Montag, 26. Juli 2021

Amerika ist überall


Richard Nixon hat während seiner Präsidentschaft einmal gesagt, die Vereinigten Staaten seien das mächtigste Land der Welt, aber dennoch kein imperialistischer Staat, da sie ihre militärische Macht nicht dazu nutzten, ihr Territorium zu erweitern. Es ginge den USA einzig und allein darum, ihren Lebensstil global zu verbreiten. Heute können wir sagen: Es ist vollbracht. Selbst das kommunistische China hat sich für den amerikanischen Weg entschieden.

Was sind die entscheidenden Merkmale dieser Leitkultur?

 

Materialismus

Im Zentrum stehen Erwerbsarbeit und Konsum. Wer nicht für Geld arbeitet und dieses Geld sofort wieder ausgibt, wird gesellschaftlich geächtet. Konsum ist eine patriotische Pflicht. Es ist egal, ob wir schon alles haben. Wir brauchen mehr.

 

Kapitalismus

Durch Arbeit und Konsum bleibt der Geldkreislauf ständig in Bewegung. Auch das Geld, das in den Banken deponiert ist, „arbeitet“ ständig, wird investiert oder verliehen, um neue Arbeit und neuen Konsum zu schaffen. Beruflicher Erfolg und hohes Einkommen werden zum entscheidenden Maßstab gegenseitiger Bewertung.

 

Elite

Diese Form der Wirtschaft bringt eine Elite von Profiteuren hervor, einen Geldadel, dessen Lebensstil dem Adel in den Zeiten des Feudalismus in nichts nachsteht. Verschwendung, aktuelles Beispiel: private Reisen in den Weltraum, wird nicht kritisch hinterfragt, sondern ist Zeichen des Erfolgs.

 

Philosophische und soziale Leere

Das Leben in dieser Gesellschaftsform ergibt keinen Sinn. Individualismus ersetzt Gemeinschaften. Egoismus ist die Folge, genannt wird es „Selbstverwirklichung“. Es fehlen übergreifende und langfristige Ziele der Gesellschaft.

 

Individualismus als Herrschaftsgrundlage

Eine zerfallene Gesellschaft ist leichter zu beherrschen. Daher die starke Betonung der Unterschiede gegenüber den Gemeinsamkeiten (z.B. durch Identitätspolitik). Organisationen wie Gewerkschaften oder Kirchen verlieren an Bedeutung.

 

Selbstoptimierung

Das Leben ist ein permanenter Wettkampf, jeder steht unter Konkurrenzdruck. Deswegen muss man seinen Körper fit halten und ständig neues Wissen bzw. neue Fertigkeiten erwerben, um sich gegen andere Menschen durchsetzen zu können.

 

Fehlende Nachhaltigkeit

Der American Way of Life ist ausschließlich auf die Gegenwart ausgerichtet. Traditionen interessieren ihn nicht bzw. werden zerstört. Leben alle knapp acht Milliarden Menschen wie US-Bürger, zerstören wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen.

 

Demokratie als Farce

Die politische Elite präsentiert den Wählern eine Auswahl fast identischer Personen. Auf diese Weise verändern Wahlen nicht die Gesellschaft, da echte Alternativen zum bestehenden System nicht vorgesehen sind. Die Parteiapparate haben das Monopol auf die Ernennung der Kandidaten. Natürlich kann jeder Bürger in eine Partei eintreten, aber er muss sich den Regeln dieses Apparates beugen, wenn er ausgewählt und schließlich vom Bürger gewählt werden will. In jedem Supermarkt hat man mehr Wahlmöglichkeiten als in der Politik.

 

Militarismus

Zu diesem Lebensstil gehören auch gigantische Militärapparate. Obwohl die Länder der EG, später der EU, seit Gründung der Staatengemeinschaft noch nie gegeneinander Krieg geführt haben, wird weiter aufgerüstet. Es besteht keine Bedrohung von außen, auch wenn Feindbilder wie Russland immer wieder propagiert werden. Durch eine globale Ausweitung des Begriffs Bedrohung werden neue Feinde simuliert. Ein Gruppe Terroristen kommt aus einem arabischen Land? Also wird das komplette Land angegriffen, wahlweise auch das Nachbarland, wenn es politisch opportun ist. Terroristen verstecken sich in Afghanistan? Also wird die deutsche Freiheit zwanzig Jahre lang am Hindukusch verteidigt.

 

Ernährung

Hoher Fleischkonsum, fett- und zuckerreiche Nahrungsmittel prägen die amerikanisierte Lebensweise. Fastfood, Snacks und Softdrinks. Das ist nicht nur ungesund, sondern zerstört auch die Natur durch die Ausweitung von Anbauflächen und Weidegrund.

 

Kultur

Jazz, Rock’n Roll und Rap. Filmstars und Hollywood-Blockbuster. Jeans, T-Shirt und Sneakers. Fernsehen und Internet. Talkshows und Stand-Up-Comedians. Superhelden-Comics uswusf.

 

Verkehr

Das Automobil ist das Hauptverkehrsmittel geworden. Die logische Formel Massenmobilität = öffentliche Verkehrsmittel, hundert Menschen im Zug statt hundert Autos in einzelnen Autos auf der Straße, ist außer Kraft gesetzt. Mobilität ist ein Wert an sich. Beruflich ist Mobilität, sei es der tägliche Weg zu Arbeit, sei es der Umzug an einen neuen Arbeitsort, ein entscheidender Faktor. Wer viele Reisen macht, gewinnt soziales Prestige und dokumentiert seinen Stellenwert im Kapitalismus. Immobil sind nur die Armen und Kranken.

 

Fazit

Das amerikanische Imperium hat gewonnen. Wir können uns noch nicht einmal vorstellen, was auf diese Epoche der Geschichte folgen wird. Die sogenannte Zivilisation ist so tot wie Dosenpfirisch.

The Rocky Horror Picture Show Science Fiction Double Feature picture show - YouTube

 

9 Kommentare:

  1. Das sichtbarste Zeichen ist das T-Shirt.
    Fast schon ein Siegesbanner.
    Jeder trägt dieses Ding, auf jedem Koninent und in jeder Gesellschaftsform.
    Der totale Triumph.

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    1. Jeans. Softdrinks. Hollywood-Blockbuster. Man könnte ewig so weitermachen.

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    2. Die Nachricht, dass jemand gestorben ist, mit "R.I.P." zu besenfen.

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  2. Wie konnten wir nur in diese Falle tappen?

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    1. Indem "wir" der Krieg verloren haben....

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  3. Siewurdengelesen26. Juli 2021 um 10:30

    Gut zusammengefasst...

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  4. Ich konsumiere wie blöde um alte, gebrauchsfähige
    Dinge zu erhalten, Werkzeug, Kleber, Grundierung,
    Lack, Leitern, Ersatzteile...
    Auf Kuba fahren schließlich auch noch sehr viele
    Autos aus den 50ern.

    Ich nenne mein Repair-Gefummel deshalb "Prinzip Kuba "

    Bin ich böse, und wenn ja, wie böse ?

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