Montag, 12. Januar 2015
Vier Fäuste für ein Halleluja
Aus aktuellem Anlass wurde in den vergangenen Tagen ausführlich über religiösen Fanatismus debattiert. Religionen vermitteln offenbar nicht nur die scheinbare Gewissheit, über eine höhere Weisheit zu verfügen, sondern verleihen ihren Anhängern zusätzlich die Legitimation, sich über geltendes Recht und Gesetz stellen zu dürfen. Gewalttaten werden mit einer spirituellen Notlage begründet. Die Glaubensgemeinschaft müsse vor Gefahren geschützt oder die verletzte Ehre eines Gottes bzw. eines seiner Propheten müsse wieder hergestellt werden. Auch die Morde an den Mitarbeitern des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ fallen unter die Rubrik Ehrenmord.
Über Terroranschläge im Namen Allahs, über die Morde von Muslimen an ihresgleichen und Andersgläubigen wurde bis zum Erguss berichtet. Also habe ich ein wenig über andere Religionen und ihre gewalttätigen Fanatiker nachgedacht. Mit dem Christentum ist man schnell durch: Kreuzzüge, Inquisition, Shotgun Baptism, Nordirlandkonflikt usw. Auch der militante US-Imperialismus ist religiös fundiert. Zum Judentum genügen die Stichworte Israel und Siedlungsbau. Aber, so dachte ich: Was ist mit den Buddhisten? Das sind doch nette Leute. Nach zwei Minuten Recherche war ich ernüchtert: Die japanische Ōmu Shinrikyō-Sekte, die sich auf den tibetanischen Buddhismus beruft, verübte 1995 einen Giftgasanschlag auf die U-Bahn in Tokio, 13 Menschen starben und etwa tausend wurden verletzt. Und in Myanmar werden Muslime von radikalen buddhistischen Mönchen ermordet, nur die Punks helfen ihnen.
http://www.taz.de/!121316/
Man darf vor jeder Art von Religion also nur warnen. Trost und Hilfe bietet allein die Philosophie. Hat man jemals davon gehört, dass sich die Anhänger Kants und Schopenhauers, von Heraklit und Aristoteles geprügelt hätten? Oder gar zur Waffe gegriffen hätten? In der Philosophie werden, wie wir spätestens seit Monty Python wissen, sämtliche Meinungsverschiedenheiten auf dem Fußballplatz ausgetragen. Bei schlechtem Wetter diskutiert man miteinander in der Kneipe.
https://www.youtube.com/watch?v=P6DVxRweVsU
Das leere Zimmer
Das Zimmer war leer. Jacques lachte, als er mein enttäuschtes Gesicht sah, und zündete sich eine Zigarette an.
„Was hattest du für hundert Francs erwartet?“ fragte er mich und hustete. „Die gestohlene Mona Lisa?“
„Dieser verdammte Hurensohn hat mir gesagt, in diesem Zimmer würde ich die Wahrheit zum Mordfall Remedius van Huupe finden.“ Ich ging durch das kleine Mansardenzimmer und sah durch das Fenster auf die Rue Barbette hinab, wo ein nervöser Kleinwagen einen Laster ankläffte, der die Einfahrt versperrte.
„Die Wahrheit, die Wahrheit“, sagte Jacques und sog heftig an seiner Gitane Mais. „Die findest du überall in Paris. Das ist der Marais, Alter! Hier standen bis zur Revolution die Adelspaläste. Dann sind hier Arme, Obdachlose und Ganoven aus allen Teilen Europas eingezogen. Heute leben hier alle möglichen Leute zusammen.“
Ich sah ihn verständnislos an. Der kleine Mann mit der riesigen Adlernase redete eindeutig zu viel.
„Wer weiß, was sich in diesem Zimmer für Szenen abgespielt haben“ fuhr er gut gelaunt fort. „Hier hat Marie Antoinette vielleicht mit einem geheimnisvollen Liebhaber gevögelt. Oder hier stand die Badewanne, in der Marat ermordet wurde. Der Glöckner von Notre-Dame hat hier auf einem Strohsack gelegen und von seiner Esmeralda geträumt. Denk dir was aus! Du bist der Typ, der die Geschichten schreibt.“
„Ich brauche jetzt einen Pastis. Oder zwei“, sagte ich erschöpft. Seit einer Woche jagte ich schon der Geschichte nach. Und nun stand ich in diesem leeren Zimmer.
„Das ist das erste vernünftige Wort, das ich von dir höre. Jetzt gefällst du mir schon besser“, sagte Jacques und grinste so breit, dass sein Gesicht tiefe Falten warf. „Lass uns in die Bar Picolli gehen. Die ist hier ganz in der Nähe und der Wirt kennt alle Geschichten dieser Gegend.“
Die Wahrheit, dachte ich, als wir das enge Stiegenhaus hinabgingen. Scheiß auf die Wahrheit. Ich brauche Inspiration. Was ist die Wahrheit? Adam hatte keine Mutter und keine Kindheit, Eva war eine Vollwaise und das Paradies war kein Paradies, denn Gott hatte seinen Bewohnern Verbote mit auf den Weg gegeben und eine Schlange erschaffen, die ihnen völlig idiotische Ratschläge gab. Und das war erst der Anfang.
Les négresses vertes - C'est pas la mer a boire. https://www.youtube.com/watch?v=MKwwjRogBvA
Sonntag, 11. Januar 2015
Am Ende des Mondes sind wir alle Platoniker
Bären und Heizungen brummen
Sänger und Bienen summen
Frost und Gläser klirren
Leitungen und Libellen sirren
Menschen und Scheiben schwitzen
Ich und der FC Bayern haben einen sitzen
Pferde und Aktien laufen
Zeit und Hosen kann man kaufen
Mut und Mercedes kannst du besitzen
Augen und Gewitter blitzen
Ziegen und Ungerechtigkeit schreien
Teller und Ehen entzweien
Wir können Liebe und Betten machen
Himmel und Kinder lachen
Geld auf der Straße und Freunde finden
Bücher und Menschen binden
Fürze und Böller - beide krachen
Ich könnte ewig so weitermachen
Vieles reimt sich ohne Sinn
Für den Leser kein Gewinn
P.S.: Mit dem Satz „Am Ende des Mondes sind wir alle Platoniker“ bin ich heute Morgen aufgewacht. Ein junger Autor, ich schätze ihn auf Mitte Zwanzig, sagte ihn im Dialog mit einer scharfen Kritikerin seiner Texte, einer pensionierten Studienrätin mit blondierter Dauerwelle. Merkwürdiger Traum. Warum am Ende des Mondes und nicht am Ende des Tages oder des Lebens? Und warum Platoniker? Mit philosophischer Erkenntnis, mit dem Blick unter die Oberfläche der Dingwelt und der Suche nach Wissen jenseits des bunten Rummelplatzes der Medien, haben wir es ja eigentlich auch nicht so in diesem Jahrhundert, oder? „Das gröbere Organ sieht viele scheinbare Gleichheit“, schreibt Nietzsche, „der Geist will Gleichheit, d. h. einen Sinneneindruck subsumiren unter eine vorhandene Reihe.“
Green Day - When I Come Around. https://www.youtube.com/watch?v=i8dh9gDzmz8
Samstag, 10. Januar 2015
Lebenskunst
Kann es einen solchen Zufall wirklich geben? Sonja und Frank lernten sich an der Universität der Künste in Berlin kennen. Sie waren beide Studenten in der Fachklasse von Floyd Hinterman, einem amerikanischen Professor, der mit seinen schreiend bunten Grafiken schon in den neunziger Jahren in New York für Furore gesorgt hatte. Sonja Lippschitz, die unter dem albernen Künstlernamen Vicky Durstojewski gerade ihre erste Ausstellung in einer Neuköllner Galerie „verwirklicht“ hatte, wie sie gerne sagte, arbeitete an Collagen aus „objets trouvés“, die sie auf ihren Spaziergängen durch die Stadt sammelte. Frank Aschinger war ein Multitalent: tagsüber Briefträger und Poet, nachts Schlagzeuger der „Gescheiterten Exzellenzen“ und Graffiti-Künstler. Mit dem Lyrik-Band „Weasel words – faule Ausreden“ wurde er Jahre später zu einem geachteten Mitglied des literarischen Untergrunds in Berlin.
Sie waren schon längst ein glückliches Paar, als sie sich eines Abends gegenseitig die profane Wahrheit über ihre Herkunft beichteten. Kann es einen solchen Zufall wirklich geben? Sie waren beide aus Wichtelbach im Hunsrück – und sie waren sich tatsächlich noch nie begegnet. Wie konnte das geschehen? Das ist ganz einfach: Sonjas Vater, Hubertus Lippschitz, arbeitete als Immobilienmakler in Wiesbaden und war der reichste Mann von ganz Wichtelbach; Franks Vater, Günter Aschinger, war ein Säufer und Schnorrer. Na und? Wir leben im 21. Jahrhundert und es handelt sich um zwei erwachsene Menschen, die zusammen in Berlin leben. Was interessieren uns ihre Väter im über sechshundert Kilometer entfernten Wichtelbach? Aber sie hatten ein Problem, als sie ein Jahr später heiraten wollten.
Frank rief seinen Vater an und erklärte ihm alles. Die Tochter vom Lippschitz? Der alte Aschinger wollte es gar nicht glauben. Er fragte seinen Sohn, ob dieser arrogante Bonze, der in einer umgebauten Mühle aus dem 18. Jahrhundert residierte, schon über die bevorstehende Hochzeit informiert wäre. Nein, sagte Frank. Der Vater solle doch bitte dem als schwierig geltenden Lippschitz die Erlaubnis abringen, da Sonja gerne im Kreise der Familie und der Freunde in der Wichtelbacher Dorfkirche getraut werden wolle. Davon habe sie schon immer geträumt. Also gut, willigte Aschinger ein, gleich heute Abend werde ich zu Lippschitz in die Mühle gehen, denn tagsüber war der Makler in seiner Wiesbadener Büro und Aschinger besaß weder ein Auto noch einen Führerschein.
Nun waren es noch einige Stunden bis zum Abend und der Vater des künftigen Bräutigams war ob des unverhofften Glücks ganz unruhig. Er lief in seiner winzigen Wohnküche auf und ab, und bald darauf hatte er zur Beruhigung den ersten Schoppen getrunken. Wir ahnen es alle. Als er am Abend an der Haustür der Familie Lippschitz klingelte, war er sternhagelblau. Die Haushälterin öffnete und erkannte den alten Aschinger sofort. Schließlich kam er regelmäßig vorbei, um nach Kleingeld für die Dorfschenke oder einem guten Bissen zu fragen. Gelegentlich gab sie ihm etwas Brot und Käse, aber heute Abend hatten die Herrschaften Besuch von einem Arztehepaar, das sich für einen Gutshof in der Nähe interessierte. Also wollte Frau Jellinek, so hieß die wohlbeleibte Haushälterin, den streng nach Alkohol riechenden Schnorrer schnellstens vertreiben.
Aber Aschinger blieb hartnäckig. Er wolle nichts zu essen, noch nicht einmal Geld. Es ginge um eine wichtige Angelegenheit. Und er schlug so lange Lärm, bis der vor Zorn dunkelrot geschwollene Herr Lippschitz persönlich an der Tür erschien. Aschinger, ein dürres Männchen, dem nur wenige Zähne verblieben waren, strahlte über das ganze Gesicht. Er begrüßte den Immobilienmakler als künftiges Familienmitglied und eröffnete ihm nicht nur die Nachricht von der bevorstehenden Hochzeit, sondern malte ihm ein rosiges Bild des zukünftigen Lebens der glücklich verbundenen Familien in Wichtelbach. Hubertus Lippschitz bekam einen Tobsuchtsanfall, packte den zwei Köpfe kleineren Aschinger am Kragen und zerrte ihn vom Hof. Mit einem gewaltigen Tritt in den Hintern beförderte er ihn auf die Landstraße und schloss das Hoftor.
Lippschitz telefonierte mit seiner Tochter. Bisher hatte er nur gewusst, dass sie in Berlin einen Freund hatte. Aber er hatte ja keine Ahnung, um wen es sich dabei handelte. Der Sohn von diesem Kretin Aschinger, der zum Gespött der ganzen Gegend geworden war. Der von Haustür zu Haustür, von Kneipe zu Kneipe zog! Niemals würde er dieser Hochzeit zustimmen. Unter keinen Umständen. Aber auch der alte Aschinger war wütend. Wie konnte man ihn so behandeln? Er hatte es gelernt, mit Demütigungen zu leben, aber das war eindeutig zu viel. Er telefonierte mit seinem Sohn. Niemals würde er dieser Hochzeit zustimmen. Unter keinen Umständen.
Sonja Lippschitz und Frank Aschinger beschlossen, nach Wichtelbach zu fahren, um die Dinge zu klären. Sonja redete mit ihrem Vater. Der Beschluss war unumstößlich. Frank und sonst keiner. Aber Lippschitz gab keinen Millimeter nach. Auch Frank redete mit seinem Vater. Aber es nutzte nichts. Die beiden alten Männer waren unversöhnlich. Was sollten sie tun? Wieder nach Berlin zurückfahren? Ohne Familie heiraten? Ihre Kinder ohne Großeltern aufwachsen lassen? Nein. Sie wollten sich den sturen Alten nicht beugen. Also griffen sie zu einer List: Kunst.
Am Abend traf Frank seinen Vater in der Dorfkneipe und spendierte ihm solange Schnaps und Wein, bis er ihm ein Versprechen abgerungen hatte. Der alte Aschinger würde der Hochzeit zustimmen, wenn der reiche Lippschitz einen Tag wie er lebte. Ein Tag wie ein armer Schlucker zu leben, das war die Bedingung. Frank war zufrieden und in der Nacht malte er gutgelaunt die Außenmauer der Mühle an. Und als der alte Lippschitz am Morgen in sein Auto steigen wollte, blickte er in lauter lachende Kindergesichter in sämtlichen Regenbogenfarben.
Sonja hatte derweil den Bürgermeister von Wichtelbach in den Plan eingeweiht und bald entstand auf dem Marktplatz eine beeindruckende Installation aus Alltagsgegenständen, die den Wichtelbachern entbehrlich schienen. Frank saß vor dem Kunstwerk auf dem Boden und spielte Bongo. Wer mochte, konnte ein wenig Kleingeld in einen Hut werfen. Sonjas und Franks Freunde kamen, machten Fotos und Podcasts und stellten das Event ins Internet. „Wichtelbach macht sich frei“ schaffte es in kurzer Zeit in alle lokalen Medien und verbreitete sich rasant im Internet. Der Name Lippschitz wurde ebenso bekannt wie der Name Aschinger und bald wurde der Immobilienmakler von seinen Kunden auf die Aktion angesprochen.
Der alte Lippschitz kam also zum Marktplatz und fragte seine Tochter, was das alles eigentlich solle. Man würde schon über ihn sprechen. Sie erklärte ihm, dass sie Frank in Wichtelbach heiraten wolle, und er nicht nur zustimmen, sondern auch noch einen Tag wie Günter Aschinger leben müsste. Außerdem würden sie von diesem Tag ein Video machen und es bei Youtube veröffentlichen. Lippschitz stand kurz vor einem Herzinfarkt, aber dann kam das Beste: Seine Tochter erklärte ihm, dass sie am Sonntag splitternackt und mit dem Spruch „Kunst darf alles“ auf dem Oberkörper die katholische Kirche stürmen wolle. Lippschitz bekam einen Schwächeanfall und musste sich kurz auf das Kopfsteinpflaster legen. Dann gab er auf. Der Hochzeit stand nichts mehr im Wege.
Am nächsten Tag holte der alte Aschinger den Immobilienmakler vor der Mühle ab. Er erklärte ihm, er solle beim Schnorren erzählen, er sei bankrott und nun auf jede Hilfe angewiesen. Um neun Uhr morgens ging es los. Lippschitz klingelte in seinem ältesten Sakko an der ersten Tür. Aschinger und seine zukünftige Schwiegertochter mit der Kamera hielten sich unauffällig im Hintergrund. Lippschitz erzählte, er sei völlig pleite, müsse die Mühle verkaufen und bitte um eine kleine Spende oder wenigstens ein Stückchen Brot. Hämisch wurde er abgewiesen. Das würde ihm ganz Recht geschehen, sagte der Hausherr. Und: Von mir kriegen Sie nichts. An der nächsten Tür bekam er zu hören, er habe sich in all den Jahren nie um Wichtelbach gekümmert. Habe sich nie im Dorf blicken lassen. Bei keinem Gemeindefest, keinem Gottesdienst. Habe weder gespendet noch den Sternsingern die Tür geöffnet. Rumms! Schon flog die Tür zu.
Lippschitz musste sich eine Menge anhören. Beleidigungen, Demütigungen. Auch von Leuten, die ihn nicht kannten. Er solle sich Arbeit suchen. Er solle sich schämen, bei anständigen Menschen zu betteln. Er solle machen, dass er von hier verschwindet. Aber er bekam gelegentlich auch etwas zu essen, ein Butterbrot, hier ein Stück Wurst, da ein Stück Käse und einmal sogar ein großes Stück Pflaumenkuchen. Als um 18 Uhr die Uhr des Kirchturms schlug und die Dorfkneipe öffnete, war er müde und erschöpft, aber er war nicht hungrig und hatte immerhin fast zehn Euro in der Tasche. Das Geld vertrank Lippschitz mit dem alten Aschinger und einen Monat später wurde in Wichtelbach eine rauschende Hochzeit gefeiert. Das Video behielt Sonja auf ihrer Festplatte – falls ihr Vater jemals diesen Tag als Aschinger vergessen sollte.
P.S.: Ich habe diese Geschichte nur nacherzählt. Das Original ist von Egon Erwin Kisch und heißt „Des Parchkopfs Zähmung“. Vermutlich hat er diese Geschichte von jemandem gehört, der sie wiederum von jemand anderem erzählt bekommen hat. Sie klingt jedenfalls unglaublich alt. In der ursprünglichen Version macht die Tochter eines „Börsenrats“ aus Mähren einen Hungerstreik.
The Love Committee – Love Rules. https://www.youtube.com/watch?v=m695yJdmobw
Salafistenwitze
Es ist bald Fastnacht und wir sollten uns durch die Terroranschläge nicht den Spaß am Leben verderben lassen. Hier also ein paar Witze für die närrische Zeit. Das Niveau ist unterirdisch, das muss ich zugeben:
Wie viele Salafisten braucht man, um eine Glühbirne einzudrehen? Nur einen. Denn die Typen haben absolut keinen Humor.
Die salafistische Stadtbücherei musste geschlossen werden. Jemand hat den Koran gestohlen.
Was sind vier Salafisten auf dem Bahnhofsklo? Artgerechte Haltung.
Was sitzt in einer französischen Druckerei und sieht aus wie ein Salafist? Ein Salafist.
Sala-Fisting wurde vom IS als olympische Disziplin vorgeschlagen.
Kommt ein Salafist ins Tattoo-Studio. „Können Sie mir ‚Allahu Akbar‘ auf den Arsch tätowieren?“ Antwortet der Tätowierer: „Kein Problem, nehmen Sie schon mal den Turban ab.“
Kommt ein Salafist nach einem Selbstmordattentat ins Paradies und fragt nach seinen 72 Jungfrauen. Da schickt ihn Allah auf eine Star Trek Convention.
Was ist der Unterschied zwischen einem Salafisten und einem Tumor? Tumore können gutartig sein.
Ein Salafist kommt mir mit einem Hammel unterm Arm entgegen. Frage ich: „Wo hast du denn diesen Hammel her?“ „Den hab ich beim Bingo gewonnen“, antwortet der Hammel.
Was ist ein 50jähriger Selbstmordattentäter? – Ein Spätzünder!
Was macht ein Salafist, nachdem der IS in Syrien und im Irak gesiegt hat? – Er macht die Playstation aus und geht ins Bett.
Sagt der Ausbilder im Trainingscamp zum Salafisten-Nachwuchs: „Ihr seid so schlecht, dass fünfzig Prozent von euch nicht an der Front eingesetzt werden können.“ – Sagt ein junger Salafist: „Fünfzig Prozent? Aber so viele sind wir doch gar nicht.“
Freitag, 9. Januar 2015
Mauerpark – Wie die Großen mit den Kleinen spielen
Kinder, wie die Zeit vergeht! Aber auf der Bühne spielen sie immer noch das gleiche Stück. Nach all den Jahren sind aber – wie bei endlosen Musical-Projekten – neue Schauspieler in die alten Rollen geschlüpft. So wird der habsburgische Reichsvogt Hermann Gessler inzwischen von einem CDU-Nachwuchsschauspieler namens Carsten Spallek dargestellt. Als ich noch die Ehre hatte, als Kiezschreiber des Brunnenviertels der Aufführung beizuwohnen, mimte ein gewisser Ephraim Gothe von der SPD den Vertreter der Obrigkeit gegenüber dem rebellischen Fußvolk der Bundeshauptstadt, Kanton Mitte.
Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre. Es ist nun bald fünf Jahre her, dass „die Bezirke Mitte und Pankow, die Grün Berlin GmbH und das Quartiersmanagement Brunnenviertel-Brunnenstraße am 7. Juli zu einer Bürgerwerkstatt ins Olof-Palme-Jugendzentrum eingeladen“ hatten (Zitat aus meinem Artikel auf der Homepage des Quartiersmanagements Brunnenviertel-Brunnenstraße). Und weiter weiß der brave Chronist zu berichten: „Ziel der Veranstaltung war es, ein Arbeitsgremium aus Betroffenen und Beteiligten zu bilden: Bürgerinnen und Bürger der angrenzenden Stadtteile, Vereine und Initiativen, Verwaltung, Schulen und viele mehr.“
Am 15. September 2010 war dann die erste Sitzung jener inzwischen legendär gewordenen Volksverarschung, deren Details ich mir in diesem Text ersparen möchte. Ich habe keine einzige Sitzung der anfangs noch 32 Teilnehmer verpasst. Es wurde diskutiert, es wurden Ideen entwickelt. Die eingeladenen Menschen haben sich intensiv mit dem Mauerpark befasst, haben Zeit und Energie investiert – und sind doch nur von Volks- und Firmenvertretern verhöhnt und ausgelacht worden. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse in der Ernst-Reuter-Oberschule, da standen Gothe und Konsorten im hinteren Teil des Saals und feixten wie die Schulbuben über die naiven Wünsche der Anwohner aus den angrenzenden Stadtvierteln.
Am Ende, im Frühling 2011, waren es gerade noch ein Dutzend Leute, die unter der Führung von obrigkeitstreuen SPD-Mitgliedern die Farce einer Bürgerbeteiligung simulierten. Aber auch sie sind inzwischen von der Plutokratie Berlins und ihren Erfüllungsgehilfen in der Verwaltung von der Bühne gefegt worden. C’est fini la comédie. Zwischen den Bau-Herren und den Rats-Herren wurde ein Vertrag geschlossen. Basta! Und gnädigerweise dürfen die Freunde des Theaters, die Liebhaber der Groteske, ein wenig Mäuschen spielen und der Präsentation der hochherrschaftlichen Pläne am 20. Januar um 18 Uhr in der Ernst-Reuter-Oberschule, Stralsunder Straße 57, beiwohnen. Für uns alle war es ein Lehrstück in Sachen „Demokratie“. Wer verkleidet sich als Wilhelm Tell?
P.S.: Hier ein Link zum unvergesslichen Höhepunkt der Theatersaison 2010/2011.
http://kiezschreiber.blogspot.de/2011/02/alles-wunderbar-in-hohle-65.html
Fender
Motörhead - Ace of Spades. https://www.youtube.com/watch?v=vj4vQCA0fo4
Fender. Wer denkt bei diesem Namen nicht an E-Gitarren und Verstärker? Ich denke an meinen alten Freund Thomas Fender zurück.
Fender war ein Idealist. Er konnte sich maßlos begeistern und jeden Anwesenden mit seiner Begeisterung anstecken. Ein mitreißender Kerl, der dröhnend lachen und plötzlich losbrüllen konnte. Voller Energie. Er vibrierte vor Abenteuerlust, er redete, redete, redete und konnte keine Minute stillsitzen.
Ich habe keine Ahnung mehr, wie ich ihn kennengelernt habe. Irgendjemand aus unserer Clique hatte ihn mitgebracht. Diesen dünnen drahtigen Kerl mit den schulterlangen blonden Locken und dem Dauergrinsen. Er war aus Bingen, nicht weit von unserer kleinen Heimatstadt Ingelheim entfernt. Er konnte saufen wie ein Loch und ging keiner Droge aus dem Weg. Er nahm vom Leben mit, was er kriegen konnte.
Fender war Musiker und Kommunist. Er war Sänger in einer Band, die sich seiner Meinung nach auf „Speed Fucking Metal“ spezialisiert hatte. Ich habe ihn nur einmal live auf der Bühne erlebt. Es war unglaublich laut, die Musik war unglaublich schnell und er hat die ganze Zeit irgendetwas ins Mikrophon gebrüllt, das keiner verstanden hat. Im Publikum langhaarige Headbanger mit zerfransten Kutten voller Totenkopf- und Eintracht Frankfurt-Aufnähern, die wild den Kopf schüttelten. Ich glaube, die Band kam mit zwei statt der üblichen drei Akkorde aus.
Er war Mitglied der SDAJ, der sozialistischen deutschen Arbeiterjugend, und hatte auf jede Form von Ausbeutung, eigentlich auf jede Art von Arbeit einen tiefen Hass. Soweit ich mich erinnern kann, hatte er einen Hauptschulabschluss. Von was er lebte, wusste ich nicht. Einmal saßen wir zu dritt in meinem Zimmer, Fender, die Trinkmaschine und ich. Meine Mutter saß mit ihrem Freund im Wohnzimmer und hatte irgendwann die Idee, dass man doch gemeinsam trinken könnte. Also schleppten wir meinen Bitburger-Kasten ins Wohnzimmer und fingen an, uns zu unterhalten. Nach zehn Minuten brüllte Fender meine Mutter und ihren Freund an, sie wären miese Spießerschweine und Teil des „Fascho-Systems“, in dem der Mensch versklavt würde. Meine Mutter und ihr Freund waren total erschrocken. Sie arbeitete als Putzfrau, er als Buchhalter in einem Autohaus.
Aber so war Fender. Überall lauerte der Feind. Irgendwann hatte er dann eine eigene „Wohnung“. Es war ein Zimmer im Keller eines Mehrfamilienhauses, Klo auf der anderen Seite des Gangs. Dort rauchten wir das mieseste Gras des Universums, aber Fender schrie plötzlich „Ich hab Visionen!“ Und so, wie er die Augen aufriss, glaubte er vermutlich selbst daran. Später hat dann die Polizei wegen nächtlicher Ruhestörung der Party ein Ende gemacht. Irgendein Spießer hatte ihn an das System verraten. Immer das gleiche! Ein anderes Mal hatte er behauptet, er hätte Tollkirschen gefunden, und wir machten uns auf einen Samstagabend im Drogenrausch gefasst. Fender kam wie erwartet drauf wie tausend Russen, wir anderen merkten nichts. Wie auch? Es waren Wildkirschen. Für uns war es ein mäßig lustiger Obstabend, aber Fender war in voller Fahrt.
Dann hatte er seine erste Freundin. Sie fuhren nach Jugoslawien in den Urlaub. Voller Stolz zeigte er mir die Nacktfotos, die er von ihr im Wald gemacht hatte. Ich sah ein Mädchen mit langen dunklen Haaren, die auf einem Baumstumpf saß, sie hatte kleine spitze Brüste und einen gigantischen rabenschwarzen Busch bis zum Bauchnabel. Ich habe nie wieder in meinem Leben so viele Schamhaare gesehen. Ihr Gesicht wirkte traurig und einsam. Aber Fender hat laut gelacht und gestrahlt. Es war der beste Urlaub seines Lebens und die tollste Frau der Welt. Drunter hat er es nie gemacht.
Es muss 1986 gewesen sein, als ich in meiner damaligen Stammkneipe, dem Pony Express in Ingelheim, von seinem Tod erfahren habe. Er war keine zwanzig Jahre alt geworden. Hatte sich einfach vor den Zug geworfen. Niemand kannte den genauen Grund. Kein Abschiedsbrief, nichts. Wir waren alle ratlos. Fender – ein Leben wie eine Silvesterrakete. Ein Vollblut-Rocker und Klassenkämpfer, ein Freund, auf den man sich hundertpro verlassen konnte. Wie viele Fenders haben wir auf unserem Weg zurückgelassen?
George Shearing - Canadian Sunset. https://www.youtube.com/watch?v=W1UZZNmYanc
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