Samstag, 30. Oktober 2021

Literatur – ein Frontbericht

 

Buchhandlung Engelbert in Cloppenburg. Eine recht erfolgreiche Lesung. Knapp zwanzig Zuhörer, ein halbes Dutzend verkaufte und signierte Exemplare meines neuen Buchs „Der Schrei - Langzeitwirkungen der sozialen Medien“.

Frau Engelbert, die Buchhändlerin, lädt mich am Ende noch zum Abendessen ein. Es kämen einige nette Leute aus dem Cloppenburger Kulturmilieu. Ich sage ihr zu, möchte aber noch schnell ins Hotel, um mich frisch zu machen, vulgo: ein Bier zu trinken und mich eine halbe Stunde aufs Bett zu legen. Sie gibt mir die Adresse und ich kann nach meinem fulminanten Auftritt etwas abschalten.

Als mich das Taxi später zu dieser Adresse bringt, bin ich überrascht. Nirgendwo ist ein Restaurant zu sehen. Ich frage den Fahrer, ob wir hier richten seien. Goethestraße 9. Er nickt und fährt weg. Ich stehe vor einem Mehrfamilienhaus aus der Gründerzeit. Ich gehe durch den kleinen Vorgarten und ein paar Stufen hinauf zur Haustür. Tatsächlich: Engelbert steht auf dem Klingelbrett.

Die Buchhändlerin begrüßt mich an der Wohnungstür, nimmt mir Mantel und Hut ab und führt mich ins Speisezimmer. Sie stellt mich den anderen Gästen vor: Herr Mommsen, ein pensionierter Studienrat, und seine Frau Ilse. Dazu Herr Engelbert. Ich hatte mehr Gäste erwartet, aber gut. Ein ruhiger Abend.

„Was darf ich Ihnen bringen?“ fragt Frau Engelbert. „Mineralwasser oder Apfelsaft? Wir haben keinen Alkohol, da wir beide Abstinenzler sind.“

Na, großartig. „Ein stilles Wasser, bitte.“

Ich beantworte zwanzig Minuten lang die üblichen Schriftstellerfragen. Wie kommen Sie auf Ihre Ideen? Kann man davon leben? Haben Sie XY gelesen?

Dann kommt Frau Engelbert mit einem festlichen Lächeln und einer großen Schüssel Kürbiscremesuppe herein.

Ich schöpfe mir zwei Kellen auf den Teller und hoffe, der Hauptgang möge gehaltvoller sein. Ich hatte nur einen Döner Kebab zur Mittagszeit und bin voller Hoffnung auf ein saftiges Stück Schweinebraten mit Klößen.

Als sie die Schüssel wieder in die Küche trägt, bin ich schon gespannt, was sie als nächstes bringen würde.

Es ist ein Päckchen Spielkarten.

„Spielen Sie Rommé?“ fragt sie mich.

Es folgt ein fürchterlicher Abend, gekrönt von einigen selbst verfassten Gedichten, die Herr Mommsen stehend vorträgt.

Ich bin nie wieder in Cloppenburg gewesen.   

The Toadies - Possum Kingdom (Official Music Video) - YouTube



1 Kommentar:

  1. – „HERREN IM BAD“ (Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheid):

    „Ich sitze gern mal ohne Wasser in der Wanne.“

    „Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser hinaus.“

    *weissteBESCHEID*

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