Ich
saß gerade an meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab und
gähnte meinen Namen in den Hörer.
„Konrad
Toenz am Apparat“, sagte eine Stimme mit einem Akzent, den ich nicht gleich
zuordnen konnte. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“
„Wo
können wir uns treffen?“
„Hotel
Waldfrieden in Bad Schwalbach. Wir sehen uns um 18 Uhr im Speisesaal.“
„Das
ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt.“
„Ich
werde Ihnen dort alles Nähere erklären. Sind Sie mit einem Vorschuss von fünfhundert
Mark einverstanden?“
Also
machte ich mich auf den Weg. In meinem Wagen suchte ich im Aral-Atlas die
Strecke heraus. Unterwegs hielt ich in einem kleinen Städtchen an einer
Tankstelle. Während der Tankwart das Benzin einfüllte, die Windschutzscheibe
von Insektenmatsch befreite und anschließend den Ölstand kontrollierte, fragte
ich ihn, wo es ein Münztelefon gäbe. Er zeigte mit einem öligen Finger auf eine
gelbe Telefonzelle auf der anderen Straßenseite.
Irgendwo
hatte ich den Namen Konrad Toenz schon einmal gehört. Also rief ich meinen
alten Schulfreund Frank bei der Polizei in Frankfurt an, der mir manchmal mit
ein paar Informationen aushalf.
„Toenz
ist mehrfach vorbestraft und gehört zur Züricher Mafia. Falschgeld,
Glücksspiel, Erpressung. Sei vorsichtig.“
Im
Hotel angekommen nahm ich mir ein Zimmer. Mit dem Zahnputzbecher und einer
Flasche Jägermeister aus meiner kleinen Reisetasche machte ich es mir auf dem
Bett bequem. Weniger später klopfte es an meiner Tür und ich rief „Herein“. Ein
junger Page in einer dunkelroten Uniform übergab mir ein Telegramm von Frank:
„Toenz ist gerade im Taunus unterwegs + Fahndung ist raus + Vorsicht,
bewaffnet“.
Punkt
18 Uhr ging ich in den Speisesaal hinunter. Fast alle Tische waren besetzt,
Zigarettennebel lag kalt und grau in der Luft. Ich setzte mich und fischte eine
Reval aus meinem Päckchen. Bald darauf kam ein Mann, der sich suchend umsah.
Ich winkte und er setzte sich zu mir.
Nach
der Begrüßung gab er mir einen Barscheck der Sparkasse Wiesbaden und erklärte
mir, ich solle seine Frau beschatten. Sie habe vor Ort einen Liebhaber. Er
nannte mir die Adresse und beschrieb mir den Weg. Wir tranken ein Bier und dann
fuhr ich los. Wo war der Haken an der Sache? Und was machte die Frau eines
Schweizer Mafiosi in diesem gottverlassenen Kaff?
Es war
bereits dunkel, als ich vor dem Haus von Eduard Zimmermann ankam.
Sicherheitshalber parkte ich meinen Opel Kapitän dreihundert Meter weiter. Als
ich an der Haustür klingelte, machte niemand auf, obwohl in der offenen Garage
ein Mercedes-Benz 220 stand. Aber es brannte kein Licht. Ich öffnete mit einem
Dietrich die Tür und trat ein. Offenbar war niemand zu Hause, die Stille war
unheimlich.
Im
Wohnzimmer fand ich ihn. Seine Augen waren offen, aber sie sahen mich nicht. Er
saß in einem Sessel und hatte eine hässliche Schusswunde an der Schläfe. Mit meinem Stift hob ich einen Revolver hoch, der neben ihm auf dem Boden lag. Er war erst kürzlich abgefeuert worden.
Selbstmord? Oder eine Inszenierung?
Plötzlich
donnerten Fäuste an die Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Offenbar hatte mir Toenz
eine Falle gestellt. Ich flüchtete durch das Küchenfenster auf der Rückseite
des Hauses in den nahen Wald. Dieses Schwein würde ich in die Finger kriegen!
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