Sonntag, 21. Februar 2021

Aufstieg und Fall von Fatty Arbuckle, dem Erfinder der Tortenschlacht

 

Roscoe “Fatty” Arbuckle war 1921, vor genau einhundert Jahren, auf der Höhe seines Ruhms. Er war der erste Schauspieler der Welt, der mehr als eine Million Dollar im Jahr verdiente. Aber sein Skandal gab Hollywood den Ruf eines Sündenpfuhls, den es bis heute nicht mehr losgeworden ist.



Fatty wurde 1887 in Kansas geboren und hatte acht Geschwister. Seine Mutter starb früh und mit elf Jahren musste er bereits als Laufbursche in einem Hotel arbeiten. Er sang bei der Arbeit und wurde von einem Profi-Sänger entdeckt, der ihm einen Auftritt in einer Talentshow vermittelte. Fatty fiel vor Aufregung in den Orchestergraben, das Publikum tobte und so begann seine Karriere am Vaudeville, den Kleinkunstbühnen in Amerika. Ab 1904 ging er mit einer Theatergruppe auf Tournee und wurde bald der Star des Ensembles.

1908 heiratete er und tourte durch China und Japan. 1909 begann er seine Filmkarriere bei der Selig Polyscope Company, die 1896 von dem Magier William Selig gegründet worden war. In dieser Zeit versuchte der berühmte Tenor Enrico Caruso, ihn zu einer Ausbildung als Opernsänger zu bewegen, weil er von Fattys Stimme begeistert war. Aber Arbuckle blieb dem Stummfilm treu.

1913 gab es die erste Tortenschlacht der Filmgeschichte in „A Noise from the Deep“. Arbuckles Erfindung ist bis heute ein fester Bestandteil der Komödie. Ein Jahr später ging er zu Paramount Pictures und verdiente tausend Dollar am Tag plus 25 Prozent der Einnahmen an den Kinokassen. 1918 bekam er einen Drei-Jahres-Vertrag über drei Millionen Dollar, das entspricht etwa 50 Millionen Euro. Fatty war jetzt ein Star. Er förderte den Briten Charlie Chaplin und entdeckte Buster Keaton und Bop Hope. Er hasste allerdings seinen Künstlernamen. Manche Fans nannten ihn auch „King of Whales“.

Und dann kam der Skandal. Am 5. September 1921 nahm er sich mit zwei Freunden aus dem Filmgeschäft drei Hotelzimmer in San Francisco. Sie luden ein paar Freundinnen ein und machten Party. Während dieser Feier erkrankte die Schauspielerin Virginia Rappe und ein Arzt wurde gerufen. Er stellte lediglich einen starken Alkoholrausch fest, doch sie starb drei Tage später an einer Bauchfellentzündung infolge eines Blasenrisses. Eine der anwesenden Frauen beschuldigte Arbuckle, sie vergewaltigt zu haben. Er soll sie durch sein Körpergewicht erdrückt haben. Bei der anschließenden Autopsie konnten jedoch keine Anzeichen einer Vergewaltigung festgestellt werden. Zudem litt Virginia Rappe an chronischer Blasenentzündung. Fatty stritt die Tat vehement ab.


Das Hotelzimmer nach der Party.

Es gab insgesamt drei Prozesse, am Ende wurde Arbuckle freigesprochen. Aber die Presse hat ihn längst zum Sündenbock gemacht, er war das Symbol der verfallenden Sitten in Hollywood. Fattys Ruf war zerstört und seine Karriere zu Ende. Moralapostel im ganzen Land hatten die Todesstrafe für ihn gefordert und die Studiobosse forderten seine Kollegen auf, sich von ihm zu distanzieren. Arbuckle wurde heroin- und alkoholsüchtig. 1931 gelang ihm noch ein kurzes Comeback. Am 29. Juni 1933, kurz nach dem Ende der Dreharbeiten an seinem letzten Film, starb Roscoe „Fatty“ Arbuckle an Herzversagen. Seine Asche wurde in den Pazifik gestreut.

Einige von Fattys Gags wurden später von Chaplin, Keaton und anderen übernommen: Best of Roscoe "Fatty" Arbuckle silent comedy - YouTube

4 Kommentare:

  1. Schöner Clip, den Du da verlinkt hast.

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  2. Dank diesem Blogartikel kenne ich nun auch Fatty. Wirklich ein begabter, herausragender Komiker/Schauspieler. Danke.

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  3. In der deutschen Synchronfassung der Väter der Klamotte existierte eine Figur namens Fetti Arschbacke. Eine Anleihe vermutlich.

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