Mittwoch, 24. April 2019

Please hold the line


Heute ist eine Frau nach 27 Jahren aus dem Koma erwacht. Was sie alles seit 1992 verpasst hat! Sie war noch nie im Internet, sie hat das Golden Goal von Oliver Bierhoff 1996 nicht gesehen, Aufstieg und Fall von Schröder, Gabriel, Schulz und Nahles, Nine-Eleven, das Dschungelcamp, das 7:1 gegen Brasilien, Jan Böhmermann, Helene Fischer, Mario Barth, alle zwölf deutschen Formel 1-Titel und und und.
Vor allem weiß sie nichts von der erfolgreichen Digitalisierung Deutschlands:

Nächste Woche - nach der Revolte am 1. Mai, die ich hier in Berlin anführen werde (achten Sie auf die Meldungen in den Prädikatsmedien) - geht es in diesem Blog an alter Pracht und Herrlichkeit weiter. Wir nähern uns unaufhaltsam Blogpost 3000. Das wird ein Riesenspaß. Hüpfburg, Luftballons und Kommentatorenschminken inbegriffen.

Freitag, 19. April 2019

Oster-Special

Schöne Grüße aus dem Urlaub. Die Notizbuch-Playlist der letzten Tage:
Blogstuff 297
„Warum habe ich eigentlich immer Kopfweh, wenn der Eberling am Abend vorher zu Besuch war?“ (Ackerbau in Pankow, 9.4.2019)
Nachdem Bonettis Dachstübchen völlig ausgebrannt ist: Kann das Sturmgeschütz der Blogokratie in fünf Jahren wieder aufgebaut werden? #notre-monsieur
Selbst in meiner Abwesenheit werden Kommentare zu meinem Blog abgegeben, die ich dann mühsam durchgehen muss und entweder lösche oder freigebe. Gewinner des Monats: „Linke wie Sie sind Scheiße in Menschengestalt“ von einem gewissen „Anonym“. Ich lösche es mit einem Lächeln. Immer gut, wenn der Gegner mitliest. Steter Tropfen und so.

Der Neoliberalismus erreicht die Kindergärten.


Babyname des Jahres in Sachsen: Gevin. --- Ein Wahnsinns-Joke, oder? Da bekomme ich Ehrfurcht vor meinem eigenen Gehirn.
Die Wahrheit über Chemtrails: Deutschland wird bestäubt. Die Antwort der Obstkonzerne auf das Bienensterben. Das ist die Wahrheit!
Follow the Money: Die illegalen Parteispenden der AfD kommen von Großkapitalisten, die über Strohmänner und Heufrauen etwas Kleingeld in die Jukebox geworfen haben, worauf Meuthen, Weidel & Co brav das Lied von der Steuersenkung für Unternehmen und Besserverdienende singen. Die Ausländerfeindlichkeit ist nur die Leimrute, die ausgelegt wurde, um die nötigen Wählerstimmen für das neoliberale Projekt zu gewinnen.

Im Gehirnwaschsalon der Medienkonzerne - die noch nicht von Bonetti aufgekauft wurden.


U9. Eine alte weiße Frau tippt einem jungen schwarzen Mann mit Rastafrisur, der gerade mit seinem Smartphone beschäftigt ist, auf den Unterarm. „Schöne Haare“, sagt sie. Das muss der Frühling sein.
Hinweis: Wer Blogstuff nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachten oder verfälschten sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Kommentarverbot nicht unter zwei Jahren bestraft.
Wer ist eigentlich Luisa Neubauer, „die deutsche Greta“? Das Recherche-Team von Bonetti Unlimited, Bollwerk des investigativen Journalismus, hat keine Kosten und Mühen gescheut und bei Wikipedia nachgeschaut. Erstens: Frau Neubauer ist keine Schülerin, sondern 23 Jahre alt. Zweitens: Sie ist Mitglied der Grünen und studiert mit einem Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung sowie einem „Deutschlandstipendium“. Drittens: Ihre Bachelor-Arbeit hatte als Thema „Strategien nachhaltiger Finanzanlagen“. Viertens: Sie ist eine notorische Vielfliegerin und unternimmt gerne Fernreisen nach Amerika, Afrika und Asien; ihre Miles&More-Karte lässt Katharina Schulze vor Neid erblassen. Fünftens: Sie kann als Moderatorin bei „Wir moderieren“ gebucht werden und bietet auch Rhetorikseminare an. Sechstens: Sie macht auf dem Rücken der tapferen kleinen Schwedin mit dem grimmigen Blick gerade Medien- und Parteikarriere.
Kafka hat es schon immer gewusst: „Zwar schlussfolgert dieser Bericht nicht, dass der Präsident eine Straftat begangen hat, aber er spricht ihn auch nicht frei.“ Der legendäre Mueller-Report über Josef K. Zum Glück wurden die Stellen geschwärzt, die Bonettis Einfluss auf die US-Wahlen betreffen. #hillbillary
Danny & The Juniors - At The Hop. https://www.youtube.com/watch?v=F3SrtN6tMyg

Schöne Feiertage.

Mittwoch, 3. April 2019

Heilschweigen

Sehr verehrte Herrinnen und Herren, liebe Ejakulierende und Menstruierende, hochgeschätzte Diverse!
Ich verabschiede mich wieder einmal in den Urlaub und melde mich voraussichtlich im Mai wieder. Da Sie natürlich längst rettungslos den traumschönen Texten von Bonetti Media verfallen sind, empfehle ich Ihnen bis dahin die Lektüre älterer Arbeiten. Machen Sie eine Pause, wenn ich eine Pause mache. Ignorieren Sie einfach die Konkurrenzblätter, bis ich wieder zurück bin.
https://kiezschreiber.blogspot.com/2015/10/han-solo.html
Es gehört zum Klassenauftrag der letzten verbliebenen Arbeiter- und Bauernmacht auf deutschem Boden, nicht dem permanenten Alarmismus der Berufsverleumder und dem „Sofortismus“ (Karl-Eduard von Schnitzler) der Propagandakompanien der bürgerlichen Presse zu folgen, deren hysterische Frontberichterstattung jede mediale Mücke zu einer elefantösen Zirkussensation aufpumpt. #ExzellenzinitiativeSchweppenhausen
Das Kiezschreiber-Blog ist ein unglaublicher Glücksfall für die abendändische Kultur und verleiht dem Internet seinen eigentlichen und vornehmsten Daseinsgrund. Wir wissen es alle. Nirgendwo ist das Neue neuer, die Kunst künstlicher, der Komparativ komparativer. Aber es geht nach Ostern weiter. Diese frohe Botschaft sei Ihnen Ansporn und Stütze zugleich.
Sollten Sie nie wieder etwas von mir hören, so haben die Götter mich in ihrer unerforschlichen Weisheit zu einem neuen Planeten geschickt, dessen Bewohner der Lehren Bonettis in ungleich höherem Maße bedürfen als das klägliche Menschengeschlecht.
Fischer-Z – Berlin. https://www.youtube.com/watch?v=jkkYsG8Z9do

Wir hören voneinander.

Dienstag, 2. April 2019

Mein Leben als Verstörungstheoretiker


Blogstuff 296

„Das Ziel der herrschenden Schicht ist, uns zu bespaßen, uns zu verängstigen und passiv zu machen, während sie drakonische Strukturen der Unterdrückung etabliert.“ (Chris Hedges)
Damals waren wir gleich jung, jetzt sind wir gleich alt.
Warum ich auf Sport verzichte und keine Diät mache? Wieso sollte ich in der Gegenwart leiden, um später das Leiden des Alters um ein paar Jahre zu verlängern?
Jeder hält sich für einzigartig, aber wir sind alle austauschbar.
Wie die Menschen des Mittelalters sind wir von unsichtbaren Geistern und Dämonen umgeben: Radioaktivität und Stickoxide, Mikroplastik und Feinstaub bedrohen unsere Gesundheit, Algorithmen, Uploadfilter und Bots bedrohen unsere Freiheit. Die Dämonen lauern nicht in der Natur, als Waldgeister oder Windgötter, sondern in der Technik. Wir haben uns selbst ein finsteres Schattenreich von Gefahren geschaffen, homöopathische Mittel und Online-Petitionen sind die Amulette, die uns vor dem Bösen schützen sollen.
Wenn die New York Times schreibt, Schlafen sei das neue Statussymbol, muss ja was dran sein. Bonettistas wissen das allerdings schon längst. Wer cool ist, schläft aus (Wecker haben im Schlafzimmer nichts zu suchen), hat anschließend keine Termine, treibt selbstverständlich keinen Sport (= Mord), verachtet die Medien (bis auf Bücher und Schallplatten) und isst grundsätzlich nach dem Lustprinzip. So werden Sie gefühlte hundert Jahre alt – auch wenn auf dem Totenschein etwas anderes stehen mag.

Heinz Pralinski wird der erste Bonettista auf dem Mond sein.


„Vielzahl und Tempo der Interaktionen verleiten dazu, aus dem Zusammenkommen immer mehr ein Zusammenprallen zu machen – von daher der Abbau der Umgangsformen, der Verfall von Höflichkeit, die Brutalität und Aggressivität“, schreibt der Soziologe Stefan Breuer schon 1992 (!), als die Mehrheit der Bevölkerung das Internet noch gar nicht kannte (Die Gesellschaft des Verschwindens, S. 149).
Ich war schon immer sehr clever. In der siebten Klasse habe ich mir die binomischen Formeln auf den Unterarm tätowieren lassen.
Lustige Todesanzeige: „Er nahm stets alles mit Humor / Am Ende war’s ein Hirntumor“.
Früher hatte nur ein Prozent der Leute ein Auto. Man nannte sie Herrenfahrer. Heute hat fast jeder ein Auto. Früher waren nur ganz wenige Menschen im Internet. Man nannte sie Herrensurfer. Heute sind fast alle Leute im Internet und die Nerds finden es beschissen.
Europawahl: Die Bergpartei aus Berlin fordert das Recht auf ein gescheitertes Leben, eine bezahlte Reisepflicht und die Förderung des Formationstanzes. Ist das was für Sie?! Ach, Mist. Die treten ja gar nicht an. Aber Sie haben im Mai die Möglichkeit, als Nicht-Bayer die CSU zu wählen – statt immer wieder trotzkistische Splittergruppen wie „Torpedo Bonetti – Vierte Internationale“.
Wieso regen sich eigentlich alle darüber auf, dass die Chinesen eine neue Seitenstraße bauen? Beim Thema Autobahn würde ich mir ja auch Sorgen machen. Aber Seitenstraße?
P.S.: Besuchen Sie meine neue Webseite Auch-du-kannst-Nobelpreisträger-werden.com
Beatles – Got To Get You Into My Life. https://www.youtube.com/watch?v=r95-7zfgtLw


Montag, 1. April 2019

Sandra

Sie war zehn Jahre alt und gerade aufs Gymnasium gekommen, als ihre Eltern glaubten, sie sei alt genug für die Wahrheit. Sandra habe eine seltene Erbkrankheit, einen genetischen Defekt, der in ihrer Familie immer wieder zu Todesfällen geführt hatte. Der Großvater, die Tante, eine Cousine. Vermutlich würde sie nicht lange leben. Daher solle sie das Leben genießen und würde von ihren Eltern auch keinen Druck in Sachen Schule, Ausbildung und Beruf bekommen.
Zunächst war Sandra erschrocken. Sie erzählte ihren Freundinnen nichts von ihrer Krankheit, aber sie sah die unbeschwerten Mädchen nun mit ganz anderen Augen. Sie hatten eine Zukunft. Ihr Leben würde nicht mehr lange dauern. Allerdings konnte ihr niemand, weder ihre Eltern noch ein Arzt, sagen, wie lange sie noch leben durfte. Das dauerte einige Wochen. Aber dann war sie plötzlich erleichtert. So als habe man ihr eine Last von den Schultern genommen.
In der Schule ließen ihre Leistungen in den Fächern nach, die sie nicht interessierten: Mathematik, Physik, Chemie, Religion und Sport. Sie hörte mit dem Klavierunterricht auf und ging auch nicht mehr zur Tanzgruppe des örtlichen Sportvereins. Als die Demonstrationen von „Fridays for Future“ anfingen, ging sie trotzdem in die Schule. Sie hatte keine Zukunft, für die sie auf die Straße gehen konnte. Zusammen mit der Kunstlehrerin und den beiden Söhnen des CDU-Bürgermeisters sah sie sich Filme über Frida Kahlo oder Salvatore Dali an. Sie begann, sich für Literatur und Philosophie zu interessieren.
Mit achtzehn verliebte sie sich in einen Studenten, mit dem sie nach Venedig und Florenz fuhr. Zuvor hatte sie während der elften Klasse das Gymnasium ohne Angabe von Gründen verlassen. Sandra reiste mit Elias jahrelang durch ganz Europa. Sie war glücklich. Eines Tages erzählte sie ihm von ihrer unheilbaren Krankheit und davon, dass sie nicht wisse, wie lange sie noch zu leben habe. Kinder wollte sie keine, denn sie wollte ihren genetischen Schaden nicht vererben. Als Elias mit dem Studium fertig war und eine Praxis als Hausarzt eröffnet hatte, verließ er sie. Einige Jahre später war er verheiratet und hatte zwei Kinder.
Als Sandra dreißig Jahre alt war, starb ihr Vater an der unheilbaren Krankheit. Wenig später starb ihre Mutter an Krebs. Da ihre Eltern als Laborleiter und Verwaltungsangestellte gut verdient hatten, konnten sie ihrem einzigen Kind ein schönes Erbe hinterlassen. Sandra lebte sorgenfrei in den Tag hinein. Sie begann, zu malen und zu schreiben. Sie reiste mit ihren Freundinnen nach Japan und Kanada, nach Chile und Neuseeland. Sie versuchte, jeden Tag alles zu genießen, was ihr das Leben zu bieten hatte.
Heute ist sie achtzig Jahre alt geworden. Sie weiß immer noch nicht, wie viel Zeit ihr noch bleibt.
Klaus Nomi - After the Fall. https://www.youtube.com/watch?v=NlSxhjCS5ac