Donnerstag, 4. Februar 2016
Die zwölf Lebensprinzipien der Shaolin
1. Lebe im Hier und Jetzt, ohne den Moment zu bewerten.
2. Nur durch Achtsamkeit kommt die Einsicht in andere und in dich selbst.
3. Tue Dinge ganz oder lass sie sein.
4. Begierde macht dich berechenbar, verletzbar oder erpressbar.
5. Lass dich nie zu einer Handlung hinreißen.
6. Besiege Eile mit Langsamkeit.
7. Nur durch Nachahmung kannst du andere besser einschätzen.
8. Schaffe Gelegenheiten und warte auf sie, um sie für dich, aber gegen deine Feinde zu verwenden.
9. Wenn du nachgibst, lässt du die Energie des Gegners ins Leere laufen.
10. Wahre Überlegenheit ist die Kunst, kampflos zu siegen.
11. Löse dich von übernommenen Meinungen und prüfe deine eigene stets aufs Neue.
12. Alles, was du bist und was du wirst, liegt nur in dir selbst.
Heinz Pralinski auf Welttournee
„Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation.“ (Sigmund Freud)
Es war in der Zeit, als Heinz Pralinski noch als Roadie für eine Speed-Polka-Band namens „Five Finger Discount“ mit dem Tourbus unterwegs war. Damals waren sie mit ihrem Riesenhit „Booze, Drugs and No Life Insurance“ in den Charts und hatten eine Riesentournee geplant: Bad Kissingen, Coburg, Kulmbach und Amberg.
Pralinskis Aufgabe war es, die Bandmitglieder mit einem elektrischen Viehtreiber von den Alkohol- und Speedvorräten im hinteren Teil des Busses fernzuhalten. Richtig übel wurde die Tour, als der Schlagzeuger von „Noise Pollution“ zur Band stieß, weil der Rest seiner alten Kapelle gerade im Knast saß. Tennessee Käsbohrer brachte die Band auf Crystal Meth und man beschloss, erst gar keine Setlist für die Auftritte zu machen, sondern einfach zu improvisieren. Jeder für sich allein. Der Sänger Maik Frostikowski war so fertig, dass er sich einmal auf einem Parkplatz auf den Boden legte und mit einem Strohhalm eine Line Ameisen gezogen hat.
Der Tourbus, ein umgebauter Linienbus der SVBH (Städtische Verkehrsbetriebe Bad Nauheim), hatte einen Kühlschrank, der mit Jack Daniels und Bier gefüllt war. Beliebt waren fifty-fifty-Mischungen. Außerdem gab es eine Mikrowelle, in der diverse überfahrene Tiere oder andere Gegenstände zur Sprengung gebracht wurden. Ein Teil der Sitze war ausgebaut worden, dort lagen Matratzen auf dem Boden. Gepinkelt wurde aus dem offenen Seitenfenster. Es gibt nicht viele Tour-Bands auf der Welt, die niemals Groupies hatten, aber „Five Finger Discount“ hat es geschafft.
In jenen Tagen war es in der Speed-Polka-Szene nicht üblich, sich zu waschen oder die Lederklamotten zu wechseln. Die Veranstalter lösten das Problem, in dem vor der Bühne riesige Ventilatoren installiert wurden, die den Gestank zurück in Richtung Band bliesen. Zur Grundausstattung des Backstage-Bereichs gehörte Wodka, Kokain und Erdnussflips. Der Gitarrist spielte mit einem abgeschlagenen Flaschenhals auf Saiten aus Hühnerdraht, der einfach quer über sein Instrument gespannt war. Der Schlagzeuger spielte mit gusseisernen Drumsticks auf diversen alten Autotüren und Blechbüchsen.
Dieses Leben „on the road“ dauerte mehrere Wochen. Die Zeit zwischen den Konzerten verbrachten die Band und ihre Roadies auf Autobahnraststätten, in Autokinos und in Bars. Manchmal bretterten sie auch einfach nur besoffen über die Landstraße. Auf diese Weise wurden die Einnahmen aus den Auftritten sofort wieder „reinvestiert“. Leider gibt es kein einziges Foto von dieser Tour, aber Heinz hat darüber das Buch „Ganz tief in der Scheiße“ geschrieben.
P.S.: Die Band hat sich inzwischen in „Lobotomie 28“ umbenannt und macht Fahrstuhlmusik für Großbanken.
Ozzy Osbourne – Dreamer. https://www.youtube.com/watch?v=LCCiwPEdEpg
Mittwoch, 3. Februar 2016
Die Befreier kommen
„Die Tafeln vom Sinai haben ihre Gültigkeit verloren. Das Gewissen ist eine jüdische Erfindung. Es ist wie die Beschneidung eine Verstümmelung des menschlichen Wesens (…) Die Vorsehung hat mich zum größten Befreier der Menschheit vorbestimmt. Ich befreie den Menschen von dem Zwange eines Selbstzweck gewordenen Geistes, von der schmutzigen und erniedrigenden Selbstpeinigung einer Gewissen und Moral genannten Chimäre und von den Ansprüchen einer Freiheit und persönlichen Selbständigkeit, denen immer nur ganz wenige gewachsen sein können.“ (Adolf Hitler, zitiert nach Herrmann Rauschning: Gespräche mit Hitler, Europa Verlag, Zürich – Wien – New York 1940)
Um die aktuelle Befreiung von unserem Gewissen liefern sich gerade CSU, SPD, NPD und AfD ein Wettrennen – und auch die Merkel-CDU, die Grünen und die Linken wollen dabei nicht fehlen. Wir müssen nicht gespannt sein, wer gewinnt. Und auch in anderen europäischen Ländern wie in Frankreich, Polen, Ungarn und den skandinavischen Ländern sind die Rechten auf dem Vormarsch. Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass dieser Zug nur langsam ins Rollen kommt. Wenn er aber erst einmal Fahrt aufgenommen hat, ist sein Bremsweg auch sehr lang.
Blogstuff 24
„Kann ich hier mal kotzen, ich bestell auch was.“ (Barney Gumble)
Gibt es eigentlich schon den Ausdruck „Bio-CDU“ für die Grünen?
Ich habe mir nur ein einziges Mal im Leben ein teures Notizbuch gekauft. Es hat dreißig Euro gekostet. Handgeschöpftes Büttenpapier mit eingeschlossenen Blütenblättern, in dickes Leder mit Prägung (irgendein Muster) gebunden. Ansonsten habe ich ja immer die kleinen Vokabelhefte von Herlitz, 64 Seiten. Zwei Stück kosteten früher bei MäcGeiz 50 Cent. Hatte mir gleich einen Vorrat angelegt. Und was passiert mit dem teuren Notizbuch? Es wird mir bei einem Wohnungseinbruch geklaut, bevor ich auch nur eine einzige Zeile hinein geschrieben habe. Was wollen diese Penner mit so einem Notizbuch? Seit wann schreiben Einbrecher Kurzgeschichten?
Am 20.1.2016 ist ein Text mit dem Titel „Wie wichtig ist die Penisgröße für die Frau?“ mit über 182.000 Zugriffen der meistgelesene Artikel auf Zeit Online. Irgendwie hatte ich Die Zeit anders in Erinnerung, damals in den 80ern und 90ern, als ich noch Abonnent der Printausgabe war. Heute ist sie ein Boulevardblatt wie der Spiegel, die Welt, die Bild usw. Aber offenbar trifft dieses Angebot genau die Nachfrage durch das Publikum. Wenn dieser Artikel Nummer 1 ist, werden wir in der Zeit noch mehr Trash auf diesem Niveau zu sehen bekommen.
Es muss nicht immer gleich ein Adler sein. Die Familie Gans Edle Herren zu Putlitz gehört bis heute zum märkischen Uradel. Ihr Wappen ziert eine gekrönte Gans.
Ich bin der einzige Narodnik in Rheinland-Pfalz. Ich begebe mich zum einfachen Volk, kläre es über die sozialen Missstände auf und werbe für die Dorfkommune als Zelle eines neuen Sozialismus. Aber die Leute, mit denen ich spreche, sind entweder besoffen oder sie starren auf die Bildschirme ihrer Fernsehgeräte und Smartphones.
Wolodja ist der Kosename für Wladimir. Warum nennen wir Putin nicht mal Onkel Wolodja? Wir sagen ja auch „Uncle Sam“.
Viele Profiboxer endeten tragisch: Charles „Kid“ McCoy war zehnmal mit sieben verschiedenen Frauen verheiratet, spielte in Stummfilmen mit, saß Haftstrafen wegen Juwelendiebstahls in London und wegen Totschlags in Los Angeles ab, arbeitete später als Gärtner und beging Selbstmord. „Beau Jacks“ (Sidney Walker) Karriere endete, wie sie begann: als Schuhputzer in einem Hotel in Miami. Joe Louis musste als „Grußonkel“ der Mafia im Ceasar’s Palace in Las Vegas sein Geld verdienen. Der schwere Alkoholiker „Two Ton“ Tony Galento, der einmal kurz vor einem Schwergewichtskampf bei einem Wettessen 52 Hot Dogs verdrückte – und dennoch gewann -, rang mit Kraken und boxte gegen Kängurus und Bären, später versuchte er sich als Schauspieler und Catcher. King Levinsky verkaufte als alter Mann noch Krawatten und gestohlene Uhren in Miami Beach, er bot Ali 1964 für den Fall einer Niederlage gegen Liston ernsthaft eine Geschäftspartnerschaft in diesem Gewerbe an. „Iron Mike“ Tyson landete als Vergewaltiger im Gefängnis. Viele konnten nach dem Ende ihrer Karriere nicht mit dem verdienten Geld umgehen und starben in Armut, andere wurden drogenabhängig wie Joe Louis und Sonny Liston oder litten an der Alzheimer-Krankheit wie Sugar Ray Robinson und Floyd Patterson.
Was macht Heinz Pralinski? Er arbeitet an einer Serie von Holzschnitten, die das Thema Massentierhaltung kritisch hinterfragen.
Er bewegte die Beine im Schlaf wie ein Hund, der von der Jagd träumt.
Wie rasend schnell die Medien die Terroropfer von Indonesien, Burkina Faso oder Pakistan wieder aus Augen verlieren. Keine Deutsche unter den Toten – aus völkischer Perspektive also belanglos.
Vergleicht man mal das Dritte Reich mit der dritten Republik (nach Weimar und alter Bundesrepublik sind wir nach meiner Zählung in der dritten), so fällt mir zunächst die geographische Ausdehnung ins Auge. Deutschlands Freiheit wird heute am Hindukusch verteidigt, also nicht allzu weit vom Nanga Parbat entfernt. Hitler kam nur bis zum Kaukasus. Die Bundeswehr ist heute in Mali im Einsatz, für die Wehrmacht war bekanntlich in el-Alamein Schluss.
Richard von Weizsäcker hatte als EKD-Präsident die Möglichkeit, in den Osten zu fahren, und hat auf diese Weise ein Kontaktnetz in der DDR geknüpft. Der Pharmakonzern Boehringer hat mit seiner Anstellung in den 60er Jahren dieses Kontaktnetz gekauft und über die österreichische Tochterfirma Bender + Co GesmbH in Wien ihre Produkte in die DDR verkaufen können, während der direkte Handel zwischen BRD und DDR noch verboten war. So kam Weizsäcker in die Industrie und nach Ingelheim. Und dort wurde er vom Ministerpräsidenten Kohl, der in Mainz regierte, entdeckt. So kam er in die Politik.
Andi Arroganti - Benzin in Berlin. https://www.youtube.com/watch?v=_05FzTeIca8
Dienstag, 2. Februar 2016
Aus dem Orchestergraben
„Denn wer das Grundvertrauen in Süddeutsche, Spiegel & Co. infrage stellt, darf keine Liebkosungen erwarten. Mächtige gesellschaftliche Institutionen haben kein Interesse daran, infrage gestellt zu werden. Das gilt auch für moderne Massenmedien. Wer in den 60er Jahren den Vietnamkrieg und die Rolle westlicher Medien kritisierte, wurde als ‚antiamerikanisch‘ diskreditiert. Wer den offiziellen Diskurs über die ‚Angriffe auf den Wohlfahrtsstaat‘ attackiert, ob nun als Agenda 2010 oder ‚Griechenlandrettung‘ maskiert, dem werden ideologische Kreuzzüge unterstellt. Bei der Ukraine-Krise landet man schnell neben Putin und Menschenrechtsverletzungen, früher waren es Stalin und der Gulag. Bei der Kritik an den Massakern der israelischen Regierung im Gazastreifen und deren medialer Präsentation wird rituell eine neue ‚Welle von Antisemitismus‘ ausgemacht. Und wer nach 9/11 in Vorbereitung auf den US-geführten Luftkrieg gegen Afghanistan nur leicht vom offiziellen Meinungskurs abwich, fand sich als Terroristen-Versteher einsortiert.“ (David Goeßmann)
Rührend ist wieder einmal die Debatte um die Unabhängigkeit des Journalismus in den Massenmedien, zu der man dieser Tage recht Erbauliches und Amüsantes lesen kann. Machen wir es kurz: Journalismus ist nicht unabhängig. Sollte es unabhängige Journalisten geben, so erfahren wir von ihnen nichts in den Massenmedien. Wir müssen uns schon selbstständig auf die Suche nach ihren Berichten und Kommentaren im Internet machen.
Die Massenmedien sind entweder von wenigen Konzernen kontrolliert, wenn sie der Privatwirtschaft angehören. Oder sie sind von den politischen Parteien kontrolliert, wenn sie öffentlich-rechtlich sind. Dazu gibt es ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht zur gebotenen Staatsferne, die offenbar nicht eingehalten wurde. Seit dem 1.1.2016 muss daher die Zusammensetzung der Fernseh- und Rundfunkräte verändert werden, um den Einfluss der Parteien zu begrenzen.
Wenn wir uns die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender genauer betrachten, so sind sie seit den Tagen meiner Kindheit immer fest in der Hand bestimmter Parteien. Die ARD als Zusammenschluss der föderal organisierten Anstalten ist ein Flickenteppich politischer Interessen, der den jeweils herrschenden Parteien in den Bundesländern entspricht: WDR und Radio Bremen sind SPD, Bayrischer Rundfunk ist CSU, MDR ist CDU usw.
Ein Sonderfall ist das ZDF. Adenauer hätte gerne ein eigenes Staatsfernsehen des Bundes gehabt, als Gegenstück zu den Landesrundfunkanstalten der Ministerpräsidenten. Das Bundesverfassungsgericht erlaubte es ihm nicht und so entstand als Ergebnis eines Staatsvertrags der Bundesländer das ZDF nach dem Prinzip der Landesrundfunkanstalten. Damit es aber dennoch Adenauers Sender wurde, siedelte man es im konservativen Süden der Republik an. In einer kleinen Provinzstadt namens Mainz. Warum nicht in einer Großstadt?
München war zum Zeitpunkt des Staatsvertrags (1961) bzw. des Sendebeginns (1963) von Hans-Jochen Vogel (SPD) regiert, Hamburg von Paul Nevermann (SPD), West-Berlin von Willy Brandt (SPD), Köln von Theo Burauen (SPD) und Frankfurt am Main von Werner Bockelmann (SPD). In Rheinland-Pfalz regierte von 1947 bis 1969 Peter Altmeier, ihm folgte Helmut Kohl. Auf diesen Standort konnte sich Adenauer verlassen, in der katholischen Provinz gab es keine kritischen Intellektuellen wie in den Metropolen. Mainz hat, begünstigt durch die Eingemeindung zahlreicher Dörfer, heute etwa zweihunderttausend Einwohner (1961: 135.000). Es gibt warme Mahlzeiten, die Straßen sind geteert und an zentralen Orten hat man Laternen aufgestellt. Das war’s aber auch schon. Das ZDF ist bis heute ein CDU-Sender geblieben und sendet in alter Regierungstreue an jedem Tag, den der Weltgeist werden lässt, pro Merkel.
Roland Koch (CDU), damals Ministerpräsident in Hessen, konnte es sich erlauben, Nikolaus Brender (ein Renegat, der die Junge Union verlassen hatte und danach parteilos blieb) als Chefredakteur zu schassen. „Es darf nicht sein, dass parteipolitische Seilschaften wieder versuchen, nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten im ZDF zu bestimmen“, schrieb ZDF-Moderator Klaus Kleber damals (Hervorhebung durch den Autor, M.E.). In einem Protestbrief, dem sich alle Hauptredaktionsleiter und bekannte Köpfe des ZDF anschlossen, wurde vor „dem schwerwiegende(n) Eingriff in die Rundfunkfreiheit“ gewarnt. Genutzt hat es bekanntlich nichts, immer wieder hört man von Beschwerdeanrufen hoher Politiker und deren Einflussnahme auf die politische Berichterstattung.
Das ist der Blick in den Orchestergraben dieser Republik. Und wenn Sie glauben, sie wären mit ihren Rundfunkgebühren oder ihren paar Groschen am Kiosk der Dirigent, ist Ihnen auf dieser Welt auch nicht mehr zu helfen.
Depeche Mode - Waiting for the Night. https://www.youtube.com/watch?v=oesHaIizRjA
Posteingang 2016
Sehr geehrter Herr E. (Name ist der Redaktion bekannt),
ich bin seit vielen Jahren Leiterin des Integrationsladens „Obervolta grüßt Oberhausen“ und möchte auf diesem Wege eines klarstellen: Die Berichterstattung über Flüchtlinge hat die Schmerzgrenze erreicht. Im Fernsehen, im Internet, in den Zeitungen – es scheint kein anderes Thema mehr zu geben. Allein in Ihrem Blog lese ich dazu in diesem Jahr sieben Einlassungen, das sind über 17 Prozent der Beiträge, wenn man einmal die schon lange nicht mehr lustige und überflüssige Reihe mit ostasiatischem Propagandamaterial unberücksichtigt lässt. Ich erinnere mich an das Jahr 2014, als die Hysterie in Sachen Ukraine kaum auszuhalten war und viele Deutsche mit einem Einmarsch des neuen Hitlers Putin in Polen („Fall Weiß“) und anschließend in der Bundesrepublik („Unternehmen Barbarossa“) rechneten. 2015 dann der Medien-Overkill mit dem Thema Griechenland. Die regelmäßigen Besucher unseres Integrationsladens, die übrigens traditionell gerne in Gruppen herumstreifen und nicht einsam mit einem Hund die trostlosen Trottoirs dieser Stadt bevölkern, beginnen sich langsam Sorgen um Ihre Sicherheit zu machen.
Herzliche Grüße
Bärbel Zwicker
P.S.: „Flüchtling“ ist übrigens ein Wort, das sich nicht gendern lässt. Wie wäre es mit dem Begriff „Person mit internationalem Mobilitätshintergrund (PIM)“?
Peter Gabriel - Moribund the Burgermeister. https://www.youtube.com/watch?v=Uhh3nNcstkw
Montag, 1. Februar 2016
Die Linke und der Islam
„Wir leben in einer Welt, worin ein Narr viele Narren, aber ein weiser Mann nur wenige Weise macht.“ (Georg Christoph Lichtenberg)
Es gibt Koalitionen, die kann man sich nicht ausdenken. Der Papst mit Madonna auf der Bühne eines Rockfestivals? Die Hells Angels beim gemeinsamen Fahrradausflug mit der Jungen Union Bielefeld? Die Linke und der Islam? Komm schon, Alter. Gibt’s doch gar nicht. Doch. Gibt’s. Und es ist ein flächendeckendes Phänomen.
Was haben Klassenkämpfer, Veganer, Umweltschützer, Feministinnen und Berufsbetroffene aller Art eigentlich mit islamistischen Terroristen gemeinsam? Die einen leben in der kuscheligen Komfortzone der westlichen Welt, die anderen schlafen mit der Kalaschnikow in Griffweite im brennenden Elendsgürtel rund um die Marzipanschlösser des goldenen Europa. Gemeinsamkeiten? Die gibt es – zumindest aus Sicht der Linken.
In ihren Augen sind die Soldaten des IS, von Al-Qaida, Taliban, Hamas usw. Kämpfer in einem Befreiungskrieg gegen Imperialismus, Neoliberalismus, Kapitalismus, Ausbeutung und Unterdrückung. Und es ist seit Generationen die heilige Pflicht eines guten Linken, den Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt Hilfe, Verständnis und Solidarität entgegenzubringen. Gemeinsam mit den unterdrückten und verarmten Massen des globalen Proletariats – hol mir bitte den Prosecco aus dem Kühlschrank, Gisela, ich bin gerade so schön in Fahrt – erheben wir stolz die Faust. Ein Prosit auf den Klassenkampf! Nein, Bernd Guevara, du musst dich deswegen auch nicht von der IKEA-Couch erheben. Lohnt nicht. Kommt eh gleich die Sportschau.
Deswegen sind viele Linke derzeit auch buchstäblich betriebsblind, wenn es um Kriminalität und Terrorismus geht. Denn der IS ist doch ihr Verbündeter. Der Terror von Paris wird mit der Unterdrückung der Muslime in den Banlieues erklärt, die tausendfache sexuelle Belästigung in der Silvesternacht in Windeseile verallgemeinert (bekanntlich sich alle Männer potenzielle Vergewaltiger, selbst der eigene Großvater). Jede Kritik am Islam könnte dem linken Kosmopoliten ja den Vorwurf des Rassismus eintragen. Und diese Keule wird in der politischen Diskussion gerne geschwungen, um den Austausch von Argumenten zu verhindern. Das kennt der Bernd. Wer Israels Politik kritisiert, ist ja auch sehr schnell ein Antisemit. Das alte Spiel: Wenn du nicht das Maul hälst, sage ich „Auschwitz“.
Was Bernd und die Linke aber gerne vergessen: Wir haben es heute nicht mehr mit Befreiungsbewegungen zu tun, die an Lenin, Mao oder Claudia Roth glauben, sondern mit religiösen Extremisten. Sie wollen nicht nur die politische Ordnung des Imperialismus und die wirtschaftliche Ordnung des Kapitalismus beseitigen – was zu loben ist -, sondern auch die Lebenswelt der Linken: die Autonomie des Einzelnen (vor dem Zugriff von Staaten und Konzernen), die Gleichheit innerhalb der Gesellschaft (von Mann und Frau, Heteros und Homos usw.), die Solidarität (unabhängig von Religionen, Hautfarben, Steuerklassen usw.) und der Pluralismus einer individualisierten Welt. Vom Hedonismus als heimlicher Religion des Westens will ich hier gar nicht anfangen.
Was macht Bernd? Eine differenzierte Betrachtungsweise würde ihm vom politischen Gegner als Schwäche ausgelegt werden und in seiner Bezugsgruppe könnte er schnell ein Außenseiter sein. Das aufrecht gehende Schaf braucht aber die Wärme seiner Herde – mehr noch als den Prosecco und die Couch. Also trotten die großen Herden weiter nebeneinander her. In den Wohnzimmern des Bürgertums röhrt auch weiterhin der Hirsch aus dem Bilderrahmen, in den Wohnzimmern der Linken blickt Che in eine Zukunft, die längst vorbei ist.
P.S.: Der linke Nachwuchs an den Universitäten fordert inzwischen übrigens einen „safe space“, eine behütete Zuckerwattekugel ohne Widersprüche und Kritik. Neo-Biedermeier. Jede Kleinigkeit wie das Tragen eines Sombreros im Karneval wird zum verdammungswürdigen Akt des Rassismus, man fällt über jede belanglose Äußerung her wie zur Zeit der chinesischen Kulturrevolution. Wer einer Frau im Restaurant in den Mantel hilft, ist natürlich ein Sexist. Man verliert sich in Manierismen und Petitessen: Frauenquoten in Aufsichtsräten, den Rechten von Transsexuellen oder dem Gendern von Substantiven. Währenddessen verändern der rechte und der islamistische Nachwuchs die Welt.
P.P.S.: Eine kurze Frage mag mir als Anmerkung noch erlaubt sein: Sehen wir IS und Konsorten als Kriminelle oder als feindliche Armee? In Syrien und im Irak bekämpfen wir den IS als Kriegspartei mit allen Konsequenzen wie der Akzeptanz unschuldiger Opfer („Kollateralschaden“), in unseren Städten ist die Polizei zuständig (die keine Kollateralschäden produziert, indem sie z.B. bei der Verfolgung der Täter blind in eine Menschenmenge feuert). Wann wollen wir uns entscheiden, wie wir konkret mit dem Gegner umgehen wollen? Die AfD hat es schon getan: auf die muslimischen Flüchtlinge darf an der Grenze gefeuert werden, wenn sie an der Macht sind.
Lebanon Hanover – Gallowdance. https://www.youtube.com/watch?v=WPw7nlluRdc
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