Samstag, 14. Januar 2017

Die Diktatur des Kapitals

„Angela trank ihren Cocktail aus und spürte den Nebel in sich hochsteigen.“ (Evelyn Waugh: Mit Glanz und Gloria)

Blogstuff 107
2017: Erreicht mit Sigmar Gabriel jetzt der Fachkräftemangel auch den Bundestagswahlkampf?
Mit Gott ist es wie mit Broccoli: manche Menschen lieben Broccoli, manche Menschen hassen Broccoli, manchen Menschen ist Broccoli einfach egal.
Welchen Medien kann man noch trauen? Welche Quelle ist zuverlässig? Was stimmt, was stimmt nicht, was ist nur gefühlte Wahrheit in den ungefähren Sphären des Postfaktischen? Die Russen haben erst zwei Wochen nach uns Weihnachten gefeiert. Wer hat Recht?
In Deutschland herrscht wieder Ordnung. Schlechter Ausländer: Nafri. Guter Ausländer: Gemüsetürke umme Ecke.
Die Zehnerjahre neigen sich dem Ende entgegen, bald beginnen die zwanziger Jahre. Werden es „goldene Zwanziger“ wie im vergangenen Jahrhundert (Inflation, Börsencrash, Hitlers Aufstieg)? Silberne Jahre würden mir schon genügen.
Genossen! Ziel unseres Kampfs muss es sein, die EU durch die UdSSE (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken Europas) zu ersetzen. „Wer sagt, die Lage sei hoffnungslos, lügt. Pessimisten und Skeptiker sind aus den Reihen des Proletariats wie die Pest zu verjagen. Die inneren Kräfte des deutschen Proletariats sind unerschöpflich. Sie werden sich Bahn brechen.“ (Leo Trotzki)
Was wurde eigentlich aus Heinz Pralinski? Er ist jetzt zum Assistant Deputy Manager Internal Navigation (Admin) bei Bonetti Media befördert worden.
Hat Jesus Miete gezahlt? Hatten er oder seine Jünger eine Eigentumswohnung? Früher hat man sich diese Fragen nicht gestellt, die heute den kapitalistischen Alltag dominieren.
Ich sitze in meiner Ecke, die Menge tobt wie entfesselt, der Trainer fächelt mir mit einem Handtuch Luft zu und schreit mir etwas ins Ohr, das ich nicht verstehe, während ich Blut in einen Eimer spucke. Da kommt der Gong. Erst jetzt beginnt der Kampf.
Gibt es heute noch einfache Arbeiter, die Marx oder Lenin zitieren können? Es gibt nur noch Salon-Bolschewisten, da der Sozialismus ausschließlich im snobistischen Bildungsbürgertum existiert. In meiner Jugend gab es ja wenigstens noch die Saloon-Bolschewisten, die man Samstagabend in der Kneipe am Tresen treffen konnte.
Überall sieht man junge Menschen mit winzigen Geräten, einer Art gizmologischen Gadgets, die sich mit drahtloser Telegraphie beschäftigen. Wohin das einmal führen wird?
Was die neue Bewegung „No Wasabi, No Pain“ eigentlich will, ist mir noch nicht so klar.
In moralischer Hinsicht neigen die Deutschen traditionell zu Übertreibungen. Sei es im Guten (ein Monat Sommermärchen 2006, drei Monate Willkommenskultur 2015) oder im Schlechten (NS-Zeit, Wilhelminismus).
Warum kann man Äpfel und Birnen eigentlich nicht vergleichen? Der Vorgang des Vergleichs setzt ja noch nicht voraus, dass ich zwei Dinge als gleich ansehe. Ich sage: Ja, denn beides ist Kernobst, und ich sage nein, denn beide schmecken unterschiedlich, sehen unterschiedlich aus und wachsen auf verschiedenen Bäumen. Nächste Woche: Zebras und Pferde – kann man sie vergleichen?
Die Ausrottung dieses Tiers, dessen Gene ich möglicherweise in mir trage, ist eine der großen Tragödien der Naturgeschichte. Ich spreche natürlich vom Riesenfaultier. Die Indianer, oft fälschlich als edle Wilde apostrophiert, haben diese wunderbare und friedliche Gattung grausam dahingemeuchelt. Vor zehntausend Jahren waren sie vom amerikanischen Kontinent verschwunden. Die letzten Exemplare des einst so stolzen Megatherium wurden um 1550 auf den karibischen Inseln Kuba und Hispaniola getötet. Im Mythos vom Mapinguari lebt dieses Tier bis heute fort, möglicherweise gibt es tatsächlich auch noch lebende Exemplare im Amazonasdschungel.
XTC - Living Through Another Cuba. https://www.youtube.com/watch?v=AZFCyMPvLd8

Kommentare:

  1. Wenn man die englischen Brexit-Kommentare verfolgt, stößt man auf die Meinung, dass es die UdSSE schon gibt (dort EUSSR genannt). Hat Trotzki, der alte Fuchs, also vielleicht schon reüssiert?

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    1. Ich finde es interessant, dass wir beide gerade den "Mann ohne Eigenschaften" lesen bzw. hören. Habe es 2006 schon mal gelesen und habe es mir als Leseprojekt für kalte Wintertage wieder vorgenommen.

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    2. Ich habe es im alten Jahrtausend gelesen, geliebt, aber wenig verstanden. Musil zwingt zu einer Genauigkeit beim Lesen, die ich nicht allzu lange durchhalte. Beim Hören werde ich zum besseren Aufpassen gezwungen (das Hörbuch braucht aber auch vollste Konzentration, selten länger als 10-15 Minuten am Stück).
      Am besten wäre wohl, man läse es sich selbst laut vor.

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