Dienstag, 18. Juni 2024

Wahre Liebe

 

Ein Ehepaar auf dem Sofa.

Er: Was wollen wir heute Abend machen?

Sie: Ich dachte, wir sehen uns einen Liebesfilm an.

Er: Einen was?

Sie: Heute ist Valentinstag.

Er: Auch das noch.

Sie: Er wird dir gefallen.

Er: Wenn es schon wieder Dirty Dancing ist, schreie ich.

Sie: Nein. Es geht um was ganz anderes.

Er: Ich will’s gar nicht wissen. Mach den Film einfach an.

Sie: Holst du mir noch Schokolade?

Er: Ist noch welche in der Küche?

Sie: Nein. Gehst du zur Tanke?

Er: Das sind 500 Meter. Da draußen sind vermutlich Schwerverbrecher unterwegs.

Sie: Es ist sieben Uhr.

Er: Kriminelle haben keine festen Arbeitszeiten.

Sie: Bitte.

Er: Na gut. Welche Sorte?

Sie: Ist mir egal.

Er wird laut.

Geht das wieder los. Dann hole ich irgendeine Schokolade und wenn ich zurückkomme, ist es die falsche. Und wir wissen beide, wie es weitergeht. Dann willst du Eis. Ich gehe wieder zur Tanke und weiß natürlich nicht deine Lieblingssorte. Dann hole ich Chips und am Ende eine Flasche Sekt. Kannst du vielleicht einmal im Leben eine Liste machen?

Sie schweigt und sieht nach unten.

Du liebst mich nicht mehr.

Er: Wir sind ein Paar. Es ist doch egal, ob wir uns lieben oder hassen. Na gut. Welche Schokolade?

Sie: Ist mir egal.

Er: Ist mir egal mit Nüssen oder Nougat-Ist-mir-egal?

Sie nimmt ein Kissen und schlägt es ihm minutenlang um die Ohren.

Er: Warum holst du nicht den Werkzeugkasten? Das geht schneller.

Sie schlägt wieder mit dem Kissen zu.

Er: Sehen wir uns jetzt den Liebesfilm an?

Sie lehnt sich an ihn.

Wir könnten auch ins Schlafzimmer gehen.

Er: Es ist erst sieben und ich bin noch nicht müde.

Nochmal eine volle Breitseite ins Gesicht.

Er: Na gut. Und was möchtest du da machen?

Sie: Ich werde dir das Kissen so lange aufs Gesicht drücken, bis der Sandmann kommt.

Samstag, 15. Juni 2024

Jahresrückblick 2024


Im Studio mit Günter Jauch: Andy Bonetti und Jeanne Goursaud.

„Herr Bonetti, wie haben Sie diese wunderschöne Schauspielerin kennengelernt?“

„Das war reiner Zufall. Wir saßen in der Achterbahn nebeneinander. In einer scharfen Kurve hat sie mir auf die Schuhe gekotzt. So hatten wir unser erstes Gesprächsthema.“

„Was ist dann passiert?“

„Wir haben unsere Versicherungsnummern ausgetauscht. Schließlich waren es 2000€-Schuhe von Manolo Blahnik. Jeanne stottert bis heute ihre Schulden bei mir ab.“

Publikum: Gelächter und Applaus.

„Nein, Günter, ich will Ihnen die Wahrheit sagen. Ich habe früher als Zauberkünstler gearbeitet. Jeanne war meine Assistentin. Ich habe sie immer mit der Ansage angekündigt: ‚Meine Damen und Herren, darf ich ihnen meine Mitarbeiterin vorstellen: die liebreizende Griselda.‘“

Publikum: Anhaltendes Gelächter.

„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“

„Genug der Späße. Jetzt erzähle ich Ihnen, wie es wirklich war. Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen, aber ich hatte vor einigen Jahren eine Vasektomie. Jeanne war damals Krankenschwester und hat die Intimrasur durchgeführt. Ich sage nur: Skrotum. Dabei habe ich mich in sie verliebt.“

Publikum: Gelächter und Standing Ovations.

„Das denken Sie sich doch alles nur aus.“

„Sie haben es endlich bemerkt, Häuptling Lange Leitung. Jetzt erzähle ich Ihnen, wie wir uns tatsächlich kennengelernt haben. Die wahre Geschichte oder der Blitz soll mich treffen. Ich habe in den achtziger Jahren Drogen genommen und bin auf einem Trip hängengeblieben. Als Jeanne mich fand, saß ich in Unterhosen auf einer Parkbank und habe mit den Tauben gesprochen.“

Publikum: Notärzte versorgen die Menschen, die ohnmächtig vor Lachen sind.

„Leben sie zusammen?“

„Ja, wir haben ein Haus in St. Tropez und zwei Katzen. Aber wir wollen noch etwas Kleines adoptieren.“

„Was?“

„Ein Meerschweinchen.“

Grimme-Preis.

P.S.: Jeanne Goursaud habe ich im Fernsehen kennengelernt. „Hubert ohne Staller“. Ich war schockverliebt, um es mit Thomas Tuchel zu formulieren.

Montag, 10. Juni 2024

Dein Verfallsdatum steht in Gottes Kalender, Sweetheart

 

Blogstuff 956

In kochendem Wasser werden Eier hart und Nudeln weich. Verrückte Welt der Physik.

Hätten Sie’s gewusst? Die Hälfte der EM-Stadien gehören Zweiligamannschaften: Hamburg, Berlin, Gelsenkirchen, Köln, Düsseldorf.

Wer hat das diesjährige Wettkiffen zwischen Cambridge und Oxford gewonnen?

Leichtathletik-EM: Bin schockverliebt in eine polnische Hammerwerferin. Endlich mal eine Frau mit meiner Figur und meiner Frisur.

Als mein Mathe-Lehrer Selbstmord beging, hat er mich in seinem Abschiedsbrief erwähnt.

Im Rahmen einer Charity-Aktion hat Bonetti Parmesanhobel und Austernhandschuhe an Obdachlose verteilt.

Erotikwerbung im Fernsehen? Was Männer in meinem Alter wirklich heiß macht ist eine Zehn-Cent-Münze auf dem Bürgersteig.

In Wichtelbach gibt es eine Bürgerwehr gegen Zwangsveganisierung. Wer Gemüse grillt, lebt hier gefährlich.

Auf Spanisch klingt alles besser. Bei uns heißt es „Letzte Mahnung“, in Spanien „Fiesta del ultima termino“. Die Periode der Frau heißt Menstruacion oder umgangssprachlich Los Wochos.

In letzter Zeit schreibe ich wenig, weil ich mit der Organisation des jährlichen Rugby-Turniers meines Bridgeclubs beschäftigt bin.

Rechtsruck in Europa. Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Ungarn. Ostdeutschland haben wir an den Faschismus verloren. Das hat Folgen:

1.     Neger dürfen wieder Neger genannt werden. Mohrenkopf reloaded.

2.     Frauen heißen wieder Männin und müssen gehorchen. Fräulein is back in town.

3.     Dönerverbot, Haxenzwang.

4.     Zum Frühstück wird ein Weizenbier getrunken, nach alter Väter Sitte.

5.     E-Autofahrer gelten als schwul und werden gezüchtigt.

6.     Zwangsarbeit im Steinbruch für Lastenradfahrer.

7.     Frauen in Latzhosen werden sterilisiert und nach Ruanda abgeschoben.

8.     Kiffer arbeiten im Schweinestall, wo sie den ganzen Tag mit Söder- und Aiwangerreden beschallt werden.

9.     Wehrdienst für Waldorfschüler.

10. Alle Politiker der Grünen arbeiten in der Produktion.  

Samstag, 8. Juni 2024

Tex Raven vs. Donkey Kong

 

Eine Kristallkugel voller Blitze erscheint plötzlich auf dem Lidl-Parkplatz in Wichtelbach. Ein nackter Hüne erhebt sich. Er geht zu einer Gruppe Jugendlicher. Auf seinem Display erscheint: Schwachkopf, Schwachkopf, Schwachkopf mit Lederjacke.

„Du! Gib mir deine Kleidung!“

Der Schwachkopf mit Lederjacke lacht. „Wieso?“

Der Fremde reißt ihm das Herz aus der Brust und hält es ihm vors Gesicht. „Noch Fragen?“

Nachdem er sich angezogen hat, fragt er die anderen beiden Idioten: „Suche Primärziel. Wo ist Dieter Bohlen?“

„Keine Ahnung.“

„In Köln. Bei RTL.“

Der Fremde klaut ein Moped und fährt nach Köln.

In den RTL-Studios gibt es ein fürchterliches Blutbad, weil der Fremde, nennen wir ihn einfach Diamond Dog Brinkmeyer, unterwegs einen Sarg mit Schusswaffen und Munition gefunden hat.

Er fragt den letzten Überlebenden: „Wo finde ich Heidi Klum?“

„Bei Pro 7 in Unterföhring. In der Nähe von München.“

Didi, wie ihn Freunde nennen würden, wenn er welche hätte, fährt Richtung Süden.

Was war geschehen? 2030 hatten die Schwachköpfe endgültig die Macht in Deutschland übernommen. Oliver Pocher war Bundeskanzler und die Geissens hatten das Finanzministerium übernommen. Die BILD organisierte die Bundespressekonferenz und Aiwanger war als Außenminister weltweit unterwegs.

Intelligente Menschen wie ich lebten im Untergrund, hauptsächlich in der Kanalisation. Aus den Abfällen, die wir nachts stahlen, bauten wir Terminatoren und eine Zeitmaschine. MacGyver, der übrigens als Dugglemore McTuddle auf die Welt kam, nix dagegen.

Wir schickten den T-3000 ins Jahr 2020, um die Verblödung Deutschlands aufzuhalten. Wie viele hirntote Zombies würde er aufhalten können?

 

Dienstag, 4. Juni 2024

Bergamo

 

Zunächst kam ich für eine Woche. Die Schriften Eckhard Henscheids waren der Anlass. Sein Roman „Dolce Madonna Bionda“ spielt hauptsächlich in der Altstadt von Bergamo. Jeden Tag fuhr ich mit der Zahnradbahn aus der Neustadt hinauf, wo ich mich im Hotel Atalanta eingemietet hatte. Ich schlenderte durch die Gassen, saß in den Kirchen und aß im Agnello d’Oro zu Abend, ganz wie der Held des Romans.

Die Stadt begann mir zu gefallen. Nach Ablauf der ersten Woche verlängerte ich um eine weitere Woche. Ich erkundete die Neustadt und fuhr eines Tages mit dem Zug ins nahe Mailand, um mir die prachtvollen Geschäfte und den Dom anzuschauen. Ich gewöhnte mich an das gute Essen, vor allem an Steinpilze und Polenta. Auch der Wein schmeckte vorzüglich.

Also verlängerte ich meinen Aufenthalt wieder. Diesmal um einen Monat. Insgeheim hatte ich beschlossen, in Bergamo zu überwintern und nicht ins nasskalte Land der Deutschen zurückzukehren. Das Hotel gewährte mir Rabatt, in den Restaurants war ich alsbald Stammgast und wurde nach speziellen Wünschen befragt.

Weihnachten und Silvester gingen vorüber. Ich war immer noch im Atalanta. Aufgrund der Kälte verließ ich das Hotel jedoch nur noch selten. Im Erdgeschoss gab es ein Restaurant, der Zimmerservice brachte mir jeden Abend eine Flasche Wein. Es gab also keinen Grund für größere Ausflüge. Vor allem die Altstadt erschien mir plötzlich weit entfernt, der Anmarsch mühselig.

Inzwischen ist es März und ich verbringe den ganzen Tag im Bett. Einmal in der Woche wechselt das Zimmermädchen die Bezüge, die Minibar wird täglich gefüllt. Das Essen lasse ich mir aus dem Restaurant schicken. Ich habe beschlossen, für immer in diesem Zimmer zu bleiben. Vom Fenster aus werfe ich gelegentlich einen Blick auf die Altstadt mit ihren hohen grauen Mauern.

Montag, 3. Juni 2024

Elbasan, das Las Vegas Albaniens

 

Blogstuff 955

Ich habe gerade den Wahl-O-Mat durchgezockt und habe die höchste Übereinstimmung mit der Piratenpartei, gefolgt von PdF und ÖDP. SPD auf 10, Union auf 11, Grüne auf 13. Ganz hinten: AfD und PDV (= rechter Scheiß).

Über seine Tochter hat ein Freund zwei Tickets fürs EM-Eröffnungsspiel in München bekommen. Sie arbeitet im Organisationskomitee der EM. Ich war automatisch davon ausgegangen, er hätte Freikarten. Tatsächlich bezahlt er 400 Euro pro Stück. Was für eine Unverschämtheit des DFB, der mit Millionen Tickets Milliarden umsetzt, den eigenen Mitarbeitern keine Karten zu spendieren, sondern sie voll bezahlen zu lassen. Dazu die An- und Abreise mit der Bahn (ohne Bahncard): knapp 300 Euro. Mondpreis im Hotel – und am nächsten Vormittag geht’s wieder nach Hause. München hat ja bekanntlich sonst nichts zu bieten.

Es gibt nichts Trostloseres als einen leeren Supermarktplatz am Sonntag, wenn es regnet.

Manchmal denke ich noch an die Hartz IV-Empfängerin in unserem Dorf, die mir eine Tätowierung auf ihrem Oberschenkel zeigte. Man konnte nichts Konkretes erkennen, auch keine abstrakten Muster. Sie erzählte mir, ihr Freund wolle Tätowierer werden und hätte an ihr geübt. Kann man sich nicht ausdenken.

Schon wieder ein Jahrhunderthochwasser. Hat jemand mitgezählt? Das Hauptproblem ist nicht der Klimawandel, sondern diese Billigdämme aus China. Meine Meinung.

Ich werde übrigens während der EM mit einem Foodtruck auf dem Ku’damm stehen. Pfälzer Saumagen, Handkäs mit Musik, Fleischwurst und Ochsenblut (Rotwein-Cola) werden sicher gut laufen.

Genau wie in der Zeit vor Kolumbus hat die Welt eine Grenze. Fahr hinaus bis zum Rand und ab dann brauchst du Mut.

Vorzeitige Trainerentlassungen der letzten zwanzig Jahren beim FC Bayern: Tuchel, Nagelsmann, Flick, Kovac, Ancelotti, van Gaal, Klinsmann, Magath.

Es war an einem Montag irgendwann in den achtziger Jahren …

1. Juli 2024: Heinz Pralinski eröffnet eine Herrenboutique in Wuppertal.

„Rheinbräu – das Bier für Weinkenner“.

Bei Eisbergsalat muss ich immer an die Titanic denken.

Am Telefon ein nigerianischer Prinz, der mir erzählt, meine Tochter hätte einen schweren Unfall gehabt und brauche sofort 2700 Euro. Dann klingelt es an der Wohnungstür. Ich frage laut, wer es ist. „Zimmerservice“. In unserem Mietshaus?

Samstag, 1. Juni 2024

Bonetti Systemanalyse und Effizienztechnologie


Sie setzte sich das Headset auf und wählte die erste Nummer. 17 Uhr. Showtime im Direktmarketing. Die Telefonnummern, die auf ihrem Bildschirm zu lesen waren, hatte ein Computer aus dem örtlichen Telefonbuch im Internet. Es gab zwar immer weniger Festnetzanschlüsse, aber die Besitzer waren im Durchschnitt älter und wohlhabender. So hatte sie es in der Schulung gelernt.

„Hallo.“

„Hallo, ich bin Tina Krüger von BSE. Möchten Sie Geld sparen und etwas für die Umwelt tun?“

„Um was geht es?“

„Wir bilden in Ihrer Nachbarschaft ein Solarkollektiv. Es gibt schon einige Interessenten.“

„Was soll das bringen?“

„Wenn wir in Ihrer Nachbarschaft vierzig Module installieren können, sparen Sie zwanzig Prozent bei Ihrer Stromrechnung. Mit Erneuerbaren Energien retten wir das Klima. Wenn Sie uns noch drei weitere Interessenten nennen können, die mitmachen wollen, sparen Sie noch einmal ein Jahr lang zehn Prozent.“

„Woher bekomme ich diesen Rabatt?“

„Das Bundesumweltministerium fördert Solarkollektive und andere Formen der Energiewende.“

„Ich überleg’s mir.“

Das war schlecht. Die Kunden sollten nicht nachdenken, sondern Verträge unterschreiben.

„Schauen Sie doch mal auf unsere Homepage.“

Klick. Aufgelegt. Scheiße, dachte sie. Andererseits bekam sie nur den Mindestlohn und keine Provision für Neukunden. Letzte Woche hatte sie noch private Pflegeversicherungen verkauft. Wer weiß, was es nächste Woche sein würde. Bonetti machte mit allem und jedem Geschäfte.

Ihre Schicht ging von 17 bis 21 Uhr, Montag bis Freitag. Morgens arbeitete sie vier Stunden als Kassiererin in einem Supermarkt. Macht acht Stunden Mindestlohn pro Tag. Zusammen mit dem Wohngeld reichte es für ein bescheidenes Leben in einem kleinen Apartment am Stadtrand.

Tina war 25. Noch 42 Jahre bis zur Rente. Zu jung, um zu resignieren, zu alt, um zu träumen, hatte ihre Mutter am Telefon gesagt. Solche Sprüche muss man sich leisten können. Monika Krüger war Studienrätin. Erdkunde und Klugscheißerei.