Freitag, 23. Juli 2021

Die dunkle Seite der Nacht

 

Blogstuff 615

„Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern.“ (Nathanael Liminski) – Jens Spahn is not amused.

Wem die Welt gefällt, verändert sie nicht. Wer als Partei das Milieu der Wohlhabenden vertritt, sichert die herrschenden Zustände. Wer vertritt die Unzufriedenen? Keine Partei Im aktuellen Bundestag. Brosamen wie die Forderung nach zwölf Euro Mindestlohn verändern die Lage nicht.

Es gibt eine Phase zwischen dem Berühmtsein und dem Vergessensein, in dem sich tausende von Leuten gerade befinden. Volker Rühe zum Beispiel. Ich habe sein Gesicht aus den neunziger Jahren noch vor Augen. Er war Verteidigungsminister und in der CDU. Oder Olaf Thon. Spielte erst für Schalke, dann für die Bayern. Den Rest habe ich vergessen, aber ich weiß, dass ich früher viel mehr über ihn wusste. Lou Bega. Klingelt da nichts? Mambo No. 5. Jeder kennt das nervige Lied auswendig. A little bit of Monica in my life. Ich klicke auf die Liste der Bambi-Preisträger und da tauchen die Untoten aus dem Medienpreisverleihungsestablishment wieder auf: Alfred Biolek, Dschingis Khan (die Band, nicht der Mongole), Heidi Kabel, Ute Lemper, Karl Moik und Carolin Reiber. Mit Redewendungen ist es ähnlich. Wie oft habe ich von „der Mauer in unseren Köpfen“ lesen müssen? Tausendmal? Öfter? Zum Glück wird diese Formulierung seit einigen Jahren nicht mehr verwendet. Wann habe ich Volker Rühe ganz vergessen? Alzheimer kann eine Gnade sein.

Wenn es Außerirdische jemals bis zu unserem Planeten schaffen sollten, sind sie uns technisch haushoch überlegen. Was können sie von uns primitiven Nacktaffen wollen? Unser Geld ist wertlos für sie und Rohstoffe, inklusive Gold und Diamanten, gibt es im Weltall in Hülle und Fülle. Was hatten die Indianer, was wir ihnen wegnehmen konnten? Land. Von daher ist es vielleicht sehr vorausschauend, wenn wir die Erde jetzt schon kaputt machen.   

Geld, das man auf der Straße findet, bringt Glück. Geld, das man bekommt, weil sich eine Kassiererin oder Kellnerin verrechnet hat, bringt Unglück. Neulich hat mir die Friseurin beim Bezahlen zehn Euro Wechselgeld zu viel gegeben. Eilig habe ich ihr den Schein auf dem Tresen zurückgeschoben.

Als sich in der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre viele Berliner Familien ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten konnten, zogen sie in Zelte auf den Campingplätzen am Müggelsee und Umgebung. Einer dieser Camping-Plätze heißt Kuhle Wampe. 1932 wurde, unter Mitarbeit von Bertolt Brecht, ein Film über dieses Thema gedreht. Wird die Wohnungsnot in Berlin ähnlich enden? Arbeiten bis zum Umfallen – aber wo die Arbeiter nach Feierabend schlafen sollen, ist offenbar egal.

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 The Faces - Maggie May (Peel Session) - YouTube


Wird Armin Laschet im nächsten Batman-Film mitspielen?

15 Kommentare:

  1. Wir müssen aufpassen, dass uns nicht die Worte in den Fingern verdreht werden, wenn ich mich nicht irre (ich habe den Film nicht gesehen), ist doch der Schauspieler während der Dreharbeiten verstorben. Nicht dass der Hans-Georg auf die Idee kommt, uns zu unterstellen, wir würden dem Armin was schlechtes wünschen. Ich für meinen Teil tue das nicht, ich will nur, dass der unfähige Grinser nicht Kanzler wird.

    Ich möchte Jens Spahn nichts unterstellen, aber ich bin mir nicht sicher, dass der sich tatsächlich von Liminskis Aussage angesprochen fühlt bzw. im negativen Sinne angesprochen fühlt. Ich halte es bei ihm durchaus für möglich - wissen kann ich es nicht -, dass er Liminski insgeheim Recht gibt und mit sich selber nicht so ganz im Reinen ist. Siehe die Ewigkeit bis er mal Konversionstherapien verboten hat (und auch nur für Minderjährige), das Blutspendeverbot (von einem schwulen Gesundheitsminister hätte man durchaus erwartet, dass die Aufhebung dieses Verbots die allererste Amtshandlung ist) et cetera. Irgendwo in einem tiefreligiösen Kaff oder in einer großstädtischen Opus Dei-/Evangelikalen-/Freikirchler-/...-Familie saßen auch zu Beginn seiner Amtszeit schon 14-/15-jährige Jense und wurden zu Exorzismus-Klamotten und angeblichen Psychologen geschleift, irgendwo sitzt vielleicht ein ihm gleichaltriger Jens und ist mit den Nerven runter, weil Nichte/Neffe/etc lebensrettend Blut/Plasma/Knochenmark braucht, er der einzige passende Spender in der Familie wäre und jetzt zugucken muss, wie da wer stirbt, weil er wegen einer diskriminierenden Regelung aus den 80ern nicht spenden darf, weil er nicht mit Maria sondern Marian zusammen ist. Jemand, der mit sich im Reinen ist, würde doch eben weil er sich Christ nennt sowas nicht zu lassen und stattdessen Leben retten und mal die Geschichte von Sauls Sohn Jonathan und dem späteren König David nachlesen. (Jonathan sagt, er habe David lieber als sein eigenes Leben und David sagt, dass Jonathans Liebe für ihn wunderbarer war, als die der Frauen. Es wird sich umarmt und geküsst...)

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    1. Spahn ist vermutlich der Typ "verklemmter Schwuler", katholisch, war in seiner Jugend Ministrant. Laut Wikipedia hat er zu seiner sexuellen Orientierung nur ein Interview gegeben (2012 im SPIEGEL) und möchte "keine schwule Klientelpolitik" machen. Merkel hat ja auch nix für die Frauen gemacht ;o)

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    2. Noch zu der Zeit als Spahn und ich jung waren (wir sind derselbe Jahrgang) hätte man jemanden wie ihn unter queeren Menschen noch "Klemmschwester" genannt. Heute kann er sich solchen Worten natürlich dadurch erwehren, dass er einen Mann geheiratet hat. Leute wie er oder der ähnlich lebende Streeck (dessen Mann bei Jens im Ministerium sitzt, talk about Vetternwirtschaft) haben in vielen Teilen der Community immer noch einen gewissen Ruf, aber ich glaube das Wort dafür ist heute anders.

      Das mit der Klientelpolitik ist ja immer so sein Argument. Suizide verhindern, indem man die Leute nicht durch irgendwelche sehr fragwürdigen Methoden komplett kaputt macht, ist keine Klientelpolitik. Da sieht man vermutlich ein eigenes Dilemma von ihm: Weil er seine sexuelle Orientierung nicht ändern konnte (das geht eben nicht, man kann das nicht wählen), muss er jetzt beweisen, dass er den Heteros würdig ist, indem er erlaubt, dass man anderen Menschen, die sind wie er das Leben so sehr zerstört, dass die gar nicht mehr fähig sind zu irgendwem vertrauensvolle Bindungen aufubauen...

      Merkel hat nicht viel für die Frauen gemacht, richtig. Allerdings glaube ich schon, dass dadurch, dass sie 16 Jahre in der Position, die sie derzeit noch hat war, bei vielen Leuten überhaupt das Bewusstsein dahingehend geöffnet hat, dass Frauen überhaupt führen können. Und ich glaube, da kann man schon sagen, dass sie in dem Sinne etwas für Frauen ab einer bestimmten Generation gemacht hat (ohne es bewusst zu wollen vielleicht und ohne Politik für Frauenbelange gemacht zu haben, was man iht natürlich anlasten kann). Ich glaube nicht, dass zum Beispiel in Mikeschs Generation viele Frauen automatisch davon überzeugt waren, dass eine Frau so eine Machtposition innehaben darf, vor allem nicht die, die klassisch als Hausfrau sozialisiert worden sind. Für diese Generation, die ja auch ihre eigene ist, hat Merkel in dem Sinne etwas getan indem sie gezeigt hat "Doch, Mädels, guckt mal, das geht auch als Frau. Es stimmt nicht, wenn die uns sagen, wir können so etwas nicht oder wir sind zu emotional/hysterisch/was auch immer, um Verantwortung zu tragen."

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    3. Der Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Als ich 1987 anfing, Sozialwissenschaften zu studieren, wurde schon gegendert und niemand sprach den Kommilitoninnen ihre Fähigkeiten ab. Ich dachte, im 21. Jahrhundert wären wir viel weiter. Jetzt werde ich 55 und glaube nicht mehr, dass ich echte Gleichberechtigung noch erleben werde.

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    4. Viel eher erlebst du vermutlich noch vermutlich den totalen 50er Jahre Backlash. Wie hart der schon jetzt läuft habe ich mitbekommen als ich die Videokonferenzen für die Kind-Beschulung machen musste (dass es den gibt wusste ich seit Jahren). Da sind Kinder in der Klasse, wo die Mütter - und ich hoffe wirklich, das sind einzelne Extremfälle - es völlig normal finden, dass ihre Kerle (nicht alle verheiratet) bestimmen, welche Frisuren sie sich machen. Wenn ich einen Pferdeschwanz haben will, damit mir die Haare nicht dauernd ins Gesicht fallen, dann binde ich mir einen Pferdeschwanz, da frage ich doch nicht erst noch irgendjemanden um Erlaubnis, weil dem das vielleicht optisch nicht in den Kram passt. Ich sage auch nicht zu dem Assistenten, dem beim Friseur die Haare verhunzt wurden, er muss hier drin eine Mütze aufziehen, damit ich das Elend nicht sehen muss. Besagte Mütter fänden das vorlaut (also wenn ich das täte).

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    5. Das erlebe ich auch beim Enkelkind der Frau meines Vaters. 25 Jahre alt. Handtasche - Nagellack - Swimming Pool. Das ist ihre Welt. Sie wählt CDU ...

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    6. In unserem Kiez gibt es jede Menge Wohnungen, die kaum bewohnt werden - da schaut der Spekulatius einmal im Jahr nach dem rechten oder hält sich eine nette Ferienwohnung an der Elbe. Und wir wundern uns, warum die Miete so teuer ist. Eine Wohnung pro Geldsack reicht.

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  2. Wgn. 12 € Mindestlohn

    Hab ich im Brutto-Nettorechner mal angeschaut. Steuerklasse I ( Single, kinderlos ), Ostdeutschland, Sozialabgaben gesetzl., 40 Stundenwoche

    Bleiben bei 12 € = 1373 €
    und beim aktuellen Mindestlohn
    von 9,50 € = 1149 €

    Abzügl. 600 € Singlewohnung ( Metropole ), Lebenshaltung, Mobilität
    bleibt nichts für Rücklagen, Riester ( hahaha ) usw.

    Bei 12€ gerät man monatl. nur weniger
    ins Minus als bei 9,50 €.

    1500 € müssen im Monat mindestens bleiben, im Tausch gegen 160 Stunden
    Lebenszeit pro Monat.

    Das ist nicht gierig !

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    1. Zehn Euro netto pro Stunde. Das wäre ein angemessenes Minimum.

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    2. Den Hunni mehr braucht man für
      nachhaltigen Konsum, für langlebige, Ökolebensmittel
      Produkte usw.

      Was macht man mit dem Lohn-/Sozialgefälle
      innerhalb der EU, süd-nord, ost-west und
      mit den "Arbeitszeitmodellen" der Frau Nahles,
      Leiharbeit, staatl. subventioniertes Lohndumping
      ( Aufstocken genannt ), Werkverträge, SubsubsubUnternehmertum
      usw. ?
      An der Arbeitnehmerfreizügigkeit
      innerhalb der EU ist nicht zu rütteln
      und wird es nie sein, bis der Laden
      zusammenbricht.

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  3. Niemand , der in der Politik vorgibt , das Glück der Frau zu wollen, will das Glück der Frau.
    Frauen sollen sich verwerten lassen.
    Jede Frau, die zu Hause bleiben kann (und will) ist entgangener Gewinn für die Privatwirtschaft und verringert den Druck auf die Reallöhne.

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    1. Nicht alle Frauen habe die Wahl. Viele müssen einfach arbeiten gehen - zu jedem Preis.

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  4. Hier ist ja nur kurz angerissen worden
    was in diesem Wahlkampf(?) alles unter
    den Tisch fällt.
    Nur zum Kotzen, bei welchem Theater die
    Medien der Politik Schmiere stehen.

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  5. »Als ich 1987 anfing, Sozialwissenschaften zu studieren, wurde schon gegendert und niemand sprach den Kommilitoninnen ihre Fähigkeiten ab.«

    Da habe ich die 80er jahre leider ganz anders in erinnerung. 1985 gab es an meiner schule den wahlpflichtkurs informatik. Es gab zwölf plätze und tatsächlich hatten genau 12 schüler diesen kurs gewählt. Allerdings fand der kurs nur mit 11 schülern statt. War der eine nun einfach zu dumm, weshalb man ihn lieber von anfang an ausschloß? Wohl eher nicht, denn der war bereits im 2. jahr in folge jahrgangsbester in physik. Das problem war, daß es sich um ein mädchen handelte und das war zufällig ich. Das hat nicht an meinen mitschülern gelegen, die hätten bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn ich dabei gewesen wäre, ich war ja auch öfter mal zu jungsgeburtstagen als einziges mädchen eingeladen. Das lag eher am stockkonservativen lehrkörper, der die auffassung vertrat, daß jungs später mal ingenieur werden und es für mädchen reicht, tippse zu werden.

    Liegt vielleicht auch am fach - in sozialwissenschaften liegt der studentinnenanteil bei über 55%, in der informatik bei 16%. Zu denken geben könnte einem allerdings, daß in den sozialwissenschaften trotz des frauenüberschusses unter den studenten bei den professuren der männeranteil auch heute noch bei über 2/3 liegt, da wage ich zu zweifeln, daß den kommilitoninnen wirklich niemand die fähigkeiten abgesprochen hätte.

    Anhänger des bürgerlichen feminismus war ich ohnehin nie, weil es in einer konkurrenzgesellschaft ohnehin keine auch nur halbwegs gescheite gleichstellung geben kann. So einen firlefanz wie gendersternchenInnen und binnen-iInnen, um »frauen sichtbar zu machen« braucht kein mensch. Jeden menschen nach seinen interessen und fähigkeiten auszubilden und lohnarbeit abzuschaffen wären emanzipatorischere forderungen, die nicht allein den frauen zugute kämen.

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    1. Die persönlichen Erfahrungen sind natürlich ganz unterschiedlich. Ende der 80er gab es an der Uni Mainz sogar Soziologie-Seminare nur für Frauen.

      Die Profs aus meiner Generation, die ich persönlich kennengelernt habe (z.B. Hartmut Rosa), sind alles andere als frauenfeindlich. Es dauert, bis sich der Beamtenapparat wandelt. Aber ein bisschen was hat sich schon getan. Aber natürlich nicht genug. Und bis zur Abschaffung der Lohnarbeit, die du forderst, ist es noch ein weiter Weg ...

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