Montag, 20. Juli 2026

Als der Montag verschwand

 

Eigentlich war alles wie immer. Ich verbringe den Sonntag vor dem Fernseher und mit meiner Playstation, am nächsten Tag gehe ich zur Arbeit. Als ich meinen PC einschalte, sehe ich, dass es Dienstag ist. Habe ich den Montag verschlafen? Keiner sagt etwas, auch der Chef nicht, der sonst penibel auf die Einhaltung der Arbeitszeiten achtet.

Mittags sitze ich mit meiner Kollegin Chantal Wagenheber in der Kantine. Erst beim Schokoladenpudding traue ich mich, sie zu fragen: „Warum ist heute Dienstag? Gestern war Sonntag. Was ist passiert?“

„Keine Ahnung“, antwortet sie gleichmütig. „Aber keiner von uns verliert ein Wort darüber. Babsi hat gesagt, es wäre eine Kalenderreform der Regierung. Aber Babsi erzählt viel, wenn der Tag lang ist.“

Ich mache mir keine Gedanken. Ich arbeite also nur vier Tage. Ist das die Vier-Tage-Woche, vor der Friedrich Merz uns alle gewarnt hat? Ist der Standort Deutschland in Gefahr?

In der Woche darauf fehlt der Montag schon wieder. Jetzt berichten die Medien. BILD: „Weltweit gibt es keinen Montag mehr. Stecken die Russen dahinter? Oder die Chinesen?“ Wirtschaftsverbände fordern eine Lohnkürzung um zwanzig Prozent. Aus dreißig Urlaubstagen werden jetzt über sieben Wochen Urlaub, nicht mehr sechs.

Spaßvögel setzen Meetings am Montag an, Geschäfte versprechen einen fünfzigprozentigen Rabatt am Montag, die Kirchen trauern dem Ostermontag nach. Es dauert ein paar Monate, bis das eigentliche Problem auftritt. Das Jahr hat 52 Tage weniger, also nur noch 313 Tage. Es schneit an Ostern und die ersten Sommertage sind Ende August. Also gibt man ein paar Monaten, allen voran dem Februar, 31 Tage. Dazu wird ein neuer Monat eingeführt: der Bonetti mit den Highlights Weihnachten und Silvester.

Klassische Sprüche geraten in Vergessenheit. „Warum ist Montag so weit weg von Freitag, aber Freitag so nah am Montag?“ „Traue keinem, der am Montagmorgen lächelt.“ „Montag im Büro ist, wenn die Motivation erst nach der dritten Kaffeepause kommt.“ Natürlich ist die Sache eine Katastrophe für die Karnevalshochburgen. Kein Rosenmontag mehr. Die Umzüge sind am Dienstag und danach kommt direkt der Aschermittwoch.

Im Büro träumen wir alle, dass als nächstes der Freitag verschwindet. Dienstag zur Arbeit kommen und Donnerstag ins Wochenende. Dann hätten wir alle zehn Wochen Urlaub im Jahr. Drei Tage Arbeit, zwei Tage frei. Damit könnte ich leben. Der wegfallende Karfreitag wäre locker zu verkraften. Wenn der Samstag oder der Sonntag verschwinden würde, wäre es natürlich eine Katastrophe. Für alle Beschäftigten, aber auch für Christen (Sonntag) und Juden (Sabbat). Müsste dann auch der Anfang des Alten Testaments umgeschrieben werden?

P.S.: Seit der WM machen wir alle zwanzig Minuten eine Hydration Break, formerly known as Kaffeepause. Nach dem Ende des Montags ein weiterer Fortschritt.

 

3 Kommentare:

  1. Bonetti macht ne Trinkpause ? Glaubste selber nich.....

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  2. Ideenhaste. Kammernichmeggern.

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  3. Wie sagte schon der große Altagsphilosoph und Lasagne-Conaisseur Garfield? "You know it's Monday and you know it's Tuesday."

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