Donnerstag, 19. November 2020

Warum die Berliner Mieten unbezahlbar geworden sind


Antwort: George W. Bush.

An dieser Stelle könnte der Text enden, aber ich mache es trotzdem etwas ausführlicher. Im Herbst 2008 gerieten einige US-Banken in Schieflage, die von der Bush-Regierung gerettet werden mussten. Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac. Lustige Namen. Lehman Brothers klang nicht so lustig und Bush beschloss, nicht noch eine Bank zu retten.

Die Folge war ein Finanz-Tsunami, der uns bis heute beschäftigt. Unter anderem gingen die Zinsen auf null Prozent. Das heißt konkret: Für Anlagen in Staatsanleihen bekommt man kein Geld. Also hat sich das Geld einen neuen Weg zur Rendite gesucht. Betongold. London, New York und Tokio waren schnell mit den neuen Anlagemilliarden geflutet. Danach drehte sich Saurons Auge und sein Blick fiel auf Berlin, das im Vergleich immer noch recht günstig war. Dann ist das Geld wie eine Atombombe in der Stadt eingeschlagen.

Ein konkretes Beispiel. Das Haus, in dem ich in Berlin wohne, wurde nach dem Krieg in Ein-Zimmer-Wohnungen zerlegt, um möglichst vielen Menschen Wohnraum zu geben. Alle Wohnungen im Vorderhaus haben 45 Quadratmeter Wohnfläche, im Hinterhaus sind es dreißig Quadratmeter. Vor der Finanz- und Bankenkrise 2008/2009 kostete eine Wohnung im Vorderhaus etwa 60.000 Euro. Man musste 20.000 Euro Eigenkapital haben, den Rest finanzierte man über die Bank.

Ständig werden in unserem Haus Wohnungen verkauft und gekauft. Über den Flurfunk bekomme ich die gezahlten Summen mit. Im Sommer ist eine Wohnung für 360.000 Euro verkauft worden. Seit der Krise hat sich der Preis also versechsfacht. Das sind 500 Prozent plus, wenn ich mich nicht irre. Soviel Gewinn hat der Dax in der gleichen Zeit nicht geschafft. Die Preise am Immobilienmarkt sind regelrecht explodiert und daher zieht dieser Markt immer weiter neues Geld an. Die Investoren verdienen gleichzeitig durch Wertsteigerung und Vermietung.

Die Verlierer sind die Mieter. Auf ihrem Rücken findet eine beispiellose internationale Renditeschlacht, ein regelrechtes Profitinferno statt. Das Haus gegenüber gehört einer britischen Investmentgesellschaft. Sie konnte es sich leisten, die Gewerbefläche im Erdgeschoss jahrelang leer stehen zu lassen. Wenn sie eines Tages das Mietshaus verkauft, hat sie die Mörderkohle gemacht. Ich bin froh, dass ich mich damals für eine sichere, wenn auch eine äußerst bescheidene Bleibe entschieden habe. Ansonsten hätte mir das Job-Center ab 2005 die Ersparnisse angerechnet und mir kein Geld bezahlt. Es ist schon verrückt: Heute könnte ich mir meine eigene Wohnung gar nicht mehr leisten. Weder als Käufer noch als Mieter.

P.S.: Fragen Sie mich doch mal nach meinem Bausparvertrag. Zwinkersmiley.

The Cure – Closedown. https://www.youtube.com/watch?v=IJFvSj6SYFY


Bonettis Hauptquartier, aus steuerlichen Gründen in Luxemburg gebaut.

4 Kommentare:

  1. Die Philosophie ist das Mikroskop des Gedankens.

    Victor Hugo

    zum heutigen Welttag der Philosophie 2020
    19. November 2020 in der Welt

    Zudem heute - auch noch - im Angebot am 19 Do :

    Internationaler Männertag
    Welttoilettentag
    Tag der Suppe

    *weissteBESCHEIDundmitdrölfhundertToilettenpapierROLLENwinkewunkt...hehe*

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    1. Welttoilettentag finde ich gut. Habe gerade nochmal eine Euro-Palette Klopapier bestellt. Winter is coming.

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  2. Schreit es hier, schreit es laut: Ich habe mir ein Haus gebaut!

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