Mittwoch, 7. Dezember 2016

Hö hö hö

Viele Äußerungen in den „sozialen Medien“ (was für ein bescheuerter Begriff, wenn man ihn mal zu Ende denkt) funktionieren nach dem Prinzip Klingelstreich aus meiner Kindheit. Man ärgert fremde Leute unerkannt und hat seinen Spaß dabei. Wir haben eine kindliche Lust daran, andere Leute zu verarschen. Okay: ich nicht. Sie auch nicht. Aber die anderen.
Eine Variante des Klingelstreichs habe ich im letzten Jahr in einem winzigen Dorf in der fränkischen Schweiz erlebt. Ich gehe die Dorfstraße entlang und höre ein Klopfen. Ich drehe mich nach allen Seiten um. Woher kommt das Geräusch? Mein Wandergeselle hat natürlich nichts mitbekommen, weil er wie immer mit seinem SCHEISS-SMARTPHONE beschäftigt ist. Nochmal ein Klopfen. Das klingt nach einer Fensterscheibe. Ich sehe mich um. Nichts. Ich bewege mich inzwischen mit der Konzentration einer Raubkatze (allerdings einer Raubkatze mit vier Halben im Schädel) im Kreis. Meine unglaublich geschärften Sinne nehmen inzwischen selbst die Funkwellen der Satelliten im erdnahen Orbit auf. Nochmal ein kurzes Klopfen, dann ein helles Lachen. Ganz leise. Ich sehe nach oben und warte. Warte. Dann sehe ich sie. Zwei kleine grinsende Kindergesichter in einem Fenster im ersten Stock eines Wohnhauses, die sofort wieder abtauchen, als sie meinen Blick kreuzen. Verdammte Rasselbande. Mein Kollege kommt näher und fragt, warum ich lache. Leck mich am Arsch, denke ich und gehe weiter.

Kommentare:

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  2. Sei froh, dass du nicht wie bei "Mon Oncle" gegen eine Straßenlaterne gelaufen bist! ;-)

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