Dienstag, 31. März 2026

Die Stunde der Affen

 

Die Villa, die sich in einem völlig verwilderten Garten verbarg, war von kleinen Giebeln und Erkern übersäht. Sie musste mindestens zweihundert Jahre als sein und war einst als Stadtsitz eines elbischen Adelsgeschlechts erbaut worden. Ich ging zur Tür, nahm den eisernen Ring, der im Maul eines Satyrs befestigt war, und klopfte an.

Ein buckliger Zwerg in einem Pagenkostüm öffnete mir und bat mich hinein. Während er vor mir zum Salon humpelte, betrachtete ich die dunklen Balken an der Decke und die Porträts an den Wänden. Natürlich gab es auch die unvermeidliche Ritterrüstung und die tischhohe Vase aus chinesischem Porzellan.

Im Salon empfing mich Fürst Leopold, ein hagerer Mann um die fünfzig, der auf seidenen Kissen saß und an einer langen Opiumpfeife sog. Die Wände waren mit Mahagoni getäfelt, der Wandschmuck war jedoch durchaus modern: Mandalas und abstrakte Gemälde. Der Fürst bat mich, Platz zu nehmen.

Über diesen Mann kursierten viele Geschichten in der Stadt, teils waren es Gerüchte, teils gab er sie bei gesellschaftlichen Anlässen selbst zum Besten. Man hatte ihm angeblich einen Nacktmull aus dem Enddarm entfernen müssen und er sprach gerne über die sexuellen Ausschweifungen mit einer vierarmigen Inderin in Rajasthan.

„Lieber Fürst“, begann ich. „Die Linken sind uns schon lange ein Dorn im Auge. Ihr seid bekannt für Euer Netzwerk aus Informanten. Es geht um die rote Heidi.“

Tatsächlich gab es dieses unsichtbare Netzwerk aus Dienstboten, Kellnern, Verkäuferinnen, Chauffeuren und Paketzustellern, das den Fürsten immer mit neuen Skandalen und Affären über die Reichen und Prominenten belieferte, die das Fußvolk, von dem sie täglich umgeben waren, nie wirklich wahrnahmen.

„Alfred!“ Der Zwerg tippelte ungelenk ins Zimmer. „Wir brauchen Informationen über Heidi Reichinnek.“ Dann wandte er sich wieder an mich. „Treffen wir uns morgen gegen 15 Uhr auf ein Glas Champagner, lieber Bonetti?“

Am nächsten Tag bekam ich mehr, als ich mir zu wünschen erhofft hatte. Nicht nur Informationen, sondern auch Fotos und aufgezeichnete Gespräche. Heidi bei einer Anprobe im Prada-Laden, Heidi in Lack und Leder mit ihrem Buhlknaben an der Hundeleine, Heidi bei geheimen Absprachen mit Söder.

Bonetti revanchierte sich mit Material aus seinem Bestand: Jens Spahn in einer Badewanne voller Masken, Kai Wegener am ersten Tag des Stromausfalls in der Sauna mit Uschi Glas, Thomas Gottschalk fasst Friedrich Merz ans Knie, Ayatollah Chamenei rittlings auf einer Atombombe.

Die erste Bombe, die Bonetti Media vier Wochen vor der Berlin-Wahl zündete, war jedoch Heidi Reichinnek mit Rüdiger Clooney, dem Bruder des Hollywood-Stars, oben ohne auf einer Yacht in Monte Carlo, während sie Erdbeeren mit Schlagsahne vom nackten Oberkörper eines nubischen Prinzen naschte.

The Chameleons - Up the Down Escalator

1 Kommentar:

  1. Eine grandiose Story, danke dafür! Ich hab auch eine, bzw. wenigstens den Anfang: Friedrich Merz, Benjamin Netanjahu und Ahmed al-Schar(i)aa (formerly known as "Kopf-ab-Muhammad") sitzen in der Bundestagskantine. Sie teilen sich eins der neuerdings sehr angesagten Militär-Gerichte - Shakshuka (wahlweise blutig oder gut am koscheren Hanfseil abgehangen) an Briloner Graubrot-Crostini-Schaum in einem Carpaccio-Kränzchen vom ungläubigen Hund aus garantierter Halal-Schlachtung. Plötzlich tritt Heidi "Horch" Reichinnek (unverschleiert) an den Tisch und wedelt, provokant die Internationale pfeifend, mit einem internationalen Haftbefehl ...
    Und jetzt weiß ich leider nicht weiter. Welcher der drei Herren könnte wie reagieren?

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