Freitag, 2. März 2018

Verweile doch, du bist so schön

Es gibt Augenblicke, die wir nicht mehr loslassen wollen. Die festgehalten werden müssen. Aber die Zeit fließt einfach weiter. Es gehört nicht zu ihren Eigenschaften, sich anhalten oder festhalten zu lassen. Der Mensch ist ähnlich. Er kann seine kläglichen Bemühungen nicht beenden, Augenblicke festhalten, dokumentieren und einordnen zu müssen.
Ich hatte gerade ein Fotoalbum in der Hand: Spanienurlaub 1979. Strand, Männer in Badehosen, Frauen im Bikini, Handtücher, im Hintergrund Gestrüpp und Himmel. Was haben wir uns damals für eine Mühe gegeben, alles zu dokumentieren, ständig den Fluss der Ereignisse unterbrochen, um uns gegenseitig zu fotografieren, um das Besondere eines mehrwöchigen Auslandsaufenthalts festzuhalten. Dann haben wir die Bilder zum Entwickeln in ein Geschäft gebracht, sie wieder abgeholt und in ein Album geklebt, das wir extra für diesen Zweck gekauft haben, und dieses Album haben wir vielleicht noch einmal durchgeblättert, bevor es vergessen wurde.
Heute beobachten wir dieses Verhalten nicht nur zu ausgewählten Zeitpunkten wie Weihnachten, Geburtstag, erster Schultag oder eben im Urlaub, sondern an 365 Tagen im Jahr. Auf Instagram, YouTube, Facebook und in Blogs werden Mahlzeiten oder notfalls das aktuell getragene Gesicht als Selfie festgehalten. Ich fand die Siebziger schon dämlich, aber ich habe den Eindruck, wir sind seitdem nicht klüger geworden.