Samstag, 1. Mai 2021

Die Großstadt-Gärtner

 

Urban Gardening: die linksalternative Variante des Schrebergartens.

Hier finden wir die Deutschtümelei in der zeitgenössischen Variante.

Zehn Menschen kümmern sich um hundert Quadratmeter Kräuter- und Gemüsebeet.

Es gibt einen schriftlichen Gießplan. Um Pünktlichkeit wird gebeten.

Es finden regelmäßige Treffen statt, um die ökologisch korrekte Bewirtschaftung dieser gewaltigen Fläche zu diskutieren. Es gibt ein Protokoll.

Eine Internet-Seite. Selfies mit der ersten eigenen Möhre, Aquarelle von Auberginen.

Geordnete Natur. Nützliche Pflanzen. Wildwuchs wird nicht gerne gesehen.

Schnecken und Kaninchen müssen draußen bleiben.

Das Kollektiv der Gärtner hat einen Namen: die rote Flora.

So machen wir die Welt ein klein wenig besser.

Ein winziges bisschen.

Eigentlich gar nicht.

Chinesische Gießkannen aus Plastik, Spaten aus Kruppstahl, Dünger aus Italien, Latzhosen aus Bangladesch.

Hase aus dem 19. Jahrhundert.

2 Kommentare:

  1. Den hatte Dürer noch fotografiert.

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  2. Die Welt besser machen?
    Ich habe als Kind schon gerne Fliegen gefangen, und ihnen dann auf einer Seite die Flügel oder die Beine entfernt, um mich an dem erratischen Rumgehopse zu erfreuen.
    Man kann auch hervorragend Stecknadeln lang oder quer durchführen, anschließend kann man Bestenlisten erstellen, welche mit wieviel Zuladung wie lange durchhält.
    Als ich erwachsen wurde hatte leider selbst Pol Pot schon den Betrieb eingestellt. Zuerst wollte ich Chirurg werden, aber immer nur einen leiden zu lassen, war mir zu fad.
    So wurde ich Investmentbanker. Der geilste Scheiss, in den 80er Belegschaften ins Elend gestürzt, in den 90er ganze Staaten, in den Nullern die Häuslebauer abgezockt, dann die Klein-Aktionäre.
    Im Moment schnüren wir echt planetenrettende, nachhaltige, ökologisch korrekte Fonds.
    Pro Tip für FFF: Kapitalismus ist immer grün, einfach das Portfolio in Dollar führen lassen.

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