Dienstag, 17. August 2021

Dschihad: 1 - Westliche Werte: 0

 

Zwanzig Jahre lang haben die US-Amerikaner und ihre Verbündeten versucht, aus Afghanistan ein westliches Land zu machen. Sie haben demokratische Strukturen aufgebaut, Wahlen abgehalten, das Bildungswesen erneuert und eine 300.000 Mann starke Armee ausgebildet und auf NATO-Niveau ausgerüstet. Dann sind sie gegangen und ihr künstlich geschaffener Staat ist in kürzester Zeit wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Das „nation building“ der Besatzer ist gescheitert. Es gibt keine afghanische Nation, es gibt nur Stämme. Was diese Stämme zusammenhält, ist ihre gemeinsame Religion, der Islam. Das sind die Fakten.

Was ich jetzt im Internet lese: billige Polemik, die Eitelkeiten der Moralapostel und gute Ratschläge von der Sofakante. Wer hat den Krieg verloren? Der Westen? Der hatte ihn schon verloren, als er vor zwanzig Jahren nach Afghanistan kam, um Osama bin Laden zu suchen. Er war nicht dort. Man behielt das Territorium als Beute, vergeudete Billionen Dollar für die Kriegsmaschinerie und bildete sich etwas auf seine westlichen Werte ein, ohne jemals in wirklichen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung zu treten.

Nochmal: Wer hat den Krieg verloren? Die afghanische Armee. Gegen einen unterlegenen Gegner. Offensichtlich hatte niemand den Mut und den Willen, dieses künstliche Gebilde zu verteidigen. Die gewählte afghanische Regierung? Totalausfall. Auch die afghanische Zivilgesellschaft hat die Demokratie nach westlichem Vorbild nicht gerettet. Wären neunzig Prozent der Afghanen gegen die Taliban gewesen, hätten die fundamentalistischen Milizen keine Chance gehabt. Mich erinnert die aktuelle Lage an Deutschland 1933. Eine Demokratie auf tönernen Füßen, die von entschlossenen und brutalen Männern in die Knie gezwungen wird. Widerstand ist nicht vorhanden oder so gering, dass er mühelos mit einigen Exekutionen gebrochen werden kann.

Wer sich im Westen als bequemer Beobachter öffentlich entrüstet, sollte sich fragen, welchen Wert unsere westlichen Vorstellungen andernorts noch haben. Schon die Sowjetunion scheiterte Ende 1979 bei dem Versuch, eine zweite islamische Republik nach dem Iran zu verhindern. Jetzt hat die westliche Führungsmacht ebenso versagt. Mit den erbeuteten Waffen wird der militante Fundamentalismus in weitere Staaten getragen. Nach Norden in die ehemaligen Sowjetrepubliken, nach Süden zur Atommacht Pakistan? In die europäischen Ghettos? Vielleicht lässt sich unsere Lebensweise doch nicht so einfach auf andere Kulturen übertragen?

Kommen wir am Schluss zu den eigentlichen Gewinnern. Profitiert hat natürlich in erster Linie die Rüstungsindustrie. Der Bundeswehreinsatz hat 12,5 Milliarden Euro gekostet. Die USA haben 825 Milliarden Dollar ausgegeben, inklusive ziviler Hilfen über zwei Billionen Dollar. Gezahlt hat das der deutsche bzw. amerikanische Steuerzahler. Man nennt es Umverteilung. Selbstverständlich von unten nach oben. Darüber spricht leider niemand.

P.S.: Verlierer sind auch die Kollaborateure. 1945 wurden sie von der Wehrmacht beim Rückzug im Stich gelassen, 2021 von der Bundeswehr. Sie haben an die „Werte“ der Besatzer geglaubt, die es in Wahrheit nie gegeben hat.

Queens Of The Stone Age - No One Knows (Official Music Video) - YouTube

USA reagieren: Mc Donald’s nimmt in Kabul den McRib aus seinem Angebot.

 

10 Kommentare:

  1. Westliche Werte:Es geht weder um Menschenrechte, noch um Demokratie, noch um mehr Schulen und Bildung, sondern um imperiale Interessen: 1) Bodenschätze, 2) Trassen für Pipelines, 3) Geostrategische Überlegungen (inmitten des „eurasischen Schachbretts“, Brzezinski), 4) Profitinteressen der Rüstungswirtschaft, 5) Existenz der NATO.

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  2. Wer hat uns verraten?

    Deutsche Soldaten.

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  3. Es ging um die militärische Strategie der Amerikaner, einen Brückenkopf im Nahen Osten zu schaffen.
    Russland war das Ziel. Die Amerikaner
    wollten nicht wie Napoleon und Herr 88
    während einer reinen Westinvasion im russischen Winter stecken bleiben.
    Von Süden sollte ein zweiter Angriffskeil in Russland eindringen und
    gen Osten schwenken.
    Dazu musste man den Nahen Osten und insbesondere Afghanistan als Aufmarschgebiet unter die amerikanische Knute zwingen.
    Das mit der Demokratie bringen und Gedöns haben
    sie ihren Stiefelleckern, aka Bündnispartnern in Europa erzählt.

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    1. 1. Afghanistan hat keine Grenze zu Russland.
      2. Russland hat Atomwaffen.
      3. Niveauloser Kommentar Ihrerseits.

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  4. Also die Waffen, die von den Taliban erbeutet wurden, haben zum Glück eine rel. kurze Halbwertszeit.
    Beispiel MGs. Diese Waffen brauchen ja nach ein paar tausend Schuß, das geht im Einsatz rel. schnell, neue Läufe, weil rotglühend und kaputt. ( MGs sind so gebaut, daß die in Sekundenschnelle ausgewechselt werden können.) Und so viel werden die nicht da gelassen haben. Schätze, daß die Vorräte für 6 Wochen Krieg geplant wurden. Die größeren Waffen, Fahrzeuge, Panzer, Helikopter, haben heutzutage einen derartigen Wartungsbedarf, daß deren Nutzungsdauer auch stark eingeschränkt ist. Allemal in Händen schlecht ausgebildeter Kämpfer, die noch nie ein Auto gefahren sind. Und bei den Huckepack Raketen, Panzerfäusten und so, sind die Batterien nach einem Jahr oder so auch alle. ( Strom für die Zielsuchköpfe und Elektronik ) Und da kann man keine Media Markt Batterien reinschrauben, alles Spezial.
    Gerade mal die Ami Jeeps, die sog. HUMVEES, halten doch eine Weile.
    Aber auch die brauchen auf den miserablen dortigen Straßen dann irgendwann Ersatzteile.
    Alleine die Reifen ( Spezial ) werden recht zügig am Ende sein. Zumal die Kisten, wie die TV-Bilder zeigen, ja ordentlich überladen werden. Gleich mit 20 Mann drauf und los. Also auch bald Schrott.
    Die Frage muß aus diesem Grund sein, wer diese Leute in Zukunft versorgen wird.
    Schon alleine mit Lebensmitteln und Geld. Weil auch ein Taliban-Kämpfer Familie hat.
    Türkei ? NATO-Mitglied HaHaHa. Saudi Arabien ? "Unsere" Öllieferant.
    Iran ? aus welchem Grund ??
    Bleibt nur noch Pakistan.
    Oder der CIA mit Drogengeld, praktischerweise aus Afgahnischer Produktion, damit der Feind nicht ausgeht ????????? Herrrrrrlich, wenn nicht so viele dabei leiden würden.

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  5. "Mit den erbeuteten Waffen wird der militante Fundamentalismus in weitere Staaten getragen. Nach Norden in die ehemaligen Sowjetrepubliken, nach Süden zur Atommacht Pakistan?" Aus Pakistan kamen die Taliban. dorthin muss also nix mehr zurückgetragen werden. Ein Grund warum aus Indien später Indien und Pakistan wurde. Zwei verfeindete Atommächte. Die angrenzenden Gebiete Afghanistans sind für europäische Verhältnisse auch nicht gerade moderat aufgestellt. Ob da etwas hingetragen werden muss?

    Die Vermutung liegt nahe, dass sich auch das neue Emirat Afghanistan in Stammesfehden auflösen wird.

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  6. Kurzer Nachtrag, der Iran auf keinen Fall, das sind Schiiten, die Taliban Sunniten.
    Das geht nicht zusammen.
    Ach ja, expansionistische Bestrebungen seitens der Taliban wären Ihr Untergang.
    Weil eigentlich will die keiner so richtig.
    Die Pakistanis sind wahrsheinlich auch froh, daß die jetzt einen neuen Spielplatz haben.

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    1. Der Iran ist ohnehin schon ein "Gottesstaat". Aber zur afghanischen Bevölkerung gehören auch Usbeken und Tadschiken. Also geht der ideelle Export eher Richtung Norden oder eben in die Banlieues Europas.

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  7. Ich habe den Eindruck, dass die Taliban machen können, was sie wollen.
    Hauptsache , sie führen eine Frauenquote ein.

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