Donnerstag, 10. September 2015

Wo bleibt Schweinchen Schlau?

„Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.“ (Oscar Wilde)
Natürlich war früher nicht alles besser. Aber einiges war anders. Manches besser, manches schlechter. Und da das Menschenhirn sich das Gute besser merkt als das Schlechte, macht sich so ein grauhaariger Zausel wie ich in seinem Blog natürlich schon mal Gedanken darüber, was früher besser war. Da ist zum Beispiel die Sache mit den Intellektuellen. Früher gab es kluge Leute, die mit ihren Beiträgen die öffentlichen Debatten bereichert haben. Philosophen wie Adorno oder Marcuse, Künstler wie Beuys oder Dali, Schriftsteller wie Böll oder Frisch. Man kannte ihre Namen. Man wusste, wo sie politisch standen. Meistens links. Auf der Seite der einfachen Leute, nicht auf Seiten der Elite.
Die Intellektuellen, d.h. die Philosophen und Wissenschaftler, die Künstler und Schriftsteller, hatten nie einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und auf die Politik. Man hätte annehmen können, dass mit der zunehmenden Akademisierung (der Anteil der Studierenden am Geburtsjahrgang stieg in Deutschland von 4 Prozent in den fünfziger Jahren auf knapp 60 Prozent heute) ihr Einfluss größer werden würde. Aber ihr Einfluss ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gesunken. Noch schlimmer: Es gibt überhaupt keine Intellektuellen mehr. Welchen Schriftsteller von Rang, welchen Philosophen haben wir noch in der öffentlichen Debatte? Mir fällt nur Jürgen Habermas ein – und der Mann ist 86 Jahre alt.
Wer wird dereinst seine Nachfolge antreten? Oder muss ich alles selbst machen?
Chaka Khan - Ain't Nobody. https://www.youtube.com/watch?v=SvPZo52X5vo

Kommentare:

  1. Besser wärs!
    Die damals sich Intellektuelle schimpften, sorgten sich nämlich mehr um die Gesinnungslage der Nation, als sich um die materielle Lage der in ihr Einsitzenden zu kümmern.
    Und ihr zweites Interesse war das an ihrem werten Ich, dessen Name Gantenbein sei.
    Und links von solchen Feinarbeiten am Gemüt hätte man gerne den aufrechten Gang eingeübt gesehen, als ob ich und du auf allen Vieren dahergekommen wären.

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    1. "Es werden auch Menschen kommen, die nicht unmittelbar verwertbar sind." (Claudia Roth zum Thema Flüchtlinge)

      Das ist der Tonfall, der heute herrscht.

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    2. Mir gefällt der sound ja auch nicht.
      Ich entnehme dem aber, dass die heutige Gesinnungslage der Nation - nach der medial durchgezogenen Abschaffung des Kapitalismus als Skandal durch Intellektuelle - eben selbstzufrieden identisch ist mit dem, was sie nicht aufhört, täglich zu tun und anzutun.

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    1. Ich vermisse Milli Vanilli. Was hätten sie gesagt?

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  3. Ich halte das Verschwinden der Intellektuellen ja für eine gute Sache; wohlgemerkt das nach dem Konsum der Lektüre eines Intellektuellen. ^^ https://www.youtube.com/watch?v=gmFBzuLJ6ac

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    1. Gutes Interview. Wir haben Unmengen an Experten, die von irgendjemand bezahlt werden, aber keine unabhängigen Intellektuellen, die Alternativen formulieren könnten. Selbst ein kleines Land wie Slowenien hat Slavoj Žižek. Wen haben wir deutschen Musterschüler? Wir sind die Heimat der Perspektiv- und Alternativlosigkeit.

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