Die Schreier
Schreier
sind ein Phänomen, mit dem ich gar nicht gerechnet habe. Da gibt es den Mann,
der immer „Hallo!“ ruft. Tage später kommt ein zweiter, der stundenlang
„Hilfe!“ ruft. Der Dritte im Chor wird von wechselnden Personen gespielt. Er
ruft „Schwester!“ Dazu kommen die grauenhaften Schmerzensschreie und das laute
Stöhnen, als wäre ich in einem Feldlazarett an der Ostfront. Man kommt sich vor
wie in einer Inszenierung von Frank Castorf.
Der Hühnermann
Am
Abend wird das leere Bett neben mir belegt. Ein kleiner dicker Mann Mitte
dreißig, der seinen kargen Haarkranz mit einem Vollbart kombiniert hat. Bei
seiner Ankunft bittet er er gleich um Messer und Gabel. Meine Neugier ist
geweckt. Das ist seine Geschichte: Er sitzt bei Nhas City Chicken am Stutti und
wartet auf sein halbes Hähnchen mit Pommes. Plötzlich wird er ohnmächtig und
fällt auf den Boden. Die Angestellten rufen einen Krankenwagen und geben einem
Sanitäter noch die Bestellung mit. Sehr aufmerksam. Im Krankenhaus isst er dann sein mitgebrachtes Abendessen. Er hatte übrigens schon zwei Bypässe am Herz.
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