Montag, 23. August 2021

Im Westen nichts Neues

 

Im SPIEGEL 38/1980 geht es in der Titelgeschichte um den Hass auf „über vier Millionen Fremde in der Bundesrepublik“: 

„Wahrscheinlich auch, daß zunehmend gespannte soziale Bedingungen, eine von wirtschaftlichen und politischen Alarmzeichen stimulierte Überempfindlichkeit des Sicherheitsgefühls nun manche Begleiterscheinung der Einwanderung ins Licht rückte, die häufig übersehen worden war: die Misere der Gettos, die Schulen mit ausländischer Mehrheit, die Devisenabflüsse, die Türkentreffs und Jugopinten, die Kindergeldströme an große Familien, südländische Nachbarn, die mit Fleiß und Charme Erfolg haben, tagsüber beim Meister, abends bei den Mädchen.“

„Da erweist Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) Verständnis für die »arg strapazierte« Toleranz und das »Freiwerden von Emotionen« bei seinen Landsleuten; schließlich sei dergleichen ja erst durch »die Scheinasylantenlawine« sowie »faktisch unkontrolliertes Hereinlassen jedes Wirtschaftsflüchtlings« heraufbeschworen worden.“

„Ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks meint, daß ähnlich dem Gewässer »auch ein Land oder Volk nur bis zu einer bestimmten Grenze mit Fremdstoffen belastbar ist und, wenn diese Grenze mißachtet wird, ebenso in die Gefahr des Umkippens gerät«.“

„Nur dem SPD-Abgeordneten Klaus Thüsing fiel auf, daß in der Türkenpassage des alljährlichen Verfassungsschutzberichts die Formulierung »heftiger, schwer disziplinierbarer Volkscharakter« eingeflossen war.“ 

„Während der drei Monate alte Säugling Fremde freundlich anlächelt, erstarrt das fünf Monate alte Kind und beginnt alsbald zu schreien, es fremdelt, wie es freundlich heißt. Auf diesen Kurzschluß »fremd gleich Feind«, auf dieser Furcht vor Fremden (Xenophobie) gründet sich die von der urzeitlichen Horde bis hin zur Massengesellschaft nachweisbare »Neigung, geschlossene Gruppen zu bilden und aggressiv auf Fremde zu reagieren, die in die Gruppe eindringen« (Eibl-Eibesfeldt).“ 

„Was einst die Sorge um Nahrungsverlust war, gleicht der heutigen Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, der von dem Gastarbeiter eingenommen werden könnte. Der frühzeitliche Kampf ums Entfaltungs- und Jagdrevier wie um die heimische Höhle findet sich in der Verteidigung eines Wohnviertels und der eigenen vier Wände gegenüber Fremden. Der Kampf um die Frau zur Gründung der eigenen Sippe spiegelt sich wider in der Männerfurcht, Ausländer könnten ihnen die Mädchen wegschnappen oder ausspannen.“

„Ein Sündenbock fürs Schicksal - ob Stammesfremder oder Jude, Neger oder Gastarbeiter - ist da gefunden, dem man es nur noch heimzuzahlen braucht. Mal war es der Erbfeind, mal waren es die Polacken, heute sind es wohl die »Kuffnucken« und »Kameltreiber«, denen sich der deutsche Herrenmensch ausgeliefert und zugleich überlegen fühlt.“

„Dennoch ist, trotz aller Relativierung, die kriminelle Spitzenstellung der Nichtdeutschen in bestimmten Strafrechtsbereichen nicht zu übersehen. Von der Gewohnheit des Glückspiels etwa können die Gäste offenbar auch auf deutschem Boden kaum lassen. Immerhin 58,4 Prozent aller einschlägigen Verdachtsfälle im vergangenen Jahr gingen auf nichtdeutsches Konto. Nicht ganz so häufig, aber doch überdurchschnittlich, bricht ausländisches Temperament im Sexualbereich durch.“

„Wissenschaftler wie Theodor Hanf wollen nicht ausschließen, daß die bloße Fremdenfeindlichkeit bald »umkippen« könnte in einen neuen, feindseligen Rassismus. An Propagandisten, meint Hanf, werde es nicht fehlen. Solange Rassismus in der Bundesrepublik »stark tabuisiert« gewesen sei, habe »hier keiner gewagt, den Mund aufzumachen«. Nun »kriechen sie wieder aus ihren Löchern«.“

Wer hat eigentlich behauptet, der SPIEGEL sei jemals links gewesen? Wann hat Deutschland – außer im Herbst 2015 – jemals ein freundliches Gesicht gezeigt?

Steely Dan ~ Do It Again 1972 Disco Purrfection Version - YouTube




3 Kommentare:

  1. Das Wort ,,Jugopinte'' werde ich mir über meinen Spiegel schreiben!

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  2. Den Tach war der Augstein im Urlaub ;-)

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    1. Nein. Er hat die Astrologin besucht, siehe unten rechts im Bild.

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