Sonntag, 26. April 2026

Bekenntnisse eines Serienmasochisten

 

Heidrun und ich sind seit neun Jahren verlobt, seit acht Jahren meinerseits unter Protest. Unsere Beziehung beruht auf Gewalt, also auf ihrer Gewalt. Und meiner Angst. Das sagt auch unser Paartherapeut.

Jetzt haben wir uns wenigstens darauf geeinigt, dass sie mich nicht mehr in aller Öffentlichkeit schlägt. Ich musste dem Hausarzt schon zum dritten Mal erklären, ich wäre die Treppe runtergefallen – nur in diesem Monat. Sie schlägt auch immer auf dieselbe Stelle, meine linke Schulter. Ich spüre den ganzen Arm schon lange nicht mehr.

Wenn ich nicht so alt wäre, hätten die Nachbarn schon längst das Jugendamt gerufen. Ich war auch mal im Männerheim. Das Problem ist: Wenn dich vier Wochen keiner mit zu sich nimmt, wirst du eingeschläfert.

Es gibt aber auch die wenigen schönen Momente im Leben. Zum Beispiel, wenn wir abends zusammen den „Bachelor“ gucken und ich sie mit Chips und Schokolade füttere. Natürlich muss man auf seine Finger achten, wie bei allen Raubtieren.

Zum Glück weiß sie nichts von diesem Blog. Sonst würde sie sagen: "KOMM DU MIR NACH HAUSE!"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen