Freitag, 23. Oktober 2026

Hiob 2.0

 

Was für ein Jahr. Januar: zwei Weisheitszähne gezogen. Februar: Grippe. April: Einbruch – zum Glück war ich zuhause. Juli: Zusammenbruch bei 38 Grad auf offener Straße. Den Sommer verbringe ich wie James Stewart in Hitchcocks „Fenster zum Hof“, immerhin kann ich mich innerhalb der Wohnung am Krückstock bewegen. Oktober: zwei Wochen im Krankenhaus der Hölle wegen eines Ödems. Und einen Tag nach der Entlassung verursacht der defekte Spülkasten meines WC einen Wasserschaden eine Etage tiefer. Der herbeigerufene Klempner verlangt tatsächlich 522 Euro für eine halbe Stunde Arbeit. Und ich Idiot habe studiert. Hoffentlich übernimmt meine Privathaftpflicht den ganzen Spaß. Und 2026 ist noch lange nicht zu Ende …

Ich befinde mich augenblicklich in der Phase der Resignation. Ich spüre die Schläge nicht mehr. Gestern habe ich ein Rezept für den Pflegedienst, der täglich mein Bein bandagiert,, und Pflegemittel von meinem Hausarzt gebraucht. Exakt seit gestern ist er im Urlaub. Na und? Die Leberzirrhose wird in ein paar Jahren meine Geschichte beenden. Und wie kann man diese Unglücksserie nüchtern ertragen? Zum Glück habe ich vor zwei Jahren ein wenig Geld geerbt, so dass ich unbeschwert dem Tod entgegentanzen kann. Rein statistisch betrachtet habe ich achtzig Jahre. Sechzig davon habe ich hinter mir, also drei Viertel. Bekanntlich ist das Alter öde und voller Schmerzen. Das Beste habe ich erlebt, das kann mir keiner mehr nehmen. Ich erspare mir den Rollator und Kreuzfahrten, Tanztees und Altersheim. Alles fühlt sich frei und leicht an.

 

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