Mittwoch, 30. September 2015

Ich bin die Bank

„Es ist die permanente Wiederholung, die uns abstumpft. Wir sind zu müde, um die Alternativen zu erkennen.“ (Lupo Laminetti)
Haben Sie noch Vertrauen in die Banken? Sehen Sie, die Mafia auch nicht. Das Finanzsystem der Weltwirtschaft funktioniert wie ein Ponzi-System. Aus dem Schneeballsystem ist jedoch seit der Finanzkrise 2008 mit der Nullzinspolitik und dem Quantitative Easing der Notenbanken ein Lawinensystem geworden. Bargeld lacht, sage ich nur. Ich arbeite jetzt als Banker für die Mafia.
Mein Erfolgsrezept: Niemand rechnet damit, dass ein so unglaublich harmloser und liebenswürdiger Blogger aus Schweppenhausen in der hiesigen Unterwelt ein großes Tier ist. Haben Sie sich nie gefragt, woher ich die Zeit nehme, jeden Tag scharfsinnige Analysen oder wahlweise Weltliteratur zu schreiben, ohne einen Cent dafür zu verlangen? Wie ich mir diesen luxuriösen Lebenswandel (Duplo-Box mit 18 Kugeln im Lauf direkt neben dem Notebook, Baby!) überhaupt leisten kann, ohne einer geregelten sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nachzugehen?
Ich arbeite für die Mafia. Und das läuft so:
Das Telefon klingelt. Ich drücke eine Taste und lausche.
„Aloha, Meister. Benny am Apparat.“
„Mensch, Benny, lange nichts mehr von dir gehört“, lüge ich gutgelaunt.
„Ja, ich bin in der Gegend. Wir könnten mal wieder ein Bierchen zusammen trinken gehen.“
„Oder zwei oder drei“, antworte ich und lache.
„Es dürfen auch gerne zehn sein.“
Ich mache mir eine Notiz. „Wie immer in unserer Stammkneipe?“
„Wie immer. Passt es dir am Mittwoch um acht Uhr?“
„Alles klar.“
„Alles klar.“
Ich weiß Bescheid. Zehn Riesen. Und nicht am Mittwoch, sondern am Donnerstag. Und nicht um acht Uhr, sondern um zehn Uhr. Das ist ein Code, Mann! „Eine Flasche Whisky“ bedeutet übrigens ein Kilo Gold in Form von dreißig Krügerrandmünzen, eine „halbe Flasche“ ist ein halbes Kilo.
Mein Haus ist meine Bank. Es ist gut gesichert, denn es befinden sich wahre Schätze in seinem Innern. Die schwere Tür ist mit zwei Sicherheitsschlössern ausgestattet und die Hintertür zum Garten ist ebenso vergittert wie alle Fenster.
Für Amateur-Einbrecher enthält mein Haus einen teuren Fernseher, ein Notebook und eine Kamera. In der obersten rechten Schublade meines Schreibtisches liegen gut sichtbar zehn Fünfzig-Euro-Scheine. Mit dieser Beute sollten sie zufrieden sein. Für Profi-Einbrecher gibt es noch einen Safe hinter dem Landschaftsgemälde im Wohnzimmer, in dem meine alten Schulzeugnisse und fünftausend Euro in bar liegen. Peanuts.
Den eigentlichen Tresorraum erreicht man über eine Geheimtür, die sich im Keller in einer Werkstatt befindet, deren heilloses Durcheinander ich liebevoll eingerichtet habe. Ich drücke auf den Knopf meiner kleinen Fernbedienung, die ich am Schlüsselbund habe, und lautlos gleitet ein Regal voller alter Farbtöpfe und Werkzeugen zur Seite. Es ist ein ehemaliger Schutzraum, zwanzig Quadratmeter groß, der mit Regalen voller Metallkisten gefüllt ist.
In den Kisten ist – gut vor Hitze, Feuchtigkeit, Motten und Nagetieren geschützt – Bargeld. Insgesamt sind es zwischen fünfzig und hundert Millionen Euro und Dollar. Dazu Gold, Diamanten und Schweizer Franken. Auf den Kisten stehen Namen, die nur mir etwas sagen können. „Benny“ ist zum Beispiel ein schwedischer Waffenhändler, der schon seit vielen Jahren meine Dienste in Anspruch nimmt. Sein wirklicher Name ist unwichtig, aber auf seiner Kiste steht „Elky“. Die albanische Mafia läuft unter „Skanderbeg“ und so weiter.
Meine persönliche Altersvorsorge kann übrigens jeder sehen. Sie ist so offensichtlich, dass niemand sie jemals stehlen wird. Die kunstvoll verschnörkelten Gitter vor meinen Fenstern sind aus purem Gold, das weiß lackiert wurde. Selbst ein SEK oder die Steuerfahndung würde sie übersehen.
Ich nehme also Bennys Geld und treffe mich am Donnerstagabend mit ihm in der Kneipe „Zur silbernen Flipperkugel“ in der Altstadt von Bad Kreuznach. Der Laden ist garantiert bullen- und spitzelfrei. Ich kenne den Wirt. Hat zehn Jahre wegen schwerem Raubüberfall gesessen. Hakan ist ein breitschultriger Hüne mit schwarzem, straff zurückgekämmtem Haar und einem Vollbart. Über seinen riesigen Bauch hatte er eine weiße Schürze gebunden.
Ich setze mich mit Benny an einen Tisch im hinteren Bereich und wir bestellen zwei Bier. Quatschen ein bisschen über die Geschäfte und das Leben. Ich lasse die Sporttasche mit dem Geld unter dem Tisch stehen, und Benny gibt Hakan beim Rausgehen fünfzig Euro. Es ist wirklich einfach.
Einzahlungen sind noch einfacher: Treffpunkt Autobahnraststätte Waldlaubersheim. Ich gehe durch die Weinberge hinter meinem Haus zur Rasta. Auf dem Parkplatz steige ich zu meinem Kunden auf den Rücksitz seines Wagens. Alles ist in einem Rucksack, die Einzahlung und meine Bankgebühr. Drei Prozent. Einmalig. Keine weiteren Kosten. Es sind etwa dreißig Minuten zu Fuß, und ich bin wieder in Schweppenhausen.
Rod Stewart - I Dont Wanna Talk About It. https://www.youtube.com/watch?v=U-uAdxpj-KY

Kommentare:

  1. Mensch Du darfst doch nicht alles verraten ................
    Preisfrage:
    Warum hat fast jeder schwäbische Handwerker / Selbstständige
    ein Boot auf dem Bodensee ?
    Weil in der Schweiz die Banken auch am Sonntag geöffnet sind.

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    1. Das mit der Schweiz habe ich auch mal überlegt. Aber die hatten schon vor Jahren 0 Prozent Zinsen. Und 0 Prozent bringt es auch, wenn ich das Schwarzgeld zu Hause lagere. Bankschließfach kostet auch Geld. Und so spare ich mir die Zugfahrt nach Basel ;o)))

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  2. Und ich dachte immer, Du wärst Drogendealer und würdest Deine Ware vornehmlich unter Deinen Bloggerkumpels (hauptsächlich KN) verteilen... Aber Geldmafia macht natürlich auch Sinn...

    Immerhin noch besser als Fernsehredakteur oder Automatenaufsteller...

    ;-)

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    1. Das mit den Drogen war in den 80er/90er Jahren ;o)

      Jetzt wasche ich halt das Drogengeld, das ist einfach der nächste Schritt gewesen :o)))

      An den KN verticke ich Whisky der Jahrgänge 1900 bis 1950.

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