das fliegende Äugelein“ die Welt gesehen. Er hat Mirabellen geerntet, für einen namhaften Tequilahersteller Agaven gemolken, mit seiner Okarina in Fußgängerzonen auf allen Kontinenten gespielt und auf dem Hochseil die Niagarafälle überquert. Im Winter arbeitete er entweder für einen Räumdienst oder war arbeitslos gemeldet. Neben seiner Tätigkeit als Fahrer erledigt er auch die Einkäufe und kümmert sich um den Garten der Villa Bonetti. Kleinere Reparaturen am Haus und das Wechseln von Glühbirnen fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich.

Johann Fleckmeier, Kammerdiener, 39. Er hat eine wilde Jugend bei der MMBN (Maoistische Masochisten Bad Nauheim) hinter sich und war früher auf jeder größeren Demonstration in Frankfurt gewesen. Man sieht ihm heute seine Vorstrafen wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung (er hat Mercedes-Sterne gesammelt) und Drogenhandel nicht mehr an, wenn er mit blasiertem Blick und gestreifter Weste die Haustür öffnet. Neben seiner Ausbildung als Diener hat er nach seinem Realschulabschluss eine Lehre als Koch absolviert (während er als glühender Maoist auf die Revolution gewartet hatte) und bereitet seinem Herrn auf dessen Wunsch besonders gerne indische Currygerichte und diverse Süßspeisen zu. Er ist der einzige Mitarbeiter, der auch in der Villa Bonetti wohnt.

Ilka Schubs, Sekretärin, 45. Sie ist unbestritten ein großes Organisationstalent und führt Bonettis umfangreichen Terminkalender. Sie arbeitet bereits seit zwanzig Jahren für den berühmten Schriftsteller und ist seine älteste Mitarbeiterin. Er diktiert ihr seine Romane, während er auf einem Diwan liegt oder im Arbeitszimmer auf und ab geht. Sie versorgt ihn auch mit dem neuesten Klatsch aus Wichtelbach, der ihn immer wieder zu heiteren Kurzgeschichten und Figuren für seine Romane anregt. Sie schirmt Bonetti vor den zahlreichen Anfragen aus dem Kultur- und Medienbereich ab und beantwortet auch die Fanpost.  

Die Zwillinge Tino und Toni Schwendlinger, 34 und 36, von Bonetti auch kurz Schwendlinger Eins und Schwendlinger Zwo genannt, sind für die oft aufwendigen Recherchen zuständig. Umfangreiche Kompendien wie „Das Plastikzeitalter“, eine Familiengeschichte über fünf Generationen, der jährlich erscheinende „Bad Nauheimer Musenalmanach“ oder die dreibändige „Chronik des belgischen Seifenhandels“ wären ohne die beiden studierten Historiker gar nicht möglich gewesen. Für heikle Undercover-Recherchen wird gelegentlich Ronny X hinzugezogen, der nur gegen Bargeld arbeitet und ab 21 Uhr im Golden Gate Tabledance Club im Frankfurter Bahnhofsviertel anzutreffen ist (Sonntag Ruhetag).

Dr. Igor Klotz, seit langen Jahren Lektor Bonettis und für die literarische Betreuung seines Werks im Frankfurter Suhrkampf Verlag zuständig. Von ihm stammt auch die Idee, auf den Buchrücken das Motiv eines Feuersalamanders in Einzelteilen darzustellen, so dass zwanzig Bonetti-Bände nebeneinander das vollständige Bild eines Feuersalamanders zeigen. Bonetti ist das italienische Wort für Feuersalamander, so wie Kafka das tschechische Wort für Dohle ist; gute Freunde dürfen Andy Bonetti daher auch „Lurchi“ nennen. Klotz arbeitet seit Jahren heimlich an einem Mammutwerk mit dem Titel „Gespräche mit Bonetti“, das nach dem Tod des Meisters erscheinen soll (vgl. „Gespräche mit Goethe“ von Johann Peter Eckermann).

 

Samstag, 9. Mai 2026

Das Ende der Walberichterstattung

 

Blogstuff 1320

Parkbank-Content. Sie: „Darf ich mich setzen?“ Ich: „Natürlich. Dafür ist die Bank ja da.“ Sie: „Ich hoffe, ich störe Sie nicht.“ Ich (starre vor mich hin): „Nein, ich mache gerade nichts Besonderes.“  

Wie oft denke ich: So kann es doch nicht weitergehen. Und es geht weiter.

SPQR. Senatus Populusque Romanus. Noch heute ist diese Abkürzung auf römischen Kanaldeckeln und Mülleimern zu sehen. Die modernen Römer machten daraus „Sono Pazzi Questi Romani“. Die spinnen, die Römer. Daher der berühmte Spruch aus den Asterix-Heften.

Ich habe jetzt einen Digitalkühlschrank mit Innenkamera. Ich kann also sehen, was im Kühlschrank ist, während ich am Herd stehe. Wahnsinn!

Die Nacht gehört den Poeten und den Taxifahrern.

Graf Seppel von Nierenstein. Pointe folgt.

Ich passe nicht mehr in meine Jogginghose. Geht es zu Ende?

Ich erinnere mich an die Tauchergruppe, die wir an der Steilküste der walisischen Insel Anglesey getroffen haben. Wir standen mit einer kühlen Dose Guinness auf der Wiese und schauten auf die Irische See, als der erste Mann im Taucheranzug über die Felskante kletterte. Langsam machte ich ein paar Schritte nach vorne und schaute auf das Meer hinunter. Zwei Dutzend Menschen schwammen dort unten, einige kletterten gerade die Felsen hinauf und sammelten sich alsbald in unserer Nähe. Es war wie im Film. James Bond nix dagegen. Und dann kam auch noch eine wunderschöne Frau, die Tauchermaske in der Hand (Flossen und Sauerstofftank lagen bereits auf dem Gras), zu uns herüber und gab mit der ausgesuchten Höflichkeit vornehmer Briten ihrer Hoffnung Ausdruck, uns auch um Gottes Willen nicht gestört zu haben. Ich schüttelte nur mit einem verlegenen Lächeln den Kopf. Mich stört nichts. Höchstens, dass mir kein intelligenter Satz einfällt, wenn ich auf die Schnelle mal einen brauche. Ich denke immer noch an sie, obwohl es 2003 passiert ist. War sie eine Sportlerin oder vom MI5, MI6, SAS? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn wir uns kennengelernt hätten? Der Bücherwurm und die Lady vom Geheimdienst?

Ich bin so alt, ich kenne noch „Daktari“ und Schlafanzüge.

Das Schlimmste am Internet sind die Bewertungen. Jeder spielt den Oberlehrer und gibt Noten. Ich kenne jemanden, der Restaurants in aller Welt bewertet, selbst in Kirgisistan oder Peru. Kein Witz. Wer braucht das? Deine Meinung interessiert niemanden, Jörg.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Andy Bonetti, Optionalist

 

Blogstuff 1319

Es gibt von Söder keine neuen Fressvideos und -bilder mehr. Was macht der Mann jetzt stattdessen? Ich mache mir Sorgen.

„Iglo. Iss was G‘scheits”. Es geht doch nichts über österreichische Fernsehwerbung.

Neu! Jetzt mit noch mehr Verfassungsschutz. In jedem siebten Überwachungsei.

Milka hat auf den Kundendruck reagiert. Ich habe gerade drei 100(!)-Gramm-Tafeln für jeweils 1,11 € gekauft. Wen knöpfen wir uns als nächsten vor?

Merz: Standpauke statt Standpunkte.

Bonetti Media hat sich die Filmrechte an „Free Timmy“ gesichert.

Warum benutzt eigentlich niemand den Begriff „Gruselkabinett“ für diese Regierung? Nach dem Herbst der Entscheidungen geht jetzt auch der Frühling der Entscheidungen vorüber.

Tragen alle Deutschen einen Fahrradhelm auf dem Hometrainer?

Konrad Schürzenflicker und Roswitha Schlunz kennt niemand, aber unter ihren Künstlernamen Florian Silbereisen und Helene Fischer sind sie berühmt geworden.

Preisausschreiben! Gewinnen Sie drei Zeilen im Wellnessblog von Andy Bonetti. Beantworten Sie einfach folgende Frage: Warum lesen Sie diesen Mist jeden Tag?

Um Politik zu begreifen, muss man sich in die Welt der Politiker hineinversetzen. Am wichtigsten sind nicht die Überzeugungen eines Politikers, sondern sein Netzwerk. Je höher man aufsteigt, umso wichtiger sind die Kontakte innerhalb der Partei, zu den Medien, zu den großen Verbänden und im Fall von Regierungsverantwortung natürlich auch zum Koalitionspartner. Kohl war berühmt für sein Adressbuch. Bis zum letzten Kreisvorsitzenden hatte er die CDU im Griff. So wie Karl der Große ständig von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz unterwegs war, um sein riesiges Reich zusammenzuhalten, hatte Kohl permanent Kontakt zu vielen Gefolgsleuten. Seine Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner FDP war hervorragend, Kohl und Genscher waren ein perfektes Team (lustigerweise war Genschman 1994/1995 Honorarprofessor am OSI, wo ich gerade promoviert habe; wir waren also „Kollegen“, während Kinkel seine Rolle in der Regierung weiterspielte). Merz ist zwar Parteivorsitzender und Kanzler, hat aber in seiner Partei nie über ein solches Netzwerk verfügt. Nach Merkels Rücktritt hatte die CDU Kramp-Karrenbauer und Laschet verschlissen und Merz kam erst im dritten Anlauf an die Spitze – mit seiner typischen Mischung aus Hartnäckigkeit und Arroganz. Seine Zusammenarbeit mit der SPD könnte man vornehm als dysfunktional beschreiben. Er kann es einfach nicht und wird bestenfalls eine Fußnote in der deutschen Geschichte bleiben.

Greta - Fathom

Mittwoch, 6. Mai 2026

The Butzbach Files

 

Bonetti steigt aus dem Wagen und betrachtet eine Weile die Fachwerkfassade des Hotels „Kaiserhof“. Er ist zum “Butzbacher Literaturherbst” eingeladen und wird heute Abend aus seinen „Bad Nauheimer Elegien“ vortragen. In diesem Werk geht es um die Endlichkeit des Daseins im Allgemeinen und um seine chronischen Verdauungsbeschwerden im Besonderen. Er ist wie immer auf den Punkt vorbereitet. Er kennt nicht nur den Namen des Oberbürgermeisters, der im übrigen Erwin Schlonz heißt und die Veranstaltung mit einer kurzen Laudatio einleiten wird, sondern hat sich auch über die Geschichte und die aktuellen Probleme der entzückenden Kleinstadt kundig gemacht.

In Butzbach wurde 1957 „Frauenarzt Dr. Kober“ mit Liselotte Pulver und Günter Pfitzmann gedreht. Im Gasthaus „Alte Post“ hat Goethe 1805 eine Mahlzeit eingenommen und – wie es auf einer Messingtafel heißt – „ausgiebig dem Wein zugesprochen“. Das kubistische Gemälde „Butzbach und Klarinette“ von Pablo Picasso hängt in der Neuen Pinakothek in München. Eigentlich ist der ganze Ort eine soziale Plastik im Sinne von Joseph Beuys.

Bis zum Ende des ersten Weltkriegs waren hier die hessischen Garde-Dragoner stationiert, die im Sieben-Tage-Krieg gegen Preußen von 1799 den Rückzug der kurfürstlichen Truppen gesichert haben. Noch heute erinnert ein Brunnen mit Pferdemotiven an diesen Teil der lebhaften Butzbacher Geschichte. Napoleon hat im Dezember 1812 bei seiner Rückkehr vom Russlandfeldzug beim Schneidermeister Bläulich einen Wintermantel bestellt und nie abgeholt. Er ist im historischen Museum der Stadt ausgestellt.

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt sind Arnold Germesheimer (1857-1921), Erfinder der gestreiften Zahnpasta, Luise Waffelmacher (1904-1989), Professorin für Chemie an der Fernuniversität Goslar und Begründerin der asymmetrischen Synthese von gechlortem Bromaxin, und Ronny Müller (1948-2011), Linksaußen von Eintracht Frankfurt. Die Ehrenbürgerwürde erhielten Otto von Bismarck (1877), Paul von Hindenburg (1917) und Adolf Hitler (1933, 2007 aberkannt).

Das größte Problem der Stadt und des gesamten Wetterau-Kreises ist der Nachwuchs. Er leidet unter Kurzatmigkeit und Fettleibigkeit, nach dem zwanzigsten Geburtstag geht er auch gerne nach Köln oder Berlin. Oft bekommt der 1. FC Butzbach keine elf Spieler für eine Partie gegen den Erzrivalen Kesselheim zusammen (Butzbach war dem heimtückischen Landgrafen Giselbert von Kesselheim bis 1638 tributpflichtig).

Bevor Bonetti sich auf den Weg in die Stadthalle macht, verspeist er im Restaurant „Ratskelleria“ mit gutem Appetit eine „hessische Schnitzeltasche“, ein paniertes Schweineschnitzel, das mit Handkäse und Speck gefüllt ist, und mit grüner Soße, Bratkartoffeln und tomatisiertem Champagnerkraut serviert wird. Dazu trinkt er ein Glas Butzbacher Pils aus der örtlichen Brauerei, die seit 1466 besteht.

P.S.: Wenn man Wikipedia glauben möchte, bezeichnet „Butzbach“ auch das Kniegelenk des tasmanischen Geckos, einen Berg in Thüringen und eine Bucht auf der Taka-Tuka-Insel. Henry Butzbach (1868-1937) saß als Senator für Wisconsin acht Jahre im amerikanischen Parlament.

Dienstag, 5. Mai 2026

Bonetti wird Pointen-Broker

 

Blogstuff 1318

Merz mal wieder mit dem klassischen Glaskinn-Move vieler Politiker. Erst austeilen wie ein tollwütiges Muli und dann beim Einstecken die Mimose spielen, die beleidigte Leberwurst, den Prinzen auf der Erbse. Dann geh halt nach Hause zu Mutti, du Heulsuse!

Ich lasse schon lange keinen Besuch mehr in meine Wohnung. Die Leute sitzen mir die Stühle kaputt und trinken meinen Kühlschrank leer. Sehe ich nicht ein.

Was macht eigentlich Heinz Pralinski? Er leitet jetzt das Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement an unserem Coffee-to-go-Fenster.

Und Holgi? Baut die größte Ukulele der Welt und nennt sie Kontrabass, weil er ja schon immer gegen alles war.

Für mich jetzt schon der Versprecher des Jahres: „Der Schiedsrichter gibt Streifschuss … äh … Strafstoß.“ (Marcel Reif im Spiel Deutschland- Curacao).

Der Film „Roboshop“ von Bonetti Media spielt in einem fiktiven Einkaufszentrum im Jahr 2030, in dem die Kunden durch ein Raumspray unter Drogen gesetzt werden und von einer KI, deren suggestive Stimme aus diversen Lautsprechern kommt, Klamotten und Küchengeräte aufgeschwatzt bekommen. Wer später zum Umtausch in das Geschäft zurückkehrt, wird entführt und als Farmarbeiter in Mexiko eingesetzt.

Michael Schumacher fuhr nach seinem letzten WM-Titel noch fünf Jahre Formel 1, zwei Jahre für Ferrari und drei Jahre für Mercedes. Lewis Hamilton ist gerade im sechsten Jahr nach seinem letzten Titel 2020. König in dieser Kategorie ist natürlich Fernando Alonso, der 2006 seinen letzten WM-Titel und 2013 seinen letzten GP-Sieg holte. Er wird im Sommer 45. Warum können diese Jungs nicht aufhören?

Man kann einem berufstätigen Menschen gar nicht erklären, wie verschwenderisch meiner einer mit seiner Zeit umgeht. Seit fünfzehn Jahren lebe ich auf der anderen Seite der Uhr und des Kalenders. Wenn mich etwas interessiert, google ich es oder gehe gleich auf Wikipedia, wo ich schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen komme, und nach einer Stunde vergessen habe, was ich eigentlich ursprünglich wissen wollte. Jungen Leuten mag es mit TikTok ähnlich gehen. Eigentlich lerne ich auch nicht viel, denn am nächsten Tag habe ich alles wieder vergessen. Ich bin ein Herumtreiber auf den Weltmeeren der Information. Aber so entsteht jede Woche Blogstuff, völlig ungeplant und von niemandem bestellt.

Das kann auch nur ein Schriftsteller träumen. Ich bin mit meiner Schwester mittags in der Dorfkneipe, wo ich sonst immer nur Bier und Wein bestelle. An der Theke gebe ich einen Tee und einen Cappuccino in Auftrag. Ich komme mit der jungen Kellnerin ins Gespräch, die aussieht wie Sheldon Coopers Freundin. Wir haben beide eine Leidenschaft für Bibliotheken und nach ein paar Minuten küssen wir uns innig. Dann wache ich auf.