Dienstag, 25. November 2014

Ein Tag im November

Der Totenmonat November macht seinem Namen alle Ehre. Eine alte Freundin von mir, die es als alleinerziehende Mutter ohnehin nicht leicht hat, trifft es letzten Sonntag gleich doppelt. Seit dem Frühling hat sie wieder einen Freund, die beiden wollen zusammenziehen und machen Pläne für die gemeinsame Zukunft. Einige Monate zuvor hatte sie den Motorradführerschein gemacht und sich eine Maschine angeschafft. Beim Motorradfahren hatte sie ihn kennengelernt. Es ist ein Sonntagnachmittag, als sie zusammen einen Ausflug machen. Sie fährt vor ihm. Als er eine Weile nicht in ihrem Rückspiegel auftaucht, fährt sie die Landstraße zurück. Er war frontal mit einem Auto zusammengestoßen und starb noch an der Unfallstelle.
Da er offiziell noch verheiratet ist – er war im Trennungsjahr -, verweigert ihr seine Ehefrau die Teilnahme an der Beerdigung und gibt auch nicht den Ort des Begräbnisses preis. Sie erfährt es trotzdem über einen Freund und legt am nächsten Tag eine Rose auf der Grabstelle im Friedwald ab. Als sie am darauffolgenden Tag wieder zum Grab geht, ist ihre Rose verschwunden.
Wenige Stunden nach dem tödlichen Unfall ihres Freundes – sie ist wieder zu Hause bei ihrer kleinen Tochter, der sie nichts erzählen möchte – klingelt das Telefon. Ein Anruf aus Amerika. Ihr Vater hatte als Beifahrer einen schweren Autounfall und liegt in Kalifornien im Krankenhaus. Er ist querschnittsgelähmt. Das Schicksal ist eine brutale Drecksau.