Donnerstag, 3. Juni 2021

Der Tod kommt auf Bestellung


Claudius Rothfuchs stand vor den rauchenden Trümmern seines Fuhrparks und konnte es nicht fassen. Zwanzig Lieferwagen waren in Brand gesetzt worden. Bis die Feuerwehr das Gewerbegebiet von Lüdenscheid erreicht hatte, war alles längst zu spät gewesen. Immerhin hatten die Flammen nicht auf die Halle mit den Paketen übergegriffen.

„Weiß man schon etwas über die Täter?“ fragte Rothfuchs den Kommissar, der neben ihm stand.

„Heute Morgen wurde auf Indymedia ein Bekennerschreiben der Terrororganisation Leuchtender Postpfad, Kommando Clara Zetkin veröffentlicht.“

„Tun Sie mir einen Gefallen. Kriegen Sie die Schweine.“

„Der Verfassungsschutz ist bereits informiert. Das sind Profis. Sie haben sich schon an die Arbeit gemacht.“

Rothfuchs fragte sich, warum man URPS angegriffen hatte. Im Gegensatz zu Amazon und der Konkurrenz von LHD und Hummus zahlte sein Unternehmen den Tariflohn und stellte die Fahrzeugflotte gerade auf E-Lieferwagen um.

In den folgenden Nächten brannten die URPS-Fuhrparks in Meppen und in Fulda. Ein Liebespaar hatte kurz vor dem Brand einen LHD-Wagen in der Nähe des Tatorts in Meppen gesehen. Die Überwachungskameras in Fulda zeigten auf einem Fahrzeug das Logo von Hummus.

So begannen die Lieferkriege, die von 2023 bis 2025 dauerten. Bald gab es die ersten Toten, weil alle Beteiligten dieses Lieferantenkrieges Söldner einsetzten. Rothfuchs nahm Kontakt zur Russenmafia auf. Sie beschützten seine Hallen und Fahrzeuge, unternahmen Operationen zur Zerstörung der Feindbasen und statteten die Fahrer mit automatischen Waffen aus.

Im Gegenzug transportierte URPS auch Kokain und Heroin für die Mafia. Inzwischen bekomme ich mein Koks per Lieferservice. Bestellen Sie bei Amazon einfach eine Kiste kolumbianischen Weißwein der Marke Don Pablo Extra. Der Preis für eine Kiste entspricht dem Preis für ein Gramm Kokain.

P.S.: 2001 schrieb ich ein Gutachten über den zukünftigen Einfluss des Online-Handels auf die deutschen Innenstädte. Ich sollte Daten und Einschätzungen zusammentragen und natürlich auch meinen eigenen Senf dazugeben. Als Landei, das mit dem Neckermann- und dem Quelle-Katalog aufgewachsen war, sah ich im Online-Handel eine glänzende Zukunft. Schließlich spart man eine Menge Zeit und Nerven, wenn man sich nicht durch die Fußgängerzonen und Einkaufszentren quälen muss. Dabei fiel mir ein kleines Unternehmen namens Amazon auf, bei dem man Bücher online bestellen konnte. Ich lese gerne und habe früher schon eine Menge Bücher bei Zweitausendeins in Frankfurt bestellt. Damals kostete eine Aktie zehn Dollar und ich beschloss, mir hundert Stück zu kaufen. Kein großes Geld. Wenn es mit dieser Investition schief ging, war der Verlust nicht groß. Inzwischen ist die Aktie 3248 Dollar wert. Und jetzt raten Sie mal, wann ich meine Amazon-Aktien verkauft habe?

Rush - Closer To The Heart (Official Music Video) - YouTube



4 Kommentare:

  1. GELD GELD GELD ... ESKIMOS und VOGELFUTTER

    (meine Überschriften haben aber mit dem Kontext zutun ;)

    Zwei Vertreter prahlen in der Kneipe:
    “Ich verkaufe schon seit zehn Jahren Kühlschränke an Eskimos!“
    “Na und?
    Ich verkaufe seit zwanzig Jahren Kuckucksuhren an Amerikaner!“
    “Und???
    Das kann doch jeder!“
    “Na ja, ich verkaufe pro Uhr noch zwei Säcke Vogelfutter dazu...“

    *hehe*

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  2. Ich habe 2013 zehn Bitcoin fürs Stück um 90 $ gekauft. Bis letzte Woche hatte ich keinen Zugang mehr zum Wallet. Die Überraschung war groß.

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  3. "Und jetzt raten Sie mal, wann ich meine Amazon-Aktien verkauft habe?"

    Dezember 2001?

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    1. Ganz so schlimm war es nicht. 2008 im Bankencrash. Seitdem bin ich clean ;o)

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