Donnerstag, 17. Februar 2022

Samstagabend in der Prärie


Die Sonne war längst untergegangen, aber die Aprilhitze war immer noch unerträglich. In der Ferne heulte ein Kojote und ich hörte, wie die Pferde im Stall unruhig wurden. Ich würde keinen Schlaf finden, das war klar. Also zog ich meine Schlangenlederstiefel an und startete den V8-Motor meines Pick-ups.

Im Gasthaus Zum goldenen Wasserbüffel in Dachsweiler war heute orientalischer Abend. Außerdem gab es Spießbratenbrötchen für drei Euro. Die Bauchtänzerin hieß Roswitha. Sie war so arabisch wie ein Schweinekotelett. Aber im Hunsrück nehmen wir, was wir kriegen können. Ich trank drei Humpen Bier, aß zwei Brötchen und schaute ihr bei dem Versuch zu, mit den Hüften zu wackeln. Bevor ich ein viertes Bier bestellte, stattete ich dem Pissoir einen Besuch ab.

Als ich von der Toilette zurückkam, erwarteten mich drei Männer. In der Mitte stand ein Hüne, der ein Piratentuch trug, wie es vor zwanzig Jahren mal in Mode gewesen war. Er hatte einen buschigen aschblonden Schnurbart und einen abgebrochenen Schneidezahn.

„Du dreckiger Hühnerdieb bist nicht aus Dachsweiler“, stellte er mit knurrender Stimme fest.

Es gibt drei Regeln bei einer Kneipenschlägerei:

1.     Du musst anfangen.

2.     Du musst als erstes den Anführer erledigen.

3.     Du musst dir die beste Waffe besorgen, die du in einer Kneipe finden kannst.

Ohne zu antworten, ging ich auf den Mann zu und verpasste ihm einen Kopfstoß, der ihm das Nasenbein brach. Dann zog ich mit meinem rechten Fuß durch, als wäre ich ein Torhüter beim Abschlag. Das waren seine Eier. Er brach blutüberströmt zusammen und hielt sich das Gehänge.

Im Film prügeln sich die Männer immer mit ihren Fäusten. Aber die Hände bestehen aus einer Vielzahl winziger Knochen, vielen empfindlichen Sehnen und sind stark durchblutet. Verletzungen sind sehr unangenehm und behindern uns im Alltag für viele Tage. Der Kopfstoß mit der harten Stirnplatte gegen das weiche Gesicht des Gegners ist die beste Methode.

Einer der beiden verbliebenen Männer nahm eine Bierflasche vom Tresen und wollte ihr den Hals abschlagen, um sie als Stichwaffe zu benutzen. Das war ein Fehler. Auch das gibt es nur im Film. Dort werden die Flaschen aus Zucker hergestellt. Er schlug die Flasche auf den Rand des Tresens, aber sie blieb ganz.

Ich war zum Billardtisch gerannt und hatte mir ein Queue geschnappt. Wenn Sie nicht gerade eine abgesägte Schrottflinte dabeihaben, ist ein Queue die beste Waffe in einem Kneipenkampf. Er ist lang, aus Hartholz, mit Blei beschwert – und liegt einfach gut in der Hand. Der Queue ist der Degen des Säufers.

Ich prügelte wie ein Berserker auf die beiden Männer ein, die sich schützend die Arme vors Gesicht hielten. Ich konzentrierte mich auf Ellbogen und Handgelenke. Irgendwann gingen sie zu Boden und ich verdrosch ihnen den Pelz.

Alle Gespräche in der Kneipe waren längst verstummt. Ich ließ den Queue fallen und ging nach draußen. Eine Viertelstunde später war ich wieder zuhause.

Ian Dury and The Blockheads – Hit Me With Your Rhythm Stick (Official HD Video) - YouTube

Kennen Sie Bonettis Lesezirkel? Wir treffen uns regelmäßig jeden Mittwoch in der Bibliothek.

9 Kommentare:

  1. Danke für die Schilderung!
    Ich trinke mein Bier nun doch lieber daheim.

    AntwortenLöschen
  2. DU solltest Schriftsteller werden... 📝 👍

    Tag der grundlosen Nettigkeiten 2022
    17. Februar 2022 in der Welt... 🌹😗

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meinst du wirklich, ich habe Talent?

      Löschen
    2. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen 😉😜😚

      *duckundweg*

      Löschen
  3. Spießbraten im Brötchen!
    Jetzt hab aber so richtig Kohldampf auf genau so etwas!!!
    Das gibt es an Pfingsten immer bei Sportberein.
    Die fangen mit dem Braten schon in der Nacht an, super gewürzt.
    Dazu wie beschrieben 2 oder 3 Humpen.
    Herrlich.
    Aber bitte ohne Hauerei.

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe das Talent wie auch die Ausstrahlung, komplett ungefährlich zu wirken.
    Ich kann in die schlimmste Kneipe, in das übelste Viertel, nichts !
    Und dann gibt es das totale Gegenteil.
    Freund von mir, der kriegt, oder besser kriegte, das Alter....,immer Ärger.
    Der mußte bloß irgendwo dumm rumstehen.
    Ich nenne es mal Magie.

    AntwortenLöschen
  5. The first rule of Kneipenschlägerei is: you do not talk about Kneipenschlägerei.

    AntwortenLöschen
  6. Meine schönste Schlägerei:
    1980, noch britische Soldaten in der Nähe stationiert, die jedes Jahr auf dem Schützenfest spätestens im Rausch für Rabatz sorgten.
    Kumpel, aufgrund seiner 1,69m Körpergröße passender Spitzname "Riese", und dessen Freundin sitzen im Eingangsbereich der Festhalle. Kommen 5 oder 6 Briten, schon jenseits von Gut und Böse, herein. Der dritte oder vierte Kerl packt der Freundin direkt in den Ausschnitt. Riese greift sich den Glasaschenbecher vom Tisch und schlägt dem Greifer das Teil voll ins Gesicht, packt seine Freundin und beide sprinten über den Tisch ans andere Ende der Halle.
    Jetzt erst reagiert die volltrunkene Bande, jeder schlägt auf die nächstbeste Person in der Nähe ein. Schlägerei wie im Western. Die Bayernkapelle reagiert prompt und stellt sofort die Musik vom deutschen Schlager auf Irish Folk um.
    30 Minuten später liegt alles in Trümmern und britische MP beendet das Geschehen.
    Unvergesslich schön.

    AntwortenLöschen
  7. Wir hatten hier Amis.
    Atomsprengköpfe und so.
    Die vertrugen einfach unser Bier nicht.
    Einer kam mal aus dem Bierzelt gewankt.
    Schwanz hing aus der Hose, beim Laufen gepisst und gleichzeitig gekotzt.
    Solche Leute machen natürlich keine Probleme mehr.

    AntwortenLöschen