Donnerstag, 24. Juni 2021

Ich spiele Xylophon auf den Totenschädeln der Bundesregierung

 

Bonettis persönlichster Text.

Blogstuff 607

„Wer geht denn in meinem Alter noch abends in die Kneipe? Die Leute sind entweder verheiratet, tot oder langweilig. Oft erkennt man den Unterschied gar nicht.“ (Heinz Pralinski)

Der infantile Nonkonformismus unserer Zeit ist in meinen Augen der Ausdruck einer stillen Verzweiflung. Ein Sechzehnjähriger sitzt im sterbenslangweiligen Chemieunterricht, er darf sich nicht bewegen und wartet wie ein Pawlowscher Hund auf die Klingel. Aber er trägt ein Metallica-Shirt (bitte aktuellen Bandnamen einsetzen, ich kenne leider keinen) und industriell zerrissene Jeans. Später, an seinem Arbeitsplatz im Großraumbüro, hat er eine lustige Kaffeetasse, ein ebenso lustiges Shirt mit einem „lockeren Spruch“ und sagt zu seinen Kollegen „Zum Bleistift“ oder „Wunderbärchen“. Mein Vater brachte früher fotokopierte Zettel aus dem Büro mit, das Internet und die Memes waren ja noch nicht erfunden. Ich erinnere mich an den Spruch „Und wenn ich mal einen Anfall von Arbeitswut habe, setze ich mich ganz ruhig in eine Ecke und warte, bis er vorbei ist“. Dazu die Zeichnung eines Affen, der in einer Ecke sitzt. Darüber hat man in den siebziger Jahren gelacht. Man nennt es Humor, aber es ist nur der vergebliche Versuch, dem grauen Elend des eigenen Lebens etwas bunte Farbe zu geben.

Wenn ich noch einmal den Satz „Das kann man ganz leicht selbst machen“ höre, kriegst du eine Dose Ochsenschwanzsuppe an den Kopf geknallt, Claudia!

Die Angeberei mit Fremdwörtern ist doch die eigentliche Raison d'être jeder Diskussion.

Sind solche kommunikativen Eitelkeiten nicht ein stummer Schrei nach Anerkennung, ein lautloser Ruf nach Respekt, ein nonverbales Zeichen der Sehnsucht nach persönlicher Bedeutung?

Die journalistische Halbwelt der doppelten Verneinung. Ein Trainer oder ein Politiker ist „nicht unumstritten“. Er ist also keinesfalls unumstritten, aber auch nicht so umstritten, dass er sich Sorgen um seinen Job machen muss.

„Ist es nicht Zeit? Sollten wir nicht alle? Herausforderungen. Gemeinsam! Die Zukunft liegt vor uns. Deswegen CDU.“ (TV-Werbung im September)

Sexuelle Belästigung ist brutal. Keine Frage. Aber jahrelange sexuelle Ignoranz durch den Rest der Welt ist auch nicht schön.

Ich werde nie mehr Paprikasoße ungarischer Art kaufen.

Leonardo Reyna war wie eines dieser Augenbrauenhaare, die fünf Zentimeter lang werden: Er war etwas Besonderes, aber niemand mochte ihn. (Beginn einer Kurzgeschichte)

Morgen lesen Sie: Marmelade, Honig und Nutella - Der Wichtelbacher Selfmade-Oligarch und charmante Best Ager Andy Bonetti gibt Einblicke in sein Privatleben.

G. Love & Special Sauce - Cold Beverage - YouTube



2 Kommentare:

  1. HUMOR ... so geht´s vielleicht
    und lässt das Leben in den Regenbogenfarben ... schillern !!! *YEAH*

    Was ist der Unterschied zwischen Stalin und Roosevelt?
    Roosevelt sammelt Witze, die Leute über ihn erzählen.
    Stalin sammelt Leute, die Witze über ihn erzählen.

    *LOL*

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  2. Auch gut war ein Donald Duck im Ingenieursmäntele ( weiß ), eine Kippe im Maul und eine Reißschiene ( Häää ??? ) unter dem Arm.
    Drüber :
    "Jeden Tag vergrößert sich zwangsläufig die Zahl derjenigen, die mich am Arsch lecken können."
    Der Kopierer war ja so ab den 80ern in allen Büros angekommen, und diese Blätter machten dann die Runde.

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