Mittwoch, 1. Dezember 2021

Was geschah am 1. Dezember 2011?

 

Heute Morgen bin ich um fünf aufgewacht und dachte mir, es sei noch viel zu früh, um aufzustehen. Also machte ich noch ein kleines Nickerchen bis acht. Als ich aufwachte, schoss mir für eine Millisekunde der Gedanke durch den Kopf, ich hätte verschlafen. Aber dann musste ich grinsen. Ich kann gar nicht verschlafen. Ich kann auch keinen Wecker überhören, weil ich seit zehn Jahren keinen Wecker mehr gestellt habe.

Am 30. November 2011 war mein letzter Arbeitstag als Kiezschreiber. Am nächsten Tag begann die große Freiheit, die nur den Auserwählten vorbehalten ist, die ihr Leben der Kunst gewidmet haben – auch wenn es an den meisten Tagen nur die Kunst des Kalauers ist. Schon in den drei Jahren als Kiezschreiber klingelte der Wecker fast nie. Alle Termine waren nachmittags oder abends, ich hatte eine günstige BVG-Monatskarte, die jeden Tag erst ab zehn Uhr gültig war.

Zehn Jahre bin ich heute auf den Tag genau Schriftsteller. Ich schreibe inzwischen tatsächlich jeden Tag und der noble Beruf adelt meinen Lebenslauf. Was wäre, wenn ich sagte, ich sei ein Müßiggänger, ein Bonvivant, ein Bruder Leichtfuß, ein Taugenichts, der sich durch den Tag treiben lässt und in seiner Bücherwelt lebt? Mögen mir weitere zehn Jahre bis zum 1. Dezember 2031 beschieden sein.


Ich bin das Kind in der ersten Reihe ganz links. Oder in der ersten Reihe ganz rechts.

 

3 Kommentare:

  1. Man kanns den Kindern nicht früh genug sagen: Macht ne Raute auf Fotos ! Steht nicht mit Buckel und hängenden Armen da ! Das fällt alles auf die Eltern zurück.

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    1. Der Typ mit den Hosenträgern, der vorne in der Mitte steht, ist heute sicher Rechtsanwalt und das Mädchen links neben ihm Zahnärztin.

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  2. Das Mädchen links im rotgrünen Karo sah als Kind schon aus wie ihre Mutter.

    Der Held in Strumpfhosen ist heute Investmentbanker.



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