Freitag, 16. April 2021

Confessions of a contract writer

 

Es klingelt an der Haustür der Villa Bonetti. Der berühmte Autor öffnet persönlich die Tür. Vor ihm steht ein DHL-Bote. Nichts Ungewöhnliches. Allerdings ist es drei Uhr nachts.

„Hoch droben“, sagt der Bote.

„Überm Himmelsbogen“, setzt Bonetti fort.

„Dort sah ich“, erwidert der Bote.

„Die Mikroben toben“.

Der Bote übergibt ein Paket und geht.

Bonetti setzt sich mit dem Paket ins Wohnzimmer und öffnet es. Es ist ein Buch. Er klappt es auf und findet ein kleines Tonbandgerät. Er drückt auf Start.

„Es geht um einen Kandidaten, der extrem unbeliebt ist. Wir brauchen ein Manuskript, das ihn richtig gut aussehen lässt. Falls Sie diesen Auftrag annehmen, erwarten wir eine Zusage innerhalb von 24 Stunden und das fertige Buch in vier Wochen. Als Honorar erhalten Sie eine Million Euro in Form von Spenden diverser
Unternehmen. Sollte Ihnen oder einem Ihrer Leute etwas zustoßen, kennen wir uns nicht und die CDU wird den Kontrakt leugnen. Dieses Band zerstört sich in dreißig Sekunden.“



Nachdem die Flammen gelöscht sind, macht Bonetti eine Liste. Was spricht für den Kanzlerkandidaten, was gegen ihn? Mit welcher Begründung würde man Laschet wählen? Er ist eine Nervensäge, redet ständig um den heißen Brei herum, hat keinerlei Talent, ist ein humorloser Karnevalist und sein Sohn ist in krumme Geschäfte verwickelt. Gibt es ein Sachthema, von dem dieser Mann Ahnung hat? Nein. Er ist ein farbloser Langweiler, dessen Gesicht man sofort wieder vergisst.

Trotzdem nimmt Bonetti den Auftrag an. Laschet ein positives Image verpassen? Mission impossible. Das ist genau sein Ding. Er hat damals auch Dieter Bohlen ins Fernsehen gebracht und Ex-Minister Krause ins Dschungelcamp. In den folgenden Wochen entstehen die zentralen Kapitel „Auf dem Daten-Highway ist die Hölle los“ und „Vier Fäuste gegen Covid-19“, die bei den wichtigen Themen Digitalisierung und Pandemie die Kompetenz des Kanzlerkandidaten suggerieren sollen. Bonetti ist sich ganz sicher: Er wird aus der Aachener Kegelrobbe ein Zugpferd machen.

The Supermen Lovers (feat. Mani Hoffman) · Starlight (Official Video) - YouTube


Andy Bonetti: I want YOU for Armin. Softcover, 111 S., 9,90 €. Ab Juni im Handel. Die Cover-Farben geben Ihnen einen Hinweis auf die kommende Koalition.

P.S.: Diesen Text schrieb ich am Montagmorgen. Ich war zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass sich die CDU für ihren neuen Parteivorsitzenden Laschet als Kanzlerkandidaten entscheidet. Daher wollte ich mit der Veröffentlichung warten, bis die K-Frage endgültig geklärt ist. Inzwischen hat sich das Blatt aber zugunsten des Alpen-Caudillo Söder gewendet. Also bringe ich den Text heute, bevor er endgültig Makulatur wird.

Kommentare:

  1. Sie müssen erst den Söder durch den Laschet zeih
    und mit der kleinen Merkel ganz nach oben drehn
    dann erscheint sofort ein Spahn
    und drücken sie dann drauf
    und schon nimmt das Drama seinen Lauf... ;)))

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    1. Sehr gut! Damit kommst du in die Charts :o)

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    2. Das las ich jetzt schon ein paarmal auf FB. Wer das wohl erfunden hat?

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  2. "...bis die K-Frage endgültig geklärt ist."

    *verwirrtguck* Ich dachte, das machst Du?

    Bonetti, der Kanzlermacher. C'mon, drunter ist doch "scratch with the chicken".
    Wag the dog!

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    1. Ursprünglich wollte ich es sogar selbst machen, aber ich drehe ab September "Promis unter Palmen" und danach geht's direkt ins Dschungelcamp.

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  3. und danach geht's direkt ins Dschungelcamp.
    Was ist denn das? Läuft es nicht mehr so gut für Bonetti? Eben noch Eigentümer von 50.000 Wohnungen und jetzt muss er ins Dschungelcamp? Konnte er seinen Konkurrenten Jehova nicht ausschalten?
    Ich bin besorgt!

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    1. Möglicherweis war das mit den 50.000 Wohnungen etwas übertrieben.

      Jehova kommt übrigens auch ins nächste Dschungelcamp. Und Dorothee Bär. Aber gegen Friedrich Merz wird es schwer. Der würde sogar Scheiße fressen, wenn er nur einmal gewinnen könnte.

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    2. Und wie sieht es dann mit der Anschlussverwendung von Bonetti aus?
      Wird er dann mit Lisa Fitz auf Tour gehen müssen, Heiko Schrang Interviews geben und bei Jebsens Arche um Asyl betteln müssen, den ZG Blog inkl. Kommentare lesen müssen?
      Huch, ist das alles aufregend! Jetzt lassen Sie sich doch nicht alles aus der Nase ziehen!

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    3. Wenn ich das alles jetzt schon verrate, liest ja keiner mehr meine Blogposts. Abonnenten von Kiezschreiber+ sind aber grundsätzlich besser informiert ;o)

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  4. Der Merz hat gejammert: Drei Prozent weniger für die Schwarzen und drei Prozent mehr für die Grünen und die Messe ist gelesen.
    Der Meister schreibt doch auf Vorrat, warum nicht mal über die geile grüne Maus mit den Pausbacken ?

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    1. Dazu müsste ich mich erstmal mit der Frau beschäftigen. Dazu fehlt mir augenblicklich die Motivation. Über den "klimagerechten Wohlstand" habe ich mich ja neulich schon aufgeregt.

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  5. Für die Interpretation an unserer Schule werden noch 20 Reclamheftchen dazu benötigt. Gibt es da schon etwas?

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