Montag, 11. Mai 2026

Taunus Blues

 

Ich saß gerade an meinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Ich nahm ab und gähnte meinen Namen in den Hörer.

„Konrad Toenz am Apparat“, sagte eine Stimme mit einem Akzent, den ich nicht gleich zuordnen konnte. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“

„Wo können wir uns treffen?“

„Hotel Waldfrieden in Bad Schwalbach. Wir sehen uns um 18 Uhr im Speisesaal.“

„Das ist ein ungewöhnlicher Treffpunkt.“

„Ich werde Ihnen dort alles Nähere erklären. Sind Sie mit einem Vorschuss von fünfhundert Mark einverstanden?“

Also machte ich mich auf den Weg. In meinem Wagen suchte ich im Aral-Atlas die Strecke heraus. Unterwegs hielt ich in einem kleinen Städtchen an einer Tankstelle. Während der Tankwart das Benzin einfüllte, die Windschutzscheibe von Insektenmatsch befreite und anschließend den Ölstand kontrollierte, fragte ich ihn, wo es ein Münztelefon gäbe. Er zeigte mit einem öligen Finger auf eine gelbe Telefonzelle auf der anderen Straßenseite.  

Irgendwo hatte ich den Namen Konrad Toenz schon einmal gehört. Also rief ich meinen alten Schulfreund Frank bei der Polizei in Frankfurt an, der mir manchmal mit ein paar Informationen aushalf.

„Toenz ist mehrfach vorbestraft und gehört zur Züricher Mafia. Falschgeld, Glücksspiel, Erpressung. Sei vorsichtig.“

Im Hotel angekommen nahm ich mir ein Zimmer. Mit dem Zahnputzbecher und einer Flasche Jägermeister aus meiner kleinen Reisetasche machte ich es mir auf dem Bett bequem. Weniger später klopfte es an meiner Tür und ich rief „Herein“. Ein junger Page in einer dunkelroten Uniform übergab mir ein Telegramm von Frank: „Toenz ist gerade im Taunus unterwegs + Fahndung ist raus + Vorsicht, bewaffnet“.

Punkt 18 Uhr ging ich in den Speisesaal hinunter. Fast alle Tische waren besetzt, Zigarettennebel lag kalt und grau in der Luft. Ich setzte mich und fischte eine Reval aus meinem Päckchen. Bald darauf kam ein Mann, der sich suchend umsah. Ich winkte und er setzte sich zu mir.

Nach der Begrüßung gab er mir einen Barscheck der Sparkasse Wiesbaden und erklärte mir, ich solle seine Frau beschatten. Sie habe vor Ort einen Liebhaber. Er nannte mir die Adresse und beschrieb mir den Weg. Wir tranken ein Bier und dann fuhr ich los. Wo war der Haken an der Sache? Und was machte die Frau eines Schweizer Mafiosi in diesem gottverlassenen Kaff?

Es war bereits dunkel, als ich vor dem Haus von Eduard Zimmermann ankam. Sicherheitshalber parkte ich meinen Opel Kapitän dreihundert Meter weiter. Als ich an der Haustür klingelte, machte niemand auf, obwohl in der offenen Garage ein Mercedes-Benz 220 stand. Aber es brannte kein Licht. Ich öffnete mit einem Dietrich die Tür und trat ein. Offenbar war niemand zu Hause, die Stille war unheimlich.

Im Wohnzimmer fand ich ihn. Seine Augen waren offen, aber sie sahen mich nicht. Er saß in einem Sessel und hatte eine hässliche Schusswunde an der Schläfe. Mit meinem Stift hob ich einen Revolver hoch, der neben ihm auf dem Boden lag. Er war erst kürzlich abgefeuert worden. Selbstmord? Oder eine Inszenierung?

Plötzlich donnerten Fäuste an die Haustür. „Aufmachen, Polizei!“ Offenbar hatte mir Toenz eine Falle gestellt. Ich flüchtete durch das Küchenfenster auf der Rückseite des Hauses in den nahen Wald. Dieses Schwein würde ich in die Finger kriegen!

  

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